^pEWYÖRKBOTANl^^^ UNTERSUCHUNGEN AUS DEM BOTANISCHEN INSTITUT ZU TÜBINGEN HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D^ W. PFEFFER. ZWEITER BAND. MIT SECHS LITHOGEAPHIETEN TAFELN. JJBRARY NSW YORK .^-•TANICAL >» » » « LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1886—1888. " :3RARY .?W YORK ^''ANICAL, Inhaltsverzeichniss des zweiten Bandes. Heft I. (1886.) Seite I. G. Schröder, Über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen 1 II. O. Warburg, Über die Bedeutung der organischen Säuren für den Lebens- process der Pflanzen (speciell der sog. Fettpflanzen) 53 III. J. JBrunchorst, Über "Wurzelanschwellungen von Alnus und den Elaeag- naceen. (Mit Tafel I.) 151 Heft II. (1886.) IV. W. Pfeffer, Über Aufnahme von Anilinfarben in lebende Zellen. (Mit Tafel II.) 179 V. Georg Klebs, Über die Organisation der Gallerte bei einigen Algen und Flagellaten. (Mit Tafel III und IV.) 333 Heft III. (1888.) VI. Stefan Jentys, Über den Einfluss hoher Sau erstofi"pr essungen auf das Wachsthum der Pflanzen 419 VII. Ca7-l Hassak, ülaer das Verhältnis von Pflanzen zu Bicarbonaten und über Kalkincru Station 465 Vin. Sändor Dietz, Beiträge zur Kenntniss der Substratrichtung der Pflanzen 478 IX. Georg Klebs, Beiträge zur Physiologie der Pflanzenzelle. (Mit Tafel V und VI.) 489 X. Douglas H. Campbell, The staining of living Nucley 569 XL W. Pfeffer, Über chemotaktische Bewegungen von Bakterien, Flagellaten und Voivocineen 582 5 Druckfehler. Seite 325 Zeile 4 von unten lies: Methylblau statt Methylenblau. I. über die Austrocknimgsfähigkeit der Pflanzen. Von G. Schröder. Wird einer frischen lebenden Pflanze oder einem Pflanzentheil auf irgend eine Weise in hinreichendem Maße Wasser entzogen, so verlieren, wie bekannt, die die Pflanze aufbauenden Zellen ihre Turgescenz, ein Vor- gang, der sich vielfach schon äußerlich durch Welkwerden zu erkennen giebt. Lässt man die Wasserentziehung noch weiter schreiten, so wird die Lebensthätigkeit der Zellen und somit das Leben der ganzen Pflanze sistirt und dieser Zustand endigt schließlich mit dem Tode der Pflanze, falls die- selbe ein Austrocknen zu ertragen nicht befähigt ist. Besitzt aber eine Pflanze diese Fähigkeit, so nimmt sie ihre Lebensfunktionen neu auf, so- bald sie das für diese unentbehrliche Quantum Wasser wieder zugeführt bekommt. Da nun in der Natur viele Pflanzen einen oft weitgehenden Wasser- verlust zu erfahren haben, so finden wir dem entsprechend neben man- nigfachen Anpassungserscheinungen , die dahin zielen , die Wasserver- dunstung herabzusetzen oder die Wasserzufuhr zu begünstigen , auch bei vielen Pflanzen die Fähigkeit ausgebildet, vollkommene Lufttrockenheit, ja .sogar eine noch weitergehende Austrocknung, wie sie z. B. durch längeren Aufenthalt im Exsikkator über Schwefelsäure erreicht wird , ohne wesent- liche Schädigung überstehen zu können. Diese Eigenschaft kommt sowohl einzelnen Pflanzentheilen als auch manchen ganzen Pflanzenkörpern zu. Naturgemäß wird man derartige Pflanzen auf trockenem Boden, auf Felsen, Mauern, in stagnirenden Gewässern, in Regenrinnen und ähnlichen Standorten , die besonders im Sommer häufig einer vollständigen Wasser- verdunstung unterliegen, zu suchen haben. Von Organismen, welche wie Hefezellen und Bakterien im Staub durch die Luft sich verbreiten , w ird Untersuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. II. 1 2 G. Schröder. man ebenfalls a priori annehmen können, dass ihnen die Trockenheit nicht schadet. Andere Pflanzen, deren Bau ein Austrocknen nicht gestattet, produ- ciren Gebilde wie Samen, Sporen etc., welche, der Austrocknungsfähigkeit angepasst, zur Erhaltung ihrer Slammart dienen. In der Litteratur finden wir nun zwar über die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Austrocknen manche Beobachtungen angeführt , die bei Gelegenheit anderer Forschungen gemacht sind, doch an einer umfassenden zusammenhängenden Untersuchung über diesen Gegenstand fehlt es noch. Daher schien es lohnend zu sein, eine unsere Erfahrungen nach dieser Richtung hin erweiternde Arbeit zu unternehmen. Ich habe versucht, eine solche zu liefern, und stelle nun die Resultate derselben in Folgendem zu- sammen. Bei der Ausführung vorliegender Untersuchungen habe ich hauptsäch- lich zwei verschiedene Grade der Austrocknung in Betracht gezogen. Ein- mal ließ ich die Versuchsobjekte oft'en an der Luft im Zimmer bei 1 5 bis 20° vor direktem Sonnenlicht geschützt trocken werden , bis sie keinen wesentlichen Gewichtsverlust innerhalb einiger Tage bemerken ließen. Die Luft hatte in diesen Räumen einen relativen Feuchtigkeitsgehalt zu- meist von 50 bis 65 % . Einen höheren Grad der Austrocknung erreichte ich, indem ich bereits lufttrockne Pflanzen längere Zeit in dichtschließenden Exsikkatoren über konzentrirter Schwefelsäure aufbewahrte, ebenfalls so lange, bis das Ge- wicht annähernd konstant geworden war. Wir werden den erstgenannten Grad der Austrocknung Lufttrocken- heit, letzteren aber der Einfachheit halber Schwefelsäure-Trockenheit zu nennen haben. Diese ist jedoch, wie wohl zu beachten, nicht mit absoluter Trockenheit identisch, da die Pflanzen, so lange sie lebend bleiben, nie ihren gesammten Wassergehalt an Schwefelsäure abgeben. Bei der Beschickung der Exsikkatoren ist darauf zu achten , dass die Versuchsobjekte so plazirt werden , dass keine Bröckchen davon in die Schwefelsäure fallen und darin zur Entwicklung kleiner Mengen schwef- liger Säure Veranlassung geben können. Ich legte besonders kleine Pflan- zen in Uhrgläser oder gefaltete Papierkästen. Durch Staut) , der in die Schwefelsäure gelangt, ist, wie ich mich überzeugt habe, keine irgendwie in Betracht kommende Bildung von schwefliger Säure zu fürchten. Eine Wasserentziehung durch Plasmolyse oder durch Kältewirkung habe ich in dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Phanerogamen und Gefäfskiyptogameu. Die Pflanzenkörper der Phanerogamen sowie die der Gefäßkryptogamen werden bekanntlich durch Austrocknen getödtet. Eine Ausnahme machen über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 3 nach Alex. Braun i) einige Isoetesarten : Isoetes Hystrix , I. Duriaei, I. ad- spersa, I. velala und I. setacea , die auf Sandhügeln Algeriens vorkommen, an Standorten, welche während des längsten Theils des Jahres der größten Dürre ausgesetzt sind und nur zur Zeit der Regenperiode feucht werden. Alex. Braun führt ein Beispiel an, dass er Isoetes setacea nach zweijähriger Aufbewahrung im Herbar wieder zum Leben bringen konnte, und giebt an, dass nachDurieu die trocken aufbewahrten Knollen der Isoetes Hystrix und Duriaei noch nach fünf bis sechs Jahren lebensfähig sein sollen. Zugleich macht er darauf aufmerksam , dass genannte Isoetesarten reichlich fettes Öl als Reservematerial führen , während in unserer stets im Wasser leben- den Isoetes lacustris viel Stärke neben wenig fettem Öl sich findet. Nähere und kritische Untersuchungen hierüber fehlen noch. Einen sehr weitgehenden Wasserverlust vermögen auch viele an trock- nen Standorten wachsende Phanerogamen wie die meisten Crassulaceen, Opuntien etc. auszuhalten. Solche Pflanzen sind meist auch durch ihren Bau ausgezeichnet. Ich kann hier nicht näher auf die Eigenthümlichkeiten desselben eingehen, bemerke nur, dass diese Gewächse, wie bekannt, vor sehr raschem Welken geschützt sind durch die im Vergleich zu ihrer Kör- permasse geringe Oberfläche, ferner dadurch, dass nur wenige und enge Spaltöffnungen vorhanden sind , dass die lebendigen Zellen ihren Wasser- gehalt besonders hartnäckig festhalten u. s. w. Dass aber der bedeutendste Widerstand gegen dieWasserverdunslung in erster Linie auf Rechnung der für diesen Zweck besonders passend entwickelten Cuticula zu schreiben ist, geht aus von Nägeli, Just und anderen 2) angestellten Untersuchungen hervor und zeigen auch folgende von mir vorgenommene Versuche : Möglichst gleichartige , 3 bis 4 cm lange, in höchster Turgescenz be- findliche Sprosse von Opuntia corrugata wurden genau gewogen und einer derselben direkt, zwei andere, nachdem von ihnen durch vorsichtiges Schä- len die. Cuticula entfernt war, in einen Exsikkator gebracht. Ein vierter Spross wurde 24 Stunden lang der Einwirkung von Chloroformdämpfen ausgesetzt und dann erst nach völliger Tödlung über Schwefelsäure ge- stellt. Zwei andere wurden ebenso behandelt, doch wurde diesen zuvor durch zweitägiges Liegen an der Luft Zeit zur Vernarbung der ihnen durch das Abschneiden beigebrachten Wunden gegeben. Nachdem die einzelnen Sprosse je sieben Tage im Exsikkator gestan- den, zeigten sich folgende Gewichtsverluste in Prozenten, bezogen auf das Gewicht der frischen turgescenten Sprosse : 1) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. 1850. p. 213 Anmerkung. 2) Die Arbeiten derselben finden sich zitirt in Pfeffer, Pflanzenphysioiogie. 1881. I. Bd. p. 142 und 143. 1* 5,0 %' 93,9 %' 95,4 %■ 76,2 %' 51,5 %• 51,5 %■ 4 G. Schröder. Frischer lebender Spross, Schnittfläche klein, unvernarbt: Geschälte frisclie Sprosse : und Durch Chloroform getödteter Spross mit unvernarbter Schnittfläche: Mit vernarbter Schnittfläche: und Ich bemerke hierzu, dass bei derTödtung durch Chloroform die Sprosse zusammenschrumpfen und durch die Schnittfläche und durch die Spalt- öffnungen Saft in Tropfen auspressen. Ich ließ diesen in tarirte Uhrgläs- chen fließen und mit den Opuntien zusammentrocknen und brachte den Rückstand bei Feststellung obiger Zahlen mit in Rechnung. Ein derartiges Verhalten der Opuntiasprosse beschleunigt natürlich bedeutend die Wasserverdunstung, trotzdem zeigten die durch Chloroform getödteten Sprosse mit vernarbter Schnittfläche einen nur etwa halb so großen Wasserverlust in derselben Zeit wie die geschälten , die ihren ge- sammten Feuchtigkeitsgehalt, der in anderen Proben auf 94,9^ bestimmt wurde, verloren. Selbst nach 14 Tagen hatten Erstere nur 84 X ihres Frischgewichts eingebüßt. Andere gleichalte lebende Opuntiasprosse zeigten nach länger ausge- dehntem Aufenthalt im Exsikkator folgende Gewichtsverhältnisse : Wasserverlust in Prozenten bei einem Gewicht des turgescenten Aufenthalt im Exsikkator Sprosses. von 2 Monaten, von 4 Monaten. 1,6173 g ■ 45, OX 64, 9^ 1,9023 » 31,8^ 54,8^ 0,7203 » 34, 4X 48, 0^. Wenn man nun berücksichtigt, dass diese Sprosse durch einen der- artigen Wasserverlust noch keineswegs getödtet werden (höchstens ge- schieht es durch die lange Dauer der Trockenheit) und dass ferner, wenn dieselben nicht abgeschnitten werden, sondern im Zusammenhang mit den übrigen Theilen der Pflanze bleiben, die lebensfähigeren Theile den älteren noch Wasser und andere Nährstoff"e entreißen, so wird man es begreiflich finden, dass diese Pflanzen in der Natur selbst durch sehr intensive Dürre nicht vernichtet werden. Bei manchen Crassulaceen ist diese Widerstandsfähigkeit nicht in so hohem Grade ausgebildet, sie verlieren ihre Feuchtigkeit schneller, immer- hin aber doch noch weit langsamer als dünnblättrige Pflanzen. Dafür ver- mögen sie aber eine sehr weit gehende Wasserentziehung ohne Gefahr für ihr Leben auszuhalten. Von gleichartigen Exemplaren des Sedum elegans, die durch mehr- tägigen Aufenthalt unter einer feuchten Glasglocke in höchste Turgescenz versetzt waren , wurden von mir etwa 1 cm lange Endsprosse mit acht bis über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 5 zwölf Blätteben abgeschnitten und, nachdem sie mit Sorgfalt gewogen waren, im Exsikkator verschieden lange Zeit getrocknet. Dann wurden sie wieder befeuchtet und mit dem unteren Theil in Wasser tauchend unter der Glasglocke stehen gelassen bei Vermeidung direkten Sonnenlichtes, bis sie erneutes Wachsthum erkennen ließen oder aber verfaulten. Es stellte sich heraus, dass Sprosse, die 42,1 resp. 46,9 — 53,4 — 59,4 — 63,4 — 66,2 und 71,1^ ihres Frischgewichtes durch das Trocknen verloren hatten, völlig lebend geblieben waren und nach wenigen Tagen deutlich heliotropische Krümmungen zeigten. Sprosse, die 75 resp. 75,3^ ver- dunstet und dabei ein ganz zusammengeschrumpftes und vertrocknetes Aus- sehen angenommen hatten, gebrauchten lange Zeit, um ihr Wachsthum wieder aufzunehmen, doch war nur das unterste Stückchen des Stengels abgestorben. Wurde die Feuchtigkeitsentziehung noch weiter getrieben, z. B. auf 79,6 oder 79,8^, so wurde das Sedum nach dem Befeuchten braun und verschimmelte. Der Wassergehalt der frischen Sprosse machte 83,6^ ihres Gewichtes aus. Demnach ist ein Verlust von 89,1 oder 90,0^' des Wassergehaltes un- schädlich, einer von 95,2 oder 95,4^ aber tödtlich. Bei Anstellung von solchen Versuchen darf man, um in allen Theilen eine thunlichst gleichmäßige Verdunstung zu erzielen, nur möglichst kleine, d. h. kurz abgeschnittene Sprosse verwenden. Längere würden in den jüngeren Theilen weiter wachsen, selbst Wurzel treiben, während die äl- teren absterben würden, besonders, wenn man die Objekte nicht im Exsik- kator, sondern an der Luft liegen lässt. Beim Wiederbefeuchten ist es vor- theilhaft, um die Aufnahme von Wasser zu erleichtern , die an der Schnitt- fläche gebildete Korkschicht durch Abschneiden zu entfernen. Blätter von Echeveria secunda mit einem Wassergehalt von 94,4^, auf dieselbe Weise getrocknet und wieder befeuchtet wie die Sedumsprosse, blieben bei einem Verlust von 75,7^, = 80,0^ des Wassergehaltes, lebend; beiVerlust von 78,3^, = 82,8^ des Wassergehaltes, aber starben sie ab. Einige Beispiele von Lebenszähigkeit der Crassulaceen und Cacteen führt DE Candolle 1) an. Ein Exemplar eines Sempervivum caespitosum entwickelte, nachdem es 18 Monate in der Sammlung gelegen, doch noch an der äußersten Spitze seines Stengels eine kleine Knospe. Ferner giebt er an , dass Saussure einen Cactus Opuntia Linn. 1 4 Monate lang in einem Schranke aufbewahrt habe, wobei die Pflanze, obgleich sie die Hälfte ihres Vegetationswassers verloren, dennoch Wurzel und Stengel getrieben habe, und dass sie nach dem Einpflanzen in Erde wieder angewachsen sei. Krautige Pflanzen sind dem Austrocknen nicht so angepasst wie Cras- 1 ) Pflanzen-Physiologie , übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Johannes RÖPER. 1835. II. Bd. p. 872. 6 G. Schröder. sulaceen und Cacteen ; abgeschnitten welken sie besonders in den jüngeren und zarteren Tlieilen außerordentlich schnell und eine geringere Abnahme des Wassergehalts macht sie absterben. Nach DutrochetI) nahm eine Mer- curialis annua, die 15^ Gewichtsverlust durch Welken erfahren hatte, durch Eintauchen in Wasser ihren Turgescenz-Zustand wieder an. Bei Abnahme von 36^ wurde ein Exemplar nur in den unteren Theilen wieder straff; doch selbst bei 46^ Verlust nahm die Pflanze ihr früheres Gewicht wieder an, wenn sie mit dem unteren Ende in Wasser tauchte und durch wassergesättigte Luft die Verdunstung eingeschränkt wurde. Ein Verlust von 61 — 72 ^wirkte tödtlich. Nimmt man statt der ganzen Pflanzen nur kleine, in ihrer Masse mög- lichst gleichartige Theile derselben, so gelingt es, die Grenze, bis zu wel- cher die Wasserentziehung ohne Schädigung getrieben werden kann, etwas genauer zu bestimmen. Ich schnitt zu diesem Zwecke von in höchster Turgescenz befindlichen Exemplaren der Asperula odorata die Endspitzen mit noch einem völlig entfalteten Blattquirl ab. Sie wurden sofort in eine kleine gut verschlos- sene Glasröhre gebracht und genau gewogen, dann wieder herausgenommen und, um ein allzuscbnelles und einseitiges Welken zu verhüten, unter einer passend großen Glasglocke frei aufgehängt. Sprosse, die auf diese Weise 44,6 resp. 52,3 — 56,6 oder 61,5^ ihres Frischgewichtes Wasser verdunstet hatten , konnten durch geeignetes Be- feuchten wieder zum Leben und Wachsen gebracht werden. Ein Spross mit 65^ Gewichtsabnahme zeigte zwar die innere Knospe lebend, aber die Blätter zum größten Theil abgestorben. Zwei andere Sprosse hatten mit einem Verlust von 70 resp. 77,25^ ihr Leben eingebüßt. Der Gesammtwassergehalt betrug 84,9^, von dem also nicht viel mehr als 72,4^, entsprechend 61,5^ des Gesammtgewichtes des Sprosses, ohne Schaden für die Pflanze entbehrt werden kann. Diese Wasserverluste erfuhren die Asperulasprosse innerhalb 12 bis 15 Stunden. Würde die Verdampfung so regulirt werden, dass eine kürzere oder eine längere Zeit als die genannte darüber hinginge, dann würden die Prozentzahlen, welche den höchsten zulässigen Wasserverlust ausdrücken, wohl etwas verschieden ausfallen. Auch das Alter und die vorhergegangenen Kulturbedingungen sind jedenfalls von einigem Einfluss, Die angewendeten Asperulasprosse waren erst vor einigen Wochen aus der Erde gekommen und wurden vor dem Versuch drei Tage im dampfgesättigten Raum gehalten. Natürlich liefern Experimente mit anderen Theilen oder mit anderen Pflanzen untereinander differirende Resultate. Ganz genau lassen die Zahlen sich nicht feststellen ^) Memoires pour servir ä l'histoire anatomique et physiologique des vegötaux et des animaux. Paris 1837. Tome I. p. 398 — 400. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 7 wegen des ungleichmäßigen Austrocknens und des nicht plötzlichen , son- dern allmählichen Absterbens der Versuchsobjekte. Blätter von Parietaria arborea mit 83,7^ Wasser blieben bei Abnahme des Gewichts um 31 ,6 — 37,3 — 38,3 — 40,6 — 44,9 ^ völlig lebend, starben nur theilweise ab bei Verlust von 47,5 oder 50,0^, gänzlich aber, wenn sie 69,3 oder 76,1^ abgegeben hatten. Fuchsiablätter mit 88,8^ Wasser ertrugen ohne Schaden 35 und 36^, gingen in ihrem oberen Theil bei 54 und 59^, zur Hälfte bei 61,4^ und und völlig bei 77,5^ Wasserverlust zu Grunde. Blätter von Limnanthemum nymphaeoides mit 87,3^ Wasser litten nicht durch 55,9 — 56,5 — 62,0^ Abnahme, wurden aber zur Hälfte bei 68,2, noch mehr bei 75,5 und gänzlich bei 80,6^ Gewichtsverlust ge- lödtet. Wurzeln von Maiskeimpflanzen wurden durch eine Wasserabnahme von 63,7 bis 70,8 theilweise, durch eine solche von 74,9 oder 76,7^ in allen Theilen vernichtet. Samen. Eine Feuchtigkeitsentziehung bis zur völligen Lufttrockenheit ertragen die Phanerogamen nur in Form der Samen. Diese haben sich dem Aus- trocknen meist vortrefflich akkommodirt, sodass die Mehrzahl sogar einen langdauernden Aufenthalt im Exsikkator über Schwefelsäure ohne bemerk- baren Nachtheil überstehen kann. Saussure i) fand , dass die Samen verschiedener kultivirter Pflanzen in ihrer Keimfähigkeit nicht geschädigt waren , wenn sie auch sechs Monate lang über Schwefelsäure trockneten. Nur bei einigen kleinen Samen, bei denen von Campanula rapunculoides, Porlulaca oleracea, Pastinaca oleracea verspätete sich die Keimung um einige Tage, während Roggen , Weizen, Gerste, Hafer, Mais, Buchweizen, Linsen, Erbsen, Wicken, selbst kleinere Samen, wie die von Trifolium repens, Sinapis nigra, Lactuca keiner länge- ren Zeit zum Keimen bedurften als die gleichnamigen lufttrocken aufbe- wahrten Proben. Andere Versuche 2) lieferten zwar ein weniger günstiges Resultat , in- dem die Prozentzahl der keimenden Körner vermindert wurde ; doch wird dieses vielleicht theilweise seinen Grund darin haben , dass die Versuchs- objekte durch die bei der Austrocknung angewendete höhere Temperatur gelitten hatten. Nach WoLLNY 3) sollen bei 32 bis 35° getrocknete Samen in ihrer Keim- 1) Annales des Sciences naturelles. 1827. Bd. X. p. 83. 2) z. B. Haberlandt, Wissenschaftlich-praktische Untersuchungen auf dem Gebiete des Pflanzenbaues. 1877. Bd. II. p. 86. Versuche von Höhnel. 3) Das Dörren der Samen. Botanischer Jahresbericht. 1879. p. 258 u. 259. 8 G. Schröder. fähigkeit geschädigt werden , das Wachsthum der daraus entstehenden Pflanzen soll verlangsamt, aber das Produktionsvermögen erhöht werden. Einige Samenarten machen jedoch von der allgemeinen Regel eine Ausnahme: Die Samen von Oxalis rubella und Oxalis lancifolia und deren Verwandten besitzen keine harte Schale, sondern nur eine dünne membra- nöse Haut; sie keimen sogleich nach dem Aufspringen der Kapsel, werden aber durch Austrocknen getödtet^). Auch die Weidensamen keimen ungewöhnlich schnell und bleiben nur wenige Tage lang nach dem Ausfallen keimfähig. Wichura'-) schreibt die Ursache der Annahme zu, dass der bereits sehr ausgebildete und mit Chlo- rophyll versehene Embryo, der nur durch ein dünnes Häutchen geschützt ist, durch Austrocknen getödtet werde, wenn er nicht gleich auf feuchter Erde Gelegenheit zum Keimen finde. Auch die Samen der Pappel und Ulme müssen sofort nach dem Ausfallen ins Keimbett gelangen, wenn sie nicht ihre Keimfähigkeit verlieren sollen 3). Dass diese Samen zu Grunde gehen, wenn sie austrocknen , lässt sich nicht bestreiten; doch ist der Embryo derselben überhaupt nur sehr kurz- lebig, wenn eine Keimung nicht eintritt. Samen von Salix fragilis verfaul- ten mir auf feuchter Erde oder zwischen nassem Fließpapier, wenn sie 25 Tage, gleichviel ob frei an der Luft oder aber in einer kleinen Glasröhre durch dichten Verschluss vor Verdunstung geschützt, im Licht oder im Dunkeln aufbewahrt waren. 13 Tage an der Luft gestandene Samen von Populus nigra keimten ausgesät sehr prompt nach zwei Tagen , während von einer anderen Probe, die ebenso lange im Exsikkator gelegen, kaum die Hälfte der ausgesäten Samen eine Keimung zeigte und zwar erst am dritten Tage. Wurden die Pappelsamen aber 30 Tage lufttrocken oder in der Glas- röhre aufbewahrt, so hatten sie unter allen Umständen ihre Keimfähigkeit verloren. Auch der Sauerstoff" der Luft scheint in diesen Fällen nicht be- stimmend zu sein für die Erhaltung der Keimkraft, denn mehrere in Wasserstoff eingeschlossene Samenproben von Salix pentandra und von Po- pulus nigra hatten zwar nach 25 resp. 40 Tagen noch ihr frisches Aussehen bewahrt ; wurden sie aber auf Erde oder zwischen Fließpapier zum Keimen gelegt, so fielen sie ausnahmslos der Fäulnis anheim. Alle diese Samen- pi-oben waren, als sie frisch aus der Kapsel fielen, vorzüglich keimfähig. Nach DE Gandolle 4) verlieren auch die Samen des Kaffeebaums, der meisten Rubiaceen und Myrtaceen , der Lorbeer -Arten, diejenigen des Dictamnus Fraxinella und der Angelica Archangelica ihre Keimfähigkeit i) F. Hildebrand, tjber die Schutzeinrichtungen der Oxaliszwiebeln, in: Berichte der deutschen botan. Gesellschaft. 2. Jahrg. i884. Heft3. p. 410. 2) Die Bastardbefruchtung im Pflanzenreich erläutert an den Bastarden der Wei- den. '1865, p. 6. 3) NOBBE, Handbuch der Samenkunde. -1876. p. 368. 4) Pflanzen-Physiologie. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Joh. Röper. n. Bd. -1835. p. 260, über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 9 bald, nachdem sie von der Mutterpflanze getrennt worden sind. Röper be- merkt dazu, dass nach Duhamel (des semis et de la planlalion des arbres 1760 S. 93) die Diptam- und Angelicasamen in der Mehrzahl schon nach 2 — 3 Monaten nicht mehr keimten , wenn sie so lange an einem trocknen Orte aufbewahrt seien. Auch Eschen-, Hainbuchen-, Ulmen-. Birken-, ' 7/7 Eichel-, Buchel- und Kastaniensamen sollen durch zu starke und an- dauernde Austrocknung geschädigt werden ^). Einigen anderen Samen, wie denen von Pedicularis-, Rhinanthus-, Co- rydalis -Arten und von Eranlhis hiemalis, wird die Trockenheit vielleicht nur dadurch schädlich , dass sie eine Nachreife des zur Zeit des Ausfallens noch sehr unentwickelten Embryo verhindert, die, wie Irmisch^) gefunden hat, bei den meisten unserer perennirenden Corydalis-Arten erst gegen den Herbst hin vollendet wird und zwar auch nur dann , wenn der Samen im Verband mit der Mutterpflanze oder durch leichtes Eindringen in die Erde feucht erhalten bleibt. Bei Sumpf- und Wasserpflanzen mag es auch vorkommen , dass ihre Samen die Fähigkeit , eine tiefergreifende Austrocknung zu ertragen , ver- loren haben, wenigstens keimten mir nach der Reife 11 resp. 20 Wochen lang über Schwefelsäure oder 20 Wochen an der Luft aufbewahrte Samen von Galtha palustris nioht mehr, während frische oder nur 1 1 Wochen luft- trocken gehaltene fast sämmtlich keimfähig waren. Die allermeisten Samen aber behalten in trockenem Zustande ihre Keimfähigkeit jahrelang und werden jedenfalls durch Austrocknen nicht geschädigt. Besonders zeichnen sich hierin Papilionaceen, Cucurbitaceen, Mimosa pudica. von welcher über 60 Jahre alter Samen entwicklungsfähig sein kann, Cichorie, Spörgel, Liebesapfel, Raps, Roggen u.a. aus 3), Röper fügt seiner Übersetzung der de CANDOLLE'schen Physiologie noch hinzu, dass Duhamel angebe, Weizen keime, wenn auf gewöhnliche Weise auf einem Kornboden aufbewahrt, schon nach vier Jahren nicht mehr; ihm sei aber Weizen , der mehrfach mit Papier umwickelt , in der Schublade eines Schreibtisches zehn Jahre lang liegen geblieben war, doch noch gekeimt. Es ist hier nicht meine Aufgabe, die Lebensdauer der Samen zu be- handeln ; ich muss mich begnügen , darauf hinzuweisen , dass im letztge- 1) NoBBE, Handbuch der Samenkunde. 1876. p. 368, und Hofmeister, Allgemeine Morphologie der Gewächse. 1868. p. 555. 2) Über einige Fumariaceen, Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Halle. Bd. VI. 1862, citirt bei Winkler, Bemerkungen über die Keimfähigkeit des Sa- mens der Phanerogamen. 1879. p. 156. Vergl. auch Treviranus, Physiologie der Ge- wächse. II. Bd. 1838. p. 577, und Tittmann, Botanisch -karpologische Bemerkungen, in Flora No. 42. 1819. p. 660. 3) Angaben darüber finden sich bei Nobbe , Handbuch der Samenkunde. 1876. p. 369 u. 370. Treviranus, Physiologie der Gewächse. II. Bd. 1838. p. 577. De Can- DOLLE, Ptlanzen-Physiologie, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Jon. Röper. II. Bd. 1835. p. 258. 10 G. Schröder. nannten Falle wie auch in manchem anderen die Austrocknung wahrschein- lich nicht den Grund bildet , weshalb die betreffenden Samen ihre Keim- fähigkeit nur eine gewisse Zeit hindurch konserviren. Vielleicht ist es im Gegentheil nicht unmöglich, dass eine gänzliche Trockenheit das Leben vieler Gebilde sogar nicht unbeträchtlich verlängern kann. Nicht allein die meisten reifen Samenarten zeigen sich sehr resistent gegen eine starke Austrocknung , auch unreife Samen sogar in noch sehr unentwickelten Stadien verlieren ihre Entwicklungsfähigkeit nicht, wenn sie längere Zeit über Schwefelsäure austrocknen. Immerhin scheint bis- weilen die Keimdauer etwas verlängert zu werden. So keimten mir noch sehr unreife, derselben Kapsel entnommene Mohnsamen in der einen Hälfte, die acht Wochen lufttrocken gelegen , nach zwei Tagen , während der an- dere Theil, welcher dieselbe Zeit über Schwefelsäure aufbewahrt war, fünf Tage gebrauchte, um die erste Keimung erkennen zu lassen. Mit einigen Getreidearteu: Hordeum vulgare, Triticum durum und Triticum Spelta machte ich einige Versuche , über die ich folgendes mit- theile. Ich sammelte von diesen Getreiden von je einem und demselben Kulturfelde möglichst gleich weit entwickelte noch sehr unreife Ähren und ließ sie völlig lufttrocken werden. Dann nahm ich die Körner heraus und erhielt, indem ich die in gleichem Grade entwickelten und keine Fehler zeigenden auslas, ein vorzüglich gleichmäßiges Material. In frischem Zu- stande waren diese Samen noch so weich , dass sie sich nur schwierig un- verletzt aus den Spelzen herausnehmen ließen. Um den Grad der Entwick- lung näher zu präzisiren und um einen Vergleich mit reifen Samen der- selben Kulturen zu ermöglichen, gebe ich einige die Gewichts- und Wasser- gehaltsverhältnisse betreffende Zahlen : Gewicht ') Wasserge- von 100 luft- halts) der Gewichtsverlust im trocknen lufttrockneu Exsikkator. Samen. Samen. Gramm. Vo. o|o. Hordeum vulgare, reif. 3,0713 14,65 10 Wochen: 10,41 » » unreif. 1,3035 12,35 » » » 2. Probe. 1,298 12 » : 11,42 » » » 3. » 1,332 12 » : 11,35 » » » ganz junges ■ Stadium. 0,4945 12 : 10,96 Triticum dui'um, reif. 3,7145 14,63 10 » : 10,32 » » unreif. 1,375 11,25 » » »2. Probe. 1,331 12 » : 10,74 » » » 3 . » 1,32 12 » : 10,70 » » » ganz junges Stadium. 0,654 12 » : 10,20 Triticum Spelta, reif. 4,764 14,40 10 » : 10,64 » « unreif. 2,376 11,73 » » »2. Probe. 2,374 11 .) . 9,67 » » »3. » 2,377 11 : 9,81. 1) Berechnet aus dem Gewicht mehrerer Hundert Körner. 2) Bestimmt durch schnelles Zerreiben der lufttrockenen Körner und fünf Wochen langes Trocknen des erhaltenen Pulvers im Exsikkator. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 11 Man sieht aus dieser Tabelle, dass die unreifen Samen noch in keinem Falle die Hälfte des Trockengewichts , welches die reifen Samen derselben Arten und derselben Kulturen aufzuweisen haben , erreicht hatten. Den- noch keimten die von jeder Spezies ausgesäten hundert lufttrocknen Körner sämmtlich , wenn auch die Keimdauer der einzelnen eine sehr verschie- dene war. Die 11 resp. 12 Wochen im Exsikkator getrockneten Körner hatten ebenfalls ihre Keimfähigkeit bewahrt , obgleich Hordeum vulgare nur noch etwa \%^ Triticum Spelta 2^ und Triticum durum sogar nur etwa 0,5^' Wasser behalten hatten. Die Gerstenkörner keimten fast alle, 178 von 200 ausgesäten, 2 Tage nach dem Befeuchten zwischen Fließpapier, die übrigen einige Tage später; von 200 ausgesäten Speltkörnern 45 nach drei, 48 nach vier, 100 nach fünf, die übrigen nach sechs Tagen. Triticum durum, wel- ches im Exsikkator den größten Verlust erlitten hatte, keimte langsam und zu verschiedenen Zeiten , erst nach 27 Tagen war die Keimung bei allen Körnern eingetreten. Bei den ganz jungen Stadien von Hordeum vulgare und Triticum durum verzögerte sich die Keimung noch mehr, auch waren hier nicht alle Körner entwicklungsfähig geblieben. Einen Übergang zwischen den sehr resistenten Samen und den durch Austrocknen zu Grunde gehenden erwachsenen Pflanzen bildet das Ver- halten der Keimlinge , die mit der fortschreitenden Entwicklung immer empfindlicher gegen die Wasserentziehung werden. Saussure 1) stellte Versuche darüber an mit Getreidekörnern, die sich in drei verschiedenen Keimungsstadien befanden. Im ersten Stadium ist die Wurzel eben hervorgekommen und nicht über halb so lang als der Sa- men, während im zweiten Stadium die Wurzel so lang oder etwas länger ist als der Samen, aber die Plumula noch nicht frei geworden ist. Im drit- ten Stadium ist die Knospe soeben außerhalb der Schale erschienen. In diesen drei Entwicklungsgraden befindliche Samen ließ Saussure nun sowohl frei an der Luft wie auch über Schwefelsäure trocknen. An der Luft liegend, zeigten sie gewöhnlich nach einem Monate keinen Ge- wichtsverlust mehr. Nach dem Befeuchten erwiesen sich alle drei Stadien von Phaseolus vulgaris, Vicia faba , Aster chineusis, Portulaca oleracea, Pastinaca sativa, Papaver somniferum, Campanula rapunculus, die Stadien II und III von Avena sativa, Zea Mais, Trifolium repens, Cannabis sativa und Lactuca sativa und das dritte Stadium von Hordeum vulgare, Ervum lens, Pisum sativum, Brassica oleracea und Sinapis nigra als abgestorben. Die jüngeren Entwicklungsgrade dieser Letzteren, wie alle drei Stadien von Triticum hybernum, Seeale cereale, Polygonum fagopyrum und Vicia sativa \) De l'influence du dessechement sur la germination de plusieurs graines alimen- taires, in Annales des sciences naturelles. Bd. X. 1827. p. 70 — 78. 12 G. Schröder. dagegen konnten zur Fortsetzung ihrer Vegetation gebracht werden. Die Knospe blieb dabei völlig erhalten , während der freigewordene Theil der Wurzeln gänzlich kollabirte und durch Adventivwurzeln ersetzt werden niusste , infolgedessen die weitere Vegetation zunächst eine schwächliche blieb. Bezüglich der Dauer der vegetativen Kraft lufttrockner gekeimter Sa- men giebt Saussure ^) an, dass diese nach drei Monaten meist noch erhalten, nach einem Jahre aber in allen Fällen verloren gewesen sei. Es wirkt hier- bei weniger der größere oder geringere Wasserverlust als vielmehr die lange Dauer der Zeit ein, denn die Samen können binnen kürzerer Zeit im Exsikkator mehr Wasser verlieren, als in dieser langen, und doch ihre Ent- wicklungsfähigkeit kons&rviren. Schwefelsäuretrockenheit 2) bewirkte bei angekeimten Wicken-, Lin- sen-, Mais- und Buchweizensamen völliges Absterben. Weizen, Roggen, Gerste, Kohl konnten zu erneuter Vegetation veranlasst werden, da die Knospen lebend erhalten waren. Die zu Grunde gegangenen Wurzeln muss- ten natürlich auch hier durch Adventivbildungen ersetzt werden. Letztere Samen sind solche , die im Exsikkator in den ersten drei bis vier Wochen relativ wenig von ihrem Wassergehalt verloren , während erstere diesen fast völlig einbüßten. Bei Haferkeimlingen war es nöthig, dass die Spelzen entfernt wurden, und bei Weizen im dritten Stadium durfte die Befeuchtung nur von unten im wasserdampfgesättigten Raum ge- schehen. Bis zu einem gewissen Grade kann die Entwicklung der Keimlinge öfter durch Austrocknen unterbrochen werden. Hierauf sich beziehende Versuche hat Nowoczek^) ebenfalls mit Getreidesamen angestellt; er fand, dass die bei der jedesmaligen Austrocknung zu Grunde gegangenen Wur- zeln einige Male neu gebildet werden können. Tautphöus^) konnte angekeimten Hafer und Mais nach dem Austrocknen nicht wieder zum Keimen bringen , was Saussure für das erste Stadium, NowoczEK sogar für entwickeltere Stadien als möglich angiebt. Ehrhardt 5) ermittelte die Prozentzahlen der nach dem Austrocknen lebensfähig gebliebenen angekeimten Roggenkörner und fand, dass unter geeigneten Bedingungen nach IIGstündigem Keimen und darauffolgendem 1) In derselben Abhandlung p. 81. 2) Ebenda p. 86. 3) Über die Widerslandsfähigkeit junger Keimlinge, in: Wissenschaftlich -prak- tische Untersuchungen auf dem Gebiet des Pflanzenbaues, herausgeg. von F. Haberlandt. Heft I. 1875. p. 122. 4) Die Keimung der Samen bei verschiedener BeschafTenheit derselben. Botanischer Jahresbericht. 187 6. p. 882. 5) Wie w j erhält sich die Keimfähigkeit bei ausgewachsenem Getreide? Botan. Jahresbericht 1881. p. 29. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 1 3 Trocknen 78^, nach 189 stündigem Keimen aber nur noch k:% der aber- mals mit Wasser in Berührung gebrachten Keimpflanzen zur Fortbildung veranlasst werden konnten ^) . Die größte Resistenz in dieser Hinsicht scheint den Gramineensamen zuzukommen , doch gingen mir Keimlinge des Reis , welcher bekanntlich in der Natur auf sehr feuchte Standorte angewiesen ist, in einem Stadium, bei welchem die erste Keimung von außen durch Hervorbrechen der Plu- mula bemerkbar wurde, bei einer sechswöchentlichen Austrocknung über Schwefelsaure sowohl als auch schon bei einer gleichlangen Lufttrockenheit zu Grunde. Die oben erwähnten unreifen Samen von Hordeum vulgare, Triticum durum und Triticum Spelta aber lieferten mir Keimlinge , die in allen drei SAUssuRE'schen Stadien, ausgenommen Gerste im dritten Stadium, ein zehn- wöchentliches Austrocknen im Exsikkator ertrugen. Sie nahmen ihrWachs- thum in zwei bis vier Tagen wieder auf, wenn ich sie auf nasse Erde legte und durch eine übergestülpte Glasglocke für eine dampfgesättigte Atmo- sphäre sorgte. Die durch das starke Trocknen sehr spröde gewordene und auf ein geringes Volum zusammengeschrumpfte Plumula schwoll allmählich wieder an und die Blättchen vergrößerten sich , ohne dass irgend welche abgestorbene Theile daran zu bemerken gewesen wären. Die Wurzeln wurden freilich durch Adventivbildungen ersetzt. Sporen der Grefäfskryptogamen. Wie die meisten Samen der Phanerogamen verhalten sich auch in der Mehrzahl die Sporen der Gefäßkryptogamen gegen die Trockenheit sehr re- sistent. Die Keimfähigkeit von Farnsporen wird durch Austrocknen nicht geschädigt, sie erhält sich bei trockner Aufbewahrung oft viele Jahre lang. Es liegenAngaben vor^), dass aus alten Herbarien entnommene Farnsporen, welche an fünfzig Jahre alt sein konnten, als keimfähig befunden wurden. Die grünen Sporen der Osmundaceen und Hymenophyllaceen bilden darin eine Ausnahme ; ihre Keimfähigkeit erlischt in kurzer Zeit 3). Die ebenfalls grünen Sporen der Equisetaceen zeigen in dieser Richtung in ihrem Verhalten Übereinstimmung mit jenen grünen Farnsporen. Ob diese Sporen länger keimfähig bleiben , wenn durch geeignete Mittel das Aus- trocknen verhindert wird, bedarf noch einer besonderen Prüfung. \) Einige weitere Bemerkungen finden sich noch bei W. Detjier, Vergleichende Physiologie des Keimungsprozesses der Samen. 1880. p. 532, und bei Winkler, Bemer- kungen über die Keimfähigkeit des Samens der Phanerogamen. 1879. p. 158. In Sitzungs- berichte der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 2) z. B. Treviranüs, Physiologie der Gewächse. II. Bd. 1838. p. 577. 3) Sadebeck, Die Gefäßkryptogamen in Schenk, Handbuch der Botanik. I. Bd. 1879. p. 156. 14 G.Schröder. Die Sporen von Lycopodium iniindatum sind zwar, wie de BaryI) an- giebt, gleich nach der Reife im Herbst keimfähig, doch produzirte eine Aussaat im Frühjahr zahlreichere Prothallienanfange, Hier scheint also längere Trockenheit förderlich für die Keimfähigkeit zu sein. Sporen von Marsilia erhalten sich gleich den Farnsporen Jahrzehnte lang in trockenem Zustande keimfähig 2). Die Farnprothallien zeigen sich im Allgemeinen gegen Trockenheit sehr empfindlich; doch sind die die Archegonien tragenden Sprosse des Pro- thallium von Gymnogramme leptophylla nach Göbel^) befähigt, eine Periode längerer Trockenheit, wie sie oft in den dürren Sommern des Mittelmeer- gebietes eintritt, zu ertragen und dadurch perennirend zu werden. Lebermoose. In der Klasse der Lebermoose begegnen wir Gebilden , welche zum Theil sehr empfindlich gegen Trockenheit sich erweisen und deren Pflanzen- körper nicht im Stande ist , eine völlige Austrocknung an der Luft zu er- tragen. Andererseits treffen wir solche, deren Thallus einer weitgehenden und langdauernden Wasserentziehung unterliegen und doch nach Eintritt günstigerer Bedingungen seine Lebensfunktionen und sein Wachsthum wie- der neu aufnehmen kann. Metzgeria furcata wird schon durch eine zweiwöchentliche Austrock- nung getödtet 4). Auf Buchenrinde wachsende Radula complanata war nach einmonatlichem Trocknen in den älteren Partieen todt , die Zellen der jüngeren waren dagegen noch lebend. Allein sie hatten ihre Lebensfähig- keit eingebüßt, denn nachdem sie zwei Tage feucht gewesen , fand ich das ganze Moos abgestorben. Riccia glauca und Riccia fluitans wurden schon durch eine nur wenige Tage dauernde Austrocknung getödtet. Lunularia vulgaris und Marchantia polymorpha scheinen mir etwas resistenter zu sein, besonders letztere ; doch erwiesen sich beide nach einen Monat währender völliger Lufttrockenheil ebenfalls als todt. Nur die Brutknospen bleiben dabei lebend erhalten. Brulknospen beider, die ich ihren Behältern entnommen und 13 Wochen an der Luft getrocknet hatte, ließen 14 Tage nach der Befeuchtung deutliches Aus- 1) Berichte der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br. Heft IV. 1838. Citirt bei Sadebeck 1. c. 2) Vergl. Pfeffer, Locomotorische Bewegungen durch chemische Reize. In: Un- tersuchungen aus dem botanischen Institut zu Tübingen. I. Bd. III. Heft. 1884. p. 423 Anmerk., und Alex. Braun, Neuere Untersuchungen über die Gattungen Marsilia und Pi- lularia. In: Monatsberichte der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. -1870. p. 661. 3) Entwicklungsgeschichte des Prothalliums von Gymnogramme leptophylla. In: Botanische Zeitung. 1877. p, 703. 4) Hofmeister, Allgemeine Morphologie der Gewächse. 1868. p. 555. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 15 wachsen erkennen. Zehn oder fünfzehn Wochen dauernde Aufbewahrung über Schwefelsäure bewirkte ein völliges Absterben der Brutknospen bei- der Arten, Nur ein einziges Exemplar der Brutknospen von Marchantia trieb nach zehnwöchentlicher Schwefelsäuretrockenheit. Trockneren Substraten angepasste Lebermoose bleiben auch in ihrem Thallus beim Austrocknen lebend erhalten. So gelang es mir, eine sieben Monate im lierbar aufbewahrte Corsinia marchantioides und ein anderes dreiviertel Jahr an der Luft gelegenes Exemplar zur Wiederaufnahme des "Wachsthums zu veranlassen. Selbst letzteres hatte unter geeigneten Be- dingungen nach 1 4 Tagen seinen Thallus bis auf wenige Theilchen völlig regenerirt und auch schon zahlreiche neue Läppchen ausgetrieben. Unter den Sporen der Lebermoose giebt es einige, welche durch Aus- trocknen eine gewisse Schädigung erleiden. Diese Sporen müssen , wenn sie vorher getrocknet sind, länger feucht liegen, bevor sie keimen, als frische eben gereifte. Gründlich ausgetrocknete Ricciasporen keimen überhaupt nicht mehr, während frisch aus der Kapsel genommene es schon nach we- nigen Tagen thun ^). Laubmoose. Die Fähigkeit ganzer vegetativer Pflanzenkörper, eine völlige Aus- trocknung ohne Schaden ertragen zu können , finden wir in noch weit höherem Grade ausgebildet und auch viel verbreiteter, als bei den Leber- moosen, bei den Laubmoosen. Hier treffen wir alle möglichen Abstufungen in der Resistenz gegen die Trockenheit, ganz den verschiedenen Substra- teU; welchen sich die Moose angepasst haben, entsprechend. Bei solchen Sphagnumarten , welche wie Sphaguum acutifolium und Sph. cymbifolium in der Natur in dichten Rasen meist an sehr feuchten Standorten vorkommen , hat sich jene Fähigkeit , beim Austrocknen un- geschädigt zu bleiben , nicht ausgebildet oder sie ist ihnen verloren ge- gangen. Exemplare der beiden genannten Spezies, welche sechs Wochen lufttrocken gewesen waren, fand ich völlig abgestorben. Nach Oltmanns 2] können die Stammscheitel von Pflänzcben des Sphagnum acutifolium , die vier Wochen völlig trocken gelegen haben, noch lebend sein. Leicht tödtet die Trockenheit auch die im Wasser fluthende Fontinalis antipyretica. Solchen Wassermoosen aber, die in steinigen Bächen leben, deren Bett gelegentlich einmal einer Austrocknung unterliegt, scheint auch eine größere Widerstandsfähigkeit zuzukommen. Ein Cinclidotus foutina- loides, welcher im Mai 1882 gesammelt und bis zum August 1884, also über 1) Leitgeb, Über Bau und Entwicklung der Sporenhäute und deren Verhalten bei der Keinaung. 1884. p. 104. 2) Über die Wasserbewegung in der Moospflanze und ihren Einfluss auf die Wasser- vertheilung im Boden. 1884. p. 18. 16 G. Schröder. zwei Jahre lang, trocken im Herbar gelegen hatte, zeigte nach dem Ein- legen in Wasser noch viele lebende Blaltzellen und nach acht Tagen konnte ich schon wahrnehmen, dass die alten Stämmchen kleine neue Seitensprosse produzirt hatten. Die in "Wäldern und an feuchten, schattigen Orten wachsenden Moose, wie z. B. Mnium hornum und Funaria hygrometrica, vertragen wohl Luft- trockenheit, ihre Blätter gehen aber beim Austrocknen im Exsikkator zu Grunde. In Moosrasen des Mnium hornum, welche zwölf Wochen lang luft- trocken gehalten waren, fand ich die Zellen in den Blättern alle bis auf einige einzelne lebend, wenn sie langsam von unten befeuchtet oder auch wenn sie direkt in Wasser getaucht wurden. Nach dem Einpflanzen in Erde gingen die Blätter zwar nach wenigen Tagen ein , doch war das Moos damit noch nicht vernichtet, denn nach mehreren Wochen entsprossten den unteren Theilen der alten Stämmchen neue junge Triebe. Fünf Wochen lufttrocken und dann sieben Wochen über Schwefelsäure oder auch gleich von Anfang an zwölf Wochen über Schwefelsäure gehaltenes Mnium hor- num hatte nach dem Befeuchten viele todte Blattzelleu und lieferte nach dem Einpflanzen in Erde keine neuen Triebe mehr. Die eingepflanzten Moose wurden in allen Fällen gehörig feucht unter einer Glasglocke an einem nicht zu warmen und vor direktem Sonnenlicht geschützten Orte zur Weiterentwicklung stehen gelassen. Ahnlich wie Mnium hornum, aber noch etwas widerstandsfähiger ver- hielt sich Funaria hygrometrica. Acht Wochen lang mit ein wenig an den Rhizoiden hängen gebliebener Erde an der Luft getrocknete Pflänzchen der- selben hatten noch alle Blattzellen lebend behalten. Auch dauerten die Stämmchen und Blätter nach dem Einpflanzen aus, bis sie im Laufe der Zeit durch neue verdrängt wurden. Verschiedene 19 Wochen an der Luft resp. 4, 5 und 6 Wochen über Schwefelsäure getrocknete Moosrasen der Funaria enthielten in ihren Blättern ungefähr ebenso viele lebende wie todte Zellen. Bei den in Erde gepflanzten Versuchsobjekten erhielten sich die Blätter noch einige Tage grün, dann jedoch entfärbten sie sich, indem sie verschimmelten. Aber auch in diesen Fällen regenerirte sich das Moos, indem wie bei dem lufttrocken gewesenen Mnium hornum nach zwei bis drei Wochen aus den unteren Theilen neue Pflänzchen hervorkamen, die sich direkt aus den alten Stämmchen als Seitentriebe entwickelt hatten. Die jungen Sprosse bildeten am Grunde auch gleich Rhizoiden und machten sich dadurch von dem inzwischen völlig absterbenden alten Moos unab- hängig. Funaria -Exemplare, welche ich nach dreiwöchentlicher völlig regen- loser Dürre bei einer 30° C. im Schatten überschreitenden Temperatur, allerdings vor direkten Strahlen der Mittagssonne geschützt, auffand, waren zwar ganz vertrocknet, erwiesen sich aber doch, nachdem sie wieder mit Wasser in Kontakt gebracht waren, als völlig lebend. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 17 Um zu sehen, ob die Funaria in der Natur auch an sonnigen trocknen Orten fortzukommen vermöge, brachte ich andere Exemplare, die auf einem großen Tuffsteine im Schatten erwachsen waren, bei sehr trocknem und warmem Wetter an einen sonnigen Platz, indem ich den Stein wieder so weit eingrub, wie er vorher in der.Erde steckte. Das Moos vertrocknete in wenigen Stunden. Am folgenden Tage wurde es durch einen starken Regen wieder benetzt, doch nach einigen weiteren'Tagen war es braun und abgestorben. Allein in diesem Falle wäre es nicht unmöglich, dass die Ursache des Absterbens nicht dem Austrocknen , als vielmefir anderen schädigenden Einflüssen, wie vielleicht zu intensivem Sonnenlicht oder zu hoher Wärme (der Platz war ein kleiner, nach Süden zu abfallender Erd- wall) zuzuschreiben ist. In folgendem Falle aber werden die Pflanzen wirklich durch Trockenheit geschädigt sein. Ich setzte nämlich in kleinen Blumentöpfen kultivirte Funaria, nachdem sie schon im Zimmer welk ge- worden war, zwei Tage hindurch der Sonne aus bei einer bis zu 30° C. steigenden Temperatur. Hiernach fanden sich nur in wenigen Blättern noch eine Anzahl lebender Zellen; die meisten Blätter waren gänzlich ge- tödtel und nach einigen Tagen des Feuchthaltens war nichts Lebendes mehr zu finden. Abgeschnittene Stämmchen enthielten gleich nach dem Trock- nen in derSonne noch 15,05^ Wasser, während frische turgescente 79,7^ und drei bis vier Monate im Zimmer getrocknete Funaria, die, wie oben be- merkt, auch schon eine Anzahl abgestorbener Zellen besaß, noch über 25^ Wasser aufweisen konnte. Die zwei Centimeter dicke obere Bodenschicht in den Blumentöpfen , welche aus sehr guter Humuserde bestand, hatte noch einen Wassergehalt von 3,55^, dieselbe im Zimmer lufttrocken ge- wordene Erde 4,05^. Nun aber erfährt selbst eine minder gute Erde im Freien, wenn sie im Zusammenhang mit dem Boden bleibt, sie also aus den tiefer liegenden nassen Schichten Feuchtigkeit kapillar nachziehen kann, nie einen so weitgehenden Wasserverlust. Ein wenig humöser lehmiger Sandboden , den ich in einen Centimeter dicker Oberschicht nach lang an- haltender Dürre von einem freiliegenden Orte einsammelte, gab beispiels- weise noch %% Feuchtigkeit ab. Da die Pflanzen aber auch einem so weit ausgetrockneten Boden immer noch Wasser entreißen können^), so wird einer Funaria in der Natur Trockenheit allein für sich doch wohl nicht leicht gefährlich werden. Eine in dem einen der erwähnten Blumentöpfe mitge- wachsene Barbula muralis war durch den Versuch gar nicht weiter alterirt; ihre Stämmchen blieben in allen Theilen lebensfähig erhalten. Dieses Moos , wie überhaupt die auf sehr trockenen Standorten , wie Mauern und Felsen, und manche auf Baumrinden vorkommenden Spezies beweisen eine außerordentliche Lebenszähigkeit auch dem stärksten Aus- 1) Vergl. Sachs, Über den Einfluss der chemischen und physikalischen Beschaffen- heit des Bodens auf die Transpiration der Pflanzen. In : Die landwirthschafüichen Ver- suchs-Stationen. I. Bd. 1859, p. 234. Untersnchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. II. 2 18 G. Schröder. trocknen gegenüber. Sie überstehen nicht nur eine monatelange Luft- trockenheit ohne allen Nachtheil, sondern verlieren selbst nach langdauern- dem Aufenthalt über Schwefelsaure beim uachherigen Befeuchten nicht einmal ihre Blätter, sondern sie nehmen einfach das bis dahin sistirte Wachsthum in allen Theilen wieder auf. So verhielt sich z. ß. eine Bar- bula muralis , die ich 22, resp. 1 8 Wochen lufttrocken oder im Exsikkator aufbewahrt hatte. Eine auf einem Stück Kalktuff gewachsene Barbula unguiculata ertrug über 20 Wochen Lufttrockenheit und i2 Wochen Schwefelsäuretrockenheit. Nach dem Anfeuchten waren alle Zellen lebend, die Pflänzchen erhielten sich dauernd und bald erschienen auch neue Stämmchen. Bei Barbula ruralis, die 7, resp. 12 Wochen an der Luft oder auch im Ex- sikkator getrocknet war, konnten in allen Fällen sämmtliche Protoplasma- körper durch eine etwas konzentrirte Salpeterlösung kontrahirt werden. Auch ihre Lebensfähigkeit hatten sie behauptet, denn Stämmchen und Blätter dauerten aus nach dem Einpflanzen. Doch war zum Gedeihen der Barbula ein Aufenthalt an einem schattigen, kühlen und feuchten Orte noth- w endig ; im Sonnenlicht bei feuchter Wärme wurde sie schon nach einem Tage gelb. Nach fünf Monate dauernder Schwefelsäuretrockenheit waren noch alle Zellen lebend, nach sechs Monaten noch die Mehrzahl derselben. Bryum caespiticium trieb nach zwanzigwöchentlichem Aufbewahren über Schwefelsäure schon in wenigen Tagen neue Stämmchen , wenn ich es wieder befeuchtete; auch die alten Blättchen waren nicht geschädigt. Nachdem das Moos zehn Monate über Schwefelsäure gestanden hatte, star- ben bei gleicher Behandlung die alten Blätter ab, doch erschienen nach 14 Tagen neue Sprosse direkt aus den alten und eine lebhafte Protonema- bildung fand statt. In allen Theilen blieben ebenso Grimmia pulvinata und Orthotrichum obtusifolium erhalten, wenn sie nach 20 Wochen dauern- der Schwefelsäuretrockenheit wieder mit Wasser in Kontakt kamen. Bei letzterem Moose hatten auch die auf den Blättern sich zahlreich findenden Brutzellen ihr Leben bewahrt. In der Litteratur finden sich noch einige Angaben, nach welchen alte viele Jahre lang in Herbarien aufbewahrte Moose durch Benetzen mit Wasser wieder aufgelebt seien. So citirt de Gandolle i) eine Behauptung Gleditsch's, dass Moose, die seit hundert Jahren trocken gewesen, nach sieben- oder achtstündiger Eintauchung in kaltes Wasser ihre ganze alte Lebenskraft wiedererlangt hätten, ferner eine weitere Angabe von BRmEL, nach welcher sehr alte getrocknete Moose des Oxforder Herbarium wiederbelebt sind. Necker 2) beobachtete, dass Barbula ruralis, Orthotrichum striatum, Hypnum 1) Pflanzen-Physiologie, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Jöh.Röper. II. Bd. 1835, p. 876. 2) An demselben Orte von de Candolle citirl. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 19 abietinum und einige andere zwei Jahre lang in einer Schaciitel aufbewahrte und vollkommen vertrocknete Moose , nachdem sie an einen feuchten und schattigen Ort gebracht worden , daselbst nach drei Monaten wieder an- fingen zu vegetiren. Andere Autoren , wie Hedwig i), Robert 2) und Hof- meister 3) leugnen die Möglichkeit der Lebenserhaltung bei langdauerndem Austrocknen. Ersterer bemerkte, dass bis zwei Jahre alte Moose beim Be- feuchten zwar wieder aufschwollen, dass sie aber auch nicht die geringsten Sprosse trieben, noch viel weniger das Samengehäuse zur Reife förderten, und Hofmeister versichert, dass die auf der Rinde von Buchenscheiten, w^elche sechs bis sieben Monate gelegen haben, vorkommenden Flechten und Moose, abgesehen von etwa vorhandenen Fortpflanzungszellen , sammt und sonders todt seien. Bei Versuchen mit solchen lange in Herbarien gelegenen Moosen ist nun ein Umstand zu beachten, auf welchen schon de Candolle aufmerksam macht , dass nämlich fast alle todten getrockneten Laul)moose bei Zufuhr von Wasser wieder ein frisches straffes Aussehen annehmen und daher diese Veränderung also kein Kriterium für Tod und Leben sein kann. Ich pflanzte die bestaussehenden Exemplare von Barbula muralis vom Jahre 1834, von Barbula convoluta v. J. 1835, Barbula unguiculata v. J. 1833, Barbula subulata v. J. 1845, Barbula fallax v. J. 1832, Barbula muralis v. J. 1838 und von Grimmia apocarpa v. J. 1834, welche in dem Herbarium des Tübinger botanischen Instituts, also 40 bis 50 Jahre, ge- legen hatten, in Erde, bewässerte sie vorsichtig von unten auf und stellte sie, mit einer großen Glasglocke bedeckt, an einen schattigen Platz. Nach 24 Stunden konnte ich unter den Blattzellen keine lebenden finden und innerhalb 8 Tagen waren alle Moose missfarbig geworden und von jungen Trieben oder von Protonema war selbst nach zwei- bis dreimonatlichem Stehenlassen nichts zu bemerken. Ebenso erging es mit folgenden aus den Jahren 1866 bis 1880 (vier bis achtzehn Jahre alten) stammenden Moosen: Bryum caespiticium vom Juli 1866, Barbula muralis v. J. 1866 und 1868, Barbula ruralis 67, Barbula tortosa 67, Grimmia ovata 68, Orthotrichum liocarpum 72, Funaria hygrometrica 77, Barbula ruralis, tubulosa und mu- ralis 77, Racomitrium canescens 77, Hedwigia ciliata ,77, Grimmia com- mutata, pulvinata, apocarpa 77, Ulota crispula 77, Andraea petrophila 77, Dicranum elongatum 77, Orthotrichum anomalum 77, Dicranodontium lon- girostre i^/t- 80. Trotz der möglichst günstigen Bedingungen, die ihnen geboten wurden. 1) Humboldt's Aphorismen aus der cheoiischen Physiologie der Pflanzen. Aus dem Lateinischen übers, von Gotth. Fischer. Nebst einigen Zusätzen von Herrn Dr. u. Prof. Hedwig. 1794, p. 173 u. 174. 2) Influence de la secheresse sur les cryptogames. Botanischer Jahresbericht. 1S75, p. 324. 3) Allgemeine Morphologie der Gewächse. 1868, p. 555. 2* 20 G- SCBRÖDER. waren alle diese Moose nicht zu erneuter Vegetation zu bringen. Nur bei Bryum caespiticium vom Juli 1866 fand sich oben in dem alten Laube ein Protonema ein, das auch bald Stämmchen trieb. Da die Blallzellen des alten Mooses alle todt waren, so ist es wahrscheinlich, dass dieses Proto- nema aus Sporen entstanden war, zumal sich reichlich Sporen ausstreuende Kapseln vorfanden. Ich bemerkte dieses Protonema zu spät, um noch seine Herkunft aus Sporen feststellen zu können. Einige etwas weniger lange in Herbarien aufbewahrte Moose hatten aber doch eine hinreichende Zahl von Zellen ihres PQanzenkörpers in leben- dem Zustande erhalten, so dass sie mittelst dieser direkt oder auf dem Wege der Protonemabildung eine erneute Vegetation veranlassen konnten. So producirte im Juli 1884 ein am ^*/i2- ^^ eingelegtes Hymenostomum tortile ein Protonema , aus welchem nach zwei Monaten neue Sprosse her- vorgingen. Ein Gymnostomum rupestre vom Ye- ^^ trieb direkt neue Stämmchen aus den alten. Dicranodontium longirostre vom 23/^, 82 halte fast alle ßlattzellen am Leben erhalten. Aus diesen erwuchs ein Protonema, welches zahlreiche neue Knospen lieferte. Ein Dicranum longifolium vom lä/s- 82 hatte noch einige lebende Blätter und Stämmchen. Aus letzteren erwuchsen direkt neue Sprosse, die auch gleich an ihrer Basis Bhizoiden trieben, außerdem entstand noch viel Protonema. Einen im Mai 82 ge- sammelten und bis August 84 in trockenem Zustande lebend gebliebenen Cinclidotus fontinaloides habe ich schon oben erwähnt. Einige andere gleichalte Spezies dieses Genus waren ohne jedes Leben. Brutzellen von Orthotrichum obtusifolium hatten ihre Lebensfähigkeit bei zweijähriger Aufbewahrung im Herbar konservirt, während die Blätter, auf welchen sie sich befanden, schon bis auf ganz wenige Zellen abgestorben waren. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass noch eine ganze Beihe an- derer Moose, die in der Natur auf trockene Standorte angewiesen sind, sich ähnlich verhalten werden wie diese angeführten, im Juli 84 von mir unter- suchten Spezies. Was die Dauer der Lebensfähigkeit in trockenem Zustande anbetrifift, so wird man annehmen können, dass alle vegetativen Zellen der Moose nach fünf Jahren in der Begel abgestorben sind. Anders verhalten sich die Sporen. Diese bewahren in trockenem Zu- stande ihre Keimfähigkeit außerordentlich lange Zeit. W. Sciiimper i) säete Moossporen aus, welche 50 Jahre im Herbar gelegen hatten, und fand, dass sie ebenso keimten , als wenn sie von frischen Pflanzen genommen wären. Außer den Sporen giebt es noch eine Form , in welcher die feuchteren Substraten ang^passten Moose , die eine Austrocknung über Schwefelsäure nicht ertragen, dieselbe, ohne Schaden zu nehmen , überdauern können. Diese Form bilden gewisse, besonders diesem Zwecke entsprechend um- 1) Recherches anatomiques et morphologiques sur les mousses. 1848, p. 22. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 21 gebildete Zellen des Protonema. Lässt man nämlich Protonema langsam trocken werden oder kullivirt man es auf nicht zu feuchter Erde, so ver- dickt sich bei einzelnen Zellen oder Zellreihen die Membran und der In- halt wird konsistenter und an Reservestoffen reicher. Während die Gestalt der gewöhnlichen vegetativen Protonemazellen meist eine gestreckte läng- liche ist, haben diese das Austrocknen überdauernden Zellen das Bestreben sich abzurunden, auch wohl sich abzulösen. In die Luft ragende Zellen sind auch öfter braun gefärbt. Derartige derbwandige Protonemazellen überstehen nicht allein Luft- trockenheit >), sondern sie wachsen auch nach lang währendem Aufenthalt im Exsikkator bei Feuchtigkeitszufuhr wieder aus. So trieb ein Protonema von Funaria hygrometrica, welches ich zuerst vier Wochen an der Luft ge- trocknet , dann aber noch fünf Wochen im Exsikkator aufbewahrt hatte, schon in acht Tagen während der Wiederbefeuchtung zahlreiche kleine Stämmchen. Ein anderes Protonema , welches ich erst sieben Wochen an der Luft und dann noch ebenso lange über Schwefelsäure trocknete , zeigte dasselbe Verhalten. Die anderen nicht für diesen Zweck umgewandelten Protonemazellen wurden schon durch Lufttrockenheit vernichtet , was sich noch deutlicher bei einem in Wasser gezogenen Funariaprotonema erkennen ließ, welches völlig zu Grunde ging, wenn es einige Zeit frei an der Luft lag und nicht erst Zeit zur Ausbildung der Dauerzellen fand. Algen. Wie in der Gruppe derMuscineen trifft man auch bei denThallophyten, insbesondere bei den Algen, Pflanzenformen, die je nach den Orten ihres Vorkommens in der Natur die Eigenschaft haben, eingreifende Trockenheit ertragen zu können oder aber durch dieselbe völlig , resp. nur theilweise, nämlich in ihren vegetativen Zellen vernichtet zu werden. Bei den fast nur als Meeresbewohner lebenden Florideen und Melano- phyceen , die höchstens zur Ebbezeit gelegentlich durch Anspülen auf den Strand aus dem Wasser entfernt werden und auch in diesem Falle wohl nur sehr unvollkommen trocknen , fehlen jegliche Zellen , die ein Aus_ trocknen ertragen könnten 2) . Auch die vegetativen Theile der submersen Gharaceen gehen beim Trocknen zu Grunde, doch scheint für die Sporen derselben eine vorüber- gehende Wasserentziehung sogar günstig für die Fortentwicklungsfähigkeit zu wirken. Wenigstens giebt Alex. Braun 3) an, dass die von harter Schale umgebenen Sporen nicht nur ihre Keimfähigkeit sehr lange behalten , son- 1) GöBEL, Laubmoose. In: Schenk, Handbuch der Botanik. II. Bd. 1882, p. 389, 2) Vergl. Falkenberg, Die Algen im weitesten Sinne. In: Schenk, Handbuch der Botanik. II. Bd. -ISSa, p. 175. 3) Gharaceen. In: Gohn, Kryptogamen-Fiora von Schlesien. I. Bd. 1876, p. 367. 22 G. Schröder. dem dass sie auch , oft jahrelang im Schlamm in Ruhe verharrend, durch eine kürzere oder längere Austrocknung oder nach Petonnikow durch zeit- weises Einfrieren zum Auskeimen veranlasst werden können, und sucht Alex. Braun durch diesen Umstand die Unbeständigkeit des Vorkommens der Characeen zu erklären. Die der Klasse der Chlorophyceen angehörenden Algen überdauern die Trockenheit in verschiedener Form. Einige vermögen speziell für diesen Zweck besondere Dauerzellen zu bilden. Bei anderen Gattungen zeigen sich nur die Zygoten resistent gegen Austrocknung , während bei noch an- deren , besonders bei den einzelligen Palmellaceen und Protococcaceen manche Spezies in ihrer gewöhnlichen Form ohne Schaden für ihre weitere Entwicklung völlig trocken werden können. Botrydium granulatum ist eine zur Ordnung der Siphoneen gehörige Chlorophycee, deren Zoosporangienplasma bei Einwirkung eines gewissen Grades von Trockenheit in den wurzelartigen Theil wandert und hier Dauer- zellen bildet, die bis zur Dauer eines Jahres der Trockenheit widerstehen können , um bei einem befeuchtenden Regen Zoosporen zu produziren. Auch die Sporen des Botrydium vertragen langdauernde Austrocknung i) . Das wichtigste Ruhestadium für die Mehrzahl der Chlorophyceen bilden die Zygoten. Diese sind häufig mit einem fetten Öl versehen und Falken- berg 2) hält es für wahrscheinlich, dass das Vorhandensein desselben in Be- ziehung stehe zu der Existenzfähigkeit der Sporen außerhalb des Wassers. Auch Alex. Braun ^) glaubt, dass mehrere Palmellaceen, in denen theils nor- malerweise (Pleurococcus miniatus, Palmella miniata), theils als abnorme Erscheinung (Tachygonium , Chlorococcum , Endococcus) Öl auftritt, des- wegen in eingetrocknetem Zustand ihr Leben längere Zeit bewahren können. Doch kann in manchen Fällen das häufig gelb bis braun gefärbte Öl eher ein Schutzmittel gegen zu intensive Beleuchtung sein, als ein nothwendiger Bestandtheil der Zelle für die Fähigkeit, Austrocknen vertragen zu können. So können die grünen Zygoten von Hydrodictyon, denen solches Öl fehlt, nur unter der Bedingung ohne Schaden austrocknen, dass sie vor Licht ge- schützt werden , denn unter Einwirkung desselben entfärben sich die ge- trockneten Zygoten sofort, indem sie absterben'*). Die vegetativen Zellen von Hydrodictyon sollen nach Vaucher ^) sowohl intensive Kälte wie volle Son'uengluth in einem wasserleeren Graben über- 1) RosTAFiNSKY und WoRONiN , Über Botrydium granulatum. In: Botanische Zei- tung. 1877, p. 659 u. 661. 2) In der genannten Abhandlung p. 173. 3) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. 1850, p. 229. 4) Falkenberg, In der citirten Abhandlung, p. 174. 5) Histoire des conferves. p. 87. Citirt bei F. Gohn , Entwicklungsgeschichte der mikroskopischen Algen und Pilze. In: Nova Acta Academiae Leopoldinae Carolinae Na- turae curiosorum. Tom. XXIV. 1. Theil, 1854, p. 227 u. 228. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 23 dauern können, was Cohn jedoch für die grünen Zellen bestimmt bestreiten zu müssen glaubt. Andere Chlorophyceen überstehen die Trockenheit ohne Lebensgefahr in ihrer gewöhnlichen vegetativen Gestalt. Hormidium parietinum z. B. erwies sich, nachdem ich es 6 resp. 16 Wochen an der Luft oder über Schwefelsaure getrocknet hatte, als lebend, wenn auch immer eine Anzahl der Versuchsobjekte einging. Auch Scenedesmus obtusus und Cystococcus humicula fand ich nach langer Lufttrockenheit sowie nach sechs-, auch fünfzehn wöchentlichem Aufbewahren über Schwefelsäure am Leben er- halten. Die Dauerzustande von Chlorochytrium Lemnae , Endosphaera biennis und Phyllobium dimorphum, drei endophyter Protococcaceen , können sich auch nach monatelanger Austrocknung weiterentwickeln i) . Bei Ghlamydomonas obtusa beobachtete Alex. Braun 2) , dass die ein- mal in den Ruhezustand übergegangenen Zellen allmählich Fettkügelchen produziren , dabei aber Wachsthum und Vermehrung einstellen. Die in diesem Zustand befindliche Ghlamydomonas bedarf, um eine Weiterentwick- lung aufnehmen zu können, einer bestimmten ziemlich weit gehenden Aus- trocknung, denn nach einer vierwöchentlichen Trockenhaltung zeigten sich noch keine Veränderungen , während nach reichlich fünf Monaten bei er- neuter Wasserzufuhr wieder neue schwärmende Zellen auftraten. Ein ähnliches Verhalten glaube ich bei Ghlamydomonas Pulvisculus an- nehmen zu dürfen. Diese lieferte mir nach dreizehnwöchentlichem Aufbe- wahren über Schwefelsäure zahlreiche Schwärmer, nachdem sie mehrere Tage wieder mit Wasser in Kontakt gewesen , während nach ebenso langer Lufttrockenheit unter im übrigen gleichen Bedingungen keine Schwärm- zellen aufzufinden waren. Da jedoch nur anderthalb Wochen länger an der Luft gelegene Ghlamydomonas ebenfalls in den schwärmenden Zustand über- ging , so kann das Nichterscheinen von Schwärmern in dem erwähnten Falle vielleicht auch ein zufälliges gewesen sein. An dieser Stelle will ich noch bemerken, dass bei Versuchen, bei wel- chen es sich um so häufig vorkommende Objekte wie Ghlamydomonas han- delte, deren Verbreitung durch den Staub der Luft nicht ausgeschlossen war, ich mich stets kleiner Kochflaschen bediente , deren Hals ich durch einen Baum wollbausch schloss, nachdem das nöthige Wasser darin zum Sieden erhitzt war. Nach dem Erkalten wurde das Wasser durch Schütteln wieder mit Luft gesättigt und die Baumwolle nur bei der Eintragung der direkt aus dem Exsikkator kommenden Versuchspflanzen gehoben. Dass eine Austrocknung zuweilen fördernd, ja selbst nothwendige Be- 1) Klebs, Beiträge zur Kenntnis niederer Algenformen. Bo t an isclie Zeitung 1881 . p. 255. 265 u. 281. 2) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. -1850, p. 228. 24 G. Schröder. dingung für die Weiterentwicklung werden kann, zeigt noch deutlicher als Ciilamydomonas das Verhalten des den Flagellaten angehörenden Chlorogo- nium euchlorum. Dr. Klebs i) beobachtete, dass die in den Ruhezustand übergegangenen Kopulationsprodukle des Chlorogonium nach längerer Trockenheit, z. B. nach einem Jahre, reichlicher keimten, als nach drei Mo- naten, nach dieser Zeit wieder in größerer Zahl als nach drei Wochen, wo nur wenige sich entwickelten. Dass dabei mehr der Grad der Wasserent- ziehung als die Dauer der Trockenheit der Faktor ist, welcher für die Fort- entwicklungsfähigkeit des Chlorogonium bestimmend wird, geht aus fol- genden Versuchen hervor. Ich nahm eine Portion reifer Ruhesporen aus dem Wasser, trocknete sie zwischen Fließpapier ab und brachte einen Theil derselben in einen Exsikkator über Schwefelsäure, während die andere Hälfte frei an der Luft liegen blieb. Nach drei Tagen übergoss ich Proben beider Trockenprodukte mit Wasser. Innerhalb vierundzwanzig Stunden hatten die über Schwefel- säure getrockneten Sporen neue schwärmende Ghlorogonien entwickelt, aber in dem Wasser der frei an der Luft getrockneten waren keine beweg- lichen Zellen aufzufinden. Eine fünf- oder achttägige Lufttrockenheit da- gegen befähigte schon viele Ruhesporen zur Fortentwicklung, jedoch bei w^eitem nicht so viele, als durch eine gleichlange Schwefelsäuretrockenheit keimfähig gemacht wurden. Massenhaft produzirten Schwärmer fünf oder achtzehn Wochen im Exsikkator getrocknete Sporen nach eintägiger Be- netzung. Diese Sporen werden auch in ihrer Reife durch langsames Aus- trocknen des sie enthaltenden Wassers gefördert: die bewegliche Form wird schon durch Trocknen an der Luft zerstört. Über Euglena viridis giebt der letztgenannte Autor 2) an, dass die Dauerzustände derselben mehrere Wochen völliges Austrocknen ertragen, um nach dem Eintragen in Wasser wieder in Bewegung überzugehen ; ferner fand er, dass die Euglena, auch ohne den Dauerzustand angenommen zu haben, eine relativ große Trockenheit erträgt. Die bewegliche Form vermag sich nämlich, wenn sie z. B. im Sommer auf ihren Standorten in Straßenrinnen etc. einer plötzlichen Dürre ausgesetzt oder auf dem Objekt- träger mit Lehmtheilchen eingetrocknet wird, mit einer Schleimhülle, an der noch Theile der umgebenden Gegenstände kleben bleiben, zu umgeben und in dieser Gestalt einer nicht zu weit schreitenden Trockenheit zu widerstehen. Nach einer intensiveren, längere Zeit dauernden Austrock- nung (von 7 resp. 12 Wochen) wollte es mir nicht gelingen, weder diese Form noch die Dauerzustände durch Befeuchten wieder ins Leben zu- rückzurufen. ^) über die Organisation einiger Flagellaten -Gruppen und ihre Beziehungen zu Algen und Infusorien. Untersuchungen aus dem botanischen Institut zu Tübingen. I. Bd. 2. Heft. 1883, p. 340. 2) In der zitirten Abhandlung, p. 283. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 25 Schon seit Flotow's ^) Untersuchungen über Haematococcus pluvialis (Chlamydococcus pluvialis Alex. Braun) ist die außerordentliche Dauer der Lebensfähigkeit bei den Ruhezuständen dieser Volvocinee bekannt. Flotow bemerkte, dass man diese Alge, nachdem dieselbe 3, auch 14 Monate lang trocken in der Sammlung aufbewahrt gewesen , durch Übergießen mit Wasser wiederbeleben könne. Er sah in diesem Faktum den »schlagendsten Beweis für die pflanzliche Natur« dieser damals noch nicht in ihren ver- wandtschaftlichen Beziehungen zu anderen Volvocineen näher bekannten beweglichen Organismen. Gohn^) erhielt aus zwei Jahre lang trocken ge- wesenen Proben neue Schwärmer und Alex. Braun 3] sah solche aus zwei- jährigen eingetrockneten Massen nach 32 Stunden und aus sieben Jahre alten nach dreitägiger Einweichung hervorgehen. Dieser Forscher bemerkte auch 4), dass es nur die ruhenden, dickwandigen Zustände des Chlamydo- coccus sind, welche die Austrocknung überstehen , dass aber für diese die Austrocknung eine Nothwendigkeit zur Fortentwicklung bildet, da sie sich im Wasser bei monatelangem Aufbewahren nur verändern, um abzusterben. Die erstere Thatsache ist nach Cohn ^) wahrscheinlich auch der Grund, weshalb derselbe aus auf Papier oder auf dem Objektträger eingetrockne- ten Chlamydococcen keine lebenden Individuen erhielt; die schwärmenden Zellen hatten eben bei der schnellen Wasserverdunstung, wie sie in sol- chem Falle vor sich geht, nicht Zeit gefunden, in den Dauerzustand über- zugehen. Dieser kann aber schon nach eintägigem Austrocknen unter ge- eigneten Bedingungen wieder bewegliche Form annehmen. Einige Versuche will ich noch erwähnen, welche ich selber mit dieser Alge anstellte. Es stand mir durch die Güte des Herrn Dr. Klebs ein von ihm im Juli 1 879 eingetrocknetes Material zur Verfügung , welches seit dieser Zeit bis zum Mai 1884, also fast fünf Jahre hindurch, in Papier ein- gewickelt lufttrocken aufbewahrt war. Ich übergoss eine Pi'obe davon mit Wasser und nach zwei Tagen konnte ich zahlreiche neue Schwärmer be- merken. Von dieser Kultur wurde das Wasser allmählich verdunsten ge- lassen, und als völlige Lufttrockenheit erreicht war, wurde das Gefäß noch fünf Wochen über Schwefelsäure gestellt. Dann wurde es wieder mit Wasser angefüllt und schon am folgenden Tage zeigten sich massenhaft neue bewegliche Zellen. Von der erstgenannten fünf Jahre alten eingetrock- neten Masse wurden noch Proben 1 Wochen hindurch im Exsikkator auf- bewahrt. Auch dann ließen sich hieraus noch zahllose schwärmende Ghla- 1) Über Haematococcus pluvialis. In: Nova Acta Academiae Leopoldinae Caro- linae nalurae curiosorum. Tom. XX. 2. Theil. 1844 p. 435 u. 500. 2) Nachträge zur Naturgeschichte des Protococcus pluvialis. In : Nova Acta Aca- demiae Leopoldinae Carolinae naturae curiosorum. Tom. XXII. 2. Theil. 1850, p. 626. 3) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. 1850, p, 225. 4) Ebenda, p. 224 u. 22'^ Anmerkung. 5) In der oben genannten Abhandlung, p. 629 u. 723. 26 G. Schröder. mydococeen erziehen. Um allen Täuschungen vorzubeugen, verwendete ich nur frisch ausgekochtes Wasser und vor dem Gebrauch erhitzte Gläser. Nachdem verschiedene Proben dieses alten Materials acht Monate über Schwefelsäure gestanden hatten , waren Wiederbelebungsversuche erfolg- los, während sie mit frischen, ebenso lange über Schwefelsäure ausgetrock- neten Kulturen leicht gelangen. Die Alge des rothen Schnee's, Chlamydococcus nivalis, konnte Cohn ^) nicht, weder in frischem, noch in eingetrocknetem Zustande, lebend erhalten. Stephanosphaera pluvialis gleicht insofern in der Verhaltungsweise gegenüber der Trockenheit dem Chlamydococcus pluvialis, als auch bei ihr die schwärmenden Zustände bei Einwirkung der Trockenheit zerfließen und die ruhenden Zellen im Wasser durch keinerlei Mittel zur Verjüngung gezwungen werden können , eine kürzere oder längere Austrocknung mit nachfolgender Befeuchtung dagegen die Bildung beweglicher Stephano- sphaerafamilien leicht bewirkt 2). Unter den Palmellaceen trifft man Organismen, welche zum Theil sehr intensives und andauerndes Trocknen ohne jede Schädigung ertragen, wäh- rend andere Spezies schon durch relativ schwache Austrocknung vernichtet werden. Pleurococcus vulgaris, den ich mit seinem Substrat, Platanenrinde, zwanzig Wochen an der Luft resp. über Schwefelsäure liegen ließ, erwies sich nach dem Befeuchten als lebend. Es ist bald nach dem Benetzen zu- erst nicht leicht zu erkennen, ob todte oder lebende Pleurococcuszellen vor- liegen ; doch sind die todten , wenn sie vierzehn Tage auf Wasser ge- schwommen oder sonstwie feucht gehalten sind , meist entfärbt oder we- nigstens völlig degenerirt. Solche fanden sich auch unter den im Exsikka- tor getrockneten Pleurococcen in einiger Anzahl. Pleurococcus miniatus erhält nach Alex. Braun ^j ebenfalls in getrock- netem Zustande längere Zeit sein Leben. Porphyridium cruentum, das in der Natur nur an feuchten Orten, z. B. am schattigen Grunde von Mauern fortkommt, verlor seine Lebensfähigkeit schon bei Lufttrockenheit. Ein rother Farbstoff tritt beim Wiederbenetzen aus den Zellen aus und die sonst verdeckte grüne Färbung bleibt zurück. Übrigens trocknen die Porphyridiumzellen nicht gerade schnell aus wegen 1) Entwicklungsgeschichte der mikroskopischen Algen und Pilze, in: Nova Acta Aeaderaiae Leopoldinae Carolinae naturae curiosorum. Tom. XXIV. 1. Theil. 1854, p. 168. 2) CoHN und Max WiCHURA, Über Stephanosphaera pluvialis. In: Nova Acta Aca- demiae Leopoldinae Carolinae naturae curiosorum. Tom. XXVI. 1. Theil. Nachtrag. 1857, p. 5. 11 u. 13. 3) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. 1850, p. 229 Anmerkung. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 27 ihres Zusammenlebens in dichtgedrängten Kolonien, die von einer reich- lichen Gallertabsonderung eingehüllt sind. Etwas auseinandergehend zeigen sich bei den verschiedenen Forschern die Angaben , welche das Verhalten der Diatomeen bei eingreifender Trockenheit betreffen. Falkenberg i) bezeichnet die sogen. Kratikularzu- stände, Dauerzustände, welche durch Ausbildung neuer Membranhälften, die fest um den kontrahirten Protoplasmakörper zusammenschließen, inner- halb der alten Kieselmembranen entstehen, als die Form, in welcher die Diatomeen einer vollständigen Austrocknung Widerstand zu leisten vermö- gen. Pfitzer2] nimmt die Möglichkeit an, dass kleinere Genera insbeson- dere beim Austrocknen des sie enthaltenden Schlammes im Staub durch den Wind fortgeführt werden und, sobald sie wieder in Wasser gelangen, dort ihr Leben fortsetzen könnten. Er erklärt damit auch das Vorkommen von Diatomeen im Wasser von Regentonnen und solchen Wassei'gläsern, die längere Zeit im Zimmer gestanden haben. Petit^) behauptet, dass bei einer genügend langsamen Eintrocknung das Plasma sich in eine Ecke der Zelle zusammenzöge, um bei erneuter Benetzung selbst nach sechs- bis achtmo- natlicher Trockenheit im Laufe von acht Tagen allmählich wie vorher den ganzen Zellraum auszufüllen und die Diatomee wieder beweglich zu machen. Habirshaw^) glaubt sogar, dass Schlamm, der in einer Glasflasche eingetrocknet war und sechs Jahre so gestanden hatte , die Bacillariaceen geliefert habe, welche er in dem Wasser, das er neu aufgoss, nach einigen Tagen lebend fand. Beobachtungen Ehrenberg's^), die auch Pfitzer^) be- stätigt, zeigen, dass die Diatomeen in kaum noch feuchter Umgebung ihr Leben zu erhalten wissen, und ferner, dass sie, insbesondere wenn sie, wie das häufig der Fall ist, in kolossalen Mengen beisammen sind, sehr schwierig trocken werden , dass sie vielmehr hygroskopisch genannt zu werden verdienen. Ehrenberg sagt darüber : »Die schon im Monat Juni auf einer völlig trockenen, hochgelegenen, unebenen Stelle des Thiergartens ausgeladene, anfangs einem nassen Schlamme gleiche Infusorienmasse trocknete allmählich zn einer festen Erde ein, die aber, aller Sonnenwärme ungeachtet, nie völlig hart wurde. Ich untersuchte zu Ende Juli's und auch neuerlich zu Anfang August's diese Erde und fand, dass, wenn sie mit Wasser versetzt wurde, zahllose Thier- 1) Die Algen im weitesten Sinne. In: Schenk, Handbucti der Botanik. II. Bd. 1882, p. 301. 2) Diatomeen. In: Schenk, Handbuch der Botanik. II. Bd. 1882, p. 405. 3) La desiccation fait-elle perir des Diatomöes? Botanischer Jahresbericht 1878. I. p. 407. 4) The revivificalion of Diafoms. Botanischer Jahresbericht 1878. I. p. 407. 5) Über das Massenverhältnis der jetzt lebenden Kieselinfusorien etc. In : Abhand- lungen der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1836, p. 129. 6) Untersuchungen über Bau und Entwicklung der Bacillariaceen. In : Hanstein, Botanische Abhandlungen. I. Bd. 2. Heft. p. 168. 28 G. Schröder. chen noch Völlig lebendig umherkrochen. Dergleichen Erde , welche, ob- wohl Leben, doch durchaus keinen Modergeruch besitzt, war aber und ist noch jetzt im Thiergarten fuderweis vorhanden. So zeigen sich denn die Infusorien zum Theil als ohne Wasser fortlebende amphibische Thiere, aber einmal getrocknet, das heißt, seiner eigenen organischen Feuchtigkeit wirklich beraubt , lebt keines derselben wieder auf. Ferner giebt es mit- hin eine lebende Dammerde, welche bis zu zwei Drittheilen ihres Volumens aus dem bloßen Auge unsichtbaren zahllosen Millionen von Thieren besteht, und welche mehrere Monate lang, vielleicht länger, nur durch den Wasser- dunst der Atmosphäre gefeuchtet, in der Hitze des Sommers lebendig fort- dauert«. Um mich von der Verhaltungsweise dieser Organismen bei völliger Trockenheit zu unterrichten , habe ich zahlreiche kleinere wie größere Mengen von Schlamm oder Erde mit Diatomeen frei an der Luft liegen lassen oder auch ganz langsam unter Glasglocken eindunsten lassen. Aber selbst wenn ich große Schüsseln und Eimer voll Schlamm eintrocknete und die Verdampfung so regulirte, dass Wochen und Monate darüber hinweggingen, bis völlige Lufttrockenheit erreicht war, habe ich in keinem Falle eine lebende Diatomee gefunden , wenn eine wirklich total lufttrockene Schlamm- oder Erdmasse mit Wasser wieder in Kontakt kam, auch nach wochenlangem Stehenlassen. Bei meinen Versuchen mit an denselben Standorten vorkommenden Oscillarien, Euglenen, Desmidiaceen etc. konnte ich ebenfalls fast immer in der eingetrockneten Substanz, Diatomeen aber nur in abgestorbenem Zustand bemerken. Stets benutzte ich natürlich ge- kochtes oder destillirtes Wasser. Kratikularzustände und Auxosporen nach dieser Richtung hin zu untersuchen, hatte ich leider nicht Gelegenheit. Da die ersteren nun bislang nur von wenigen Arten bekannt sind, beide Formen aber sich nur sehr selten zeigen, wir aber doch fast in jeder Regenrinne und jeder kleinen Pfütze bei nassem Wetter lebende Diatomeen antreffen , so kann ich mir die Erhaltung derselben an diesen Orten nur durch die Annahme erklären, dass im Freien die obere Bodenschicht nicht leicht einer so weit gehenden Austroeknung unterliegt, wie sie kleinere Mengen Erde im Zimmer thatsächlich erfahren. Diese Annahme findet eine Stütze in den oben zitirten Angaben Ehrenberg's undPriTZER's, dass die Ba- cillariaceen in kaum noch feuchter Erde lange Zeit ihr Leben zu bewahren vermögen, sowie in den Ergebnissen folgender Versuche. Eine Anzahl kleiner Blumentöpfe füllte ich mit guter, an Diatomeen, wie z. B. Pinnularia viridis, Surirella ovata, Navicula viridula und anderen kleinen Naviculeen und Nilzschien reicher Humuserde, stellte sie so auf, dass die Luft nach allen Seiten hin, also auch zum Boden Zutritt hatte, und deckte über alle zusammen eine sehr große Glasglocke, die oben mit einem offenen Tubus versehen war. Auf diese Weise erzielte ich eine ebenso langsame wie gleichmäßige Verdunstung. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 29 Nach etwa fünf Wochen nahm ich einen Topf heraus und bestimmte in der einen Hälfte seines Inhalts die Wassermenge. Sie betrug 14,8^ des Gewichts. Die andere Hälfte der Erde durchfeuchtete ich wieder und fand darin dann am nächsten Tage zahlreiche bewegliche Diatomeen, Nach weiteren acht Tagen enthielt die Erde eines zweiten Topfes noch 12,25^ Wasser und ebenfalls lebende Bacillarien, darunter die sonst nur im Wasser vorkommende Melosira varians. Nach Verlauf der folgenden Woche war der Wassergehalt der Erde eines dritten Topfes auf 9,05^ heruntergegan- gen, damit aber auch das Leben der in der Erde vertheüten Diatomeen er- loschen. Dasselbe war bei den zwei letzten Töpfen der Fall, deren Erde bis auf 5,5 resp. 5,0^ Feuchtigkeitsgehalt ausgetrocknet war. Eine an- dere Portion der gleichen Erde, welche 14 Tage in dünner Schicht frei an der Luft getrocknet war, wies einen Gehalt von 4,04^ Wasser auf. Nach dem Aussehen waren die einzelnen getrockneten Erdproben kaum zu un- terscheiden. Im Freien sinkt die Feuchtigkeitsmenge im Boden nicht leicht auf so geringe Procentzahlen herunter; in einem hoch- und freiliegenden recht sandigen Lehmboden fand ich, nachdem ich ihn nach außergewöhnlicher Dürre nachmittags in noch nicht zwei Centimeter tiefer Schicht abgenom- men hatte, noch 6^ Wasser. Morgens wird er jedenfalls durch Einfluss des Thaus feuchter gewesen sein. Nun geht aber aus von Sachs i) ange- stellten Versuchen hervor, dass Pflanzen einem schlechten Lehm- oder Sandboden noch Wasser entreißen können, wenn sie es bei einer besseren Humuserde mit gleichem Wassergehalt, aber größerer wasserhallender Kraft nicht mehr vermögen. Daher scheint es nicht so unerklärlich, wenn wir die bei wirklich gänzlicher Lufttrockenheit absterbenden Bacillariaceen doch in für gewöhnlich wasserleeren Regenpfützen lebend finden. Geht auch vielleicht die allergrößte Zahl während der trocknen Zeit zu Grunde , einige Überlebende ersetzen sie bei ihrer rapiden Vermeh- rungsweise bald. In der schnellen Vermehrung glaube ich auch den Grund für die Anwesenheit ganzer Kolonien kleiner Naviculeen und Nitzschien in Wassergläsern, wie sie Pfitzer erwähnt, suchen zu müssen. Ein ein- ziges Exemplar, das mit dem Wasser eingeführt wurde, kann in einiger Zeit eine große Anzahl von Generationen geliefert haben. Die den Diatomeen auch in mancher anderen Hinsicht nahestehenden Desmidiaceen schließen sich denselben ebenfalls bezüglich ihrerVerhaltungs- weise einem Eingriff der Trockenheit gegenüber an. Wenigstens waren neun verschiedene Spezies, die ich einer darauf bezüglichen Probe unter- 1) Über den Einfluss der chemischen und physikalischen BescliafTenheit deS Bo- dens auf die Transpiration der Pflanzen. In: Die landwirthschaftlichen Versuchs-Sta- tionen. I. Bd. 1859, p. 234. 30 G. Schröder. zog, durch dieselbe ihrer Lebensfähigkeit beraubt. Diese Arten waren Tetmemorus granulatus, Pleurotaenium Trabecula b. granulalum, Closte- rium turgidum, Closterium Dianae, Cosmarium pyramidalum, Cosmarium cucumis, Euastrum ansatum , Euaslrum crassum, Euaslrum verrucosura. Sie befanden sich sämmtlich in ihrem gewöhnlichen vegetativen Zustande; ob sie vielleicht in der Form von Zygosporen weniger empfindlich sich er- weisen, vermag ich nicht anzugeben; doch erwähnt Ralfs ^), dass häufig in den Pfützen nicht mehrere Jahre hintereinander dieselben Desinidiaceen sich erhielten, selbst wenn sich auch Sporen gebildet gehabt hätten. Es scheint mir die Möglichkeit nicht ausgeschlossen zu sein , dass in solchen Fällen die vegetativen Desmidiaceen wie deren Sporen durch eine vorge- kommene Austrocknung des Tümpels oder durch die ebenfalls als Wasser- entziehung wirkende Kälte des Winters vernichtet wurden. Einen Fall, in welchem Hyalotheca dissiliens und andere Spezies dieses Genus in einem alten Regenfass fern von irgend einem sonstigen Standpunkt für Desmidia- ceen gefunden wurden, glaubt Ralfs 2) nicht anders erklären zu können als dadurch, dass man annehme, es befänden sich massenhaft Sporen in der Luft, oder, was wahrscheinlicher sei, dass sie an Wasserinsekten in die Tonne gelangt seien. Bleiben so kleine Organismen an der Oberfläche von Wasserkäfern und anderen Sumpfbewohnern etwa in Falten oder unter Schuppen kleben , so werden sie , auch wenn das Thier durch die Luft fliegt, lange Zeit feucht erhalten bleiben. Auf solche Weise werden wohl die meisten neu entstehenden stagnirenden Gewässer mit kleinen pflanz- lichen oder thierischen Gebilden, die nicht durch den Staub in lebendem Zustande hineingelaugen können, bevölkert werden. Übrigens finden die Desmidiaceen in dem gallertartigen Schleim, wel- chen sie in größerer Menge abzusondern vermögen, einen wirksamen Schutz gegen die erste Einwirkung der Trockenheit^). Von Penium curtum, welches in hohem Grade diese Schleimsekretion zeigt, giebt Alex. Braun ^) an, dass es bei längerer Kultur in Wasserschüs- seln allmählich unter Schwinden der grünen Farbe mit fettem Öl sich er- fülle, um in einen unthätigen Zustand überzugehen, der mit dem Tode der Zellen endige, wenn die Flüssigkeit nicht austrockne. Geschähe dieses aber, so entständen schon am folgenden Tage nach wiedererfolgter Be- netzung neue Gallertwolken mit zahlreichen frisch ergrünten lebensthäti- gen Individuen. Die Größe der wiederbelebten , nun von Öl freien Des- midien beweise , dass dieselben nicht aus Sporen hervorgegangen sein könnten. 1) The british Desraidieae. 185 8, p. 15. 2) Ebenda, p. 14. 3) Ralfs, in der zitirten Abhandlung, p. 15. 4) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. 1850, 219. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 31 Über die Bildung und die Bedeutung der Ruhezellen bei verschiedenen Zygneniaceen finden sich Angaben bei de Bary i) : Wenn das Wasser, in welchem Zygnema leiospermuni, Z. slellinum, Z. Vaucheri, Z. pectinatum vegetirten, nach und nach verdunstete; so gingen die gewöhnlichen, nicht zur Fruktifikation gelangten Fäden in eine Ruheform mit an Stärkekörnern und an fettem Öl reichen und öfter mit braungefärbten Membranen ver- sehenen Zellen über. Durch Zuführung einer größeren Quantität Wasser konnten diese Zustände wieder in die gewöhnliche Form zurückgeführt werden. Wurden sie der Austrocknung exponirt und hernach wieder mit Wasser übergössen, so nahmen sie ebenfalls nach einiger Zeit wieder das- selbe Aussehen an, welches sie vor der Eintrocknung zeigten. Die ge- wöhnlichen vegetativen Zygnemaceenzellen scheinen alle sehr leicht durch Austrocknen getödtet zu werden. Die Zygoten aber sind diejenigen Gebilde der Zygneniaceen, welche gegen die Trockenheit am widerstandsfähigsten zu sein scheinen. Reife Sporen von Zygnema stellinum, welche vom Juli 1879 bis zum Juni 1884 lufttrocken aufbewahrt waren, übergoss ich um diese Zeit mit reinem Wasser und konnte dann nach mehreren Wochen eine ganze Anzahl junger Zygnemen auffinden, darunter einige erst zweizeilige, an denen sich noch die alte Sporenhaut befand. Wenden wir uns nun der Klasse der Schizophyceen zu, so stoßen wir auch hier auf Gebilde , deren Resistenz gegen Trockenheit in deutlichster Beziehung steht zu dem Medium , welches ihnen als Wohnstätle dient. Nostoc commune lässt nach der Art seines Auftretens bei Regenwetter auf Wegen und sandigen Plätzen und seines fast völligen Verschwindens durch Zusammenschrumpfen bei herrschender Trockenheit von vornherein ver- muthen, dass es einen außerordentlichen Wasserverlust ohne Gefahr für das Leben seiner Zellen zu erdulden im stände sein muss. In der That konnte ich bei einer Untersuchung vier Monate lufttrocken, resp. fünf Wochen über Schwefelsäure gehaltener Nostoclager beobachten, dass alle Zellen, ausgenommen natürlich schon vorher todt gewesene Grenzzellen, nach erneuter Wasserzufuhr zum Beweise des Lebendigseins durch eine etwas konzentrirte Salpeterlösung sich kontrahiren ließen. Eine mehr ver- dünnte Salzlösung nimmt den Nostoczellen ihre Turgescenz nicht. Nach- dem der Nostoc sieben Monate über Schwefelsäure aufbewahrt war, fand ich nur wenig Abgestorbenes und die alten Lager produzirten auf feuch- tem Sande bald neue Klümpchen. Eine andere sehr großzellige Nostocspezies , die zwischen einem Moos erwachsen und mit diesem getrocknet, zwei und ein halbes Jahr im Herbar i) Untersuchungen über die Familie der Conjugaten. -1858, p. 10. 32 ■ G. Schröder. gelegen hatte, konnte ich durch 24 Stunden langes Aufbewahren in der Feuchtkammer ebenfalls wiederbeleben. Die den Nostoczellen sehr ähnlichen vegetal'ven Zellen des Gylin- drospermum makrospermum haben nicht eine solche Lebenszahigkeit wie erstere aufzuweisen ; ihnen wurde schon eine vier Wochen dauernde Luft- trockenheil tödllich. Das Cylindrospermum bildet aber einzelne Glieder- zellen zu größeren dickwandigen Sporen um, die, sobald sie gereift sind, der Trockenheit mit Erfolg widerstehen. Ein Aufentlialt im Exsikkator von vier Monaten hatte das Leben derselben /nicht gescliädigt; die noch im unreifen Zustande befindlichen Sporen waren jedoch schon binren vier Wochen zu Grunde gegangen. Auf der Erde, von welcher ich schon früher bei Beschreibung meiner Versuche mit Diatomeen zu erwähnen Gelegenheit hatte, dass sie nach län- gerer Dürre noch %% Wasser enthielt, fanden sich auch lebende Exem- plare von Sirosiphon ocellatus. Ich brachte diese in einen Exsikkator, in welchem sie während sechs Wochen, ja selbst fünf Monate hindurch ihr Leben zu erhalten im stände waren. Wiederbefeuchlet setzten sie ihr Wachsthum ohne bemerkbaren Schaden erlitten zu haben fort. Am auffallendsten tritt die Anpassung der einzelnen Spezies an das Medium, auf resp. in welchem dieselben leben, unter den Schizophyceen bei der Gattung Oscillaria hervor. Die nur im Wasser vorkommenden kleinzelligen Arten, wie Oscillaria tenerrima, fand ich nach achtwöchent- licher Lufttrockenheit stets degenerirt. Oscillaria antliaria und Oscillaria tenuis, welche man auch wohl auf Schlamm und gelegentlich auch völlig außerhalb des Wassers antrifft, konnten an der Luft staubtrocken werden und wochenlang so bleiben, um bei der Benetzung nach einem halben Tage wieder lebhaft ihre Bewegungen auszuführen. Sie waren nur v^enig zerfallen , sondern hatten sich vielmehr in Schleim gehüllt der Länge nach aneinander gelegt. Dieselben Spezies wurden durch sieben Wochen dauernden Aufenthalt über Schwefelsäure getödtet. Auch bei vorsichtigem Befeuchten fielen sie nach einiger Zeit der Fäulniss anheim. Eine andere Oscillaria tenuis war mit Euglenenschlamm zusammen eingetrocknet und in Papier gewickelt anderthalb Jahre aufbewahrt. Nach erneuter Wasser- zufuhr bemerkte ich in der Masse nach einigen Tagen zahlreiche entschie- den lebende , bewegliche und durch Salpeterlösung kontrahirbare Fäden, besonders in solchen Schlammstücken, die nur von unten auf Wasser auf- genommen hatten und mit der Luft hinreichend in Berührung gewesen waren. Eine Oscillaria (subfusca?), welche ich unter Dachrinnen auf Erde und Steinen fand, wo sie bei regenlosem Wetter häufig derartig eintrock- nete, dass die Rasen sich in muschelförmigen Stücken von der Erde ab- lösten, erhielt sich auch drei, selbst sieben Monate lang im Zimmer in luft- trocknem Zustand lebend. Nach siebenwöchentlieher Schwefelsäuretrocken- über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 33 heit war zwar das Absterben bei der ttberwiegenden Mehrzahl der Fäden erfolgt, doch konnte ich an einzelnen Fäden oder Fadenstücken, welche von den dicht gedrängt zusammenliegenden, mit Gallertscheiden umgebenen todten Oscillarien eingehüllt waren , nach dem Befeuchten die bewahrte Lebensfähigkeit bestimmt konstatiren. Diese Fäden wurden nach dem Be- netzen mit der Bückkehr des Turgors aus den Gallertscheiden herausge- presst. Nach etlichen Stunden nahmen sie auch ihre selbständigen Bewe- gungen wieder auf und im Verlauf einiger Tage bedeckten sie bereits die ganze Oberfläche des Wassers. Nach 41/2 oder sieben Monaten fand ich jedoch alles Leben in den so scharf getrockneten Massen erloschen. Auf Blumentöpfen der hiesigen Warmhäuser kommt eine 10 bis 13 fji (äußerste Grenzen) dicke graubraune, im Lager grauviolettschwarze Oscil- laria (sancta?) vor, die sich empfindlicher gegen Austrocknen zeigt als an- dere Arten dieser Größe. Es bedurfte nur einer vier bis sechs Wochen dauernden Lufttrockenheit, um in den mit Erde zusammenhängenden Rasen alles Leben zu vernichten. Besonders wenn die Oscillaria rasch, z. B. auf dem Objektträger getrocknet wurde, zerfiel sie bei erneuter Be- feuchtung in lauter einzelne Zellen, indem zugleich ein violetter Farbstoff austrat, während ein grüner zurUckblieb. Unter diesen Oscillarien fanden sich noch einzelne ebenso gefärbte und ebenso gestaltete Fäden , welche aber circa 19 [x dick waren. Diese ertrugen Lufttrockenheit. Wurden sie getödtet, so verhielten sie sich wie die anderen. Das Vorkommen der gallertartigen Scheiden und ihre Bedeutung als Schutzmittel bei Wassermangel ist von Borzi^) erkannt. Hansgirg^) beobachtete bei Oscillaria antliaria, welche lange Zeit im Herbarium trocken aufbewahrt war, sobald dieselbe wieder befeuchtet wurde, eine zuerst passive, durch Quellungsvorgänge hervorgerufene, spä- ter aber auch selbständig werdende Bewegung der Fäden. Ferner sah er, dass Oscillariafäden auch in nicht wässrigen Flüssigkeiten, wie Mandelöl, ihre Kriechbewegungen machen können, so lange nicht das die Fäden in ganz dünner Schicht umgebende Wasser verdunstet ist. Aber damit ist die Grenze einer unschädlichen Wasserentziehung noch nicht überschritten. Ein 195 [X langer Faden von Oscillaria antliaria verkürzte sich beim Aus- trocknen auf dem Objektträger, nachdem das letzte umgebende Wasser verdunstet war, innerhalb fünfzehn Minuten noch um 39 [x. Als Hansgirg nun von neuem befeuchtete, verlängerte sich der Faden wieder und kehrte binnen fünf bis zehn Minuten auf seine früheren Dimensionen zurück. Eine bedeutendere Verkürzung fand auch bei wiederholten und auf längere Zeit ausgedehnten Versuchen nicht statt. Es scheint daher der Protoplasma- 1) Citirt bei Falkenberg, Die Algen im weitesten Sinne. In: Schenk, Handbuch der Botanik. II. Bd. 1882, p. 306. 2) Bemerkungen über die Bewegungen der Oscillarien. In : Botanische Zeitung 1883, p. 836 u. 837. UnterBuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. II. 3 34 G. Schröder. körper bei der genannten Alge nur bis zu diesem bestimmten Grade Was- ser abgeben zu können, ohne dabei Schaden zu nehmen. Pilze. Ungleich geringer als bei den Algen ist die Zahl der Repräsentanten der Klasse der Pilze, welche eine so weit ausgebildete Widerstandsfähig- keit bei der Austrocknung zeigen, dass ihr Vegetationskörper einen solchen Eingriff in seine Lebensthätigkeit überwindet. So bedarf es z.B. nur einer kurzdauernden Trockenheit, um die Hyphen von Schimmelpilzen und Hut- pilzen zu verderben. Fäden von Penicillium glaucum, Phycomyces nitens, Mucor Mucedo , selbst wenn sie erst eben aus der Spore hervorgegangen waren, fand ich schon nach ganz schwacher Austrocknung desorganisirt. Die verschiedenen Arten der Fortpflanzungszellen, sowie die bei man- chen Spezies auftretenden Sklerotien sind die wichtigsten Gebilde , welche die Pilze produziren, um vermittelst derselben eine Zeit des Wasserman- gels zu überdauern. Doch sind auch hier noch Ausnahmen zu konstatiren. Sporen von Penicillium glaucum und von Mucor Mucedo keimten mir prompt nach einer acht Wochen dauernden Schwefelsäuretrockenheit. Die Sporen von Phycomyces nitens gelten zwar für sehr vergänglich bezüglich ihrer Keimkraft, doch keimten frische Sporen, welche ich sieben Wochen über Schwefelsäure trocknen ließ, fast sämmtlich, wenn ich sie auf Brot oder besser auf Pflaumendekoktgelaline aussäte. Andere trocken auf- bewahrte Sporen dieser Spezies hatten ihre Keimfähigkeit 5 , 11, selbst 1 7 Monate lang bewahrt, ja sogar auch dann, wenn ich sie während dieser Zeit zuletzt noch sieben Wochen über Schwefelsäure hatte stehen lassen. Ich hatte Gelegenheit, mit Phycomycessporen, welche am 2. August 1881 eingesammelt und bis zum 11 . August 1884, also drei Jahre in geschlosse- nem Glase mit Chlorcalcium zusammen aufbewahrt waren , Keimungsver- suche anzustellen. Sie gelangen bei Aussaaten auf Pflaumendekoktgelatine unter günstigen Umständen an manchen Sporen schon binnen 36 Stunden. Viele Sporen dieses alten Materials hatten jedoch ihre Entwicklungsfähig- keit eingebüßt. Ich ließ die Keimung in einem Tropfen Pflaumendekokt- gelatine auf dem Objektträger vor sich gehen und beobachtete den Verlauf derselben unter dem Mikroskop , um eine Täuschung durch etwa aufflie- gende frische Sporen auszuschließen. Aussaaten dieser alten Sporen auf Brot wurden meist durch konkurrirende andere Pilze unterdrückt. Einen anderen Fall von langer Dauer der Keimfähigkeit von Schimmel- pilzsporen erwähnt Brefeld^). Er erhielt nämlich aus sechs Jahre alten Sporen des Aspergillus flavus allerdings erst in der zweiten Woche nach dem Aussäen neue junge Exemplare dieses Pilzes. 1) Botanische Untersuchungen über Schimmelpilze. 1877. III. Heft. p. 66 Anmerkung. über die Austroeknungsfähigkeit der Pflanzen. 35 Die Koniüien der Peronosporeen erhalten sich nur einige Wochen keimfähig; die von Cystopus candidus z. B. sechs bis acht, solche von Pe- ronospora infestans etwa drei Wochen, wenn sie nicht gänzlich ausgetrock- net sind. Vollkommen lufltrockne Konidien dieser letztgenannten Spezies erweisen sich schon nach 24 Stunden als untüchtig zum Keimen i). Über die lange Erhaltung der Keimkraft der Ustilagineensporen haben deBary^) und Hoffmann ^j einige Beobachtungen angegeben. Ausgedehn- tere Untersuchungen über diese auch für den Landwirth höchst wichtige Frage liegen von v. Liebenberg*) vor. Derselbe ermittelte die Prozentzahlen der keimungsfähigen Sporen von Material , das verschieden lange Zeit hin- durch im Herbarium trocken aufbewahrt war. Erhalten war die Keim- kraft der Sporen noch bei Tilletia caries nach 8 Y2 > bei Ustilago carbo nach 7 Y2 , bei Ustilago Kolaczckii, Crameri und destruens nach 5 1/25 bei Ustilago Tulasnei nach 6 Y2 , bei Ustilago Rabenhorstiana nach 3 1/2 und bei Uro- cystis occulta nach 6 1/2 Jahren und scheint es nicht zweifelhaft zu sein, dass diese Zeiträume noch verlängert werden können , ohne dass dadurch die Keimkraft dieser Sporen wesentlich beeinträchtigt wird. Für das aus den Sporen hervorgehende Promycel erweist sich jedoch die Austrocknung als absolut tödtlich ^) . Von sehr kurzer Dauer ist das Leben der Sporen des Fliegenpilzes, Empusa muscae. Bei völliger Trockenheit erleiden sie schon innerhalb vier- zehn Tagen eine tödtliche Veränderung und Zersetzung ^j . Ähnlich scheinen sich auch die Sporen der Empusa radicans zu verhallen. Die Sporen zweier anderer insektentödtender Pilze, zweier Ascomyce- ten, Botrytis Bassiana auf Seidenraupen undCordiceps militaris auf Raupen von Sphinx Euphorbiae, sind von dauerhafterer Konstitution. De Bary giebt von den ersteren '^) an, dass sie ein bis zwei Jahre, und von den kugelrunden Konidien der letzteren Art^), dass sie trocken aufbewahrt mindestens zehn Monate keimfähig bleiben. 1) De Bary , Morphologie und Physiologie der Pilze, Flechten und Myxomyceten. -1866, p. 209. 2) Ebenda. 3) Untersuchungen über die Keimung der Pilzsporen. In : Jahrbücher für wissen- schaftliche Botanik, herausgeg. von Pringsheim. II. Bd. 4 860. p. 334. 4) Über die Dauer der Keimkraft der Sporen einiger Ustilagineen. In : Österreich, landwirthschaftl. Wochenblatt 1879. No. 43. 44. Referat in: Botanischer Jahresbericht 1879, p. 566. 5) Hoffmann. In der zitirten Abhandlung, p. 329. 6) Brefeld , Untersuchungen über die Entwicklung der Empusa muscae und Em- pusa radicans. Separatabdruck aus den Verhandlungen der naturforschenden Gesell- schaft zu Halle. Bd. XII. p. 41. 7) In dem zitirten Werke p. 210. 8) Zur Kenntnis insektentödtender Pilze. Botanische Zeitung 1867, p. 3. 3* 36 G. Schröder. Im Allgemeinen scheint zwar eine trockene Aufbewahrung für die Er- haltung der Entwicklungsfähigkeit der Sporen günstiger zu sein , als die Umgebung feuchter Luft , z. B. bei einem Aufenthalt im Keller, indessen werden für diese Regel noch weitere Ausnahmen außer den angeführten bei Peronospora infestans und Empusa muscae zu finden sein. So konnte Hoffmann 1) Oidium monilioides 21 Tage ohne Schaden im Keller aufbe- wahren, während diese Sporen im Zimmer binnen 1 1 Tagen bis auf einige wenige untüchtig zur Fortentwicklung geworden waren. Die Dauer der Keimkraft bei den verschiedenen Sporenarten der Ure- dineen entspricht den Umständen , unter welchen diese zur Keimung ge- langen. Die gleich mit Eintritt der Reife keimfähigen Uredo- undAecidium- sporen behalten auch in trockenem Zustande ihre Keimfähigkeit nur einige Wochen, selten mehrere Monate, sicher aber nicht länger als den betreffen- den Sommer hindurch, in welchem sie gebildet wurden. Bei den den Winter über ruhenden Teleutosporen, z. B. von Puccinia graminis, konnte DE Bary2) sehr leicht im Frühling, mit der fortschreitenden Jahreszeit aber schwieriger und vom August ab gar nicht mehr eine Keimung veranlassen. Auch Teleutosporen anderer überwinternder Puccinien und Uromyceten, die eigens zum Zwecke einer hierauf bezüglichen Probe aufbewahrt waren, erwiesen sich im zweiten Sommer nach ihrer Entwicklung als untauglich zu weiterer Fortbildung. Einige Pilze vermögen noch auf eine andere Weise als durch Bildung von Sporen gegen die Einwirkung der Trockenheit sich zu schützen, indem nämlich das Mycel in einen Dauerzustand, das Sklerotium, übergeht. Meh- rere Sklerotienarten können über ein Jahr lang trocken aufbewahrt werden. Solche sind Peziza Duriaei und Claviceps purpurea nach Durieu und Tu- lasne, und nach de Bary^) auch Peziza Sclerotiorum. Von den Sklerotien des Coprinus stercorarius sagt Brefeld ^] , dass sie beim Eintrocknen unter bedeutendem Gewichtsverlust zu unkenntlichen hornartigen Warzen zu- sammenschrumpfen , dass sie aber doch noch nach ein Jahr langem Liegen in diesem Zustande, sobald sie in Wasser gebracht werden, zudem früheren Volum wieder aufquellen und später auch keimen können. Von Myxomyceten ist es ebenfalls bekannt, dass sie im Sklerotienzu- stande kalte und trockene Jahreszeit überstehen. Nähere Angaben finden 1) In der genannten Abhandlung p. 334. 2) Morphologie und Physiologie der Pilze, Flechten und Myxomyceten. 1866, p. 209. 3) Siehe de Bary, ebenda p. 38. 4) Botanische Untersuchungen über Schimmelpilze. 1877. III. Heft. p. 25. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 37 sich bei de Bary 1) . Nach diesen Beobachtungen bleibt die Lebensfähigkeit der trockenen Myxomyceten-Sklerotien in den meisten untersuchten Fällen sieben bis 8 Monate erhalten , doch blieben Sklerotien von Didymiuin ser- pula auch über ein Jahr lang lebend. Nach LfivEiLLfi^j soll sogar ein Myxo- myceten-Sklerotium nach zwanzigjähriger Aufbewahrung noch in den be- weglichen Zustand übergegangen sein. Die Ruhezuslände der Schwärmer der Schleimpilze, die sogen. Mikro- cysten , bleiben ebenfalls bei völliger Austrocknung lebensfähig. Nach DE Bary 3) gehen solche von Didymium praecox und Libertianum in Wasser wieder zu der beweglichen Schwärmerform zurück und zwar um so schnel- ler, je kürzer die Zeit gewesen war, in welcher die Trockenheit eingewirkt hatte. Immerhin konnte diese auf über zwei Monate ausgedehnt werden. Wenn derbwandige Cysten, die Ruhezustände jugendlicher Plasmo- dien, nach mehrwöchentlichem Austrocknen wieder mit Wasser in Kontakt gelangen , so kehrt der Protoplasmakörper langsam unter Durchbrechung der Membran in die mit Kriechbewegungen ausgestattete Plasmodienform zurück 4). Dieselben Wahrnehmungen machte Fayot^) an der von ihm be- schriebenen Guttulina protea. Die Sporen dieser Myxomycete gingen bei rasch erfolgender vollständiger Austrocknung zu Grunde. Von der Hefe ist durch Pasteur's Untersuchungen bekannt, dass Zellen dieses Gährungspilzes sich in der Luft in lebendem Zustande suspendirt finden und daher leicht in Nährflüssigkeiten gelangen und in denselben Gährung hervorrufen können. Was die Dauer der Lebensfähigkeit der Hefezellen in trockenem Zustande betrifft, so fand dieser Forscher 6), dass mit Gypspulver gemischte Hefe nach 2Y2, auch nach 71/2 Monaten in reiner Bierwürze Gährung erregte und die Zellen sich wohlbehalten zeigten. Die erste Kohlensäureentwicklung war im ersten Falle nach vier, im letzten erst nach acht Tagen durch das Auftreten einer kleinen Schauminsel auf der Oberfläche des Bieres zu bemerken gewesen. In einer Probe derselben Mischung mit Gyps erwiesen sich nach elfmonatlicher Aufbewahrung die Hefezellen als abgestorben , nachdem sie zwölf Wochen in der Bierwürze gelegen hatten, ohne die geringste Spur von Gährung zu veranlassen. Andere Autoren schreiben der trockenen Hefe eine weit längere Lebens- \) Morphologie und Physiologie der Pilze, Flechten und Myxorayceten. 1866, p. 312. 2) Annales des sciences naturelles. 2. Ser. Tom. XX. p. 216. Citirt bei de Bary. 3) Morphologie und Physiologie der Pilze, Flechten und Myxomyceten. 1866. p. 311. 4) De Bary. Ebenda. 5) Beitrag zur Kenntnis niederer Myxomyceten. In; Botanische Zeitung 1883, p. 169. 175 u. 176. 6) Etudes sur la biere. 1876, p. 80 — 82. 38 G. Schröder. dauer ZU. Clalde Bernard ^ und Schumacher 2] geben sie für Presshefe auf zwei Jahre an. Letzterer fand langsam getrocknete Presshefe, welche nur einen Wassergehalt von 10^ hatte, noch entwicklungsfähig. Daher scheint es nicht unmöglich zu sein, dass die Berührung mit Gyps bei der Hefe, mit welcher Pasteur experimentirte, einen schädigenden Einfluss ausgeübt hat. Trockene un vermischte oder mit einem ganz indifferenten Stoff, mit Stärke, gemengte Bierhefe stellte ich am 1. Juli 1884 über Schwefelsäure in einen Exsikkator. Am 29. Oktober, also nach 17 Wochen, gab ich eine Probe davon in eine dreiprozentige Traubenzuckerlösung mit etwas Nähr- salz , welche vorher ausgekocht und in einer mit einem Baumwollbausch geschlossenen Kochflasche wieder erkaltet war. Um ein Eindringen in der Luft befindlicher Hefezellen zu verhüten , wurde der Baumwollpfropf nur beim Eintragen der direkt aus dem Exsikkator kommenden Hefe einen Mo- ment gelüftet. Beim Eintragen der Hefe benutzte ich eine frisch ausgeglühte Pinzette. Bereits nach zwei Tagen war die erste Spur von Gährung be- merklich geworden. Die Annahme, dass bei Pastelr's Versuchen der Gyps die Lebensdauer der Hefezellen gekürzt haben könne , erhält einen hohen Grad von Wahr- scheinlichkeit durch das Faktum , dass sogar noch im Februar 1 883 eine Probe meiner, nun also sieben Monate über Schwefelsäure getrockneten, reinen oder mit Stärke gemischten Hefe nicht erst nach acht Tagen, sondern schon am zweiten Tage nach dem Eintragen in Nährlösung in derselben Gährung hervorrief. Auch die mikroskopische Untersuchung ergab ein entsprechendes Resultat. Leider reichte meine Zeit nicht hin, das Trocknen auf ein Jahr auszudehnen; doch genügt dieser Versuch wohl, um den schädlichen Einfluss des gebrannten Gypses nachzuweisen. (Pasteur hatte nämlich, um organisirte Einschlüsse im Gyps zu tödten, diesen auf gegen 200° erhitzt, durch welche Operation derselbe natürlich zu nahezu ent- wässertem Gyps wurde, der, wie bekannt, beträchtlich löslicher in Wasser ist, als der wasserhaltige, der also außer seiner hygroskopischen Wirkung vielleicht auch eine direkt schädigende auf die noch feuchte Hefe äußern konnte.) FlecMen. Durch die Vereinigung der Pilze mit Algen zu Flechten erhalten beide Theile eine bedeutende Resistenz gegen die Trockenheit. Eine große An- zahl der auch im freien Zustande bekannten Flechten bildenden Algen er- tragen für sich eine intensive Austrocknung; andere, z. B, Chroolepideen und Confervaceen, werden jedoch durch dieselbe getödtet. Wahrscheinlich 4) Le^ons sur les ph6nomenes de la vie. 1878, p. 54. 2) Beiträge zur Morphologie und Biologie der Hefe. Botanischer Jahresbericht 1874, 347. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 39 haben die Pilzfäden der wenigen rindenbewohnenden Krustenflechten, die zeitweise ohne Algen vegetiren, sich den Einflüssen, welchen sie an ihren Standorten ausgesetzt sind und unter denen die Trockenheit einen der wesentlichsten bildet, angepasst ; im Allgemeinen gehen Pilzfäden für sich allein durch Austrocknung zu Grunde. Die Flechten aber scheinen , wie gesagt , durch Dürre wenig in ihrer Lebensfähigkeit beeinträchtigt zu werden. Sticta pulmonaria , welche ich 4, 7, auch 17 Wochen über Schwefel- säure getrocknet hatte, war nach dem Wiederbefeuchten völlig lebend. Ihre in trockenem Zustande graue Farbe ging wieder in die frische grüne über, während durch Chloroformdämpfe oder durch zu langes Aufbewahren getödtete Sticta beim Befeuchten ein graubraunes Aussehen annimmt. Dreißig Wochen an der Luft oder im Exsikkator gelegene Sticta regenerirte nur in einzelnen Thalluslappen die grüne Färbung; jedenfalls war sie im Absterben begrift'en, denn nach einigem Feuchthalten verschimmelte und verfaulte die Flechte total. Die Thatsache , dass dieses bei lufttrockenen Exemplaren sowohl als bei den im Exsikkator getrockneten geschah, lehrt, dass weniger der Grad der Austrocknung als die Dauer derselben der den verderblichen Einfluss ausübende Faktor war. Drei Wasserbestimmungen, welche ich an 12 resp. 17 Wochen über Schwefelsäure getrocknetem lebenden Stictathallus ausführte , ergaben 4,88 — 4,81 — 4,87^ Wasser. Da die beiden letzten Zahlen, die an den 5 Wochen länger getrockneten Versuchsobjekten ermittelt wurden, so ge- nau mit jener ersteu übereinstimmen, als dieses bei Analysen derartiger Körper nur verlangt werden kann , so scheint dieser Feuchtigkeitsgehalt das Minimum zu sein , welches unerlässliche Bedingung für die Erhaltung des Lebens der genannten Flechte ist, und das nur unter theil weisem oder völligem Absterben noch vermindert werden kann. Die beiden ersten Wasserbestimmungen führte ich mittelst Trocknen der rasch gepulverten Sticta bei 110° aus , die dritte durch Trocknen des Pulvers im Exsikkator bis zum konstanten Gewicht. Der Wassergehalt von fast ^% bei der so lange über Schwefelsäure gestandenen Sticta erscheint auf den ersten Blick überraschend hoch , doch enthielt ein lufttrockener, obendrein todter Thallus sogar 11,07^ Wasser. In höchster Turgeszenz hatte die Sticta an Feuchtigkeit 68,9^ aufzuweisen. Bei Ausführung der Wasserbestimmungen überzeugte ich mich durch geeignete Versuche, dass der Fehler, welcher durch die Hygroskopizität der ausgetrockneten Masse bei raschem Zerreiben verursacht wird, die Ge- nauigkeit des Resultats höchstens um 0,1^ beeinträchtigen konnte. Bei anderen Flechten ist es wegen des langsamen Wachsthums und Fehlens deutlicher äußerer Merkmale schwieriger zu unterscheiden, ob sie einerweiteren Entwicklung fähig sind oder nicht. Doch fand ich die Algen- 40 G. Schröder. Zellen von Cladonia-, Verrucaria- und Evernia-Arten nach längerem Stehen der Flechten über Schwefelsäure lebend und an einer Collema, die ich wie- der einpflanzte, war während zweier Monate des Feuchthaltens nichts Ab- gestorbenes zu bemerken. Über die Dauer der Lebensfähigkeit der Flechten in trockenem Zu- stande giebt Hofmeister 1) an, dass sie keine sehr lange sei. Peltigera ca- nina könne beispielsweise zwei Monate hindurch staubtrocken sein , ohne ihr Leben zu verlieren, aber bei fünfmonatlicher Austrocknung nehme sie zwar, wenn sie wieder befeuchtet würde, das Ansehen einer lebenden Pflanze an, faule jedoch. Die auf der Rinde von Buchenscheiten , welche sechs bis sieben Monate gelegen haben , vorkommenden Flechten sind nach diesem Autor sammt und sonders todt. Spaltpilze. Die Spaltpilze müssen , da wenigstens eine große Reihe von Formen derselben ihre Verbreitung durch den Staub der Luft finden , daher natür- lich auch die Austrocknung vertragen können. Solche Formen aber, welche in der Natur nur in Flüssigkeiten leben, wie manche Spirillen, werden ver- nichtet, sobald sie der Trockenheit ausgesetzt werden. In der Mitte zwi- schen diesen beiden Reihen stehen solche Bakterien , welche das Aus- trocknen wohl als Sporen überstehen , in ihrer gewöhnlichen Gestalt aber zu Grunde gehen. Versuche mit Bacterium Termo hat Eidam 2) angestellt. Er tauchte Glasstäbe in Bakterien haltende Flüssigkeit, ließ sie trocken werden und hing sie nach verschieden langer Zeit in eine vorher aufgekochte Nähr- lösung. Zwei Tage nach dem Einhängen der Glasstäbe gab sich eine reich- liche Vermehrung der Bakterien durch Trübewerden der Flüssigkeit zu erkennen , auch bei einer auf sieben Tage ausgedehnten Austrocknung, während nur mit der Hand berührte oder ausgeglühte Glasstäbe in der Nährlösung selbst in acht Tagen keine sichtbare Veränderung bewirkten. Um das Verhalten der Fäulnissbakterien bei längerem Austrocknen über Schwefelsäure kennen zu lernen , verfuhr ich auf folgende Weise : Zuerst ließ ich eine Quantität reichlich Bakterien haltender Flüssigkeit an der Luft eintrocknen ; andererseits brachte ich einen zurückbehaltenen Theil derselben in ein zu einer Kapillare ausgezogenes Gläschen, erhitzte zum Sie- den und schmolz die Kapillare zu. Um nun diese Nährlösung zu sterilisiren, ließ ich das Gläschen mehrere Stunden in kochendem Wasser liegen. So- dann gab ich dasselbe sowie eine Portion der eingetrockneten Bakterien- 1) Allgemeine Morphologie der Gewächse. 1868, p. 555. 2) Einwirkung verschiedener Temperatur und des Eintrocknens auf die Entwick- lung von Bacterium Termo. In : Cohn, Beiträge zur Biologie der Pflanzen. I. Bd. 3. Heft. 1875, p. 221 u. f. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 41 masse in einen größeren Reagenzzylinder und scliloss diesen mit einem nicht zu lockeren Baumwollbausch. Eine Anzahl auf solche Weise vorbe- reiteter Reagenzgläser stellte ich dann zusammen über Schwefelsäure, Nach dem Herausnehmen der Versuchsgläser aus dem Exsikkator nach ge- wisser Zeit bedurfte es nur gelinden Schütteins , um die Kapillare zu zer- brechen und die ausgetrockneten Spaltpilze mit der ausfließenden sterili- sirten Nährflüssigkeit zu benetzen. Durch ein derartiges Vorgehen glaube ich das Zutreten neuer, in der Luft befindlicher Organismen zu der ausge- trockneten Bakterienmasse mit möglichst großer Sicherheit ausgeschlossen zu haben. Nach einigem Warten, schon an dem der Wiederbenetzung fol- genden Tage, konnte dann zur mikroskopischen Untersuchung geschritten werden. Diese ergab die Anwesenheit zahlloser lebender Bakterien, auch wenn die Austrocknung 13 und selbst 21 oder 25 Wochen gedauert hatte. Zur Kontrolle , ob die in den Kapillarröhrengläschen eingeschlossene Nähr- flüssigkeit auch wirklich frei von lebenden Organismen sei, brachte ich zwei der Gläschen in zwei Reagirzylinder, goss einige Gramm Chloroform darauf, schloss mit Baumwolle und ließ das Chloroform durch Neigen der Reagirzylinder die Wände derselben, die Kapillarröhrengläschen und die Baumwolle reichlich befeuchten, um alles daran haftende Leben zu tödten. Nach einigen Tagen war das Chloroform völlig verdunstet und , nachdem ich nun die Kapillaren zerschüttelt hatte, zeigte sich nach einigen weiteren Tagen bei der mikroskopischen Untersuchung durchaus nichts von beweg- lichen Organismen. Unter Anwendung derselben Methode prüfte ich auch verschiedene Formen der Cladothrix dichotoma, welche 21 Wochen über Schwefelsäure gestanden hatten. Die vor dem Trocknen anwesenden Spirillum- und Spirochaeteformen waren total verschwunden, Mikrokokkus- und Bacillusfor- men dagegen reichlich vorhanden, wenn auch diese wohl kaum sämmtlich der Cladothrix angehörten. Auch einige längere bewegliche Cladothrixfä- den konnte ich zwei Tage nach dem Zerschütteln der Kapillare auffinden. Ob bei diesen Versuchen Sporen zugegen gewesen sind , muss dahin- gestellt bleiben , doch ist es nicht grade wahrscheinlich wegen des zuerst schnell vor sich gegangenen Ablrocknens der Bakterienmasse an der Luft. Dass sie jedenfalls nicht die einzigen Überlebenden waren , beweist das so baldige massenhafte Auftreten beweglicher Spaltpilze. Die Lebensdauer der Bakterien in trocknem Zustande muss eine außer- ordentlich lange sein. Schumacher i) fand Spaltpilze, die in vier Jahre alter Presshefe enthalten waren, lebensfähig, während die Hefezellen abgestor- ben waren. Nägeli^] äußert sich darüber sogar mit folgenden Worten: 1) Beiträge zur Morphologie und Biologie der Hefe. Ref. in: Botanischer Jahres- bericht -1874, p. 347. 2) Die niederen Pilze in ihren Beziehungen zu den Infektionskrankheiten und der Gesundheitspflege. 1877, p. 28. 42 G. Schröder. »Die niederen Pilze verhallen sich gleichsam wie die Samen der höhereii Pflanzen. Austrocknen tödtet sie nicht, konservirt sie vielmehr; die Lebens- funktionen stehen in Irocknem Zustande bloß still (latentes Leben), begin- nen aber wieder, sobald die Zellen das nöthige Wasser finden. Das Vermö- gen, einzutrocknen und mit dem Befeuchten wieder aufzuleben , kommt den niederen Pilzen um so vollständiger zu, je kleiner sie sind, in vorzüg- lichstem Grade den Spaltpilzen, welche ohne Zweifel Jahrhunderte, selbst Jahrtausende lang inlufttrocknem Zustande lebensfähig bleiben.« Diese Angaben können jedoch für manche Bakterienformen nicht als gültig angesehen werden. Solche Arten sind, wie schon oben bemerkt, be- sonders die Spirillen und Verwandte derselben. Gohn') glaubt bemerkt zu haben, dass Spirillen nur in Aufgüssen vorkommen, zu welchen Flusswas- ser verwendet wurde, dass also ihre Keime nicht durch die Luft, sondern durch das Wasser verbreitet zu werden scheinen. Mühlhäuser 2] giebt an, dass die Spirillen beim Eintrocknen zu Grunde gehen und dabei fast voll- ständig verschwinden. Versuche, welche ich mit Spirillum undula an- stellte, führten zu demselben Resultat , und zwar bedurfte es nur einer einmaligen kurzdauernden Alistrocknung des sie beherbergenden Wassers an der Luft. Durch die Untersuchungen Koch's 3) über die Cholerabakte- rien, Organismen, welche wahrscheinlich auch unter diese Gruppe zu rech- nen sind, ist konstatirt, dass dieselben wenigstens in der bislang nur be- kannten Gestalt durch Trockenheit leicht vernichtet werden. Die Kubpocke und das Blutbakterium, Micrococcus prodigiosus, behal- ten, wenn sie ein Jahr lang trocken aufbewahrt werden, nach Hiller "*) und SchroeterS) ihre Ansteckungsfähigkeit. Die Lebensdauer des Bacterium Zopfii in trocknem Zustande ermittelte Kurth^) ; er fand, dass der Tod der Stäbchen zwischen dem zweiten und fünften Tage , der Tod der Kokken zwischen dem 17. und 26. Tage nach der Austrocknung eintrat. Von einer Anzahl andei-er Spaltpilzarten ist bekannt, dass sie in ihrer gewöhnlichen vegetativen Form das Austrocknen nicht zu überstehen ver- mögen, dass sie aber, insbesondere gerade bei langsamer Verdunstung der 1) Untersuchungen über Bakterien. In: Beiträge zur Biologie der Pflanzen , her- ausgeg. von Cohn. Bd. 1. Heft 2. 1875, p. 180. 2) Über Spirillen. In: Virchow's Archiv für pathologische Anatomie. 97. Bd. 4. Heft. 4884, p. 90. 3) Nach dem Referat über: Die Konferenz zur Erörterung der Cholerafrage. In: Botanisches Zentralblatt 1884. XIX. Bd. p. 364. 4) Untersuchungen über das Kontagium der Kuhpocke. In : Botanischer Jahres- bericht 1876, p. 274. 5) Prüfung einiger Desinfektionsmittel durch Beobachtung ihrer Einwirkung auf niedere Organismen. In: Cohn, Beiträge zur Biologie der Pflanzen. I. Bd. Heft 3. 1875, p. 33. 6) Bacterium Zopfii, Botanische Zeitung 1883, p. 409 u. 410. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 43 umgebenden Feuchtigkeit, Sporen bilden und als solche dann gegen äußere Einflüsse sich eminent widerstandfähig zeigen. Sehr evident tritt dieses Verhalten bei Bacillus Anthracis, dem Träger der Milzbrandkrankheit, hervor. Die Milzbrandbakterien bilden ihre Spo- ren nur , wenn die infizirten Massen länger stehen bleiben oder langsam getrocknet werden. Bei rascher Austrocknung frischer kleinerer Mengen unterbleibt die Sporenbildung. Werden nun mit solchen schnell getrock- neten Bakterien nach einiger Zeit Impfungen ausgeführt, so bleiben diesel- ben ohne Erfolg, während die bei der Eintrocknung größerer Mengen milz- brandhaltigen Fleisches oder Blutes auftretenden Sporen nach außeror- dentlich langer Zeit noch entwicklungsfähig bleiben. Koch^) nahm mit fast vier Jahre lang eingetrocknet gewesenem Schaftblut Impfungen vor, welche ausnahmslos tödtlichen Milzbrand hervorriefen. Die so verschiedene Widerstandsfähigkeit der Spaltpilze, der Trocken- heit gegenüber, kann uns eine wenigstens theilweise Erklärung der That- sache liefern , dass trotz der eminent raschen Vermehrungsweise aller Arten manche Bakterien, z. B. Spirillen, für welche bislang keine Dauer- zustände aufgefunden werden konnten , doch relativ selten anzutreffen sind, während die gewöhnlichen Fäulnissbakterien, welche, wie wir ge- sehen haben, auch in ihrer vegetativen Gestalt während der weitgehend- sten Austrocknung ihre Lebensthätigkeit nur sistiren, um sie bei eintre- tenden günstigeren Bedingungen alsbald wieder aufzunehmen, bekanntlich in der uns umgebenden Luft und in allen ihnen geeignete Nahrung bieten- den Substanzen niemals fehlen. Aussehen der getrockneten Zellen, Fassen wir nun die Veränderungen ins Auge, welche resistente Pflan- zenzellen insbesondere bei dem scharfen Austrocknen im Exsikkator erfah- ren, so bemerken wir, wie im voraus zu vermuthen ist, dass die Zellen kollabirt, die Protoplasmakörper trübe, undurchsichtig, dichter und dunk- ler als im turgeszenten Zustande erscheinen. Am beachtenswerthesten ist aber die Anwesenheit von Luft in der Zelle. Ich wählte zur Untersuchung Grimmiablättchen , welche , obwohl sie lange Zeit über Schwefelsäure aufbewahrt waren, sich doch völlig lebens- fähig erhalten hatten. Gleich nach dem Herausnehmen aus dem Exsikkator brachte ich einige Blättchen auf den Objektträger in einen Tropfen Mandelöl und untersuchte die größeren basalen Zellen bei einer stärkeren Ver- größerung. 1) Die Aetiologie der Milzbrand -Krankheit, begründet auf die Entwicklungsge- schichte des Bacillus Anthracis. In: CoHN , Beiträge zur Biologie der Pflanzen. II. Bd. Heft 2. 1877, p. 297 u. 303. 44 G. Schröder. Die sonst geradflächigen Wände waren durch mehrfache Knickungen faltig geworden, das Chlorophyll in dem dichten Inhalt nahezu unkenntlich und an den Stellen, an welchen die Membran dem zusammenschrumpfen- den Protoplasma nicht mehr hatte folgen können, sich also letzteres von der Haut abgehoben hatte, war Luft in die Zellen eingedrungen. Diese Luft wird als solche leicht erkannt, wenn man die ausgetrockneten Blätter mit anderen luftführenden Geweben in Öl vergleicht. Auch bei in absolutem Alkohol liegenden getrockneten Objekten ist ihre Anwesenheit leicht zu konstatiren. Bringt man eins der scharf getrockneten Grimmiablätter auf dem Ob- jektträger in einen Tropfen Wasser, legt sofort ein Deckglas auf und stellt schnell ein, so sieht man, wie die Membranen unter starker Quellung sich wieder gerade strecken, wie die Lufträume aber innerhalb jeder einzelnen Zelle in ihrer Form , die in der trocknen Zelle den Umständen entspre- chend natürlich eine längliche, flache, abgeplattete war, sich rasch abrun- den zu einer kleinen Kugelblase, die immer kleiner wird und sich in ganz kurzer Zeit in dem Wasser auflöst. Das Protoplasma füllt nun den Innenraum des Zellgehäuses wieder völlig aus und die Zelle erhält auch ihreTurgeszenz sehr bald zurück. Der Protoplasmakörper konnte schon wenige Minuten nach dem Eindringen des Wassers durch Salzlösungen zur Kontraktion gebracht werden. Bei ande- ren Objekten war dieses erst später möglich, da nicht bei allen Pflanzen der Wassergehalt der getrockneten Zellen die gewisse hierfür erforderliche Höhe so bald wieder erreicht, als es bei den Moosen geschieht. Bei Sirosiphon ocellatus fanden sich die Lufträume meist an den Querwänden der Zellen, doch nicht ausschließlich; vielleicht waren auch lufterfüllte Spalten im Inneren des Protoplasma selber vorhanden. Sind die Versuchsobjekte nicht lange und nicht scharf genug ausge- trocknet, so gelingt die Beobachtung der Luft im Wasser nicht bei Anwen- dung des angegebenen Verfahrens, weil die Quellung dann eine so rapide ist, dass die Luft in wenigen Sekunden verschwindet. Leicht kann man aber auch dann oft noch die angeführte Erscheinung wahrnehmen, wenn man ein Blättchen, auf dem Objektträger trocken mit einem Deckglas be- deckt, einstellt und dann vorsichtig einen Tropfen Wasser zufließen lässt. Ursaclien der Resistenz. Auf welche Ursachen es zurückzuführen ist, dass manche Pflanzen durch die weitgehendste Wasserentziehung so gut wie gar nicht in ihrer Lebensfähigkeit beeinträchtigt werden, während andere sich sehr wenig resistent nach dieser Richtung hin erweisen, ist eine Frage, auf welche eine befriedigende Antwort zur Zeit noch nicht ertheilt werden kann. Diese ungleiche Resistenz muss vor allem von spezifischen Eigenschaften über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 45 des Protoplasmakörpers abhängen. Zwar findet sich bei den zum Trocken- werden bestimmten Organen, wie Sporen und Samen , eine Anhäufung von Reservestoffen , eine besonders starke Ausbildung der Membranen als Regel, doch dienen diese Einrichtungen in erster Linie anderen Zwecken, denn allgemein unumgänglich nothwendig für die Widerstandsfähigkeit des Protoplasmakörpers sind sie nicht, da viele Mooszellen mit wenig ver- dickten Membranen und ziemlich wässrigem Inhalt sehr weitgehende Was- serentziehung vertragen können. Sogar durch vierzehntägige Kultur in kohlensäurefreier Luft in einen Hungerzustand versetzte Funaria, die ich in eben solcher Luft trocknen und dann noch einige Wochen offen im Zim- mer liegen ließ, hatte ihre Lebensfähigkeit bewahrt. Nützlich wird das Vorhandensein von fettem Öl und anderen Reserve- stoffen allerdings für die damit versehenen Organe beim Austrocknen schon insofern sein, als sie ein zu starkes Collabiren der Zellen hindern. Falkenberg ^) hält es für möglich, dass bei den Dauerzellen, z. B. bei den Chlorophyceen-Zygoten, ein wasserarmes Protoplasma nothwendig sein könne, um dieselben geschickt dazu zu machen, eine Auslrocknung zu überstehen. Doch wird sich eine solche Annahme auch nicht verallgemei- nern lassen, ebenfalls wegen der gleichen Widerstandsfähigkeit der was- serreichen Mooszellen. Schnelle und langsame Wasserentziehung. Die größere oder geringere Schnelligkeit der Wasserentziehung wird natürlich in allen den Fällen von höchster Bedeutung , in denen die ge- wöhnlichen vegetativen Zellen durch Austrocknung vernichtet werden, während Umwandlungen, Dauerzustände; die aus ersteren bei langsamer Eintrocknung hervorgehen, sich widerstandsfähig erweisen. Wird also die Wasserverdunstung in einer Weise beschleunigt, däss die leicht zu Grunde gehenden vegetativen Zellen nicht Zeit genug finden, in die resistenteren Dauerzustände überzugehen , so werden die Individuen der betreffenden Pflanzenspezies, wenn die Austrocknung ihrem Höhepunkt sich nähert, dem Tode verfallen sein. Dieser Fall kann, wie wir schon an früheren Orten gesehen haben, beispielsweise eintreten bei dem Protonema der Moose, bei den Schwärmern des Chlamydococcus, oder bei den Bacillen des Milzbran- des etc. Befindet sich ein pflanzlicher Organismus aber einmal in einem Zu- stande, in welchem er eine Austrocknung zu ertragen befähigt ist, so scheint es von keinem wesentlichen Einfluss mehr zu sein, ob die Wasser- entziehung nun schnell oder langsam geschieht, wenn ich aus den Re- 1) Die Algen im weitesten Sinne. In: Schenk, Handbuch der Botanik. II. Bd. 1882, p. 239. 46 G. Schröder. sultaten der wenigen vorgenommenen Untersuchungen einen Schluss ziehen darf. Oscillaria tenuis ist eine Spezies , der Lufttrockenheit nicht schadet, welche aber beim Trocknen über Schwefelsäure abstirbt. Ich nahm eine Portion Fäden , die im Wasser gewachsen waren , trocknete sie zwischen Fließpapier ab und hing sie frei auf, wodurch sie in kürzester Zeit staub- trocken wurden, da in dem betreffenden Arbeitsraum die Luft einen gerin- gen Wasserdampfgehalt aufzuweisen hatte. Mehrere Wochen bewahrte ich die Oscillariafäden noch in diesem Zustande auf, doch bei dem darauf folgen- den Befeuchten war das Verhalten derselben nicht in bemerkbarer Weise abweichend von dem langsam getrockneten Lager derselben Spezies. Um eine intensivere Austrocknung schnell zu erreichen, benutzte ich einen Apparat, der auf folgende Weise zusammengesetzt war: Die Pflanzen befanden sich in einem etwa drei Centimeter weiten Glasrohr, dessen Öff- nungen mit zwei durchbohrten Gummikorken, durch welche die Enden von zwei Bleiröhren einmündeten, geschlossen waren. Das eine längere Bleirohr war spiral gewunden und durch einen kurzen Gummischlauch mit den Chlorcalcium- und Schwefelsäure-Röhren, welche zum Trocknen der durchzuleitenden Luft dienten, vereinigt, während das andere Bleirohr mit einer Saugpumpe in Verbindung gebracht war. Das Glasrohr und die Bleirohrspirale befanden sich in einem Wärmekasten , in dessen oberer Wandung ein Tubus angebracht war, durch welchen die Bleiröhren und ein Thermometer eingeführt wurden. Ein auf dem Gummischlauch sitzender Schraubenquetschhahn gestattete bei Anwendung der Saugpumpe eine derartige Regulation in der Schnelligkeit der Luftdurchleitung , dass etwa sekundenweis ein bis zwei Luftblasen durch die Schwefelsäure strichen und in der Glasröhre noch eine beträchtliche Luftverdünnung statt fand. Die Temperatur im Wärmekasten wurde dabei auf 35 bis 40° gehalten. Das Trocknen der Luft geschah mittelst Durchleiten derselben durch eine Chlorcalciumröhre und zwei mit Bimssteinstücken, die mit konzentrirter Schwefelsäure getränkt waren, angefüllte Trockenröhren. Die Chlorcal- ciumröhre, welche die Luft zuerst zu passiren hatte, wurde, sobald ihr In- halt sich feucht zeigte, durch eine frische ersetzt. Zwischen dieser und der ersten Schwefelsäureröhre war ein Baumwollenbausch eingeschoben , der etwa mitgerissenen Chlorcalciumslaub von der Schwefelsäure abzuhal- ten hatte. In die Glasröhre brachte ich nun Stämmchen einer Grimmia pulvinata, welche längere Zeit unter einer Glasglocke sehr feucht kultivirt war. Beim Überleiten des warmen und trocknen Luftstroms wurden sie sofort welk und in kurzer Zeit zu Staub zerreiblich. Nachdem das Luftüberleiten noch achtzehn Stunden fortgesetzt war , wurde das Moos herausgenommen und ein Theil desselben sofort befeuchtet und ein zweiter in einen Exsikkator Über Schwefelsäure gestellt. Ersterer erwies sich nach kurzer Zeit als völ- über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 47 lig lebend ; letzterer wurde erst nach fünfzehn Wochen wieder befeuchtet; aber auch dann noch blieben alle Blättchen erhalten und wurden neue Sprosse produzirt. Blieben diese Versuchsobjekte bei dem erreichbar schnellsten Aus- trocknen lebend, so wollte es andererseits mir nicht gelingen, auch bei der langsamst einwirkenden Wasserenlziehung die Diatomeen und die Dauer- zustände der Euglena viridis für eine andauernde und völlige Lufttrocken- heit geschickt zu machen, obwohl diese Organismen ja offenbar nicht weit mehr von der Erreichung dieser Fähigkeit entfernt zu sein scheinen. Schnelle und langsame Wasserzufulir zu getrockneten Pflanzen oder Pflanzentheilen. Ein Unterschied der Wirkung zwischen schneller oder langsamer Zu- fuhr von Wasser zu ausgetrockneten Pflanzen oder Pflanzentheilen wird in den meisten Fällen nicht bemerklich. Ich habe bei fast allen Versuchen, die ich im Laufe dieser Arbeit gemacht habe , die ausgetrockneten Objekte sowohl direkt in Wasser gelegt, als auch in anderen Proben ihnen die Feuchtigkeit allmählich zugeführt, indem ich dieselben zuerst einige Stun- den im dampfgesättigten Raum liegen ließ und sie dann von unten auf vor- sichtig bewässerte. Doch waren die Pflanzen einmal lebend geblieben, so nahmen sie ihre Lebensfunktionen auch bei direkter Befeuchtung ebenso- wohl wieder auf, als sie es bei allmählicher thaten. Dieses Verhalten gab sich selbst bei solchen Pflanzen kund, welche sich nahe der Grenze zwischen Leben und Absterben befanden , wie beispiels- weise lange lufttrocken gehaltenes Mnium hornum , dessen Blattzellen bald nach dem Wiederbefeuchten zwar lebend waren, sich aber doch nicht als dauernd lebensfähig erwiesen. Es gelang auch bei vorsichtiger Wasserzu- fuhr nicht, sie funktionsfähig zu erhalten , während die lebenskräftig ge- bliebenen Zellen der Stämmchen neue Sprosse entwickelten , auch wenn die Befeuchtung durch direktes Eintauchen in Wasser bewirkt wurde. Bei Exemplaren, die sieben Wochen über Schwefelsäure getrocknet waren, fanden sich noch lebende Zellen in einiger Zahl vor , aber zu einer Ent- wicklung von Protonema oder von neuen Sprossen konnten sie bei Anwen- dung von beiderlei Befeuchtungsweisen nicht veranlasst werden. Der Umstand, dass, wenn ausgetrocknete Pflanzen durch Wiederbe- feuchten ins Leben zurückgerufen werden können, dieses dann auch durch direktes Benetzen geschieht , scheint den Verhältnissen , wie sie in der Natur bestehen, zu entsprechen, da ja der Regen ebenfalls eine mehr oder minder plötzliche Wasserzufuhr den ausgetrockneten Organismen bietet. In einzelnen Fällen mag aber die Schnelligkeit der Wasserzufuhr nicht ohne Einfluss sein. Saussure giebt bei seinen schon früher von mir er- wähnten Versuchen mit getrockneten Weizenkeimlingen, deren Knospen 48 G. Schröder. eben frei geworden und etwa einen Centimeter lang waren, an, dass eine vorsichtige , die Keimpflanzen nur von unten treffende Wasserzufuhr bei einem Aufenthalt in dampfgesättigter Atmosphäre nothwendig war, damit dieselben eine neue Wachsthumsthätigkeit aufnehmen konnten ; zwischen nassen Schwämmen unterlagen sie der platzgreifenden Fäulniss. Nicht un- möglich aber ist es, dass hier der bei Anwendung nasser Schwämme man- gelhafte Luftzutritt schädigender wirkte als das raschere Durchdringen des Wassers. Just ^) ließ Gerste- und Haferkörner durch Aufbewahren im Exsikkator und durch dreitägiges Erhitzen mit Chlorcalcium auf 100° scharf aus- trocknen und befeuchtete eine Anzahl der Samen sofort nach dem Abkühlen, eine andere Portion aber erst, nachdem sie zwei Tage frei an der Luft ge- legen hatte. Bei der darauf folgenden Keimung war kein bemerklicher Unterschied zwischen beiden Versuchsreihen in der Anzahl der keimfähigen Samen wie in der Keimdauer zu konstatiren. Weitere Versuche 2), bei welchen er auf folgende Weise verfuhr, lie- ferten ein anderes Resultat : Um ein möglichst schnelles Eindringen des Wassers in die Samen zu erreichen ^ wurden die Samen angebohrt. Hier- durch wurde , wie die Kontrolluntersuchung ergab , die Keimfähigkeit nur um 15 — 20^ vermindert. Nachdem die Samen dann sorgfältig bei 30 — 40° über Schwefelsäure getrocknet waren, wurde ein Theil derselben nun lang- sam befeuchtet, während ein anderer mit Hülfe einer Saugpumpe schnell mit Wasser imprägnirt wurde. Durch letztere Operation wurde die Keim- fähigkeit der Samen sehr beeinträchtigt ; nur noch 10 — 15^ derselben hatten ihre Entwicklungskraft behalten. Nutzen der Resistenz. Bei den meisten Pflanzen, welche eine Austrocknung, ohne Schaden zu erleiden, überstehen, lässt sich leicht erkennen, dass die Ausbildung dieser Fähigkeit eine Anpassungserscheinung ist , welche in deutlicher Be- ziehung steht zu den Standorten, an denen diese Pflanzen in der Natur sich finden. So kann es kommen , dass bei systematisch sehr nahe stehenden Gattungen eine Verschiedenheit nach dieser Seite gefunden wird, wenn die eine derselben in der Natur auf feuchte , die andere aber auf trockene Standorte angewiesen ist. Dass es auch hier an Übergangsgliedern nicht fehlt, habe ich zu zeigen wiederholt Gelegenheit gehabt. 1) Über die Einwirkung höherer Temperaturen auf die Erhaltung der Keimfähig- keit der Samen, II. In: CoHN, Beiträge zur Biologie der Pflanzen. II, Bd. 1877, p. 338. 2) Just, Einfluss schneller Wasserzufuhr auf die Keimfähigkeit der Samen. In ; Bo- tanischer Jahresbericht 1880, p. 659. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 49. Selbst innerhalb einer und derselben Galtung lassen sich die verschie- densten Grade der Widerstandsfähigkeit beobachten, wie das Verhalten der Oscillariaarten lehrt. Der Nutzen einer hohen Resistenz gegen Trockenheit beruht aber nicht allein darauf, dass die betreffenden Pflanzenspezies an Standorten sich er- halten können, die wegen häufig eintretenden Mangels an Feuchtigkeit für andere Organismen unbewohnbar werden ; ein wesentlicher Vortheil für die bei der Austrocknung lebend bleibenden Zellen ruht vielmehr auch in dem Faktum, dass sie in diesem trocknen Zustande gegen anderweitige äußere Einflüsse, wie extreme Temperaturen etc., sich weit unempfind- licher zeigen als bei statthabender Turgescenz. Für trockne Samen ') ist es lange bekannt, dass sie von hoher wie von niederer Temperatur um so weniger beeinflusst werden, je vollkommner sie ausgetrocknet sind. Auch für eine Reihe angekeimter und wiedergetrockneter Samen giebt Saussure 2) an, dass sie durch eine zweistündigeErwärmung auf 60 bis 70°, Temperaturen, welche das Ultramaximum für turgescente Keimlinge weit überschreiten, wenig geschädigt wurden. Eine Grimmia pulvinala , welche längere Zeit über Schwefelsäure ge- trocknet war, konnte ich in einem Reagirzylinder mit frischgeglühtem Chlorcalcium eine Stunde lang auf 95 bis 100° erhitzen, ohne dadurch ihre Lebensfähigkeit zu zerstören. Verträgt nun eine Pflanze oder ein Pflanzentheil einmal das Austrock- nen, so kann die Trockenheit meist auch eine recht langdauernde sein. Es wird also dadurch eine beträchtliche Verlängerung des Lebens der Einzel- individuen erreicht, eine Erscheinung , welche sich besonders auffallend bei Rakterien und anderen Organismen , deren Lebensdauer im gewöhn- lichen Verlauf der Dinge eine nur sehr kurze ist, zu erkennen giebt. Rei allen den Organismen , welche ich bis zu ihrem Absterben beob- achten konnte , trat der Tod beim Austrocknen im Exsikkator früher ein als bei einer gleichmäßigen Lufttrockenheit. Eine absolute Trockenheit wurde aber auch bei dem langdauerndsten Aufenthalt im Exsikkator über Schwefelsäure nicht erreicht, wenn das Versuchsobjekt am Leben blieb ; eine solche trat nur unter gleichzeitigem Absterben des Organismus ein. Eine bestimmte Grenzlinie, bis zu welcher die Wasserentziehung getrieben werden darf, lässt sich nicht mit Genauig- keit ziehen, da bei mehrzelligen Pflanzen, mit denen man exakte Wägun- gen vornehmen kann, nicht sämmtliche Zellen auf einmal, sondern zuerst 1) Die Litteratur darüber ist zitirt in : Pfeffer, Pflanzenphysiologie. II. Bd. 1881. p. 434 u. 439, 2) De I'influence du dessechement sur la germination de plusieurs graines alimen- taires. In: Annaies des sciences naturelles. Bd. X. 1827. p. 79 u. 80. Untersuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. II. 4 50 G. Schröder. einzelne dem Tode anheimfallen , während andere noch erhallen bleiben, wie das ja bei den Moosen öfters beobachtet werden konnte. Doch zeigen die in ihren Resultaten untereinander wenig variirenden Wasserbestimmungen, welche ich mit verschieden lange getrockneter Sticta pulmonaria ausführte , dass ein gewisser Gleichgewichtszustand in der Feuchtigkeitsmenge beim Trocknen über Schwefelsäure eintreten kann und dass der Wassergehalt, welcher das Leben bedingt, bei der Sticta w^enigstens noch ein ziemlich hoher, circa 5^, zu sein scheint. Förderlich, ja selbst nothw^endige Bedingung für die Weiterentwick- lung ist eine vorübergehende Austrocknung bei einigen Samen, Sporen und anderen Ruhezuständen. Von vielen Samen ist es bekannt, dass sie gleich nach der Reife noch nicht keimfähig sind. Wenn auch hier die unerläss- liche Ruhezeit in der Mehrzahl der Fälle wohl nicht allein durch das dabei eintretende Austrocknen die spätere Keimung ermöglicht, so scheint doch wenigstens bei einer Samenart der Keimung eine Austrocknung unabweis- bar vorhergehen zu müssen. Es ist dieses bei den Samen der Eichhornia crassipes der Fall. Fr. Müller i) berichtet darüber folgendes: Nachdem er durch die Beobachtung , dass frische , in Wasser ausgesäte Samen dieser Liliacee nach dreiviertel Jahren noch unverändert geblieben waren , wäh- rend Proben derselben Ernte , die er nach Deutschland sandte, sich nach ihrer Ankunft als keimfähig erwiesen, aufmerksam geworden war, machte er einige Versuche zur Aufhellung dieser Thatsache. Er brachte eine An- zahl frischer Samen sofort in Wasser, eine andere Portion aber erst einen Monat später, nachdem sie während dieser Zeit an der Luft getrocknet war. Nach Ablauf eines weiteren Monats waren von letzteren Samen schon viele gekeimt , erstere aber entbehrten noch aller Zeichen der Weiterentwick- lung. Diese wurden nun aus dem Wasser genommen und zwei Wochen trocken aufl^ewahrt, um dann wieder ausgesät zu werden. Jetzt erst trat die Keimung ein. Manche ölhaltende Samen, z. B. die der Cucurbitaceen, sollen nach Alex. Braun 2) nach mehrjährigem Trockenliegen leichter und sicherer kei- men, weil durch Einwirkung der Luft eine chemische Umwandlung des fetten Öls stattfände, die durch das Austrocknen befördert würde. Andere Beobachtungen desselben Autors, welche die Nothwendigkeit der Austrocknung für die Weiterentwicklung der Ruhezustände von Chla- mydomonas, Chlamydococcus, sowie der bei längerer Kultur in Wasser- schüsseln entstehenden ölhaltigen Formen des Penium curtum darlegen, habe ich schon früher erwähnt. Bei Chlamydococcus und Stephanosphaera 1) Einige Eigenthiimlichkeiten der Eichhornia crassipes. In: Kosmos, VII. Jahrg., XIII, Bd. 1883, p. 299. 2) Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur. 1850, p. 215 Anmerkung. über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. 51 genügt ein kurzes, vorübergehendes Trockenwerden ; bei den Ruhezustän- den von Chlamydomonas und Chlorogonium ist eine gewisse Dauer und In- tensität der Trockenheit eine Bedingung, von deren Erfüllung eine Weiter- entwicklung dieser Organismen durchaus abhängig ist. Ähnliche Fälle wer- den sich ohne Zweifel noch in großer Zahl bei Gebilden, deren Lebenslauf sich unter gleichen äußeren Verhältnissen abspielt, finden lassen. An dieser Stelle sei es mir noch gestattet, meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Professor Dr. AV. Pfeffer, für seine Lehre und für die Leitung meiner Arbeit meinen innigsten Dank ausdrücken zu dürfen. Register der Pflanzennameii. Andraea petrophila 19. Angelica Archangelica, Samen 8. Aspergillus flavus 34. Asperula odorata 6. Aster chinensis, Keimlinge 11. Arena sativa, Keimlinge 11. 12. Samen;?. 4S. Bacillus Anthracis 43. 45. Bacterium Termo 40. — Zopfii 42. Barbula convolnta 19. — fallax 19. — muralis 18. 19. — ruralis 18. 19. — subulata 19. — tortosa 19. — tubnlosa 19. — unguiculata 18. 19. Birke, Samen 9. Blutbacterium 42. Botrydium granulatum 22. Botrytis Bassiana 35. Brassica oleraceaV Keimlinge 11. 12. Bryum caespiticinm 18. 19, Buche, Samen 9. Buchweizen, vide Polygonium fa- gopyrum. Cacteen 5.1 Cactus Opuntia 5. Caltha palustris, Samen 9. Campanula rapunculus, Keimlinge 11. Samen 7. Cannabis sativa, Keimlinge 11. Characeen 21. Chlamydococcus nivalis 26. — pluvialis 25. 45. Chlamydomonas obtusa 23. — I'ulviscnlus 23. Chlorochytrium Lemnae 23. Chlorococcum 22. Chlorogonium Euchlorum 24. Chlorophyceen 22. Cholerabacterien 42. Cichorie, Samen 9. Cinclidotns fontinaloides 15. Cladonia 40. Cladothrix dichotoma 41. Claviceps purpurea 36. Closterium Dianae 30. — turgidum 30. Golleraa 40. Coprinus stercorarius 36. Cordiceps militaris 35. Corsinia marchantioides 15. Corydalis, Samen 9. Cosraarium cucumis 30. — pyramidatum 30. Crassulaceen 3. 5. Cucurbitaceen, Samen 9. 50. Cylindrospermum makrospermum 32. Cystococcus humicala 23. Cystopus candidus 35. Desmidiaceen 29. Diatomeen 27. Dicranodontium longirostre 19.20. Dicranum elongatum 19. — longifolium 20. Dictamuus Fraxinella, Samen 8. Didyraium Libertianum 37. — praecox 37. — serpula 37. Echeveria secunda 5. Eiche, Samen 9. Eichhornia crassipes, Samen 50. Empusa muscae 35. — radicans 35. Endococcus 22. Endosphaera biennis 23. Equisetaceen, Sporen 13. Eranthis hiemalis, Samen 9. Erbse, vide Pisum. Ervura lens , Keimlinge 11. 12. Samen 7. Esche, Samen 9. Euastrum ansatum 30. — crassum 30. — verrucosum 30. Euglena viridis 24. Evernia 40. Fänlnisbacterien, vide Bacterium Termo. Florideen 21. Fontinalis antipyretica 15. Fuchsia 7. Funaria hygrometrica 16. 19. 45. Protonema 21. Gerste, vide Hordeum. Grimmia apocarpa 19. Grimmia commutata 19. — ovata 19. — pulvinata 18. 19. 43. 46. 49. üuttulina protea 37. Gymnogramme leptophylla 14. Gymnostomum rupestre 20. Hafer, vide Avena. Hainbuche, Samen 9. Hedwigia ciliata 19. Hefe 37. Hordeum vulgare, Keimlinge 11. 12. Keimlinge unreifer Samen 13. Samen 7. 48. Unreife Sa- men 10. Horraidium parietinum 23. Hyalotheca dissiliens 30. Hydrodictyou 22. Hymenophyllaceen, Sporen 13. Hymenostomum tortile 20. H3'pnum abietinum 18. Isoetes adspersa 3. — Duriaei 3. — Hystrix 3. — lacustris 3. — setaeea 3. — velata 3. Kaifeebaura, Samen 8. Kastanie, Samen 9. Kuhpockebacterien 42. Lactuca, Keimlinge 11. Samen 7. Liebesapfel, Samen 9. Limnanthemum nymphaeoides 7. Liuse, vide Ervum lens. Lorbeer, Samen 8. Lunularia vulgaris 14. Lycopodiura inundatnm, Sporen 14. Mais, vide Zea. Marchantia polymorpha 14. Marsilia, Sporen 14. Melanophyceen 21. Melosira varians 29. Mercurialis annna 6. Metzgeria furcata 14. Microcoecus prodigiosus 42. Milzbrandbacillen 43. 45. Mimosa pudica, Samen 9. Mnium hornum 16. 47. 52 G. ScHiiöDER. Über die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. Mohn, vide Papaver. Mucor Mucedo 34. Myrtaceen, Samen 8. Myxomyceten 36. Navicula viridula 28. Nostoc commune 31. Nitzschia 28. 29. Oidinm moniUoides 36. Opuntia corrngata 3. Orthotrichum anomalum 19. — liocarpura 19. — ottusifolium 18. Brutzellen 20. — striatum 18. Oscillaria antliaria 32. 33. — sancta 32. — snlafnsca 32. — tenenima 32. — teunis 32. 46. Osmundaceen, Sporen 13. Oxalis lancifolia, Samen 8. — rubella, Samen 8. Palmellaceen 22. 26. Palmella miniata 22. Papaver somniferum, Keimlinge 11. Unreife Samen 10. Papilionaceen, Samen 9. Pappel, vide Populus. Parietaria arborea 7. Pastinaca oleracea, Keimlinge 11. Samen 7. Pedicularis, Samen 9. Peltigera canina 40. Penicillium glaucura 34. Penium curtum 30. Peronospora infestans 35. Peronosporeen 35. Peziza Duriaci 36. — Sclerotiorum 36. Phaseolns vulgaris, Keimlinge 11. Phycomyces nitens 34. Phyllobium dimorphum 23. Pinnularia viridis 28. Pisum sativum, Keimlinge 11. Samen 7. Pleurocoecus miniatus 22. 26. — vulgaris 26. Pleurotaenium Trabecnla 30. Polygonnm fagopyrum, Keimlinge 11. 12. Samen 7. Populus nigra, Samen 8. Porphyridium cruentum 26. Portulaca oleracea, Keimlinge 11. Samen 7. Protococcaceen 22. Puccinia graminis 36. Eacomitrium canescens 19. Radula complanata 14. Raps, Samen 9. Reis, Keimlinge 13. Rhinanthus, Samen 9. Riccia fluitans 14. — glauca 14. Sporen 15. Roggen, vide Seeale. Rubiaceen, Samen 8. Salix fragilis, Samen 8. — pentandra, Samen 8. Scenedesmus obtusus 23. Schimmelpilze 34. Schizophyceen 31. Seeale cereale, Keimlinge 11. 12. Samen 7. 9. Sedum elegans 4. Sempervivum caespitosum 5. Sinapis nigra, Keimlinge 11. Sa- men 7. Sirosiphon ocellatus 32. 44. Sphagnum acutifolium 15. — cymbifolium 15. Spirillen 42. Spirillum undula 42. Spörgel, Samen 9. Stephanosphaera pluvialis 26. Sticta pulmonaria 39. 50. Surirella ovata 28. Tachygoninm 22. Tetmemorus granulatus 30. Tilletia caries 35. Trifolium repens, Keimlinge 11. Samen 7. Triticum durum , Keimlinge un- reifer Samen 13. Unreife Sa- men 10. — hybernum, Keimlinge 11. 12. 47. Samen 7. 9. — Spelta, Keimlinge unreifer Sa- men 13. Unreife Samen 10. Ulme, Samen 8. Ulota crispula 19. Uredineen 36. Urocystis occulta 35. Ustilagineen 35. Ustilago carbo 35. — Crameri 35. — destruens 35. — Kolaczckii 35 — ßabenhorstiana 35. — Tulasnei 35. Verrucaria 40. Yicia faba, Keimlinge 11. — sativa, Keimlinge 11. 12. Sa- men 7. "Weide, Samen, vide Salix. Weizen, vide Triticum. Wicke, vide Vicia sativa. Zea Mais, Keimlinge 11. 12. men 7. Wurzel 7. Zygnema leiospermum 31. — pectinatum 31. — stellinnm 31. — Vaucheri 31. Sa- Inhaltsübersicht. Seite Einleitung ^ Phanerogamen und Gefäßkryptogamen 2 Samen ' Sporen der Gefäßkryptogamen 13 Lebermoose ^ 4 Laubmoose IS Algen 21 Pilze, incl. Myxomyceten 34 Flechten 38 Spaltpilze 40 Aussehen der getrockneten Zellen 43 Ursachen der Resistenz 44 Schnelle und langsame Wasserentziehung 45 Schnelle und langsame Wasserzufuhr zu getrockneten Pflanzen oder Pflanzen- theilen 47 Nutzen der Resistenz 48 II. über die Bedeutung der organischen Säuren für den Lebensprozess der Pflanzen (speziell der sog. Fettpflanzen). Von 0. Warburg. Von den einfacheren und chemisch gut bekannten Bestandlheiien des Pflanzenköi-pers ist wohl keine Gruppe von den Physiologen länger ver- nachlässigt worden, als die der organischen Säuren : was um so merkwür- diger ist, als sie einerseits häufig durch ihre Menge die Aufmerksamkeit auf sich lenken, andererseits der quantitativen Bestimmung sehr zugänglich sind. — Es hat meist an einer präzisen Fragestellung gefehlt, und wo diese vorhanden war, bewegte man sich häufig in zu eng begrenzten Erschei- nungsreihen, um daraus Schlüsse auf die Stellung der Säuren im allgemei- nen Lebensprozess ziehen zu dürfen. — Erst in neuerer Zeil ward, durch interessante biologische Erscheinungen bei den Fettpflanzen angeregt, die Aufmerksamkeit intensiver auf die Säureverhältnisse gelenkt , ohne dass dieselben selbst bei diesen Pflanzen bisher genügend aufgeklärt wären. — Ein kurzer geschichtlicher Überblick ist insofern vielleicht nicht überflüssig, als dasjenige, was bisher aus der Litteratur zusammengestellt wurde, immer nur einzelne Seiten der Frage berührte ; auch wird hierdurch zu- gleich die Fragestellung vorbereitet, von der aus eigene Untersuchungen in Angriff" genommen wurden. Obendrein wird es vielleicht überhaupt nicht ohne Interesse sein, die öno- und pomologische Litteratur von einem rein physiologischen Gesichtspunkte aus einmal näher durchzusehen. Geschieh tliche Entwickelung der Fragen. Hand in Hand mit der Entwickelung der chemischen Untersuchungs- methoden entwickelte sich auch die Kenntnis der organischen Säuren, so- 54- 0- Warbürg. dass im Anfang dieses Jahrhunderts die gewöhnlicheren schon bekannt waren. Hatte man zuerst nur die auffälligeren Säureansammlungen in den Pflanzen beobachtet, so lenkte sich jetzt die Aufmerksamkeit der Chemiker auf die außerordentliche Verbreitung der Säuren ; während das wirklich wohl ausnahmslose Vorkommen freier Säuren in den lebenden Zellen be- sonders erst 1848 durch Galdichaud (Compt. rend. t. 27 p. 4 u. 33) in einer Diskussion mit Payen hervorgehoben, und später 1861 durch Sachs (Botan. Zeitg. 1861) näher untersucht wurde. — Erklärungsversuche dieser Säure- anhäufungen und -Bildungen lagen dagegen den großen Physiologen am Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts noch zu fern, nur Saus- sure, wie in allem, so auch hierin seinerzeit vorauseilend, wies schon 1821 (Ann. chim. phys. t. 19) in einer Arbeit über Assimilation und Athmung der Früchte flüchtig auf eine etwaige Beziehung zwischen Inspiration und Säurezunahme hin ; dagegen musste die sich in jener Zeit entwickelnde Theorie der Lebenskraft, und namentlich auch die später alles beherrschende unklare Humustheorie natürlich jede einfache Fragestellung in Bezug auf Stoffwechsel und Stoffbildung ersticken, obgleich die eigenthümlichen, schon seit 1819 bekannten Erscheinungen bei den Fettpflanzen wohl die Aufmerksamkeit auf diese Fragen hätten hinlenken können. So blieb die Frage bis in die 40er Jahre, wo sich dann die verschie- densten Ansichten geltend machten. — Nur als Kuriosum sei hier erwähnt, dass im Jahre 1844 A.Schultz in einem Briefe anFucuRENs (Compt. rend. t.119 p. 524, im Journ. pharm, ehem. 1844 p. 299 abgedruckt) den im Lichte ausgeschiedenen Sauerstoff, anstatt von der Kohlensäure, vonGallus-, Milch-, Apfel-, Wein- und Citronensäure herleitete (ja auch Phosphorsäure, Schwe- felsäure, Salzsäure [1/4 — ^li%]) ^'^och besser die Salze, würden zersetzt), welche natürlich völlig unhaltbare Annahme alsbald durch Bgüssingault widerlegt wurde. Ansichten der Chemiker. Liebig dagegen fasste 1840 in seiner »Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie« (1. Aufl. p. 62) die Säuren als Mittelstufe zwischen Kohlensäure und Kohlehydraten auf, welche Ansicht er dann in den späteren Auflagen (z. B. 8. Aufl. p. 51 u. 177, desgl. schon 5. Aufl.) in erweiterter Form klar präzisirte. — Als Beweis galt ihm einerseits die theoretische Schwierigkeit eines direkten Überganges von der Kohlensäure zu den Kohlehydraten, andererseits das Verschwinden der Säure in reifen- den Früchten und die Zunahme des Zuckers in denselben. — Dagegen sah auch er sich schon genöthigt (8. Aufl. p. 30), die nächtliche Ansäuerung der Fettpflanzen durch einen Oxydationsprozess zu erklären, den er (da er bekanntlich die Athmung als Lebensprozess bei den Pflanzen nicht an- erkannte) für einen rein chemischen, auch bei todten Pflanzen in derselben über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 55 Form auftretenden Prozess hielt. — Am nächsten Morgen stellt sich derRe- duklionsprozess am Lichte wieder ein, wodurch die Säuren dann nach Lie- big zu Kohlehydraten reduzirt werden. — Also Säurebildung einerseits durch Reduktion , andererseits durch Oxydation, Entsäuerung nur durch Reduktion zu Kohlehydraten, für beides keinerlei schlagende Beweise. Noch entschiedener tritt für dieselbe Ansicht Mulder ein, der 1844 (Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie p. 854) schreibt: «Wenn also von irgend einer organischen Substanz etwas erwiesen ist, so ist es, dass die Kleesäure aus Kohlensäure unter SauerstoffVerlust gebildet wird«. Der so sichere Beweis liegt für ihn darin, dass in Körpern, in welchen Kupferoxydsalze zu Oxydulsalzen reduzirt werden, in welchen überall Desoxydationserscheinungen gesehen werden , die Bildung der höchsten aller organischen Oxydationsprodukte ein Widerspruch wäre. Dagegen wendet er sich doch hier wie später (Chemie der Ackerkrume Bd. II p. 289) gegen die LiEBia'sche Annahme der Zuckerproduktion aus Säuren , darauf aufmerksam machend, dass in der Runkelrübe und im Rohrzucker keine Säure vorausgeht , und auch nach B£rard's Untersuchung die Säure in rei- fenden Früchten nicht abnimmt. Diese hauptsächlich auf Verkennung der intensiven Oxydationsvor- gänge im Lebensprozess der Pflanze beruhende Ansicht hat sich bei Che- mikern theilweise noch lauge erhalten, indem z. B. Rochleder in seiner »Phylochemie« sowohl wie in seiner »Chemie und Physiologie der Pflanzen« einen, wenn auch recht complizirten und verklausulirten Reduktionsprozess zur Herstellung der Säuren vertheidigt; ja sogar noch im Jahre 1876 be- mühten sich Brunner und Brandenburg (Chem. Ber. IX p. 982), von der Lie- BiG'schen Theorie geleitet, vergeblich, in unreifen Trauben Glyoxylsäure als Mittelstufe nachzuweisen. Ein anderer Theil der Chemiker dagegen , namentlich nachdem Ber- thelot die Ameisensäure aus Kohlenoxyd und Wasser dargestellt hatte suchte das Mittelglied zwischen Kohlensäure und Kohlehydraten im Kohlen- oxyd; während später, in Anknüpfung an Bütlerow's Darstellung zucker- artiger Körper durch Wirkung von Kali auf Formaldehyd, als auf ein wei- teres Glied mehrfach auf Formaldehyd hingewiesen wurde, so z. B. von Baeyer in seiner speziell für Physiologen lehrreichen Studie über »die Wasserentziehung und ihre Bedeutung für das Pflanzenleben und die Gäh- rung« (Chem. Ber. III p. 63). — Hierdurch traten also die Säuren in Bezug auf Kohlehydratbildung in den Hintergrund, d.h. nur die höheren Glieder der Reihen, da Erlenmeyer Spaltung der Kohlensäure in Wasserstoffsuper- oxyd (in Wasser und Sauerstoff zerfallend) und Ameisensäure nach Analo- gieen als ersten Prozess hinstellt (Chem. Ber, X. 1877. p. 634). 56 0. Warbürg. Ansichten der Botaniker. Bei den Botanikern von Fach hat die Annahme der Säuren als intermediäres Reduktionsprodukt überhaupt kaum Beifall gefunden. — Aber nicht von physiologischen Grundsätzen und Thatsachen aus wurde sie bekämpft, sondern, namentlich von den Anatomen , wegen des mit der Theorie nicht übereinstimmenden Vorkommens vor allem derOxalatkrystalle. Zwei der Koryphäen der damaligen botanischen Wissenschaft , Schlki- DEN und MoHL, wandten sich gegen die LiEBia'sche Ansicht, »eine von seinen höchst genialen Kombinationen, denen aber leider noch gar keine Beobach- tung in der Wirklichkeit die Hand bietet« (Schleiden, Grundzüge p. 141). — Schleiden fasste die Säuren als Nebenprodukte des Stoffwechsels auf, mit der Aufgabe, schädliche Stoffe zu entfernen (1. c. Bd. I p. 175) ; nach ihm »scheinen die Pflanzen die eigenthümliche Fähigkeit zu haben, falls anorganische Säuren fehlen, organische zur Sättigung der Basen zu bilden« (p. 141). Er unterschied aber zwei verschiedene Bildungsweisen (Handb. der med. pharm. Bot. 1852. p.8) ; einerseits bilden sie sich nach ihm durch einen neben dem Reduktionsprozess bei Licht herlaufenden, und durch den dabei entstandenen Sauerstoff bedingten Oxydationsprozess ; andererseits durch »einen allmählichen Verwesungsprozess«, einen »Oxydationsprozess, der mit dem Leben der Pflanze gar nichts zu thun hat, oder doch mit dem- selben nur in sehr mittelbarer Verbindung steht« (offenbar Liebig's nächt- licher Oxydationsprozess) . MoHL erörterte gleichfalls in seinen »Grundzügen der Anat. u. Physiol. der veget. Zelle« (1851. p. 91) die LiEBia'sche Theorie ; er fand sie einer- seits zu allgemein wegen der nächtlichen Ansäuerung der Fettpflanzen (nach obigem ein unbegründeter Tadel) , andererseits hatte er teleologische und theoretische Bedenken in Bezug auf die die Säuren sättigenden Basen, z. B. könnten doch die unlöslichen Salzablagerungen in den Zellen für die Er- nährung nicht von Nutzen sein , es ginge also viel Säure verloren ; die Säuren schienen vielmehr » weit eher die Bedeutung zu haben , Verbin- dungen, welche für die Pflanzen überflüssig sind , aus dem Kreise der be- lebten Säfte zu entfernen. « — Auch Unger, durch das Vorkommen derKry- stalle an Orten starken Stoffwechsels geleitet, wendet sich gegen dieMuLDER- LiEBiG'sche Ansicht (Grundlin. d. Anat. u. Phys. der Pflanzen 1866). Die Säuren seien kein Übergangsglied, »indem sie sich vielmehr bei dem Über- gange der Kohlensäure in Kohlehydrate abscheiden.« — Ähnlich lautete auch die Widerlegung Sanio's (Monatsb. d, kön. Akad. d. Wiss. Berl. 1857), der sich weigert, z. B. die Oxalsäure als allgemeines Assimilationsglied anzu- sehen, da man dann annehmen müsste, dass nur in den Krystallzellen Kalk wäre, oder nur dort die Assimilation thätig sei; »besser könne man sie als ein bei der Assimilation gebildetes Exkret ansehen «. Ferner, welchen Werth sollte die Desoxydation der Kohlensäure haben , wenn sie sich nur darauf über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 57 beschränken sollte, jene Zellen mit oxalsaurem Kalk zu füllen«. — Holzner (Flora 1867, Üb. d. phys. Bedeut. d. oxals. Kalkes) hebt hervor, dass die Krystalle selten in Chlorophyllzellen auftreten , dass auch chlorophylllose Theile Oxalsäure bilden; dass die Krystalle sich häufig in unterirdischen Organen finden, und die meisten in chlorophyllfreien Bastzellen anzu- treffen sind. Es können alle diese anatomischen Überlegungen die LiEBia'sche Theo- rie höchstens in Bezug auf die Oxalsäure einigermaßen erschüttern , wäh- rend die Exkretnatur der Säuren höchstens für die unlöslichen Salze er- wiesen wurde. Teleologische Ansichten. Die teleologische Betrachtungsweise in Bezug auf die Säuren trat dagegen immer mehr in den Vordergrund und drängte die Forschung nach dem kausalen Zusammenhang der Bildungsweise und der Verarbeitung für eine Zeit lang zurück. — Während die Nützlichkeit der Säuren nach der Reduktionstheorie von vornherein klar war, suchten, wie wir sahen , Mohl und ScHLEiDEN dieselbe in der Neutralisation schädlicher Stoffe, dagegen hielten Schumacher (Ernährung d. Pflanze, Berlin 1864. p. 33\) und Unger (Grundlinien p. 140) umgekehrt die Säure — hier speziell die Oxalsäure — für den schädlichen Stoff", der durch Kalk neutralisirt werden muss. Holzner hingegen (a. a. 0.) und sich ihm anschließend C. Ivraus, suchten nach dem Vorgange Emmerling's (Landw. Versuchsstat. 1874. p. 161, Chem. Ber. V 1877. p. 780) die Bedeutung wieder in der Neutralisation der Ba- sen , wodurch die zur Eiweißbildung so wichtige Salpeter- und Schwefel- säure in Freiheit gesetzt werden kann, welcher Annahme sich auch de Vries (Bot. Zeit. 1879. p. 847 ff., Landw. Jahrb. X. 1881) anschloss. Später er- örterte letzlerer auch noch die Bedeutung der Säuren in Bezug auf den Turgor ausführlich (Bot. Zeit. 1883. p. 849), und suchte 1884 diese Wir- kung auch für die Säure in den Fettpflanzen in den Vordergrund zu stellen, während Pfeffer andererseits in Bezug auf die Turgorwirkung den Säuren nur eine geringe Bedeutung zuertheilen will (Pflanzenphys. p. 53) und G. Krals überhaupt den Einfluss aus beachtenswerthen Gründen in Zweifel zieht (Die Acidit. des Zellsaft., Abh. der naturf. Gesellsch. in Halle 1884). — Spezielle Funktionen der Säuren waren unterdessen auch aufgedeckt durch den indirekten Nachweis derselben in den Wurzelausscheidungen, in den Sekreten fleischfressender Pflanzen , wie auch durch die bessere Kenntnis der pflanzlichen Fermente und der Beförderung ihrer Wirksam- keit durch Säuren (Detmer, Zeitschr. f. phys. Chem. 1882. Bd. 7); die Be- förderung der Stärkeumwandlung ist z. B. nach Dragendorff (Chem. Beitr. z. Pomologie, Bot. Jahrb. 1878) der Zweck der Säurezunahme in unreifen Äpfeln. Auch die Löslichkeit mancher Proteinstoffe (Conglutin z. B.) in 58 0- Warburg. sauren Lösungen (Detmer, Vergl. Phys. des Keimungspr. 1880 p. 380) ist vielleicht von Wichtigkeit ; nach Fr^my spielen die Säuren eine Rolle bei der Pektoseuniwandlung in Pektin (Ann. chim. phys. 1848. 3 s. 24 p. 57). Und so ließen sich gewiss noch verschiedene Zweckmäßigkeiten für die An- wesenheit freier Säuren auffinden, die aber kaum wesentlich zum besseren Verständnis der Lebensprozesse beitragen dürften. Hypothese von C. Kraus. Das Interesse für die Erkenntnis der Stellung der Säuren im Stoff- wechsel erwachte erst wieder in den siebziger Jahren. Als Beweis dafür kann schon eine neue Säurehypothese angesehen werden , welche von C. Kraus (Studien üb. d. Herbstfärb, der Blätter u. üb. die Bildungsweise der Säuren. 1873. Neues Repertor. für Pharmac. t. 22. p. 273), freilich lediglich auf theoretische Gründe gestützt und deshalb von höchstens hypo- thetischem Werthe, aufgestellt wurde ; nach ihm sollen die Säuren durch Spaltung oder besser durch eine Art intramolekularer Oxydation entstehen, und zwar durch den Sauerstoff, der durch die Reduktion des Trauben- zuckers zu Oxyphensäure frei würde. Es ist diese Annahme nur eine Aus- spinnung einer von vielen Möglichkeiten, und nicht einmal eine sehr glück- liche , wegen des häufig sehr beschränkten Vorkommens oder Fehlens der Gerbstoffe bei intensivem Säurew echsel i) . — Doch kam jetzt auch durch spezielle Beobachtungen von zwei Seiten neues Leben in die Frage. Einer- seits wurden die Säureverhältnisse der Fettpflanzen durch Mayer, Kraus, DE Vries besser studirt, andererseits fanden in öno- und pomologischen Zeitschriften die Reifeverhältnisse der Früchte gründlichere Bearbeitung. Ansichten der Pomologen und Önologen. Um mit den Arbeiten letzterer anzufangen, so gehen sie meist von prak- tischen Gesichtspunkten aus, und suchen vor allem die Beziehung zwischen Säure und Zucker aufzudecken ; trotzdem konnten ihre Untersuchungen nicht ohne Einfluss auf die allgemeinen Fragen der Stellung der Säure im Lebensprozesse bleiben. — In Bezug auf Kernobst lag die Sache verhält- nismäßig einfach. Während einzelne ältere Forscher, B^rard z. B. (Ann. chim. phys. XVI. p. 152. 225) annahmen, dass Zucker oder Pektinstoff bei der Reife die Säure nur maskirlen, mussten die ersten zeitlich vergleichen- den Untersuchungen über die Reife die Abnahme der freien Säure konsta- tiren (Fr^my, Compt. rend. 1. 19. 1844. p. 789) ; auch fand man bald, dass 1) Übrigens wurde schon 1860 durch Buignet und Berthelot (Compt. rend. t. 31 p. 1093) umgekehrt die Möglichkeit des Entstehens des Zuckers in den Früchten aus Gerbstoff durch Säuren erwogen, aber ohne dass sie zu einem Resultat kamen. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 59 von einer Neutralisation der Säure, wie^^sie noch Fr£my annahm , hier nicht die Rede sein lionnte; denn auch bei der Nachreife (getrennt von der Pflanze) zeigte sich Säureabnahme , was Beyer für die Stachelbeeren nach- wies (Versuchsstation. 1864. Yll. p. 353) und später vielfach an den ver- schiedensten Früchten bestätigt wurde. Da auch bei der Nachreife eine, freilich nur relative , d. h. nicht in Bezug auf das Anfangsgewicht berech- nete , Zuckerzunahme nachgewiesen wurde (z. B. Pfeiffer 1875, Chem. Unters, üb. d. Reif, des Kernobstes, Ann. d. Önol. V. p. 271), so lag die Annahme einer Kausalität nahe, wie sie ja auch von Liebig angenommen wurde, obgleich nach Fr^my (Gompt. rend. 1. 19.1844. p. 790) damals keine Thatsachen dafür sprachen. Mercadante stellte 1875 in Bezug auf die Pflaume sogar eine Formel auf für die Zersetzung der Apfelsäure durch gleich viel Moleküle Sauerslofl", wobei sich zwei Kohlensäuremoleküle und ein Wassermolekül abspalten sollten , während das übrige zu Zucker po- lymerisirt würde (Gazetta chimica VI. p.1 25. Sulla formazione dello zuckhero nelle frutta, s. auch Chem. Ber. 1875); angeblich soll diese Formel mit Säureabnahme, Zuckerzunahme und Kohlensäureabscheidung übereinstim- men, doch genügt der Hinweis darauf, dass die gesammte, durch die Ath- mung der Früchte und des mit eingeschlossenen Zweiges entstandene Kohlensäure mit für die Säurezersetzung verrechnet wird, und ferner even- tuelle Zuckerzufuhr aus Zweig und Blättern vernachlässigt wird, um die völlige Kritik- und Werthlosigkeit der Arbeit zu erweisen; dass überhaupt nur ein Versuch stimmt, die anderen nicht, dürfte demnach kaum Wunder nehmen. — Ähnliche Ansichten der Entstehung von Zucker aus Säuren wurden auch später häufig geäußert, so z. B. von Tschlapowitz, der den Zucker der Äpfel sich auf Kosten von Pektin, Säure, und vielleicht Cellulose vermehren lässt i) (Unters, üb. d. Lagerreife des Kernobstes, Monatsber. d. Ver. z, Beförd. d. Gartenbaues 1879, vergl. Biederm. Centralbl. 1879, p. 472). — Dragendorff hingegen nimmt eine spätere theilweise Verbren- nung der Säure an, aber auch ohne Beweise (Chem. Beitr. zur Pomol., Arch. f. d. Naturk. Liv-, Esth.- u. Kurl- Bd.VIIL Vergl. Jahresber. 1878. p. 597) . Dagegen verbreiteten seine und Pfeiffer's Untersuchung sowohl wie namentlich die von Mach, Kurmann und Portele (Mach u. Kurmann, Reife- stud. bei Traub. u. Frucht. Anm. d. Önol. 1877. VI; Mach u. Portele, Reifestud. bei Traub.u. Frucht. Weinlaube 1878. 1879. Bd.9. p. 123; Mach U. Portele, Reifestud. am Kernobst. Biederm. Centralbl. VII. 1878. p. 430) Klarheit über die thatsächlichen Verhältnisse der Säure- und Zuckermengen in den verschiedenen Stadien des Kernobstes. Es geht aus denselben so- viel klar hervor, dass bei gewöhnlicher Reife die Säuremenge nicht ent- fernt den gebildeten Zucker hervorzubringen vermag ; und ferner, dass bei 1) Im Grunde wohl nur die alte CouvERCHEt'sche Ansicht, der Zucker entstehen lässt durch Wirkung der Säure auf Gummi, Dextrin, Stärke (Ann. chim. phys. t. 46. p. U7). ßO 0. Warbürg. der Nachreife trotz starker Säureabnahme der Zuckergehalt absolut ge- nommen (d. h. auf das Anfangsgewicht berechnet), zuerst höchstens kon- stant bleibt, später aber merklich sinkt; nur verändert sich das Verhältnis von Dextrose und Laevulose zu Gunsten letzterer. In Bezug auf die Weintrauben lag die Sache etwas anders. Wäh- rend früher die Ansicht galt, dass die Weinsäure in Zucker überginge (vergl. Nessler, Der Wein, 1860. p. 3), ging aus Famintzin's gründlichen »Unter- suchungen über die Reife der Weintrauben« (Ber. üb.d. Verhandl. d. natur- forsch. Gesellsch. in Freiburg i/Br. Bd. II. 1860; an günstigerer Stelle 1872 in den Ann. d. Önol. abgedruckt) hervor, dass die gebundene Säure, so- wie das Kali und der Zucker bis Ende der Reife zunimmt. 1866 konsta- tirte Pasteür (Etudes sur le vin) bei verschiedenen Sorten , dass Säureab- nahme und Zuckerzunahme nicht immer parallel gehen , während Neubauer von 1869 (Versuchsstation. XI) bis 1875 (Chem. Untersuch, üb. d. Reife d. Traub., Ann. d. Önol, p. 358) wiederholt bestimmt hervorhob, dass die Säure durch Neutralisation verschwinde (ebenso auchSEstmi und del Torre 1874) : der Zucker entstände weder aus Säure, noch durch Zuwanderung, sondern durch einen eigenthümlichen Lebensprozess der Trauben selbst. War das Verschwinden der Säure durch Neutralisation auch für die ge- wöhnliche Reife theilweise richtig, so konnte doch diese Ansicht seit 1877 in gleichem Umfange nicht mehr aufrecht erhalten werden in Folge der Untersuchungen über die Nachreife der Trauben von Egidio Pollaci (Rivi- sta di viticultura, s. Bied. Centralbl. 1878. p. 772), von einem unge- nannten Verfasser (Biederm. Centralbl. 1879. p. 232) und vor allem nach den gründlichen Arbeiten von Portele und Mach , indem bei der Nachreife starke Säureabnahme bei ziemlich lange dauernder Zuckerkon- stanz nachgewiesen wurde (Portele und Mach , Reifestud. bei Trauben und Früchten a.a.O. ; Portele, Untersuchungen über das Reifen der Wein- trauben, Biederm. Centralbl. 1879). Es ging aus allen diesen Arbeiten hervor, dass, falls man die Zufuhr anorganischer Basen abschneidet, sich doch die freie Säure vermindert, und zwar ohne an organische Basen ge- bunden zu werden. Dass Apfelsäure in unreifen Trauben auftritt und bald verschwindet, ebenso auch Gerbstoff (ja auch Oxalsäure nach Famintzin), wurde seit Famintzin wiederholt beobachtet (Cerletti, 1875, Schwarz, Ann. chem. pharm. Bd. 83 u. 84. Portele). Es handelte sich jetzt nur darum , welche Umwandlung erfahren die Säuren, soweit sie faktisch verschwinden, z. B. bei der Nachreife. Schon 1878 war von Saint-Pierre et Magnien (Recherches experim. sur la maturat. du raisin. Conclusions. Compt. rend. t. 86. p. 491) die Behauptung aufge- gestellt, dass die Säuren verbrannt würden, ohne dass hierfür irgend entscheidende Gründe beigebracht zu sein scheinen (die ev. ausführliche Arbeit der Autoren war für mich nicht auffindbar). H. Müller-Thurgau da- gegen, der nochmals nachwies, dass der Säureverlust nicht entfernt die über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 61 kolossale Zuckerzunahme bei der Reife zu decken vermag, und dass auch aus anderen schlagenden Gründen die Zuckerzufuhr aus den Blättern an- genommen werden müsse , definirte dieselbe Ansicht noch präziser und nahm, freilich, wie besonders hervorzuheben ist, auch wieder ohne spe- zielle Beweisführung, umgekehrt an, dass die Säure durch Zersetzung des Zuckers entstände; gleichzeitig würde aber auch Säure wieder weiter zer- setzt und als Endprodukte dieser Umsetzung entständen Kohlensäure und Wasser. (Über d. Einfl. der Belaub, d. Weinstocks auf d. Reif, der Traub. Ber. des Weinbaukongr. in Dürkh. 18821.) Wir haben hier nur die wichtigsten Arbeiten derReifungslitteratur an- geführt; die meisten übrigen haben für die Stoffwechselfrage keinen Werth, da die Bestimmungen entweder am Moste angestellt (also auf eine von der Transpiration abhängige , ganz variable Größe bezogen) sind, oder das jeweilige Gewicht der Früchte als Maß zu Grunde legen , ohne durch An- gabe wenigstens der Fruchtzahl eine Umrechnung auf das Anfangsgewicht zu ermöglichen. — Wenn wir von der allmählichen Klarlegung der Frage und der Sonderung der verschiedenen Faktoren absehen , so beschränken sich die faktischen Resultate dieser Arbeiten in Bezug auf die Stellung der Säure im Stoffwechsel auf die Konstatirung der sehr wichtigen Thatsaclie, dass wirklich bei der Reife Säure verschwindet , und dass sie nur einen kleinen Theil der Zuckervermehrung decken könnte; alles übrige ist Hy- pothese. Ansichten der Pflanzenphysiologen. Weit größer waren die Fortschritte, seitdem sich die experimentelle Pflanzenphysiologie dieser Fragen bemächtigte. An erster Stelle ist Ad. Mayer zu erwähnen, der 1875 (Üb. die Bedeut. d.organ. Säur, in d. Pflan- zen. Landw. Versuchstat. XVIII) zum ersten Male diese Fragen von weite- rem Gesichtspunkte zusammenfasste, die bisherigen Ansichten kurz und treffend charakterisirte und nicht, von Möglichkeiten ausgehend, die spär- lichen bekannten Thatsachen neu zurechtlegte, wie die meisten früheren, sondern mit bestimmter Fragestellung experimentell an die Sache heran- trat. Die Versuche bezogen sich einerseits auf die Oxalisarten und Wein- ranken, andererseits auf die Fettpflanzen. In Betreff erslerer stellte er fest (wenn sich auch in Bezug auf die Einzelheiten der Versuche manche Ein- wendungen machen lassen) , dass die Ranken und Oxalisarten im kohlen- säurefreien Räume im Lichte nicht durch Sauerstoff das Volumen der sie umgebenden Luft vermehrten , was geschehen müsste, falls ihre Säure ein intermediäres Produkt der Kohlensäureassimilation wäre. Die übrigen Ver- suche, zu wenig an Zahl und theilweise zu schwankend in den Einzelhei- ten, zeigen nur so viel als ganz sicher, dass ähnlich großer Wechsel in Be- treff des Säuregehaltes wie bei den Fettpflanzen hier nicht vorhanden ist. 52 0- Warburg. Ob die Zerstörung der Oxalsäure, wo sie überhaupt stattfindet, durch Oxydationsvorgänge zu erklären ist, wie Mayer annimmt (p. 415), da Ver- neinung des Reduktionsprozesses implizite Bejahung des Oxydationspro- zesses bedeute, ist um so weniger erwiesen, da nicht einmal das Faktum des Zerstörtwerdens zweifellos konstatirt wurde. Auf die Entstehung der Oxalsäure bei den chlorophylllosen Pflanzen als Gegenbeweis gegen den Reduktionsprocess hatte , wie erwähnt , Holzner schon hingewiesen, bei den chlorophyllhaltigen musste die Entstehung gänzlich ungewiss bleiben. Dagegen zeigten Bryophyllum und Crassula bei Abwesenheit von Koh- lensäure eine beträchtliche Sauerstoß'ausscheidung im Sonnenlicht. Hand in Hand gehend mit der Entsäuerung ; aus welcher Thatsache Mayer schloß, dass auch ein Kausalnexus zwischen Entsäuerung und Sauerstoftausschei- dung bestehe. Ferner fand er nach der Besonnung im kohlensäurefreien Räume die Stärke vermehrt i) , folglich sei anzunehmen , dass die Kohle- hydrate das Endprodukt dieses Reduktionsprozesses seien , und dass die Säuren den Charakter eines Übergangsgliedes zwischen Kohlensäure und Kohlehydraten erhalten. — Eine sich an diese Arbeit anschließende Kritik und Polemik hatte, neben dem Nachweis des Fehlens irgend beträchtlicher Mengen freier Kohlensäure in der Pflanze am Morgen, vor allem das Resul- tat nochmaliger Bestätigung der Sauerstoffausscheidung unter besserer Vermeidung der möglichen Fehlerquelle vorheriger Kohlensäureabsorption. (Die Sauerstoffausscheidung fleischiger Pflanzen. Erwiderung. Heidelb. 1876.) Im Jahre 1878 erschien dann aus derselben Feder eine zusammen- fassendere Arbeit (Üb. d. Sauerstoffausscheid, einiger Crassulac. Landw. Versuchsst. XXI. p. 277), wo neben der Bestimmung der fraglichen Säure als Apfel- oder Isoapfelsäure auch die für uns wichtige Möglichkeit erör- tert wurde, dass sich aus der Säure im Lichte erst Kohlensäure abspalte, und diese dann die eigentliche Sauerstoffquelle sei. Er entschied sich frei- lich nicht definitiv gegen diese Annahme , als einzige hierher gehörende Gründe anführend; dass, falls eine dauernde Kohlensäureabspaltung statt- fände, nicht einzusehen sei, warum sich nicht auch im Dunkeln Kohlensäure abspalten solle; ferner, dass dann ein Blatt im Lichte über Kalilauge, wo doch Kohlensäure absorbirt würde, weniger Sauerstoff liefern müsse als ein gleiches ohne Kalilauge, was nicht der Fall sei. Ist dies letztere einer- seits lange nicht genügend konstatirt durch zwei Versuche , wo hier ja die Individualität des Blattes von außerordentlichem Einfluss ist, und geringe Verschiedenheiten der Versuchsanstellung sich gar nicht vermeiden lassen, so würde andererseits auch das sichere Faktum nichts beweisen , da ja be- 1) Es wird dies nur schwer exakt konstatirt werden können, da man, um Bryo- phyllum völlig zu entstärken, sie nach meinen Erfahrungen so lange verdunkeln muss (mehrere Wochen), dass auch ihre Lebenskraft, wie schon der Habitus zeigt, entschieden leidet, und einfach geringe Stärkezunahme schwer mit dem Augenmaß konstatirbar ist, auch Zufälligkeiten mitspielen können. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 63 kannt ist, mit welcher Rapidität insolirte Blätter sogar von außen die Koh- lensäure anziehen, während die im Innern durch Athniung gebildete völlig verarbeitet und nur in schnellem Gasstrom spurweise sichtbar wird, und zwar sogar bei dünnen Blättern , wo die Kohlensäure im Verhältnis zu Fettpflanzen noch schnell entweichen kann. — Für die Annahme der Koh- lehydrate als Endprodukt des Entsäuerungsprozesses kam für Mayer als neues Moment noch hinzu, dass die Menge der Sauerstoffausscheidung mit der Berechnung der Reduktion der im Lichte verschwundenen Säure zu Kohlehydraten gut übereinstimmt; wozu dann in seiner letzten Untersuchung (Kleine Beitr. z. Frage d, Sauerstoffausscheid, in d. Crassulaceenblätt. Landw. Versuchsstat. 1883) noch das Faktum hinzutrat, dass in der That, nach Insolation in einem kohlensäurefreien Raum , quantitativ bestimmt, abends mehr Zucker vorhanden ist als morgens, auch Stärke und Dextrin sollen kleine Zunahme zeigen. Beide Gründe passen aber ebenso gut für die Annahme, dass sich Kohlensäure abspaltet und diese verarbeitet wird. — Für die Zunahme der Säure in der Nacht, die er früher ohne speziellen Grund schlankweg für einen Oxydationsprozess erklärt hatte, giebt er jetzt auch die Möglichkeit der Entstehung durch Spaltung anderer Substanzen zu, dafür anführend, dass auch in Wasserstoffatmosphäre die Säure in der Nacht zunehme. — Das faktisch bleibende Resultat von Mayer's Arbeiten in Bezug auf unsere Frage nach der Stellung der Säuren ist also die Trennung der Oxalsäure der Oxalisarten von der Apfelsäure der Fettpflanzen ; bei er- steren ist die Entstehung unsicher, die Zersetzung, falls überhaupt stattfin- dend, möglicherweise ein Oxydationsprozess; bei den Fettpflanzen Ent- stehung der Säuren durch Oxydation oder Spaltung, Zersetzung derselben durch Lichtwirkung (NB. nur an lebendem Material wirksam), bei welchem Prozess einerseits Sauerstoff, andererseits Kohlehydrate auftreten; wie, ist unsicher, möglich eine Reduktion der Säuren, mit oder ohne vorhergehende Oxydation zu Kohlensäure, möglich auch eine innere Abspaltung von Koh- lensäure, die dann weiter verarbeitet wird. Im letzten Jahre ist von G. Krals eine Arbeit erschienen (Üb. d. Was- servertheilung in der Pflanze. IV Die Acidität d. Zellsaftes), in der umfas- sende Untersuchungen über die Vertheilung der Säure in den verschiede- nen Pflanzen- und Pflanzentheilen, in den verschiedenen Stadien der Ent- wickelung etc. mitgetheilt sind. Es wird dort der Versuch gemacht, nach- zuweisen, dass die bei Fettpflanzen aufgefundene Periodizität eine allge- meine Regel bei den Pflanzen sei, dass die Entsäuerung eine direkte Wir- kung des Lichtes sei, und zwar des gelben besonders, und deshalb keinen Zusammenhang habe mit der Athmung, wenngleich Sauerstofl' zur Entsäue- rung nöthig ist, und ebensowenig mit der Assimilation, da auch in kohlen- säurefreiem Räume , wie ja schon Mayer fand , Entsäuerung eintrat. Er schließt, dass die Säuren ein Nebenprodukt der Athmung seien, da sie vor allem in den Theilen der Pflanzen auftreten, die das Protoplasma in reich- 64 0. Warburg. lichem Maße enthalten , ein SchlusS; gegen den sich mancherlei einwen- den lässt. Neuerdings hat G. Kraus (Abhandl. der naturf. Ges. zu Halle XVI, Über d. Blüthenwärme bei Arum italicuni) versucht, bei dem intensiven Lebensprozesse während der Kolbenerwärmung Säurezunahme nachzuwei- sen. Doch muss selbst das Faktum noch zweifelhaft bleiben , da bei so schwankenden Verhältnissen, wie sie die außerordentlichen Unterschiede in dem Verhältnis der Bleiniederschläge zur Trockensubstanz verrathen (p. 37 bei Knospenkeulen z. B. zwischen Yio ^^^^ V405 ^^i den warmen zwischen Y5 und 1/20 variirend) , 7 — 1 Analysen entschieden viel zu wenig sind zur Erlangung eines gleichförmigen Mittelwerthes ; um nur annähernd sichere Resultate zu erhalten, wird man auch hier wie bei den Fettpflanzen mit verschiedenen Theilen derselben Pflanze (desselben Kolbens) arbeiten müssen. Aber auch unter der Annahme der allgemeinen Gültigkeit der Zahlen würde nur bewiesen sein, dass sich Säuren auch ohne Chlorophyll- einfluss bilden können, was wir ja schon durch die Pilze etc. wissen. Auch dass die Kohlehydrate »in letzter Instanz das Material zur Säurevermehrung« geben (p. 22), ist im Grunde ja selbstverständlich und klärt noch nicht den direkten Prozess der Säurebildung auf. Die Konstanz der stickstoffhaltigen Körper (und das Verhältnis der löslichen zu den unlöslichen) bew^eist, wie auch Kraus hervorhebt, wenig, denn »es w^äre vorschnell, daraus sofort den bestimmten Schluss ziehen zu wollen , die Eiweißkörper werden bei der Athmung nicht in chemische Mitleidenschaft gezogen« (p. 70) . Unbestimmte, unbekannte lösliche Stoff'e aber als Mittelding zwischen Kohlehydraten und Säuren ev. anzunehmen, und zwar einzig, weil sich Diff'erenzen in Folge von Berechnung auf obige Mittelwerthe hin zeigen (p. 22), würde jeden- falls recht gewagt sein. Als letzter hat de Vries »über die Periodizität im Säuregehalte der Fett- pflanzen« (Amsterdam 1884) gearbeitet; er hat die Thatsache des lang- samen Verschwindens der Säuren im Dunkeln und namentlich in der Wärme, die für die Früchte ja schon lauge konstatirt und von Mayer für Oxalis wenigstens wahrscheinlich gemacht war, für die Fettpflanzen sowie für einige dünnblättrige durch exakte Versuche konstatirt. Die Säurebil- dung in der Nacht ist nach ihm eine den Fettpflanzen eigene . durch vor- hergehende Beleuchtung induzirte Erscheinung; während die Verbreitung der Erscheinung der Entsäuerung am Licht nicht von ihm untersucht wurde. Das Licht aber bewirkt nach ihm die Zersetzung nicht, sondern fördert sie nur; blauer und gelber Theil des Spektrums wirken gleich; demnach ist die Entsäuerung kein ßeduktionsprozess, »es bleibt demnach nichts an- deres übrig«, schließt er hieraus, »als sie als einen Oxydationsprozess auf- zufassen«. Man sieht aus dieser kurzen Skizze über die Arbeiten von Mayer, Kraus und DE Vries, wie trotz der vielen wichtigen, neu geförderten Thatsachen, über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 65 die sich gegenseitig nur selten widersprechen (z. B. Wirkung des blauen und rothen Lichtes de Vries- Kraus, Wirkung von Wasserstoff auf die An- säuerung Kraus-Mayer), jeder in Betreff des Prozesses selbst, je nach seiner Auffassung, zu einer anderen Ansicht gelangt ist. Mayer sieht in der Zu- nahme des Zuckers am Tage das Endprodukt des Entsäuerungsprozesses, Kraus möchte im Gegenthei! die Abnahme des Zuckers in der Nacht auf die Bildung der Säure zurückführen ; nach Mayer ist der Zucker also End- produkt der Entsäuerung, nach Kraus Ausgangspunkt der Ansäuerung. Mayer und Kraus halten das Licht für das die Entsäuerung bewirkende Agens, Mayer nimmt einen Reduktionsprozess an, Kraus spricht sich nicht näher aus ; de Vries hingegen hält das Licht nur für ein förderndes Ele- ment , dagegen eine Oxydation für das primär wirksame bei der Entsäue- rung, während Kraus hinwieder den Sauerstoff hierbei nur indirekt thätig sein lässt. — Nur darin sind sie alle einig , dass die Entsäuerung kein di- rekter Prozess der gewöhnlichen Assimilation sei, wie Liebiü annahm, dass also die Säuren hier kein Mittelglied des Kohlensäurezerlegungsprozesses seien, was freilich ja für diese Pflanzen auch von Liebig nicht behauptet war. Kraus, der alle Säuren unter einem Gesichtspunkt zusammenfasste, musste diese Auffassung naturgemäß auf alle Pflanzen übertragen, de Vries und Mayer suchten auch für die Entsäuerung dünnblättriger Pflanzen spe- ziell nachzuweisen, dass sie unabhängig sei von dem Reduktionsprozesse im Lichte, während die Säurebildung derselben dunkel blieb. Nach Mayer ist die Bildung Oxydation (oder Spaltung) , die Entsäuerung Reduktion ; nach Kraus die Bildung Nebenprodukt derAthmung, die Entsäuerung nicht näher untersuchte Lichtwirkung; nach de Vries die Entsäuerung Oxydationspro- zess, die Bildung nicht näher physiologisch untersucht. — Es muss bemerkt werden, dass mit Erweisung der Nichtzugehörigkeit zu dem reduzirenden Assimilationsprozess noch nicht zugleich die Zugehörigkeit zu einem Oxy- datiousprozess erwiesen ist, wie de Vries will; kommen doch alle mög- lichen Spaltungen und in einander eingreifende Prozesse in den Pflanzen vor; auch können ja Reduklionsprozesse wieder Oxydationen zur Folge haben und umgekehrt (man vergleiche das Entstehen der Säure bei den doch entschieden in gewissem Sinne reduzirend wirkenden Gährprozessen). Einzelne Öno- und Pomologen sprechen sogar in diesem Falle sofort von Verbrennung und Verathmung der Säure , einzig weil sie keinen Zucker aus der Säure entstehen sehen, gleich als ob keine anderen Möglichkeiten existirten. — Die Bezeichnung der Säuren von Kraus als Nebenprodukt der Athmung ist auch schon zu eng gefasst, im Hinblick auf die mangelnden Beweise, falls man nicht Athmung und Stoffwechsel identifiziren will, und auch dann brauchten ja die Säuren kein Nebenprodukt zu sein , sondern könnten ein integrirendes Stadium des Stoffwechsels darstellen. — Oxyda- tions- oder Spaltungsprodukt, als Eutstehungsweise der Säure, wie Mayer annimmt, ist jedenfalls richtig, da Säuren durch reine Reduktion nur aus Untersuchungen aus dem l)otan. Institut in Tübingen. Bd. 11. •* 66 0. Warburg. Kohlensäure oder anderen Säuren entstehen können, wovon das zweite in der Fragestellung nicht in Betracht kommt, das erstere so gut wie ausge- schlossen ist, da wir bisher nur die eine Kohlensäurereduktion am Lichte kennen ; doch könnte vielleicht auch hier die Oxydation nur ein begleiten- der Faktor des im übrigen reduzirenden Prozesses darstellen. Man wird sich des Eindrucks nicht erwehren können , dass die ganze Frage jetzt mehr verwirrt ist, als früher. Die alte Unterscheidung der dünn- blättrigen und Fettpflanzen wird neuerdings durch Kraus bestritten ; die Wirkung des Lichtes bei der Entsäuerung ist durchaus noch nicht auf das Wesen untersucht ; nur verschiedene Möglichkeiten sind aufgestellt , von denen die von de Vries' angenommene sog. Reizwirkung des Lichtes in Be- zug auf Ansäuerung noch der Erklärung und näheren Prüfung bedarf; über die Einreihung der Säureprozesse im allgemeinen Stoffwechsel ist nichts bekannt; es ist ungewiss, ob die Säuren Nebenprodukte oder Durchgangs- stadien sind. — Vor Allem fehlen aber noch entscheidende Untersuchungen über die doch zu allererst zu erledigenden Fragen, in welchem Verhältnis der Abhängigkeit die Säureprozesse zum Assimilations- und zum Athmungs- prozesse stehen. Nachstehende , im Tübinger Laboratorium , mit freundlicher Unter- stützung von Herrn Prof. Pfeffer, angestellte Untersuchungen befassen sich vor Allem mit der Frage der Beziehung der Säureumwandlung zum Assimilalionsprozess, und suchen dann auch, soweit möglich, die Abhängig- keit vom Athmungsprozess festzustellen; hoffentlich gelingt es, auch die letztere Frage soweit zu fördern , dass man sich ein klareres Bild von der Verknüpfung dieser Prozesse und von der Stellung der Säuren im Stoff- wechsel wird machen können, wenngleich, um als strenge vollständige Be- weisführung zu gelten, der Lücken noch gar zu viele sind, die erst allmäh- lich ausgefüllt werden können. Wenn auch die Schlussfolgerungen sich nicht allein auf die Fettpflanzen beschränken sollen , so dienten dieselben doch vorzugsweise zur Untersuchung, und andere Pflanzen wurden nur so- weit herangezogen, um die Übertragbarkeit der Schlüsse zu prüfen, oder wo es spezielle Versuche erforderten. — Besonderes Gewicht wurde gelegt auf die Beziehungen der Fettpflanzen zu den anderen, um eventuell zu einer Erklärung des Wesens des abweichenden Verhaltens der Fettpflanzen zu gelangen, Methode. Was die Methode der Säurebestimmung betrifft, so habe auch ich mich, wie meine Vorgänger, mit derTitrirung der freien Säure be- gnügt, indem die Menge der an anorganische Basen gebundenen Säuren die beträchtlichen Schwankungen in der Quantität nicht mitmacht, was also, ganz abgesehen von Zeitverlust und Schwierigkeit der Bestimmung, die Resultate nur weniger prägnant machen würde. — Nach einigen, nicht sehr über die Bedeutung der organischen Säuren etc. QJ günstig ausgefallenen Vorversuchen nach der KRAus'schen Methode , die Säure im mit der Hand herausgepressten und dann filtrirlen Zellsaft zu be- stimmen, zu deren gleichmäßiger Anwendung jedenfalls viel Übung gehört, wobei auch dann das Resultat noch manchmal durch individuelle Zufällig- keiten getrübt werden mag, und bei kleinen Differenzen immerhin zweifel- haft bleiben muss, benutzte ich die Methode, wie sie von de Vries an- gewandt wurde : die ganzen Pflanzentheile erst zu wiegen (um Gewichts- änderungen durch Transpiration zu vermeiden, vor derVersuchsanstellung), hierauf zu verreiben und dann die Säure zu bestimmen ; jedoch wurde vorher der völlig zerriebene Brei, mit dem Spülwasser verdünnt, 1 y2 Stun- den lang in dicken Gläsern, so dass die Temperatur des Inhaltes 80° bis höchstens 90° betrug, auf das Wasserbad gesetzt. Diese lange Erwärmung geschah, um jede Fehlerquelle durch die ja in der That vorhandene (Tab. I A) absorbirte Kohlensäure von vornherein auszuschließen ; aufkochen darf man viele Pflanzen nicht, z. B. vor allem nicht Bryophyllum i), weil durch dabei entstehende Basen unbekannter Natur 2), vielleicht Trimethylamin, welches HfiTET (Compt. rend. 1864 t. 59 p. 29) im Destillat von Crassulaceen kon- statirle , ein guter Theil der Säure neutralisirt wird (Tab. I, B) , so dass z.B. bei halbstündigem starken Kochen zerriebener Bryophyllumblätter die Lösung fast neutral wurde, und schon starkes Kochen von einigen Minuten deutliche Fehler verursachen kann. Auch längeres Erwärmen im Reagenz- glas im Wasserbad macht schon kleine Fehler ; was alles bei titrimetrischen Untersuchungen sehr zu berücksichtigen ist. — Dass eine i 1/2 stündige Er- wärmung genügt, um die ev. Kohlensäure auszutreiben, was von großer Wichtigkeit ist, wurde durch Versuche konstatirt (Tab. I, C), wo zwei Blatt- hälften verrieben, in das Wasser des einen einige Blasen Kohlensäure ein- geleitet wurden, und am Ende der Erwärmung beide Hälften den glei- chen Tiler zeigten ; auch entwickelten diese Flüssigkeiten nach der Erwär- mung bei momentanem Aufkochen höchstens Spuren Kohlensäure , ver- muthlich durch irgend welche Zersetzung entstanden. Durch kürzer dauernde Luftdurchleitung ließ sich selbstverständlich aus diesen Flüssigkeiten keine Kohlensäure mitführen 3); ebenso veränderte sich, nachdem die Flüssig- 1) Andere Pflanzentheile, z. B. Früchte, darf man lange kochen, ohne dass sie ihren Titer wesentlich ändern. 2) Auch beim Destilliren mit etwas Kalilauge gewinnt man alkalisches Destillat. 3) Längere Luftdurchleitung bewirkt, namentlich im Lichte, aber auch auf dem Wasserbad, durch Oxydation der Säure geringe Verminderung derselben und Bildung von Kohlensäure. Bei 2,5 kcm Bryophyllumsaft (filtrirt) ging die Acidität bei Durchlei- tung kohlensäurefreier Luft von 111/2 — 5 Uhr von 27,2 auf 25,2 herunter; dasselbe bei 2 g Bryophyllum in 2 Stunden von 81,7 auf 77,1, auf dem Wasserbad nahm die Säure in 41/2 Stunden bei Durchleitung von Luft von 46,5 zu 34,2 ab, und es wurde 1 kcm CO^ aufgefangen. Wasserstoffdurchleitung auf dem Wasserbad lässt die Säure natürlich un- zersetzt. Bei Erwärmung ohne Luftdurchleitung wirkt auch wohl die Wasserdampf- schicht als Schutz gegen den Sauerstoff der Luft. 5* 68 0. Warburg. keit evakuirt und 1/2 Stunde gekocht war, ihr Titer nicht. *Beim Filtriren der auf dem Wasserbad erwärmten Flüssigkeit geht die Säure völlig ins Filtrat über (man kann soweit auswaschen , dass der Rückstand durch 2 Tropfen Natronlauge gesättigt wird) , wird also nicht irgendwie durch unlösliche Proteinstoffe festgehalten; auch lässt der durch Barytwasser in dem Filtrat entstandene Niederschlag mit Säuren keine Kohlensäure entwei- chen, was gleichfalls für die völlige Entfernung der Kohlensäure beweisend ist. Andererseits wurde auch festgestellt, dass 1-, 2- und 3-stündiges Er- wärmen auf die angegebene Weise keine merkbaren Differenzen bewirkte, also bei dieser Temperatur noch keine Base frei wird. Titrirt wurde nut selbstbereiteter kohlensäurefrei aufbewahrter Natronlauge (nach dem Vor- gange von Kraus 1 g auf 1000 kcm) , das Resultat der Säurebestimmung wurde, wie bei de Vries, auf 10 g der Frischsubstanz umgerechnet. Die Zahlen geben also an, wie viel Milligramm Natron durch 10 Gramm Substanz gesättigt werden. Als Indikator diente Phe- nolphtalein, und zwar 1 6 — 20 Tropfen , wodurch die Farbenänderung stets genügend scharf eintrat, auch in sehr verdünnten Lösungen. Der erste Anfang der Röthung, der durch schwache organische Basen hervorgerufen wird, ist weniger gut zu brauchen ; aber nach einigen Tropfen tritt mit der ersten Spur freier Natronlauge eine durchaus scharf kenntliche plötzliche Dunkelung der Röthe ein, die bei einiger Übung, wie vielfache Proben mit stets demselben Resultat lehren , nicht zu verkennen ist. Stark gerbstoff- haltige Pflanzen eignen sich überhaupt nicht zu dieser Untersuchung, ebenso wenig auch schleimige Säfte; viel Stärke enthaltende Theile erschweren gleichfalls die Genauigkeit , so dass neben der Vergleichung der verschie- denen Röthung zum Curcumapapier als Indikator Zuflucht genommen werden musste (über dieses siehe de Vries a. a. 0, p. 65). Stets ward gleich nach der Erwärmung titrirt (bei Phenolphtalein kann man auch Gas- licht sehr gut benutzen) , da in unseren verdünnten Flüssigkeiten (wegen Zuckergehalt und stickstoffhaltiger Substanz ein gutes Nährmaterial für Pilze) sich innerhalb 12 Stunden durch Bakterien deutliche Fehler ein- schleichen konnten (Tab. I, D), wie Kontroiversuche und mikroskopische Prüfung lehrten; bei de Vries war vermuthlich die stärkere Säurekonzeu- tration der Bakterienentwicklung hinderlich. Da die definitive, nicht die anfängliche Röthung als Endreaktion ge- nommen wurde, entsprechen also die gefundenen Werthe nicht genau der freien Säure, sondern der Summa dieser und derjenigen, die an die schwa- chen organischen Basen gebunden ist, meist freilich nur ein kleiner Theil im Verhältnis zu ersterer. Da die organischen Basen an Quantität ziemlich konstant bleiben (wovon ich mich speziell für Bryophyllum auf ähnliche Weise überzeugte, wie es de Vries a. a.O. p. 64 für Echeveria und Rochea nachwies), so kam also kein Fehler in die relativen Verhältnisse, auf die es hier ja einzig ankommt. Dass Phenolphtalein auch durch freie Kohlen- über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 69 Säure entfärbt wird, schadet hier nichts, da ja nach Obigem in beiden Flüs- sigkeiten keine messbare Kohlensäure vorhanden war. Als Material dienten, wenn möglich, gleiche Blatthälften, meistens von Bryophyllum, wo nichts hinzugefügt, stets B. calycinum gemeint i), und falls mehrere Versuche neben einander zum Vergleich nöthig waren , Theile möglichst großer Blätter, für die Hauptvergleichsobjekte stets symmetrisch liegende Stücke. Die Blattspitze wurde, da sie, wie auch Kraus angiebt, bei Bryophyllum etwas säureärmer ist, möglichst vermieden, ev. mit der Basis zusammen zu unwichtigeren Kontrollversuchen gebraucht. — Seltener wurde zum gegenüberliegenden Blatte Zuflucht genommen , da hier schon stets einige Gefahr individueller Verschiedenheit vorliegt, zumal bei den Fett- pflanzen, wo jedes Blatt zugleich Reservestoffbehälter ist, und ein ziem- lich selbständiges Leben führt, auch gerade deswegen ja die Säure- schwankungen hier am bedeutendsten sein müssen , und die kleinen Expositions- und Temperaturverschiedenheiten, denen die gegenüber- stehenden Blätter stets ausgesetzt sind, eventuell die Resultate illusorisch machen könnten. Früchte wurden stets halbirt, und die Schnittfläche zur Verringerung der Transpiration auf Glasplättchen gelegt. Blumenblätter wurden theils halbirt , theils abwechselnd zu den Vergleichsversuchen ge- nommen. — Doch wird schon durch die unvermeidlichen Expositionsver- schiedenheiten jeder Vergleich nur relative Genauigkeit besitzen, wie man schon erkennt, falls man zwei gleiche Bryophyllumblatthälften am gleichen Orte exponirt, und man am Ende des Versuches doch eine, wenn auch nur wenig verschiedene Säureabnahme findet. Gegen solche Fehler kann man sich, falls kleinere Diff"erenzen in Betracht kommen, nur durch recht häufige Wiederholungen derselben Versuche schützen. Konstatirung faktischer Säureabnahme im Lichte. Wir hatten uns, wie oben erwähnt, zur Aufgabe gestellt, vor Allem den Einfluss des Assimilationsprozesses auf die Säurebildung und -Urii- wandlung zu studiren, und da dieser sich nur im Lichte abspielt, also vor Allem die Lichtwirkung. — Dass gewisse Pflanzen am Tageslichte entsäuert werden, ist längst bekannt; wenn schon der Geschmack und die intensive Färbung von Lakmus etc. am Morgen deutlich genug dafür spricht, dass die Hauptmenge der Säure keine in irgend welcher Form gebundene Koh- lensäure sein kann, so mussten die Versuche von Mayer, dass mit Schwefel- säure aufgekochte Bryophyllumblätter nur sehr wenig Kohlensäure ab- geben , jeden Zweifel heben; die Versuche, mit der Luftpumpe das Gas auszuziehen, sind weniger beweisend, da die Kohlensäure eventuell in 1) Die verscliledenen Tlieile desselben Blattes zeigen annähernd gleichen Säure- gehalt (Tab. I E). 70 0. Warburg. fester chemischer Bindung sich befinden könnte. Dagegen hat Mayer so- wohl wie Kraus die wirkliche Zu- und Abnahme der Säuren auch gewichts- analytisch bestimmt; ferner sei noch angeführt, dass, falls die Säure Kohlensäure wäre, das Blatt unter günstigen Umständen sein doppeltes Vo- lumen Kohlensäure verschlucken müsste. — Doch waren in allen bisherigen Säurebestimmungen (außer bei de Vries, der mit Gurcuma titrirte) kleinere Fehler, durch Kohlensäure herrührend , nicht genügend vermieden , was bei unserer Methode der Fall sein dürfte. — Dass die Säureabnahme nicht auf Neutralisation beruht , hat de Vries sehr treffend auch theoretisch be- wiesen (1. c. p. 52) ; Zufuhr anorganischer Basen war bei mir dadurch aus- geschlossen, dass die Blätter getrennt von der Pflanze exponirt wurden, die organischen Basen verändern sich, wie oben erwähnt, wenig an Quantität. Dass die Prozesse sich in den mit der Pflanze zusammenhängenden Theilen ganz ebenso abspielen, wie in den getrennten, beweisen vielfache Prü- fungen (s. einzelne in Tabelle II, A), was übrigens auch schon die relative Selbständigkeit der Blätter bei diesen Pflanzen erwarten ließ. Ansäuerung und Entsäuerung zwei fortwährend und gleichzeitig vor sich gehende Prozesse. De Vries war der erste, der mit Entschiedenheit darauf hingewiesen hat , dass bei den Fettpflanzen i) die Entsäuerung nicht allein durch die Lichtwirkung veranlasst würde, sondern dass dauernde Dunkelheit (auch von Kraus mehr beiläufig durch Versuche belegt) und besonders Wärme denselben Effekt hervorbrächten (s. auch Tab. II, B). Wie diese Entsäuerung im Dunkeln vor sich geht, welche Produkte gebildet werden, wurde nicht untersucht , ebensowenig bei der Lichtentsäuerung , bei der nur der Nach- weis versucht wird, dass sie unabhängig von derAssimilalion sei (s. unten). Wenn de Vries sich trotzdem zum Schlüsse berechtigt glaubt, dass das Licht nur eine Beschleunigung der auch vom Licht unabhängigen Säurezersetzung veranlasst (p. 63), oder bestimmter (p.3), »dass die Zersetzung der Säuren in den Fettpflanzen gar nicht vom Lichte verursacht wird«, so möchten wir dem gegenüber hervorheben, dass ja doch die Lichtentsäuerung ein von der Wärmeentsäuerung ganz abweichender Prozess sein könnte. Die in- teressanten, aus der Chemie herbeigeholten Fälle der Zersetzung organi- scher Säuren durch das Sonnenlicht geben , wie stets derartige Beispiele, nur Möglichkeiten. — Vor Allem ist aber von de Vries nicht einmal ein ge- nügender Beweis erbracht, dass wirklich beständig in den Fettpflanzen ein Prozess der Entsäuerung vor sich geht. Da nur dann unsere Resultate ver- 1) Bei den Früchten war das Faktum der Entsäuerung bei der Nachreife im Dunkeln und namentlich in der Wärme in einzelnen Fällen schon beobachtet worden, und für Oxalis war die Säureabnahme in der Wärme durch Mayer wahrscheinlich ge- macht. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 7f werlhbar sein werden, falls diese fundamentalen Fragen geklärt sein werden, müssen wir etwas auf dieselben eingehen. Dass die Entsäuerung auch in der Nacht nach vorhergehender Belichtung stattfindet, suchte de Vries durch nächtliche Erwärmung auf 45° zu beweisen, wodurch die sonst stattfin- dende Ansäuerung ganz oder fast aufgehoben wurde (p. 100); ein Faktum, das unzweifelhaft richtig ist (Tab. II , C) , das aber ebenso gut dahin ausgelegt werden kann, dass bei der hohen Temperatur der Prozess der Ansäuerung leidet oder aufgehoben wird. — Zur Entscheidung dieser Frage wurden Versuche bei gewöhnlich vorkommenden Temperaturen an- gestellt, welche ergaben, dass das Maximum der Säurezunahme bei c. 13" (zwischen 10 und 15°) G. liegt (Tab. II, D) , und die Kurve nach unten schnell, nach oben langsam fällt; bei 0° findet kaum mehr Säurezunahme statt, ebenso bei 38° C. Dass das Maximum so tief liegt, tiefer als das Maximum jedes bekannten, nicht durch eine Gegenwirkung kompensirten Lebensprozesses der Pflanzen (und dies bei einer Tropenpflanze), zeigt an, falls man nicht die unwahrscheinliche Annahme eines ganz exzeptio- nellen Prozesses machen will, dass in der That ein mit steigender Tempe- ratur immer stärker zur Geltung kommender Prozess der Entsäuerung ent- gegenwirkt; also ist damit auch während der Zeit der Säurezunahme die Existenz des Entsäuerungsprozesses bewiesen. — Wir müssen also zwischen Entsäuerung und Säureabnahme einen scharfen Unterschied machen. Ent- säuerung findet auch bei Säurezunahme statt; diese letztere ist nur die Re- sultante aus den gleichzeitigen Prozessen der Ansäuerung und der Ent- säuerung. Bei welcher Temperatur das wirkliche Maximum der Ansäuerung (nicht der Säurezunahme) sich befindet, wird sich vielleicht durch eine ins Detail ausgearbeitete Temperaturkurve der Säurezunahme erweisen lassen, liegt aber unbedingt viel höher als 13°, und auch in den dreißiger Graden ist die Wirkung des Ansäuerungsprozesses noch merkbar. Auch der umgekehrte Prozess der Ansäuerung ist nicht nur auf die Nacht beschränkt, und dauert am allerwenigsten genau eine Nacht , wie de Vries meint. (Auch hier müssen wir scharf zwischen Säurezunahnie und Ansäuerung unterscheiden ; wo man aber erstere findet, ist das Vorhanden- sein letzterer eo ipso bewiesen.) Bei der Opuntia z. B. dauert der Prozess der Säurezunahme, also erst recht der Ansäuerungsprozess , falls das Glied dunkel gehalten wird, nach rnten zu besprechenden volumetrischen Ver- hältnissen zu urtheilen, 24 — 36 Stunden, kalt gehalten sogar 8 Tage und mehr; auch Aloe arborescens zeigte bei 18° am Morgen 43,2 Acidität, am nächsten Morgen (bis dahin dunkel gehalten) 47,8. — Bei Bryophyllum kann man den Prozess der Ansäuerung selbst im Lichte trotz der Säureab- nahme beweisen , wenn man nämlich die Lichtentsäuerung durch ein ein- faches Mittel beseitigt, worauf wir unten näher eingehen werden. — Auch an der dunkleren Zimmerseite kann man zuweilen am Tage den Säure- gehalt von Bryophyllum etwas vermehrt finden, dasselbe wurde in farbigen 72 0. Warburg. Glocken an einem dunkel bewölkten Tage am Fenster bemerkt. — Auch zeigt der Umstand, dass das Minimum der Säure nicht auf den Abend fällt, wie Kraus angiebt, sondern auf den Nachmittag (Tab. 11, F), wie Mayer, meine Versuche, de Vries ergeben, dass Licht und Säurebildung sich nicht ausschließen. Dass überhaupt die Säurezunahme nur eine gerade bestimmte Zeit dauern soll, ist nach dem Vorhergehenden schon undenkbar; wenn, wie wir sehen , die nächtliche Säurezunahme wirklich eine Resultante zweier sich entgegenwirkender Prozesse ist, von denen die eine bei höherer Temperatur das Übergewicht erlangt, wenn ferner auch bei gleichbleiben- der Natur der Prozess der Ansäuerung ein auch im Dunkeln schließlich ab- nehmender ist, so geht schon hieraus hervor, dass je nach der Temperatur die Säurezunahme bald früher, bald später ihr Ende finden muss. — Bei andauernder Dunkelheit erlangt der Säuregehalt eine gewisse Konstanz (Tab. II, G), wie DE Vries zuerst beobachtete; und auch diese lässt sich nicht anders erklären , als durch einen Gleichgewichtszustand von Produk- tion und Konsumption ; denn erstens ist völlig gleichzeitiges Aufhören bei- der entgegenwirkender Prozesse schon an sich undenkbar; zweitens ist es merkwürdig, dass beim langsamen Erlöschen der Lebensthätigkeit, bei- spielsweise durch allzulange Verdunkelung, der Säuregehalt sehr schnell sinkt, also das Gegentheil von Konstanz eintritt ; und drittens ist die That- sache sehr bemerkenswerth, dass der Gleichgewichtszustand je nach der Tempei'atur ein verschiedener ist (Tab. II, H), und zwar so, dass bei 35° während des Gleichgewichtszustandes weniger Säure gefunden wird, als bei 1 4°, und dass, wenn man ein vorher warm und dunkel gehaltenes Blatt in die kühlere Luft bringt, trotz langer Dunkelheit doch der Säuregehalt etwas zunimmt. Es sind die zwei entgegenwirkenden Kräfte während der Zeit der Säurekonstanz nicht sistirt, sondern nur im Gleichgewicht^). Unaufhörlich finden also in den Blättern der Fettpflanzen zwei Pro- zesse statt, einerseits die Ansäuerung, andererseits die Entsäuerung; je nach Temperatur, Ernährungszustand, vorangegangener Beleuchtung über- wiegt bald die eine, bald die andere, und als Resultanten werden sichtbar Säurezunahme oder Säureabnahme. Sobald längere Zeit die äußeren Ein- wirkungen sich gleichmäßig geltend machen, wird, so lange das Blatt keine inneren Störungen erleidet (durch Mangel an Nahrungsmitteln , bei jüngeren Blättern auch durch Wachsthum), sich stets allmählich ein, wenn auch labiler, Gleichgewichtszustand herausbilden müssen. — Messbar für uns sind nur die Resultanten und jede Erscheinung lässt demnach an und für sich zwei Deutungen zu , was die Erforschung der wirkenden Momente recht erschwert; durch vielfache Variation der Bedingungen, indem man 1) Das Minimum bei der Lichtentsäuerung liegt noch tiefer als der Wärmegleich- gewichtszustand. Ein Lichtgleichgewicht der Säure giebt es natürlich nicht, auch bei Unterbrechung der Lichtentsäuerung durch Verdunkelung ergiebt sich schon nach kurzer Zeit eine Säurezunahme (Tab. II, J). über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 73 sie bald der Entsäuerung, !)ald der Ansauerung günstiger macht, wird man trotzdem langsam zu gesicherten Resultaten gelangen können. Säureabnahme am Lichte. I, Welche Pflanzen zeigen Säureabnahme am Lichte? Im Vordergrunde des Interesses steht jetzt die Frage : welche Pflanzen zeigen Säureabnahme am Lichte, welche nicht? Nach Mayer sind es nur die Fettpflanzen, nach G. Kraus alle Pflanzen in geringerem oder höherem Grade; de Vries hat sich mit der Frage selbst nicht befasst; da aber Säure- abnahme am Tage nicht ohne Säurezunahme in der Nacht denkbar ist , so muss, wo letztere nach de Vries fehlt, auch das Konstantbleiben der Säure im Lichte angenommen werden. Was die Methode betrifft , so ist vor Allem darauf Gewicht zu legen, dass die Erwärmung durch die direkten Sonnenstrahlen vermieden wird, da, wie wir sahen, die Erwärmung außerordentlich starke Entsäuerung be- wirken kann. In unseren Versuchen ward die Sonne durch Fensterrahmen oder Papier abgeblendet, meistens leicht bewölkte Tage ausgesucht, auch der Schneereflex häufig benutzt ; außerdem ward auch für Reflex auf die Rück- seite der Blätter gesorgt; — auch wurde nicht Morgens und Abends unter- sucht , sondern die Kontroiversuche wurden Morgens unter Pappzylindern im Übrigen genau denselben Bedingungen ausgesetzt, wie die belichteten Blätter, so dass selbst kurze Perioden direkter Besonnung keinen Fehler machten, da die Strahlen das Innere des schwarzen Pappzylinders nach Messungen stets noch ein wenig stärker erwärmten , als die frei exponirten Blatter. — Die Zahlen geben also nicht den Säureunterschied von Morgen und Abend an, wo ja neben der Lichtzersetzung noch die gewöhnliche all- gemeine Säurezersetzung einherläuft, sondern den Unterschied von den Tag über dunkel gehaltenen und belichteten Blättern, wodurch also die all- gemeine Säurezersetzung eliminirt ward, abgesehen davon, dass man da- durch auch bei der gleichzeitigen Verarbeitung der Blätter sie in jeder Be- ziehung gleichen Verhältnissen aussetzen konnte. — Dies ist besonders her- vorzuheben gegenüber den Versuchen von Kraus und de Vries , welche die Wärmewirkung der Sonnenstrahlen unberücksichtigt ließen (bei de Vries dadurch erklärt, dass er erst am Ende seiner Arbeit auf die intensive Wärmeentsäuerung aufmerksam wurde), weswegen beider Experimente in Bezug auf Entsäuerung im Lichte leider nur mit Vorsicht aufzunehmen sein werden, d. h. nur da ohne Nachprüfung Geltung haben, wo die gefundene Große der Säuredifl'erenzen das muthmaßliche Fehlermaximum übersteigt. Zu den Fettpflanzen wären als wesentlichste etwa zu rechnen die Cras- sulaceen, die Gacteen, die aloeartigen Gewächse, einige Euphorbiaceen, die 74 0. Warbürg. Stapelien, vielleicht einzelne Asclepiadeen, die Mesembryanihemum-Arten, auch einige Portulacaceen , vielleicht noch die fleischigen Compositen (Senecio und Kleinia-Arten). Untersuchen wir bei den Blättern, resp. den die assimilatorische Funktion übernehmenden Stengelgliedern die Säure- menge der belichteten und dunkel gehaltenen Theile (Tab. III, A), so finden wir bei den meisten eine deutliche starke Säureabnahme durch die Belich- tung, nur bei einzelnen Arten keine oder nur eine geringe. Keine Säure- abnahme zeigte vor Allem das großblättrige Mesembryanthemum lingui- forme, außerdem Portulaca grandiflora (freilich ist hier der Säuregehalt wegen der schleimigen Beschaffenheit des Saftes nur schlecht zu bestimmen) und Kleinia articulata (für Mesembryanthemum und Portulaca wurde von de Vries das Analoge in Bezug auf Säurezunahme in der Nacht konstatirt; die von Kraus konstatirte Säureabnahme am Tage fürMesembryanthemum maxi- mum , albinotum , depressum muss wegen der oben angedeuteten Fehler- quelle zweifelhaft bleiben). Mesembryanthemum anthelminticum und mul- tiflos schlössen sich hingegen den übrigen Fettpflanzen an, und auch Kleinia ficoides und in außerordentlich starkem Grade Senecio crassifolia zeigten Säureabnahme. Man ist also wohl berechtigt, diese Säureabnahme wirklich als eine allgemeine Eigenthümlichkeit der Fettpflanzen zu betrachten, und die entgegengesetzten Fälle als durch spezielle Ursachen bedingte Aus- nahmen anzusehen. Nach Kraus soll nun diese Eigenschaft in allen Pflanzen in stärkerem oder geringerem Grade sich finden. Ich kann diese Verallgemeinerung nicht für richtig halten , und muss seine Resultate für gewisse Fälle eben dem Temperatureinfluss zuschreiben. — Bei einer ganzen Anzahl dünnblättriger Pflanzen konnten über die Fehlergrenze hinausgehende Unterschiede nicht aufgefunden werden. — Minimale Änderungen wären trotzdem natürlich möglich und sind vielleicht theoretisch anzunehmen , irgend ein sichtbarer Einfluss des Lichtes lässt sich aber häufig nicht konstatiren ; wenn er für diese Fälle existirte, würde er hinter dem Einfluss der Temperatur und der inneren Kräfte verschwinden. — Auch de Vries konnte für eine Anzahl Pflanzen keine nächtliche Säurezunahme konstatiren, und eine sich täglich wiederholende Abnahme am Tageslicht ohne nächtliche Zunahme wäre ein Widerspruch. Neben den dickblättrigen oben angeführten Beispielen ohne Säureabnahme am Lichte seien hier eine Reihe dünnblättriger aus den ver- schiedensten Familien zitirt : Convallaria majalis, Amaryllis Johnsonii, An- thurium Scherzerianum, Nymphaea Lotus, Clusia rosea. Camellia japonica, Citrus aurantiacus, Allamanda sp. , Nerium Oleander, Eucalyptus glo- bulus, Eryngium spinosissimum, Begonia Warczewiczii, Gyclamen persi- cum, Aeschynanthus splendens, Ficus elastica und glabrata, Hedera Helix (?) (Tab. III, B). — Wo analoge Versuche bei diesen Pflanzen in der Nacht an- gestellt wurden, zeigte sich selbstverständlich auch keine Säurezunahme. — Kann man freilich bei einzelnen dieser Pflanzen einwerfen, dass der I über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 75 geringe Säuregehalt keine Verminderung mehr zulasse, so ist zu bemerken, dass er fast überall größer ist, als bei den Feltpflanzen zur Zeit des ge- ringsten Säuregehaltes, und manche Pflanzen trotz noch viel geringeren Säuregehaltes doch starken Säurewechsel zeigen; andererseits zeichnen sich verschiedene untersuchteArten, Begonia, Clusia, Citrus, gerade durch eine außerordentliche Menge Säure aus. Trotzdem ist die Lichtentsäuerung keinesw^egs auf die eigentlichen Fetlpflanzen beschränkt, wir werden im Gegentheil bestimmte dünnblätt- rige Pflanzen kennen lernen, die gleichfalls dies Phänomen in hervorragen- dem Maße zeigen. Man findet alle Abstufungen; sich direkt anschließend an die Fettpflanzen , in Bezug auf die Quantität der zersetzten Säure wohl die meisten übertreffend , sind zwei Familien , wo man es wohl nicht er- warten würde, nämlich die Bromeliaceen und die Orchideen. — Von ersteren wurde untersucht (Tab. III, C) : Nidularia Mayendorfii , Tillandsia biflora, Aechmea Weilbachii, Hoplophytum grande, Bilbergia zebrina, Acan- thostachys strobllaceus, Deyckia remotiflora, Ananassa sativa, und ein Blick auf die Tabelle lehrt, was für außerordentliche Säureabnahmen im Lichte die meisten dieser Pflanzen zeigen. Von den Orchideen seien erwähnt (Tab. III, ü): die Blätter vonMaxil- laria aromatica, Cymbidium chinense, Ornithidium densum, Oncidium sp., Vaniila planifolia, Cattleya sp., und merkwürdigerweise bieten die knollen- artigen Internodien eine relativ geringe Säureabnahme, z. B. bei Acropegia Loddigesii, Maxiilaria aromatica. Neben Ornithidium, Cattleya, Vanilla mit dicken Blättern zeigen keine Säureabnahme Oncidium, Cymbidium, Maxil- laria mit dünnen Blättern. Man erkennt auch aus einzelnen dieser Bei- spiele , dass ein schon außerordentlich geringer Säuregehalt am Morgen doch noch weitere Entsäuerung zulässt. — Die einheimischen Sumpforchi- deen wurden leider nicht untersucht, doch ist es kaum anzunehmen, dass sie bei ihrer verschiedenen Lebensart und Anpassung das Phänomen auch zeigen sollten. Die übrigen untersuchten Familien zeigen nun meist eine viel ge- ringere Säureabnahme , doch ist es nach Arten , ja vielleicht sogar indivi- duell recht verschieden. — Es seien angeführt (Tab. III, E) : Haemanthus albus, Sanseveria fasciata , Pancratium sp. , Clivia nobilis, Tradescanlia discolor (zeigte ein anderes Mal nur einen kleinen Unterschied) , Phoenix dactylifera, — Saxifraga elatior, Polygonum platycladon, Grevillea robusta, Hakea laurina, Acacia falcata, Croton magnum, Xylophyllum angustifolium, Rhododendron arboreum, Olea europaea, Laurus nobilis. Hex caprifolium, Pimentum vulgare, Franciscea sp., Norantea guianensis, — Pinus sylvestris, Podocarpus sp., Ceratozamia mexicana, Encephalartos horridus — Polypo- dium ireoides. Man sieht also, dass aus den verschiedensten Familien Vertreter diese Säureabnahme der Blätter am Lichte zeigen , und zwar Dicotyledonen, 76 0. Warburg. Monocotyledonen, Gymnospermen, Cycadeen und Farne. — Es wird aber Jedem auffallen, dass die Pflanzen, welche diese Verhältnisse zeigen, eine gewisse gleichartige Vegetalionsform darstellen, beruhend auf verschie- dener, aber demselben Zweck zustrebender Anpassung. — Es sind mehr oder weniger alles Pflanzen mit speziellem Schulz gegen die Transpiration. Bei den wirklichen Fettpflanzen liegt die Sache ja von vornherein klar ; massige gedrungene Ausbildung, starke Cuticula , wenig Spaltöff"nungen und schwach entwickeltes Intercellularnetz, bei einigen auch (Aloö , man- chen Cacteen etc.) zentrales Wassergewebe, vereinigen sich, um es den Pflanzen zu ermöglichen > in sonnigen , heißen Gegenden mit nur zeitwei- liger Bewässeruns fürlieb zu nehmen oder e;ar lange Perioden der Dürre und Trockenheit zu überstehen (Mexikanische Steppenflora , Savannen von Venezuela, Kapflora). Neben diesen müssen auch die epiphytischen tro- pischen Bromeliaceen und Orchideen mit ihrem Wassergehalt haushälterisch umgehen, um die einzig durch Thau und Regen periodisch gelieferte Feuch- tigkeit gegen die dort intensive Verdunstung zu schützen; sie haben zu diesem Zwecke einerseits spezielle Vorrichtungen erworben, zu Wasser- behältern umgestaltete Blattbasen (Bromeliaceen) , knollenartig verdickte Glieder (Orchideen), andererseits wissen sie sich durch dicke Blätter, starke Cuticula, doppelte Epidermis (Orchideen), sklerotische Zelllagen unter der- selben (Bromeliaceen) , Beschränkung der Spaltöffnungen , Wachsüberzüge, ferner auch durch Wassergewebe gegen größeren Verlust zu schützen. Weniger gut geschützt sind die Blätter der Pflanzen mit knollen- oder zwiebelartig verdickten Rhizomen ; z. B. die Amaryllideen , Liliaceen und andere Charakterpflanzen der Kapgegenden und der asiatischen Steppen. — Sie bringen während der Trockenperiode ihre Assimilationsprodukte in der Erde in Sicherheit, und opfern dann ihre entleerten Blätter; trotzdem finden auch hier die meist etwas fleischigen Blätter einen gewissen Schutz durch dicke Cuticula, geringere Häufigkeit derSpaltöffuungen und schwache Ausbildung des Intercellularsystems. — Auch die harten, lederartigen Blät- ter ') der Mittelmeerflora schützen sich durch dieselben Mittel gegen zu große Transpiralion, namentlich durch sehr starke Ausbildung der Außen- wand der Epidermis , indem auch hier \yieder verdeckt liegende Spaltöff- nungen , Wachsüberzüge und sklerotische Elemente unterhalb der Epider- mis hinzukommen, was gleichfalls bei den Nadelhölzern der Fall ist. Alle diese Pflanzen sind es nun auch , welche die Säureabnahme im Lichte zeigeU; und zwar kann man sagen, im Allgemeinen proportional den Schulzmitteln derselben gegen Transpiration. — Nur das Schutzmittel des Wassergewebes scheint hier nicht von Einfluss zu sein, wenigstens nicht bei Mangel anderen Schutzes, indem sowohl Pflanzen mit innerem stark ^) Nach Wiesner (Sitzungsber. d. Wien. Akad. Bd. 64 I p. 497) liaben die immer- grünen Blätter eine geringere Transpiration als die sich jährlich erneuernden. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 77 ausgebildeten Wassergewebe (wie Mesembryanthemum, Kleinia), als auch mit äußerem (Tradescantia, Aeschynanthus, Begonia) trotzdem keine Liclit- abnahme der Saure aufweisen. — Piperaeeen taugen wegen undeutlicher Reaktion schlecht hierzu, zeigen jedoch keinenfalls große Differenzen trotz sehr starken Wassergewebes. — Diese scheinbare Ausnahme wird leicht erklärlich durch die Überlegung, dass das Wassergewebe ja kein Schutz gegen die Transpiralion selbst ist, sondern nur als Wasserreservoir die Pflanze vor Austrocknung bewahrt. — Es würde zu weit führen i) , woll- ten wir das, was eben in groben Umrissen gezeichnet w urde, jetzt für die einzelnen Fälle durchführen ; soweit wir die Einzelheiten untersuchten, waren stets derartige Beziehungen deutlich nachweisbar, und auch die Ge- sammterscheinungen der angeführten Pflanzen sprechen zu deutlich, als dass man diese Beziehungen verkennen könnte. — Da eine Folge dieser Schutz- maßregeln naturgemäß eine verschieden große Widerstandsfähigkeit der abgeschnittenen Blätter gegen Austrocknung ist, so hat man denn im schnel- leren und langsameren Welken einen zwar groben , aber im Ganzen ge- nügenden 2) Maßstab für die größeren oder geringeren Anpassungen, und in der That ließ sich eine Proportion erkennen zwischen Widerslandsfähig- keit gegen das Welken und Säureabnahme im Lichte. Einzelne Schwierig- keilen bleiben immerhin, z. B. wird man von Ficus elastica nach der ana- tomischen Struktur wenigstens eine geringe Säureabnahme erwarlen dürfen ; jedoch kann es nicht in unserer Absicht liegen , ein völlig ab- geschlossenes und lückenloses Bfld dieser Beziehungen zu geben , dazu reichte die Zahl der Versuche nicht aus ; es galt hier nur, im Gegensatz zu der früheren Ansicht, welche die Dicke der Organe in den Vordergrund stellt, auf die allgemeine Relation hinzuweisen zwischen Schutz gegen Tran- spiration und Säureabnahme im Licht. II. Bedingungen der Lichtentsäuerung. Verhalten chlorophyllioser Theile zur Lichtentsäuerung. Bis jetzt haben wir nur grüne Theile untersucht; es fragt sich, wie verhallen sich die chlorophylllosen Organe? Die früheren Untersuchungen 'I) Zur allgemeinen Bestätigung sei außer auf die anatomischen und pflanzengeo- graphischen Handbücher hingewiesen auf Tschirch »tjber einige Bezieh, des anat. Baues der Assimilationsorg, zu Klima u. Standort«. Linnaea , Neue Folge. Bd. IX. Wester- maier »Über Bau u. Funktion des pttanzl. Hautgewebesystems«. Pringsh. Jahrb. Bd. XIV. — VoLKENS »Beziehung, zu Standort u. anatom. Bau der Vegetationsorg.«. Jahrb. d. kgl. bot. Gart, zu Berlin 111. 1884. — Schimper »Die Epiphyten Westindiens«. Bot. Zentralb!. 1884. — P. Krüger »Oberirdische Vegetationsorg. derOrchideen in ihr. Bezieh, zu Klima U.Standort«. Flora 1883, und speziell E. Pfitzer's Beiträge zur Kenntnis der Haufgewebe der Pflanzen (Jahrb. f. wiss. Botanik Vlll). 2) Steifungseinrichtungen der Blätter verhindern häufig die äußeren Erscheinungen des Welkens, doch ist dann meist wenigstens eine geringe Einrollung sichtbar. 78 0- Warburg. geben keinen Aufschluss über diese Frage. Es wurden untersucht Blüthen, Früchte , farbige Blätter , außerdem von farblosem Gewebe Wurzeln und Knollen, Wassergewebe und etiolirte Theile. Von Blüthent heilen (Tab. IV, A) wurden geprüft Aloe latifolia, Ama- ryllis Johnsonii , Nidularia Mayendorfii, Cattleya sp., Cymbidium chinense (hiervon auch der Blüthenstiel) als Monocotyledonen, Mesembryanthemum sp., Echeveria retusa, Sempervivum Wulfenii , Sempervivum Funkii, Se- dum altaicum, Sedum roseum, Grassula sp., Cereus sp., Opuntia sp., Por- tulaca grandiflora, Helianthus annuus , Begonia sp., Saxifraga elatior. Von Früchten (Tab. IV, B) : Aechmea Weilbachii, Echeveria retusa (junge Kap- seln) , ebenso Sedum roseum, Sedum altaicum, Opuntia Ficus indica, Glaskirschen, Stachelbeeren, Zwetschen, Äpfel. Farbige Blätter (Tab. IV, C) : Rothe Schaublätter von Nidularia Mayendorfii, rothe BlüthenhüUe von Anthurium Scherzerianum. Wurzeln und Knollen (Tab. IV, D): Sempervivum tectorum, Kar- toffel. Chlorophyllfreies Wassergewebe (Tab. IV, E) : Aloe arbore- scens, Aloe xanthacantha. Etiolirte Pflanzen (Tab. IV, F) : Phaseolus multiflorus , Semper- vivum tectorum. Alle diese Pflanzentheile ließen, falls dieWärmewirkung eliminirt wurde, keine oder höchstens einzeln nur eine unbedeutende, innerhalb derFehler- grenze liegende Säureabnahme am Lichfe erkennen. Namentlich bei den Fettpflanzen, Orchideen und Bromeliaceen, tritt der Unterschied zwischen den nicht grünen , ev. andersfarbigen Theilen und den chlorophyllhaltigen ausserordentlich prägnant hervor; man könnte den Einwurf machen , dass bei den Feltpflanzen die Blüthen lange nicht in dem Maße gegen die Trans- spiration geschützt seien, und dass dies, nicht der Mangel an Chlorophyll, der Grund der fehlenden Säureabnahme sei. Erstens ist in Bezug hierauf auf die Früchte (auch von Opuntia) zu verweisen , die sehr gut gegen Trans- spiration geschützt sind, zweitens auf die Knollen und Wurzeln. Am beweis- kräftigsten dürften aber die rothen Schaublätter von Nidularia sein, die nicht nur ganz ebenso gebaut sind wie die grünen , sondern auch allmähliche Uebergänge in die grünen zeigen, sodass oft die obere Hälfte des Blattes grün, die untere roth ist. Meist findet man dann noch einzelne Chlorophyll- körner in dem rothen Theile, aber im Verhältnis zum grünen Theil außer- ordentlich spärlich (nur in dem die Lakunen durchziehenden Schwamm- parenchym) und, wie es scheint, auch etwas verschrumpft ; auch diese rothen Theile zeigen im Verhältnis zur grünen Spitze nur eine geringe Säure- abnahme im Lichte. Gleichfalls beweiskräftig dürfte sein, dass kirschgroße, intensiv grüne Früchte von Citrus im Gegensatz zu den übrigen Früchten eine deutliche Säureabnahme zeigten. — Kraus giebt für etiolirte Keim- pflanzen nach der Exposition eine Säureverminderung an , doch sind auch über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 79 hier seine Unterschiede sehr gering, und leicht durch Wärmeentsäuerung, sowie durch das Mitlitriren der Kohlensäure bei den Dunkelpflanzen zu er- klären. — Verhalten ini rothen und blauen Theile des Spektrums. Ist es nach dem Bisherigen klar, dass die starke Lichtentsäuerung ent- weder mit der Ghlorophyllfunktion selbst oder mit einer anderen, mit dieser parallel gehenden Funktion chlorophyllhaltiger Zellen in Verbindung stehen muss, so würde, falls auch die Entsäuerung wie die Chlorophyllfunktion durch die weniger brechbaren Strahlen des Spektrums begünstigt wird, dies sehr zu Gunsten einer ursächlichen Beziehung zwischen diesen beiden Funktionen sprechen. Die Versuche von Kraus widersprechen völlig denen von DE Vries , welch letzterer behauptet , dass die Wirkung beider Theile des Spektrums die gleiche sei ; doch zeigt die genau beschriebene Versuchs- anstellung schon , dass hier die Wärme eine große Rolle spielen musste (am 3. August, in Kästen mit den Glasplatten nach oben, im Freien und Vormittags Sonne). Auch lassen farbige Gläser (namentlich die blauen) fast immer ein beträchtliches Quantum der Strahlen der auszulöschenden Hälfte durch, wie man sich spektroskopisch leicht überzeugen kann, Lösun- gen sind stets vorzuziehen ; trotzdem zeigen von seinen 7 Versuchen 4 einen Unterschied in der Entsäuerung zu Gunsten der rothen Hälfte und nur bei zweien ist die Wirkung gleich. — Kraus dagegen schließt aus seinen Ver- suchen , die Organe seien in Bezug auf die Entsäuerung dem allgemeinen Gesetze untergeordnet, »dass chemische (?) Wirkungen durch die rothe Spektrumhälfte leichter (?) erzeugt werden als durch die blaue.« Sie wur- den an trüben Tagen angestellt, auch in doppeltwandigen Glocken, waren also auch in dieser Beziehung bis auf die Nichtberücksichtigung der Kohlen- säure korrekt, jedoch wurde leider bei zwei von den vier Versuchen der Saft durch Kochen gewonnen ; also sind die Resultate unzuverlässig. Es war demnach Wiederholung mit Vermeidung der Fehlerquellen nothwendig. Die Versuche wurden unter farbigen, doppeltwandigen Glocken hinter einem Südwestfenster angestellt , einzelne auch in Blechkasten , in welche vorn durch eine planwandige, mit farbiger Lösung gefüllte Flasche das Licht ein- fiel; die Lösungen wurden vorher spektroskopisch untersucht. Sonnenlicht wurde vermieden, nur in den kalten Monaten wurden die w^enig wärmenden schiefen Strahlen nicht abgeblendet. Die Versuche (Tab. V) zeigen, dass stets der rothe Theil des Spektrums stärker an der Entsäuerung betheiligt ist, als der blaue. Bei recht heller Beleuchtung (die meist absichtlich vermieden wurde) zeigten die Blatltheile im rothen Lichte eine fast ebenso starke Säureabnahme wie im weißen Tageslichte. Nur insofern zeigt sich eine Abweichung von der sonst durch- gehenden Proportionalität zwischen Chlorophyllfunktion und Entsäuerung, 8Q 0. Warburg. als der blaue Theil des Spektrums auf die Kohlensäurezersetzung nur einen außerordentlich geringen Einfluss ausübt, während sich doch eine ziemlich deutliche Säureabnahme auch in der blauen Spektrumhälfte beobachten lässt. — Zweifelsohne würde aber, falls nicht die Athmung die Kohlensäure- zersetzung kompensirte , auch in dem ersteren Fall eine deutlichere Wir- kung sichtbar werden. Zum weiteren Verständnisse dieser Verschiedenheit werden wir später von selbst gelangen. Säureabnahme am Lichte bei Kohlensäuremangel. Eine andere Methode, um die Abhängigkeit der Lichtzersetzung von der Assimilationsthätigkeit zu erweisen, wäre unter gewöhnlichen Umständen die Belichtuns in einem kohlensäurefreien Räume. Die Methode ward von DE Vries, von Krals, in anderer Weise auch von Mayer angewandt, alle mit demselben Resultate, dass die Säureabnahme auch bei Abschluss von Kohlen- säure vor sich gehe, was ich nach meinen Versuchen (Tab. VI) nur bestäti- gen kann. Doch ist der Schluss hieraus auf das Verhältnis von Entsäuerung zur assimilatorischen Funktion nichts weniger als zwingend , denn wenn z. B. bei der Säureabnahme sich Kohlensäure bildete, so wäre hierdurch eine beständige innere und zwar , wie wir unten sehen werden (vgl. auch die Zahlen Mayer's für die Volumenvermehrung im Lichte) , beträchtliche Quelle von Kohlensäure geschaffen , welcher Stofi' dann sogleich innerhalb des Blattgewebes verarbeitet würde. Zweifellos würde nur der allerkleinste Theil der so entstandenen Kohlensäure der Verarbeitung entgehen, aus den dicken , für Gase unwegsamen Blättern den Weg ins Freie findend ; wir haben ja einen Maßstab daran, dass schon in den dünnen, viel Oberfläche bietenden Blättern anderer Pflanzen die Kohlensäure der Athmung am Tage größtentheils innerhalb des Blattes wieder verbraucht wird. — Nur für den Fall könnte man also aus dem Verhalten im kohlensäurefreien Räume zwingende Schlüsse ziehen, dass sich erweisen ließe , dass die Säuren bei ihrer Zersetzung keine Kohlensäure abspalten, was bis jetzt durchaus frag- lich ist. Wirkung kohlensäurereicher Luft auf die Lichtent- säuerung, Ein anderes Faktum dürfte aber im hohen Grade beweisend sein für Konstatirung einer engen Beziehung zwischen Assimilationsfunktion und Lichtentsäuerung. Dies ist nämlich der Einfluss eines größeren Kohlen- säuregehaltes der Luft; es zeigt sich nämlich die auffällige Thatsache (Tab. VII, A) , dass bei einem höheren Kohlensäuregehalt (der dazu nöthige Prozent- gehalt ist verschieden nach Spezies und, wie es scheint, nach Intensität der Beleuchtung) für gewöhnlich die Säureabnahme am Lichte nicht mehr statt- über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 81 findet, ohne dass anscheinend das Blatt wirklich gelitten hätte. — Bei 20 bis 25^ Kohlensäure, einerMenge, die nach Godlewski (Arbeiten des Würz- burger Instituts Bd. I, Heft 3) auf die Assimilation noch kaum schädigend wirken soll , tritt das Faktum stets klar und deutlich auf, aber schon bei 10 — M% ist die Abnahme bei Bryophyllum nur noch eine geringe. Lange Zeit hielten wir dies für eine spezielle Wirkung der Kohlensäure auf den Prozess der Entsäuerung , was zu manchen fruchtlosen Versuchen führte ; später fanden wir aber, dass gerade bei den Fettpflanzen auch dieser Prozent- gehalt genügt, um die Assimilation zu verhindern oder auf einen Bruchtheil herunterzudrücken, so dass die durch Godlewski's Experimente gebildeten Ansichten in Bezug auf Verhältnis von Kohlensäuregehalt und Assimilation einer bedeutenderen Modifikation bedürfen. — Dies wird im Anhang näher erörtert werden. Um übrigens hier eine Beziehung zwischen assimilatorischer Funktion und Entsäuerung konstaliren zu können, müssen wir zuerst beweisen, dass hier wirklich eine Hinderung der Entsäuerung vorliegt; dass hier also erstens keine Kohlensäureabsorption im Spiel ist, zweitens keine chemische Bindung aufgenommener Kohlensäure, drittens, dass hier keine Kompen- sation durch geförderte Säureproduklion in Betracht kommt , endlich vier- tens, dass die Pflanzentheile nicht im Allgemeinen gelitten haben. 1. Dass hier keine in Betracht kommende Absorption vorliegt, ist einer- seits schon durch die angewandte Methode (s. oben) ausgeschlossen , an- dererseits, wie oben bewiesen, durch Geschmack , Curcumapapier, Aus- pumpen der Blätter und kurzes Aufkochen; Erwärmen auf dem Wasserbad, dann unter Luftpumpe längere Zeit Kochen; durch Fällung des Filtrates mit Baryt und Untersuchung des Niederschlages auf Kohlensäure. Beweis- kräftig dafür ist auch , dass Bryophyllumblätter in der Nacht in kohlen- säurereicher Luft nicht mehr an Säure zunehmen, als in gewöhnlicher Luft (Tab. VH, B), was bei eventueller Absorption der Fall sein müsste. — Auch lässt sich aus Bryophyllumblättern, die in 25^ Kohlensäure dem Lichte exponirt waren , am Abend durch Kalkwasserzusatz mehr in Wasser lös- liches Galciumsalz einer organischen Säure gewinnen , als nach einfacher BeUchtung der Blätter. Die Blätter (38 g) wurden in zwei Theile getheilt und auf die bekannte Weise exponirt. Verrieben und \ 1/2 Stunde auf dem Wasserbade ergaben sie beim Titriren aliquoter Theile ein Säureverhältnis von 39,8 : 84,7 (in kohlensäurehaltiger Luft). Mit Kalk neutralisirt und dann filtrirt (Entfernung pbosphorsaurer und eventuell kohlensauer Salze) wurde durch Alkoholfällung erhalten 0,246 und 0,359 g Galciumsalz; also Differenz 0,113 g (nach der Berechnung aus dem verschiedenen Titer brauchte die Differenz nur 0,097 g zu betragen); also jedenfalls ein be- deutender Säureunterschied , der die Fehler (in verschiedenem Verhältnis mit niedergerissenen Substanzen) jedenfalls weit übersteigt. 2. Dass hier keine Aufnahme und vielleicht chemische Anlagerung von Untersuchungen aus dem botau. Institut in Tübingen. Bd. II. 6 32 0. Warburg. Kohlensäure im Spiele war, wird dadurch bewiesen , dass dann auch die Säureabnahme in der Wärme oder bei längerem Verweilen im Dunkeln durch Kohlensäure gehindert werden müsse , was für alle Fälle , wo das Blatt nicht sichtbar gelitten hat, nicht geschehen ist (Tab. VII, G). Selbst- verständlich vermögen auch todte Blätter keine Kohlensäure anzulagern (Tab. VII, D). Auch müsste nach halbbeendeter Säureabnahme am Lichte durch Zufuhr von Kohlensäure in diffusem Lichte der Säuregehalt wieder stark gesteigert werden , was auch nicht der Fall ist (Tab. VII, E) ; der Säuregehalt vermehrt sich in diesen Fällen nur ganz langsam, ungefähr wie sonst in der Nacht ; also langsam im Vergleich mit der Schnelligkeit der Entsäuerung im Lichte, während eine Anlagerung, wenn sie die Säure- abnahme compensiren soll, eine gleiche Intensität besitzen müsste. Häufig findet man , dass bei einem stärkeren Kohlensäuregehalt der Luft die Säuremenge des Blattes am Nachmittage größer ist, als am Morgen (Tab. VII, F) , was also bei Ausschluss der eben widerlegten Möglichkeit beweist, dass auch am Tage Säurebildung stattfindet (und auf diesen Be- weis wurde oben schon verwiesen). 3. Man könnte wohl hierdurch auf den Gedanken kommen, dass die Kohlensäure einen begünstigenden Einfluss auf die Säurebildung habe, und dass also durch die stärkere Ansäuerung die Lichtentsäuerung kompensirt würde. Doch dann wäre es wunderbar, dass die Säurekompensation schon gleich in der ersten Stunde der Lichtwirkung beginnen (Tab. VII, G), und also genau der Lichtentsäuerung parallel gehen soll. Auch zeigt sich in kohlensäurereicher Luft sowohl im blauen wie im rothen Spektrumtheile eine ungefähre Säurekonstanz (Tab. VII, H) , man müsste also unter der Annahme einer Kompensation folgern, dass auch die Ansäuerung in kohlen- säurereicher Luft durch das gelbe Licht im Gegensatz zum blauen be- günstigt wird , was recht unwahrscheinlich ist. Entscheidend dagegen ist einerseits das Fehlen des Kohlensäureeinflusses während der Entsäuerung durch andauernde Dunkelheit oder durch Wärme, und andererseits das Verhalten der nicht chlorophyllhaltigen Theile , die in kohlensäurereicher Luft keine Säurevermehrung zeigen (Tab. VIII) . 4. Wichtiger ist die Diskussion der Frage, ob die Kohlensäure in dem angewandten Verhältnis nicht vielleicht eine allgemein schädigende Wir- kung auf die Lebensprozesse der Fettpflanzen ausübt. In der That weisen einzelne Thatsachen, die Saussure schon anführt, darauf hin, dass diese Pflanzen weniger Widerstandsfähigkeit zeigen, als die anderen, und ein- zelne Versuche an Bryophyllum bei gleichem Kohlensäuregehalt wie oben in größerer Wärme (35°) zeigen, dass die Pflanze bei längerer Dauer in der That hierdurch leidet; Injektion der Intercellularen, schließlich Missfärbung der Blätter und Hinderung der Entsäuerung sind die sichtbaren Zeichen. Bei gewöhnlicher Temperatur hingegen zeigen sich alle diese Merkmale schädigender Wirkung nicht; so z. B. nimmt die Säure in der Nacht in einer über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 83 12^ kohlensäurehaltenden Luft ebenso beträchtlich zu wie sonst; nach längerem Aufenthalt in kohlensäurereicher Atmosphäre zeigt sich Licht- und Wärmeentsäuerung , ebenso Dunkelansäuerung in gewohnter Weise (Tab. IX, A) ; auch leidet die Athmung (gemessen durch die expirirte Koh- lensäuremenge) während des Aufenthalts in 16^ CO^ nicht (Tab. IX, B) ; 25 — 30^ Kohlensäure beeinträchtigt dagegen die Säurezunahme in der Nacht manchmal, aber nur wenig, auch scheint Aloö arborescens recht empfindlich gegen kurzen Aufenthalt in 75^ CO^ zu sein (Tab. IX, G). — Gegen die Ansicht, dass Kohlensäure gerade im Lichte die ganze Pflanze stark schädige, spricht der Umstand, dass nach Lichtexposition in einer Atmosphäre von 25^ Kohlensäure die Pflanze sich in der Wärme in ge- wohnter Weise entsäuert (Tab. IX, A) ; ebenso, falls man nach einigen Stun- den Belichtung in kohlensäurereicher Luft die Pflanze wieder in gewöhn- licher Luft dem Tageslichte aussetzt. Auch wurde eine Pflanze in ca. 20^ kohlensäurehaltiger Luft längere Zeit gehalten; in der ersten Woche , wo dreimal die Luftmischung erneuert wurde, zeigte sich weder Injektion noch Welken ; es sprossten sogar in der feuchten Atmosphäre vom Stengel eine ^. Anzahl bis centimeterlanger Würzelchen aus; auch in der zweiten Woche war die Pflanze noch ziemlich gesund, nur wurden die Blätter schlaff, und fingen am Ende derselben an zu kränkeln , so dass bis Mitte der dritten Woche die vom Schimmel bedeckten, injicirten Blätter abfielen, ein Resul- tat, das aber auch durch die der Quecksilberdämpfe halber nöthige Feuch- tigkeit und Wassersättigung der Atmosphäre , oder durch die dauernde Hinderung der assimilatorischen Funktion hervorgebracht sein kann. — .Tedenfalls sieht man also hieraus, dass die Hinderung der allgemeinen Le- bensprozesse auch bei Bryophyllum durch ca. 20 — 25^ Kohlensäure eine nur ganz allmähliche ist , indem Athmung , Wachsthum , Turgor, Säurezu- nahme im Dunkeln etc. in der ersten Zeit nicht merklich leiden. Nur die Assimilation wird schon durch einen Kohlensäuregehalt von 12^ außerordentlich gehindert, ja meist völlig gehemmt, und dasselbe ist der Fall mit der Lichtentsäuerung; eine Parallelität, welche namentlich in Anbetracht des Umstandes, dass diese Hinderung der Entsäuerung nur dort in Erscheinung tritt , wo auch die assimilatorische Funktion thätig sein kann, deutlich auf eine Zusammengehörigkeit dieser beiden Funktionen hinweist. Da aber nach Allem, was wir wissen, nicht angenommen werden kann , dass die assimilatorische Thätigkeit von der Entsäuerung am Lichte abhänge, kann man eben nur das Umgekehrte für möglich halten, oder muss beide Funktionen von derselben Ursache abhängig sein lassen. Um die Resultate des Abschnittes II zu rekapituliren, so beweist die Nichtenlsäuerung chlorophyllloser und etiolirter Theile, dass die Entsäue- rung keine allgemeine Lichtwirkung auf die Pflanzen (resp. dicken Organe derselben) ist; die schwächere Wirkung der stärker brechbaren Hälfte des Spektrums auf die Entsäuerung beweist , dass hier keine auf das Plasma 6* 84 0. Warbukg. chlorophyllhaltiger Zellen beschränkte chemische Reizwirkung des Lichtes anzunehmen ist, während umgekehrt das Verhalten der nicht chlorophyll- haltigen und etiolirten Theile , sowie das Verhalten der grünen Theile in farbigem Lichte und in kohlensäurereicher Luft beweisen, dass die Säure- abnahme im Lichte einerseits nur in chlorophyllhaltigen Zellen vor sich geht, andererseits mit der assimilatorischen Funktion in direktem Zu- sammenhang steht, wogegen aus der Lichtentsäuerung in kohlensäurefreier Luft ein ernster Einwand nicht herzuleiten sein dürfte. III. Verhältnis von Lichtentsäuerung zur Assimilation. Die Frage, ob die Säuren direkt in den Assimilationsprozess hineingezogen werden, kann zweierlei Bedeutung haben. Einerseits W'äre es denkbar, dass der wie gewöhnlich verlaufende Kohlensäureassimi- lationsprozess von den Säuren unabhängig ist, dieselben aber auf irgend eine Weise in den Prozess hineinzieht, wogegen entschieden die Thatsache spricht, ^. dass auch in kohlensäurefreiem Raum die Entsäuerung beträchtlich vor sich geht, obgleich hier ja der die Säuren ev. hineinreißende Prozess im Anfang ganz fehlt und später doch nur von verhältnismäßig geringer Energie sein kann (s. oben). Die andere Möglichkeit ist die, dass die Säure selbst den Stoff für den Assimilationsprozess bietet, also die Kohlensäure gewisser- maßen vertritt, und die Entsäuerung demnach als intramolekulare Assimi- lation aufzufassen wäre, sei es, dass die Säure als solche verarbeitet würde^ sei es, dass nur die von der Säure abgespaltene Kohlensäure dazu verwen- det wird. Im ersteren Falle würde dann die Säure im Assimilationsprozess die Kohlensäure vertreten, doch ist dies schon deshalb unwahrscheinlich, da dann doch auch das farbige Licht bei der Entsäuerung in ähnlichem Ver- hältnis wirken müsste wie bei der Kohlensäurezerlegung, was nach obigem nicht ganz der Fall ist. Wenn man aber eine vorherige Kohlensäureab- spaltung irgend welcher Art aus der Säure annehmen will, so hätte man zwar einen Zusammenhang zwischen Entsäuerung und Assimilation, doch würde derselbe nicht zur Erklärung der Frage dienen können, warum ohne Assimilation keine Entsäuerung stattfindet. — Abgesehen davon würde nach allen diesen Erklärungen das verschiedene Verhalten von Fett- und gegen Transpiration geschützten Pflanzen gegen andere völlig unverständlich bleiben. Der zweite Fall, dass die beiden Funktionen von einander unabhängig sind, aber von ein und derselben Ursache abhängen, ist kaum denkbar, weil ja alles, was die assimilatorische Thätigkeit aufhebt oder nicht in Existenz treten lässt, auch die Entsäuerung verhindert, also eine entschiedene Abhängigkeit der Entsäuerung von der Assimilation vor- handen ist. Es bleibt nur die Annahme, dass die Entsäuerung im Lichte über die Bedeutung der organischen Säuren elc. 85 zwar in den Assimilationsprozess verflochten ist, aber in mehr indirekter Weise. Zu erörtern wäre nun vor allem die Möglichkeit, dass durch die Assi- milation in Folge der Bildung leicht verbrennlicher Kohlehydrate der ge- samrate Stoffwechsel erhöht wird, was ja in der That vielfach konstatirt ist, und dass eine Folge hiervon auch die stärkere Säurezersetzung sei. Da- gegen spricht 1) das Verhalten im blauen Licht, 2) die sofort in der ersten Stunde beginnende Säureabnahme (Tab. II, E, F), 3) das Aufhören der Säure- abnahme kurz nach künstlicher Verdunkelung (Tab. II, I) , 4) müsste, wie wir unten sehen werden, durch stärkeren Stoffwechsel auch die Säure- produklion vermehrt und daher umgekehrt eher eine Art Ausgleich herbei- geführt werden ; ferner 5) fällt das Minimum der Säure und der Anfang der Säurezunahme gerade auf den Nachmittag (Tab. II, F), wo die stärkste Assimilation gerade gewesen ist und man deshalb auch den größten Stoff- wechsel erwarten sollte, 6) entscheidend spricht wieder das Verhalten im kohlensäurefreien Räume (Tab. VI) dagegen, auch ist 7) die begrenzte Verbreitung der Lichtentsäuerung nicht damit in Einklang zu bringen. — Also die Vermehrung der Kohlehydrate durch den Assimilationsprozess wird schwerlich die Ursache der rapiden Säurezersetzung sein. Einfluss des Sauerstoffes auf die Säureabnahme im Lichte. Untersuchen wir jetzt den bei der Assimilation gebildeten Sauerstoff in seiner Wirkung auf den Entsäuerungsprozess. In der That finden wir durch die Annahme, dass dieser Sauerstoff die Ursache der Entsäuerung ist, alle aufgezählten Schwierigkeiten beseitigt. Die sofort bei der Beleuch- tung beginnende Säureabnahme, das Aufhören derselben kurz nach der Verdunkelung, das Verhalten im blauen Lichte im Gegensatz zum gelben, und auch die verhältnismäßig starke Wirkung des blauen Lichtes auf die Entsäuerung ist leicht verständlich, ferner der geringe Unterschied, den direkte Besonnung (bei Ausschluss der Wärme) macht im Verhältnis zum hellen Tageslicht (Tab. II, E) ; dann auch die Beschränkung der Säureab- nahme auf die chlorophyllhaltigen Theile; auch das Verhalten in kohlen- säurefreiem Baume ist verständlich (da bei der Entsäuerung sich in den Zellen Sauerstoff bildet, nach Mayer, siehe unten). Endlich spricht das biologische Vorkommen der Säureabnahme im Lichte mit Entschiedenheit für diese Erklärung. Es sind lauter Pflanzen mit ausgeprägten Schutzmitteln gegen Tran- spiration und implicite demgemäß gegen Gasaustausch; starke Cuticula, relativ geringe Zahl der Spaltöffnungen, dickes Gewebe, Kleinheit der Inter- cellularen, doppelte Epidermis, Sklerenchymunterlage derselben sind, wie oben erörtert, die Hauptmomente. Dagegen zeigen die Pflanzen, die durch 86 0. Warbürg. Wassergewebe gegen Austrocknung geschützt sind, ohne zugleich bedeu- tendere Anpassungen für die Verminderung des Gasaustausches zu besitzen (Kleinia und Mesembryanthemum-Arten), die Säureabnahme im Lichte nicht. Lichtentsäuerung bei Ausschluss freien Sauerstoffes. Dass in der That in den Fettpflanzen relativer Sauerstoffmangel ist, erkennt man daran, dass man ein Produkt der intramolekularen Athmung, nämlich Alkohol , in denselben, wenn auch nur in geringer Menge, nach- weisen kann. In der That zeigt das Destillat des vorher alkalisch geraachten Saftes von Bryophyllum und Sempervivum mittels der LiEBEN'schen Jodo- formreaktion, des Benzoylchlorids und der Essigsäureätherreaktion, auch durch schwachen Aldehydgeruch nach Behandlung mit chromsaurem Kali die Anwesenheit von etwas Alkohol an. Man ist zu dieser Annahme um so mehr berechtigt, da in demselben Destillate Acetaldehyd, welches auch die LiEBEN'sche Reaktion zeigt, nicht durch den Silberspiegel nachgewiesen werden konnte^ womit jedoch die Möglichkeit spurweiser Anwesenheit nicht geleugnet werden soll. Auch die Säuren , von denen einzelne gleichfalls die LiEBEx'sche Reaktion geben , waren durch vorherige Neutralisation aus dem Destillate ausgeschlossen. — Es sei hier auch auf Gutzeit's (Üb. d. Vorkommen des Äthylalkoh. im Pflanzenr. Dissert. 1875; »Beiträge zur Pflanzenchemie 1879«) Nachweis von Alkohol in den unreifen Früchten von Heracleum giganteum, Pastinaca sativa und Anthriscus cerefolium hinge- wiesen, welche Früchte gewisse Analogie mit den dicken Theilen der Fett- pflanzen und namentlich mit den ja auch Lichtentsäuerung zeigenden Früchten von Citrus besitzen. Auch zeigen die Analysen der aus den Fett- pflanzen (Cactus) ausgepumpten Luft (Recherches chiraiques p. 68) deutlich genug einen stark verringerten Sauerstofl'gehalt ; auch ich konnte trotz für den Sauerstoffkonsum der Pflanze ziemlich ungünstiger Bedingungen aus Opuntia Tuna kaum 12^ Sauerstoff enthaltende Luft durch Auskochen gewinnen. Da sich die Früchte in Bezug auf Schutz gegen Transpiration den Fett- pflanzen ziemlich gleich verhalten, so ist es interessant, auf die verschie- denen Untersuchungen der Gase in denselben hinzuweisen. So fand Fr^my 1844 (Comptes rendus t. 19 p. 784, Recherches chiraiques sur la maturation des fruits) in der Luft aus reifen Äpfeln keinen Sauerstoff, in grünen ^% der Luft, in reifen Birnen 2^, in grünen 5^, in Weintrauben keinen Sauerstoff. Auch Cahours und Chatin (beide Comptes rendus t. 58) fanden in verschiedenen untersuchten Früchten (Orange, Citrone, Granate, Apfel) keinen Sauerstoff, obgleich der Saft 2 — 11^ Gas enthielt; ebenso fand Bender (Chem. Ber. VIII, 1875) in der Luft aus Äpfeln nur 0—2^ Sauerstoff', alles Versuche, wogegen die abweichenden Resultate von Livache (Ann. chim. phys. 1877 5. serie, t. 12, p. 431), der in der Luft aus Früchten, über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 87 die er unter Alkohol auspresste, keine Spur (??) Kohlensäure fand (vergl. die entgegengesetzten Resultate von Salssure, Recherch. chim. p. 68 Anm.), nicht in Betracht kommen können. Ferner fand auch Heintz (Bot. Jahres- ber. 1873 p. 360, aus d. Zeitschr. d. Vereins für d. Rübenzuckerind.) in Rüben keinen freien Sauerstoff und St. Pierre und Magmen (Ann. chim. phys. 5 s. t. 9, 1876 p. 131] fanden schon die Luft in den Coluteahülsen sauerstoffarm (nur 9^). — Ebenso fand Boussingault die Luft in verschie- denen Pflanzenorganen nur aus Stickstoff und Kohlensäure bestehend (Agronomie, Chim. agric. III p. 378, Ann. chim. phys. 4 s, t. 13 1868) und Laves, Gilrert und Pugh (Phil, transact. II, 1861, p. 486, nach Böhm zitiert) fanden in der im Dunkeln aus Zweigen ausgesaugten Luft bisweilen sogar weniger als \%. Mag für diese letzteren Fälle auch Böhm's Einwand (Ver- suchsstat. XXI p. 374), dass die Kohlensäure ev. erst während des Versuches gebildet werden könnte, einige Berechtigung haben, so kann doch während des schnellen Kochens der wenig widerstandsfähigen Blätter und Früchte höchstens eine minimale Menge Sauerstoff verbraucht werden (siehe übri- gens auch Böhm's eigene Zahlen mit weit ungünstigeren Pflanzentheilen, nämlich Syringazweigen, und bei minimaler Athmung bei — 2°. Tab. I. u. II p. 378). W^enn nun überhaupt irgendwo in der Pflanze Sauerstoffmangel ein- tritt, so werden davon die vermuthlich in der Vakuolenflüssigkeit gelösien Säuren am ersten betroffen werden. Offenbar werden sie nur in geringer Menge in die äußeren Theile der Protoplasmaschicht hinein diffundiren können, wie daraus hervorgeht, dass hier die gegen minimale Säuremengen so empfindlichen Chlorophyllkörner liegen, die sich in unseren säurereichen Pflanzen sofort bräunen, falls man die Widerstandsfähigkeit des Protoplasma- schlauches gegen Diffusion auf irgend eine Weise aufhebt. Es geht hieraus hervor , dass die Zersetzung der Säuren , wenn überhaupt im Plasma- schlauch , besonders im inneren Theile desselben wird vor sich gehen müssen , der durch den stets Sauerstoff konsumirenden äußeren Proto- plasmatheil in Bezug auf Sauerstoffzufuhr noch viel ungünstiger gestellt ist als letzterer. — Bei vielen Pflanzen, Cacteen etc. , wird auch der Schleim nicht ohne Bedeutung sein können , da er nicht nur die Verdunstung des Wassers hindert, sondern auch dem Gasaustausch vielleicht ein wirksames Hindernis (wenn auch nur innerhalb der einzelnen Zellen) entgegensetzt. Es zeigt sich dies an der Schwierigkeit, aus dem Cactusschleim durch Kochen die eingeschlossenen Luftblasen zu entfernen. Sobald nun die Pflanze beleuchtet wird, wird jedes Chlorophyllkorn zu einer Sauerstoff- quelle innerhalb des Plasmas; der Mangel an Sauerstoff hat aufgehört und die Zersetzung der Säuren beginnt. Wird die Luft mit Kohlensäure be- reichert, so hört die Assimilation auf, die Sauerstoffquelle versiegt und die Säurezersetzung lässt nach. Dass Sauerstoff von direktem oder indirektem Einfluss auf die Ent- 88 0- Warburg. Säuerung im Lichte ist, erkennt man auch daran, dass die Lichtent- säuerung in Wasserstoffgas (Tab. X, A) und im luftleeren Räume (Tab. X, B), in ausgekochtem Wasser (Tab. X, C) und in Paraffineinbettung (Tab. X, D) nicht so vollständig und schnell vor sich geht wie in gewöhnlicher Luft. Dass überhaupt die Säure bei Sauerstoffmangel abnimmt, dürfte im ersten Augenblicke vielleicht befremden; doch nehmen wir überhaupt nur eine Spur freien Sauerstoffes an, beispielsweise aus intramolekular ausgeathme- ter Kohlensäure durch Assimilation in Freiheit gesetzt, so kann diese Spur verwendet werden, um Säure zu zersetzen, wobei wieder Sauerstoff frei wird (entweder als solcher, oder aus Kohlensäure durch Assimilation frei gemacht), um dann denselben Prozess wiederholen zu können. Es würde auch der Theil des Sauerstoffes, der zu anderen Funktionen, beispielsweise zu normaler Athmung verwandt wird, doch durch die Assimilation der dabei gebildeten Kohlensäure wieder sofort frei werden ; sodass also der im Anfang vorhandene Sauerstoff schon allein förmlich fermentativ wirken müsste; in unserem Falle aber vermehrt sich, wie die volumetrischen Ver- hältnisse zeigen, mit jedem Molekül zersetzter Apfelsäure auch die Sauer- stoffmenge um ein Molekül, sodass nach einiger Zeit überhaupt kein Sauer- stoffmangel mehr sein wird. Wie der Sauerstoff bei diesem Prozesse wirkt, ist schwer zu ent- scheiden. Man könnte sich denken , dass er nur den allgemeinen Stoff- wechsel förderte und die verstärkten Lebensprozesse dann die Zersetzung der Säuren bewirkten (etwa dadurch, dass sie die Affinitäten der Säure- bestandtheile zu einander lösten?) ; andererseits ist auch eine direkte Oxy- dation denkbar. Doch hiervon weiter unten. Soviel ist jedenfalls klar, falls die Beziehung der Säureabnahme am Lichte zu der assimilatorischen Funktion nur auf der Säureproduktion letzterer beruht, so kann die Säure, wie es ja auch chemisch und, wie wir später sehen werden, physiologisch unwahrscheinlich ist, nicht direkt Sauerstoff abspalten; da ja sonst auch in den chlorophylllosen Theilen (Früchte, Nidulariablätter) eine stete Sauer- stoffquelle gegeben wäre , welche am Lichte Säureabnahme hervorrufen müsste. Über den allgemeinen Prozess der Entsäuerung und den Einfluss des Sauerstoffes auf denselben. I. Bei Fettpflanzen. Dass auch der allgemeine Prozess der Entsäuerung kein rein chemischer, sondern mit dem Leben in Beziehung stehender ist, erkennt man daran, dass nach Tödtung der Blätter durch 80 °, durch Aether oder durch Chloro- form die Entsäuerung (beispielsweise in der Wärme bei 35°) aufhört, ev. einer ganz langsamen Säureabnahme Platz macht (Tab. XI, A) . Dass der Prozess der Säureabnahme in der Wärme nicht in 12^ Kohlen- über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 89 Säure enthaltender Luft gehindert wird , wie es bei der Säureabnahme im Lichte der Fall war, wurde schon oben gezeigt. Dagegen ist die Abnahme von der Gegenwart des Sauerstoffs in hohem Maße abhängig. In Wasserstoff nimmt beispielsweise die Säure meislentheils in der Wärme gar nicht ab (Tab. XI, B), und dasselbe ist der Fall im luftleeren Räume (Tab. XI, C). — Freilich kann man hier bestimmt erweisen, dass eine Schädi- gung der Blätter vorliegt, denn über kurz oder lang injiciren sich die Blätter und werden schließlich missfarbig, abermals ein Zeichen, wie wenig Wider- standsfähigkeit die Fettpflanzen gegen gewisse Einflüsse besitzen ; trotzdem müsste man , da das Absterben doch nicht plötzlich und sofort stattfindet, immerhin eine merkbare Säureverminderung erwarten. Aber auch in ge- wöhnlicher Temperatur zeigten die Blätter bei längerem Aufenthalt in Wasserstoff nur geringe Säurealjnahme , obgleich sie diese Versuchsbedin- gungen weit besser ertragen. — Falls man , um die Luftzufuhr zu vermin- dern , die Blätter in Paraffin einbettet (Tab. XI, E), indem man die gerade schmelzende Masse mit einem Pinsel aufträgt, was z. B. von Bryophyllum ganz gut ertragen wird (Beweis: nicht Eintreten der Injection und des charakteristischen Geruches, Säureabnahme eingebetteter Blätter am Licht, Wiederaufnahme der gewöhnlichen Lebensfunktionen nach der Befreiung von dem Paraffin [Tab. XI, E]), so findet in der Wärme nur eine geringere Säure- abnahme statt 1). — Auch wenn man die Blätter in destillirtes ausgekochtes Wasser legt , und dann die gegen Luftzutritt abgesperrten Gläser einer Temperatur von 35° aussetzt, wird die Säure nur in geringem Grade zer- setzt; falls man aber Luft durchleitet, zeigt sich wieder eine stärkere Ent- säuerung (Tab. XI, D). Alle diese Versuche lassen jedoch noch die Möglich- keit offen , dass die Säurekonstanz bei Abschluss von Sauerstoff nicht der verhinderten Entsäuerung, sondern einer durch die besonderen Bedingungen vermehrten Ansäuerung zuzuschreiben ist, doch ist diese Annahme einer- seits an und für sich sehr unwahrscheinlich, zumal da dann die Ansäuerung eine außerordentliche Intensität erreichen müsste , um die Wärmeentsäue- rung zu kompensiren , andererseits wurden zu den Versuchen Blätter ge- nommen, welche die Nacht über dunkel gestanden hatten, die ja dann keine bedeutende Säureproduklion mehr zeigen , und zugleich wegen des Säure- reichthums für unsere Versuche recht geeignet sind. Auch müsste unter der Annahme einer Kompensation in unseren Versuchen bei gewöhnlicher Temperatur, wo ja die Entsäuerung viel schwächer ist als bei höherer Tem- peratur, eine bedeutende Säurevermehrung auftreten, was nicht der Fall ist. — Es wird also der allgemeine Entsäuerungsprozess durch Sauerstoffentziehung gehindert resp. sehr geschwächt. Andererseits wird der Prozess der Entsäuerung dadurch be- günstigt, dass man die Hindernisse gegen den Sauerstoff- 1) Zur Sicherheit wurde das Paraffin auf dem Wasserbade erwärmt, es blieb neutral. 90 0. Warburg. eintritt etwas vermindert, indem man z. B. mit scharfem Messer die Blätter in kleine centimeterlange und Y2 — V;^ Centimeter breite Stückchen zer- schneidet, und dann der Wärme aussetzt (Tab. XI, F). Die Sttlckchen verfärben sich nicht, also ein Zeichen, dass sie nicht absterben (vorher durch Erhitzung getödtete verfärben sich nach kurzer Zeit). Der beim Zerschneiden auf die Unterlage ev. austretende oder am Messer haften bleibende Saft muss selbst- verständlich mit verarbeitet werden ; die Nichtzersetzung der in diesem Safte befindlichen, übrigens fast zu vernachlässigenden Säuremenge könnte höchstens das Resultat minder prägnant machen ; andererseits lassen sich von den Schnittflächen nicht die Bakterien völlig abhalten , doch greifen diese ja nur die verletzten Zellen an, sodass sich diese beiden kleinen Fehler wohl theilweise kompensiren werden (vergl. ferner Tab. XIV, G'). Als diese kleinen Schnittchen ihrerseits wieder in Paraffin eingebettet; also wieder dem Sauerstoffzutritt etwas entzogen wurden, verminderte sich die Säure in der Wärme natürlich weniger als ohne Einbettung (NB. keine In- jektion der Intercellularen und keine Verfärbung) . — Dass die Säureabnahme in der Wärme in einem dampfgesättigten Baume minder bedeutend gefun- den wurde , als in einem durch etwas Schwefelsäure trocken gehaltenen (Tab. XI, E) (in welch letzterem das Blatt selbstverständlich langsam welkte, sodass man also das entgegengesetzte Resultat hätte erwarten sollen) , ist wohl auf denselben Umstand zurückzuführen, dass unter den letztgenann- ten Bedingungen der Sauerstoff der Atmosphäre mehr und leichter Zu- tritt fand. Wir sehen also, dass die verschiedensten Gründe dafür sprechen, dass auch die vom Lichte unabhängige Entsäuerung von Bryo- phyllum (und demnach wohl auch der anderenFettpflanzen) durch Luftzutritt gefördert, durch Sauerstoffentziehung vermindert wird. II. Säureabnahme im Dunkeln bei den Pflanzen überhaupt. Die Untersuchungen des vorigen Abschnittes beschränken sich nur auf die Frage; erstens, zeigen alle Pflanzen diese Säureabnahme im Dunkeln oder in der Wärme, und zweitens, zeigt sich auch bei diesen eine derartige Abhängigkeit der Entsäuerung von dem Sauerstoff? In Betreff der ersten Frage hat de Vries außer Fettpflanzen Begonia, Vitis, Portulacaarten, Rheum, Oxalis untersucht, und hier in der That, nament- lich in der Wärme deutliche Säureabnahme gefunden ; für Oxalis ist dies auch von Mayer angegeben ; für Begonia konnte auch ich diese Abnahme bestätigen, ebenso fand ich in der Wärme eine Abnahme für Mesembryan- themum, Liiium candidum, eine geringe bei Clusia rosea und bei Cyclamen persicum; dagegen keine bei Citrus aurantiacus, Hedera Helix, Franciscea sp. (stets wurden die Blätter untersucht, Tab. XII, A). Sehr bedeutende Säureabnahme zeigten ferner die Früchte: Zwetschen, Aepfel, Stachelbeeren, über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 91 1 gewöhnlicher Temperatur langsam (Nachreife), in der Wärme sehr schnell Pab. XII, C). — Es zeigten auch etiolirte Sempervivumblätter , obgleich jhon ziemlich säurearm, eine deutliche Abnahme in der Wärme , dagegen 3igen die Blüthenblätter keine über die Fehlergrenze hinausgehenden nterschiede, was bei Lilium candidum, Sempervivum angustifolium , Se- um roseum, Echeveria retusa, Mesembryanthemum grandiflorum, Helian- lus annuus , Nymphaea alba und bei weißen Rosen geprüft wurde (Tab, II, B) ; auch Kartoffeln und Sempervivumwurzeln (Taf. XII, D) zeigten keine estimmten Unterschiede. Man erkennt aus allen diesen Fällen, dass von inem allgemeinen Gesetze der Säureabnahme in der Wärme icht gesprochen werden kann. Es ist ja die Abnahme die Resul- inte aus zwei sich entgegenwirkenden Prozessen, und es kommt ganz auf ie Stärke der Ansäuerung an, ob Säureabnahme zur Erscheinung kommen ärd oder nicht. — Im Allgemeinen ersieht man aus den angeführten Fällen, ass die Säureabnahme in der Wärme an die Gegenwart irgend welcher chutzeinrichtungen gegen die Transpiration nicht geknüpft ist und eben- )wenig an die Chlorophyllfunktion. — Soll ein energischer Lebensprozess ingere Zeit anhalten, so ist ein größerer Vorrath an verathembarem Mate- al erforderlich , und so ist es leicht erklärlich, dass die dünnen, wenig orrathsstoffe besitzenden Blüthenblätter keine merkliche Säureabnahme äigen, dagegen die zuckerreichen Früchte in so hohem Maße. Die Knollen nd Wurzeln dagegen besitzen zwar genügend Reservematerial, aber nicht 1 einem direkt verbrennbaren Zustande, und deshalb auch nur einen weni- er intensiven Stoffwechsel. Man wird also vielleicht das Richtige treffen, /enn man annimmt, dass durch die in der Wärme gesteigerten ebens- und Athmungsprozesse ein größerer Theil der Säure nden Stoffwechsel hin eingezogen wird, als bei gewöhnlicher emperatur. Da man die Wärmeentsäuerung auch bei Pflanzen trifft, die für ge- ^'öhnlich keinen Sauerstoffmangel leiden dürften , so ist also jedenfalls ein ventuell durch die Wärme geförderter Gasaustausch und Sauerstoffzutritt icht die Ursache der Säureabnahme, was wir ja bei der Lichtentsäuerung och fraglich ließen. — Ob dagegen, wie bei der Licht- und mehr oder veniger auch bei der Wärmeentsäuerung der Fettpflanzen , so auch über- laupt Sauerstoff zur Entsäuerung nöthig ist, wurde an Früchten, nament- ich an Aepfeln untersucht. Es stellte sich heraus, dass auch in Wasserstoff, einer Kohlensäure, im luftleeren Räume sowohl in der Wärme als auch >ei gewöhnlicher Temperatur die Säureabnahme vor sich ging (Tab. XII, F). )amit stimmt auch überein, dass durch Cacaobutter und Paraffin, zur Ab- laltung des Sauerstoffes der Luft , sowohl in der Wärme wie in gewöhn- icher Temperatur sich die Säureabnahme der Früchte nicht aufhalten ließ, sbensowenig durch Luftabschluss mittels ausgekochten Wassers oderQueck- ;ilbers (Tab. XII, F). — Dagegen wird durch Zerstückelung des Apfels in 92 0. Warburg. kleinere Theile die Entsäuerung in gewöhnlicher Temperatur sehr befördert (Tab. XII, F). Von Bakterien und Hefe konnte hier diese rapide Abnahme (in 2 Tagen) nicht herrühren ; auch waren solche mikroskopisch nur ganz einzeln nachweisbar; im Gegentheil verhielten sich die Früchte vollkommen in Färbung, Geruch, Geschmack, Konsistenz wie frische, obgleich gerade bei den Früchten Fäulnis und Gährung so charakteristische Umwandlungen hervorrufen. Auch zeigten in Kontroll versuchen durch Erwärmen auf 80 ° getödtete, dann zerstückelte und offen dem Zimmerstaub ausgesetzte Früchte in gleicher Zeit keine Säureabnahme. — Kohlensäure scheint in der Wärme hinderlich^) auf die Entsäuerung der Früchte zu wirken, was wohl der all- gemeinen Schädlichkeit dieses Gases zuzuschreiben ist; da Wasserstoff nur wenig hemmend auf die Entsäuerung in der Wärme wirkt im Gegensatz zur Luft. — Dieser Unterschied zwischen Früchten und Fettpflanzen, die stärkere Abhängigkeit der Säureabnahme von Sauerstoff bei den Fettpflanzen, die geringere bei den Früchten , lässt sich wieder leicht auf allgemeine Lebensprozesse zurückführen , indem bei den Fettpflanzen die intramole- kulare Athmung, wie wir unten sehen werden, recht gering ist, während sie bei den Früchten, wie häufig erwiesen, recht stark ist. Gautier (s. ehem. Centralbl. 7. Jahrg. -1876 p. 533) wies in normalen Früchten in dem Saft von 300 g Aepfeln schon gegen 0,8^ Alkohol nach, und nach längerem Verweilen in Wasserstoff oder Stickstoff ist der Alkoholgehalt noch weit größer. Bei den Früchten wird also die bei diesem Prozess frei werdende Energie leicht die Säuren in den Stoffwechsel hineinziehen können , wäh- rend die schwache Energie der intramolekularen Lebensprozesse der Felt- pflanzen der Hälfte der Affinitäten des atmosphärischen Sauerstoffs bedarf. Analogieen beiden Gährungspilzen (s. unten) werden zur Erläuterung dieser Verhältnisse beitragen. Um die letzten Resultate in Bezug auf den Einfluss des Sauerstoffs auf die Entsäuerung zusammenzufassen, so fanden wir, dass bei den chloro- phyllhaltigen Theilen der Fettpflanzen sowohl Licht- als auch allgemeine Entsäuerung an die Gegenwart von Sauerstoff gebunden ist, während die Entsäuerung der Früchte sowohl in der Wärme wie bei gewöhnlicher Temperatur wohl durch Sauerstoff gefördert wird, aber auch ohne Sauerstoff vor sich geht. Über den allgemeinen Prozess der Ansäuerung. I. über den Einfluss des Zuckergehaltes auf denselben. Haben wir uns bisher nur mit der Entsäuerung befasst , so ist es jetzt unsere Aufgabe , auch die des Merkwürdigen so viel enthaltende Ansäue- 1) Die Säurekonstanz in Kohlensäure in der Wärme ist abermals ein Beweis gegen merkbare Hefe- oder Bakterienbildung. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 93 rung der Fellpflanzen im Dunkeln näher ins Auge zu fassen. Nach de Vries ist die Ansäuerung vorläufig als eine Reizwirkung der vorangegangenen Beleuchtung aufzufassen, also als eine photochemische Inductionswirkung. Auch ist nach ihm die Säurezunahme keine Wirkung der vorhergegangenen Assimilation , denn auch in kohlensäurefreiem Räume am Tage der Sonne ausgesetzte Blätter zeigen die nächtliche Produktion , was ich bestätigen kann (Tab. XIII, A) . Wenn hierbei die Möglichkeit der Bildung von Assi- milationsprodukten aus der von der Säure ev. abgespaltenen Kohlensäure noch Zweifel lassen kann, so sprechen um so entschiedener seine Versuche hinter blauem Glase, wo die Assimilation doch jedenfalls recht vermindert ist. Doch da in seinen Versuchen auch hinter blauem Glase die Säure außer- ordentlich abnahm, was wir oben auf die Wärme zurückzuführen suchten, und hierbei ein üebergang der Säuren in Kohlehydrate nicht ausgeschlossen ist, so könnte die nächtliche Säureproduktion ja eine Folge der Anhäufung dieser Kohlehydrate sein. Es findet aber auch bei Ausschluss der Wärme- wirkung der Sonne und bei demgemäß nicht merkbarer Säureabnahme in blauen Glocken dennoch in der folgenden Nacht Säurezunahme statt (Tab. XIII, B) , ebenso falls mau ein durch Wärme stark entsäuertes Blatt Tags dem blauen Lichte aussetzt, wo ja doch Säureumwandlung in Kohlehydrate völlig ausgeschlossen ist. — Ob die Säureproduktion durch Assimilations- thätigkeit gefördert wird, lässt sich durch die wenigen in Bezug hierauf an- gestellten Versuche kaum definitiv entscheiden ; wenngleich sie sämmtlich dafür sprechen, auch gehört ja diese Erörterung nur indirekt in unsere Fragestellung hinein. — Es sind jetzt in der Literatur soviel zerstreute Be- merkungen zu finden über eine nicht mit Assimilation zusammenhängende Lichtwirkung eigenthümlicher Art auf Wachsthum,i) Keimung, 2) Fruktifi- kation,3) Stoffwechsel und Athmung,*) dass das Gebiet wohl einer gründ- lichen, kritisch- experimentellen Bearbeitung bedürfte. Auch unsere be- sprochene Wirkung des Lichtes auf die nächtliche Säurezunahme gehört hierher, und dürfte versländlicher werden durch die Beobachtung, dass Bryophyllum am Abend mehr reducirenden Zucker enthält als am Morgen, und nicht nur in gewöhnlicher Atmosphäre, sondern auch in kohlensäure- freier Luft , nach Mayer (Kleine Beiträge zur Frage der Sauerstoffausschei- dung in den Grassulaceenblättern. Landw. Versuchsstation. 1883 p. 222) und Kraus (1. c). Wenn Mayer diese Zuckerproduktion mit der Abnahme 1) Schon ziemlich gründlich in der Literatur behandelt. 2) Von Senebier, Ingenhouss, de Candolle, Saussüre, Meyen, Cieslar etc. mit ganz verschiedenen Resultaten. 3) Namentlich bei Pilzen. Brefeld, Klein. 4) Meist eine Beförderung der Athmung konstatirt Cahours (Blumen, Früchte), Sai- KiEVicz, Cauvet (Wurzeln), Lory (Orobanchen) , Panchon (keimende Samen) (dagegen WoLKOFF und Mayer, Bonnier und Mangin, Detmer, Wilson), Mikosch und Stöhr (Chlo- rophyllbildung), Böhm (Stärkewanderung). 94 0. Warburg. der Säure im Lichte in Verbindung bringt, so wird dies unten erörtert wer- den, schließt aber durchaus nicht die Annahme aus, dass eben diese Zucker- vermehrung wiederum die Ursache der nächtlichen Säureproduktion ist. Doch auch während der Belichtung der vorher entsäuerten Pflanzen in blauen Glocken , wobei die Säuremenge sich annähernd konstant erhält, konnte ich in einem vorläufigen Versuche eine Vermehrung des Zuckers am Abend konstatiren, welcher dann ja auch die Säurezunahme in der Nacht folgte. — Es dürfte demnach, vorbehaltlich detaillirterer Versuche, die Be- hauptung kaum zu gewagt erscheinen, dass die Ursache der nächt- lichen Säurebildung in der durch das Licht (auch durch die blaue Spektrumhälfte) vermehrten Zucke rbildung zu suchen sei. — Warum die Beleuchtung den Zucker vermehrt, ist unklar (NB. für die Fälle, wo wie hier Assimilation ausgeschlossen ist) ; da aber der Zucker wie in obigem Falle nicht aus der Säure entstehen kann , ist sein Ursprung wohl jedenfalls in den massig angehäuften unlöslichen Kohlehydraten zu suchen, und demnach ist eine durch das Licht vermehrte Fermentwirkung nicht un- wahrscheinlich. Wenn die starke Säureproduktion in der Nacht mit der durch das Licht vermehrten Zuckerproduktion in Verbindung steht , so ist dadurch nicht im geringsten erwiesen, dass nun die Säure auch direkt aus dem Zucker entstände. Wir kennen den außerordentlichen Einfluss des Traubenzuckers auf die Energie der Lebenserscheinungen der Organismen, speziell auf die Athmung; wir wissen z. B., wie nach Fütterung mit Kohlehydraten der Stoffwechsel der Thiere steigt , obgleich sie daneben ja in ihren Fettlagen Reservestoffe zur Verbrennung genug besitzen. Ebenso zeigen die mit Stärke angefüllten Speicherorgane und Reservestoffbehälter nur eine geringe Athmung ; wird aber der Zuckergehalt vermehrt, so wird dadurch auch die Athmung verstärkt, wie Müller- Thurgau in seiner Arbeit über das Süß- werden der Kartoffel nachwies (Auszug Bot. Centralbl. 1882 No. 6); wird dieser Zucker durch längeres Verweilen in höherer Temperatur aufgebraucht, so zeigt die Kartoffel bei niederer Temperatur eine geringere Athmung als ohne Erwärmung vorher. — Ueberall wird durch Erwärmung oder ander- weitig periodisch gesteigerten Stoffwechsel schließlich die Intensität der Athmung vermindert, ohne dass die Reservestoffe erschöpft zu sein brauch- ten, und die Assimilation wirkt überall fördernd auf den Stoffwechsel, selbst dort, wo, wie bei Bryophyllum, von Stärkemangel keine Rede sein kann {vgL namentlich Borodin's verschiedene Arbeiten). — Auch Rohrzucker ist an sich, ebenso wie die Stärke, zur dauernden Unterhaltung der Athmung ungeeignet, und so finden wir z. B. nach Balland (Comptes rendus t. 83 1876 p. 916), wenn die Agaven ihre einzige Periode energischer Lebeiis- thätigkeit , nämlich die Zeit des Blühens beginnen , dass der Rohrzucker in dem Verhältnis, als man sich in der Blattrosette dem Blüthenstiele nähert, um so mehr zu Gunsten des Invertzuckers zurücktritt. Auch in den ja über die Bedeutung der organischen Säuren etc.' 95 gleichfalls schnell wachsenden Früchten tritt viel Invertzucker auf. Petit (sur le Sucre contenu dans les feuilles du vigne. Journ. pharm, chim. 1874 p. 4i) wies in den Blättern des Weines Y2 bis Y4 des Zuckers als Rohrzucker nach , während sich in den Früchten nur Invertzucker findet. — Aus all' diesen Belägen geht hervor , dass durch die Zuckeranhäufung der Stoff- wechsel gesteigert wird, und dies könnte also auch indirekt die Säure- vermehrung befördern. Ist die Zuckervermehrung im Lichte und demgemäß die Säurebildung in der Nacht in gewissem Sinne unabhängig von der Assimilation, so dürfte doch ev. beides durch die assimilatorische Funktion gefördert werden. Doch ist in Betracht zu ziehen, dass die Wirkung der Assimilation nur bis zu einem gewissen Punkte reicht, da stärkere Assimilation wohl kaum mehr den Zucker, sondern nur die unlöslichen Reservestoffe vermehren dürfte. Borodin (Unter- such, üb. Pflanzenathm. iSSi) hat gezeigt, dass auch die Athmungsintensität durch Assimilation nur bis zu einem gewissen Grade gesteigert werden kann. Hierdurch wird erklärlich, dass die nächtliche Säurezunahme im Großen und Ganzen nicht der Intensität und Dauer des Lichtes parallel geht, wo- rauf schon DE Vries hingewiesen hat und was ich völlig bestätigen kann. Auch die schon oben erwähnte Thatsache, dass das Säureminimum nicht auf den Abend, sondern auf den Nachmittag fällt, würde durch die Annahme des Einflusses des Zuckers auf die Produktion der Säure leicht verständlich sein, gleichviel welchen Einfluss wir der Assimilation auf die Bildung des Zuckers zuschreiben. Noch eine andere Erscheinung würde durch unsere Hypothese eine un- gezwungene Erklärung finden. Bryophyllum hat, wie die meisten Pflan- zen, auch seine Ruheperiode, wo das Wachsthum fast ganz sistirt ist; auch scheint sich nach den erhaltenen Zahlen die Athmung in der Zeit zu verrin- gern. Obgleich nun die Blätter mit viel Stärke angefüllt sind, ist doch die nächtliche Säureproduktion eine sehr geringe, so dass, während im Sommer am Morgen die Blätter durchschnittlich 90 — 100 zeigen, und dass um 8^/2 bis 9 Uhr, wo also das Licht schon etwas gewirkt hat, im November ein Gehalt von 40 — 60 das Mittel ist, obgleich die Nachmittagswerthe im Som- mer eher geringer sind als im November, und im Sommer doch auch im Gewächshause die größere Wärme in der Nacht der Produktion hinderlich ist. Die Kürze des Tages und die dadurch bedingte Verringerung der Assi- milation kann nicht die Ursache der geringen nächtlichen Säureproduktion sein, da im Sommer schon 6 Stunden abgeblendetes Sonnenlicht genügen, um eine sehr kräftige Säureproduktion hervorzurufen. Mit der Annahme, dass sich im Herbst diese Blätter nach Art der Knollen und sonstiger Reserve- stoffbehälter verhalten , dass die Umwandlung der Stärke in Zucker (viel- leicht durch geringere Fermentwirkung, die ja überhaupt für Ruheperioden viel plausibles hat) und somit auch die Athmung etc, verringert wird, wären diese Erscheinungen sehr einfach erklärt. 96 0. Warburg. Ist die Säurebildung direkt oder indirekt vom Zucker abhängig, die Säurezersetzung nicht oder vielleicht weniger , so ist damit auch völlig die langsame Entsäuerung bei andauernder Dunkelheit erklärt. Der disponible Zucker nimmt bei längerer Verdunkelung ab, die Produktion desselben deckt nicht den Konsum , folglich auch die Bildung der Säure nicht den Konsum derselben, es muss demnach der fortwährende Säure verbrauch schließlich das Uebergewicht erlangen (je nach Spezies und Umständen früher oder später), bis endlich der Stoffwechsel derartig erlahmt, resp. das vorhandene Säurequantum derart verbraucht ist, dass jetzt das oben besprochene Gleich- gewicht zwischen Produktion und Konsum der Säure sich geltend macht. Es werden diese Erwägungen genügen , um zu zeigen , dass die von uns gesetzte Möglichkeit , dass die nächtlich gesteigerte Säure- produktion mit einer durch das Licht geförderten Zucker- vermehrung in Zusammenhang steht, viel Wahrscheinlich- jteit für sich hat. Der exakte Beweis würde eine umfassendere Unter- suchung erfordern. II. Einfluss des Sauerstoffes auf die Säureproduktion. Von besonderer Wichtigkeit für uns ist der Einfluss des Sauer- stoffs auf die nächtliche Säureproduktion. Vor allem ist zu kon- statiren, in Uebereinstimmung mit Kraus und im Gegensatz zu Mayer, dass in Wasserstoff die Produktion ganz außerordentlich geschwächt , fast auf- gehoben wird (Tab. XIV, A). Nur dadurch, dass Mayer keine Vergleichs- versuche daneben in Luft anstellte , konnte er zu seiner Ansicht gelangen, dem Sauerstoff keine Bedeutung bei der Säureproduktion zuzusprechen. — Dasselbe Resultat ergaben Versuche im luftleeren Räume (Tab. XIV, B). Ebenso wird in destilHrtem ausgekochtem Wasser bei luftdichtem Verschluss keine Säureproduktion konstatirt (Tab. XIV, C). Dass die Säureproduktion auch durch größere Mengen Kohlensäure bis 25^ in der Luft nicht wesent- lich beeinträchtigt wird, wurde schon oben durch Beispiele erläutert. Ebenso findet natürlich Säurevermehrung statt, falls man Kohlensäure aus- schließt, und durch Kalilauge die sich bildende möglichst entfernt. Wir sehen also , dass das Bryophyllumblatt zur Säureproduktion des Sauerstoffes bedarf. Doch scheint der Bedarf gering zu sein und ein Ueber- schuss scheint sogar hindernd zu wirken, da er ja, wie wir oben sahen, die Entsäuerung befördert. Falls man die Luft durch Wasserstoff verdünnt, findet sogar eine größere Produktion statt als in gewöhnlicher Atmosphäre (Tab. XIV, E), doch hat natürlich die Verdünnung ihre Grenze; so genügt z. B. schon Luftabschluss durch Paraffin, um die Säureproduktion zu be- schränken (Tab. XIV, D). In reinem Sauerstoff ist die Produktion etwas ge- ringer als in gewöhnlicher Luft (Tab. XIV, F). Auffallender ist die Ver- minderung, falls man der atmosphärischen Luft durch Schnitte Zugang ver- Über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 97 schafft (Tab. XIV, S' u. G'). Als die so zerschnittenen Stücke dagegen in Paraffin eingebettet wurden, wodurch ja wieder Verringerung des Luft- zutrittes herbeigeführt wurde, produzirten die Stücke mehr Säure als die dev Luft zugänglichen nicht eingebetteten Stücke (hierdurch ist die pathologische Wirkung des Zerschneidens eliminirt). Auch durch Abziehung der Epider- mis von Echeveria (was sich bei Bryophyllum leider nicht ausführen ließ) wurde dem SauerstofT der Zutritt erleichtert und es zeigten demgemäß die so behandelten Theile der Blätter einen geringeren Säurezuwachs als die mit Epidermis bekleideten (Tab. XIV, H); pathologisch dürfte das Epidermis- abziehen kaum wirken , von injizirten Intercellularen , Verminderung des Turgors etc. bemerkt man nichts , auch zeigen gleich l)ehandelte Blätter beispielsweise im Lichte fast genau gleich starke Säureabnahme als die an- deren (Tab. XIV, H') (siehe auch Wärmetabelle] . Noch sei angeführt, dass bei einigen Blättern von Pflanzen ohne Säure- periodizität durch theilweisen Abschluss der Luft durch Cacaobutter oder Verringerung des Partiärdruckes des Sauerstoffes durch Wasserstoff der Säuregehalt etwas gesteigert werden kann (Tab. XIV, D' u. E). Die Säure- zunahme liegt wohl oberhalb der Fehlergrenze, doch ist sie kaum prägnant genug, um hierdurch zu sicheren verallgemeinernden Schlüssen gelangen zu können. Aus der besprochenen Abhängigkeit der Säureproduktion vom Sauer- stoff der Luft nun zu schließen, dass die Säurebildung ein Nebenprodukt der Athmung ist, wie Kraus thut, wäre jedenfalls verfrüht, denn es braucht ja derSauerstoff nur indirekt zu wirken, dadurch, dass er die Lebensprozesse fördert, welche die Bildung der Säure bewerkstelligen; eine Ueberlegung, die Kraus in Bezug auf die Entsäuerung am Lichte einige Zeilen später selbst macht, in Bezug auf die Produktion dagegen gar nicht erwähnt. Bezieliimg des Säiirewechsels zu den voliimetrischen und chemischen Veränderungen der sie umgehenden Atmosphäre. I. Kritik der Saussure'schen Kohlensäureabsorptionshypothese. Bis jetzt ist nur die Thatsache bekannt, und zwar von Saussure bei Opuntia aufgedeckt, von Mayer für Bryophyllum näher untersucht, dass die Fettpflanzen am Tage mehr Sauerstoff aushauchen als sie Kohlensäure auf- nehmen. Außerdem geht noch aus Mayer's Tabellen hervor, dass Bryo- phyllum nachts das Volumen der umgebenden Luft verringert, ohne dass diese Thatsache näher berücksichtigt wird : während Saussure für Cactus und andere Fettpflanzen auch hierauf schon klar hinweist; auch wurde dies durch Grischow, sowie durch D£HfiRAi\ und Moissan (Ann. sc. 1874] bestä- tigt. Saussure hat bekannthch angenommen und auch zu beweisen gesucht, Untersuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. II. 7 gg 0. Warburg. dass der Grund dieser Erscheinung absorbirle Kohlensäure sei, indem des Nachts die ausgealhmete Kohlensäure noch vor ihrem Austritt aus den Zellen absorbirt würde; schon nach Grischow »eine Meinung, die noch lange nicht erwiesen ist, und ebensoviel wader wie für sich hat.« Saussure vermochte auch nicht, eine nur halbwegs genügende Menge durch Auspumpen aufzu- finden , er fand nur (p. 69) Y50 des eingeathmeten Sauerstoffs als Kohlen- säure wieder, und Mayer hat nachgewiesen, dass auch durch Kochen mit Schwefelsäure oder durch Erhitzen mit darauf folgendem Auspumpen keine irgend wie erhebliche Menge von Kohlensäure auffindbar sei. Wenn auch diese Versuche, obgleich wenig an der Zahl und in den Einzelheiten nach unseren jetzigen Erfahrungen zur strengen Entscheidung nicht sehr günstig ausgewählt, doch wohl die Sache entscheiden dürften, so ist es trotzdem in Anbetracht der \Yichtigkeit dieser Frage, zumal da Mayer und Saussure mit verschiedenem Materiale arbeiteten, wünschenswerth, auch Saussure's indi- rekte Gründe für seine Ansicht zu erörtern. Es ist leicht zu beweisen, dass gerade seine Hauptgründe bei unserer jetzigen Kenntnis der Gasdiffusion als unlogisch in sich zusammenfallen, wofür natürlich Saussure kein Vor- wurf zu machen ist , während die übrigen Gründe höchstens Bew iesenes bestätigen können, ohne selbst Beweiskraft zu besitzen. So wird p, 78 darauf Werth gelegt , dass ein im Rezipienten mit Kohlensäure gesättigtes Stück von Opuntia in Luft seine Kohlensäure abgiebt , im Rezipienten sich wieder sättigt, abermals in Luft die Kohlensäure abgiebt etc, , ein Prozess, zu dessen Erläuterung das mit Kohlensäure gesättigte Wasser herbeigezogen wird. Wie ist es aber möglich, dass ein Körper, der seine Kohlensäure an die Luft abgiebt, sie nicht noch viel eher an einen luftleeren Raum abgeben soll, und doch konnte er mit der Luftpumpe der Pflanze nur minimale Kohlensäuremengen entziehen. Andererseits heißt es, dass das Kalkwasser in einem Rezipienten in Gegenwart der Opuntia im Dunkeln sich nicht mit einem Niederschlag bedeckt ; ist es denn aber möglich , dass ein Körper, der an die doch immerhin etwas Kohlensäure enthaltende Atmosphäre von seiner Kohlensäure abgiebt, in einer ganz kohlensäurefreien Luft dieselbe bewahrt? Außerdem, warum gab denn das Opuntiaglied am nächsten Tage im Lichte einen Theil seiner Kohlensäure an das Kalkwasser ab? — Auch wäre es nach unseren jetzigen Kenntnissen undenkbar, dass die gleiche Pflanze, die in gewöhnlicher Atmosphäre viel Kohlensäure absorbiren soll, in Wasserstoff keine Kohlensäure zurückzuhalten vermag, obgleich die Pflanze hierbei nachweislich Kohlensäure ausscheidet (1, c. p. 70, in der Nacht V3 l'is V4 des Volumens) und nicht leidet, da sie nachher in der Luft sofort wieder inspirirt , was Saussure dadurch zu erklären sucht , dass »die Kohlensäure nicht durch den Druck zurückgehalten wird, welchen die Lebenskraft darauf ausüben kanna (p, 80) . — Saussure's Thatsachen sind unzweifelhaft größtentheils richtig und stimmen auch, soweit sie kontrollirl wurden, größtentheils mit unseren Erfahrungen überein, nur die Verallge- über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 99 meinerungen und Schlüsse sind unrichtig. Die Abgabe von Kohlensäure einer im Rezipienten gesättigten Opuntia an die Luft bezieht sich nicht auf die ganze Inspiration, sondern nur auf die wirklich absorjjirte , und haupt- sächlich auf die in den Intercellularen befindliche Kohlensäure , wie auch nach Saussure die Opuntia in diesem Falle im Rezipienten nur ein Viertel ihres Volumens insplrirt, während sie sonst bis 1 '/4 des Volumens aufnimmt. Ein Viertel des Volumens wird wohl auch so ungefähr das Maximum der Absorptionsfähigkeit der Fettpflanzen für Kohlensäure sein , für den Fall, dass sich die Pflanze in reiner Kohlensäure befindet. Rei unseren Versuchen, wo nach längerem Verweilen der Opuntia in engem abgeschlossenen Raum (also Anreicherung der Kohlensäure bis auf höchstens 20^) die Luft er- neuert wurde, zeigte sich in den ersten zwei Stunden eine Volumvermehrung der Luft von nur Y^) bis 1/20 des Volumens der Opuntia , während hierauf die Inspiration wieder die Oljerhand erlangte. — Dass die von der Pflanze gebildete Kohlensäure nur zu einem sehr geringen Theil absorbirt werden kann , zeigt sich evident auch in folgendem Versuche. Ein Opuntiastück wurde ])ei 13° in abgeschlossener Atmosphäre längere Zeit verdunkelt, wo- bei sich natürlich eine deutliche Inspiration zeigte; am fünften Tage war der Sauerstoft' aufgezehrt uud sofort trat in Folge intramolekularer Athmung eine sichtbare Expiration zu Tage , die bei Erneuerung der Luft wieder einer Inspiration Platz machte. Wäre die Inspiration Folge der Kohlensäure- absorption, so hätten wir hier den sonderbaren Fall, dass die Pflanze die bei normaler Athmung gebildete Kohlensäure festzuhalten , die weit ge- ringere Menge (siehe unten) der intramolekular erzeugten Kohlensäure da- gegen nicht zu binden vermag. — Ferner konnten wir, im Gegensatz zu Saussure , bei Opuntia selbst in der ersten Nacht nach vorangegangener Relichtung durch Rarytwasser stets eine Ausscheidung von Kohlensäure konstatiren. — Endlich tritt bei Opuntia in höheren Temperaturen (35 °) an Stelle der Inspiration eine sichtbare Expiration , genau wie bei Rryo- phyllum (siehe unten) ; es kann demgemäß ebensowenig hier wie bei Rryo- phyllum von bedeutender Kohlensäureabsorption die Rede sein. Gelten aber nur die gewöhnlichen Regeln über Kohlensäureabsorption , so zeigen Borodin's »Untersuchungen über Pflanzenathmung 1881« (p. 41), dass die Aufnahme der Kohlensäure aus der Atmosphäre außerordentlich schnell vor sich geht, in der ersten halben Stunde rapid und schon nach einer Stunde meistentheils fast beendet ist, während bei Bryophyllumblättern in 10^ Kohlensäure enthaltender Luft sich nach einer halben Stunde noch fast keine Volumenänderung zeigte; fernerzeigten Bryophyllumblätter, unter verschiedenen Redingungen einer 25^ Kohlensäure enthaltenden Atmo- sphäre ausgesetzt, keine größere Inspiration, als unter gleichen Redingungen in gewöhnlicher Luft, was bei bedeutender Absorption hätte der Fall sein müssen. Endlich kann auch der Quantität nach die Absorption selbst in reiner Kohlensäure, sogar in lufttrockenen Samen, wo sie außerordentlich 7# j^QQ 0. Warburg. hoch ist , nicht mit der Inspirationsgröße der Fettpflanzen in einer fast kohlensäurefreien Atmosphäre verglichen werden , indem die Absorption meist nur ein Viertel oder noch weniger des Volumens der Pflanzenlheile beträgt, nur selten bis zur Hälfte hinaufgeht, während bei den Feltpüanzen eine Inspiration von 1 ',4 Volumen keine Seltenheit ist. Wir werden dem- nach gewiss noch viel zu hoch greifen , falls wir die durch Absorption in gewöhnlicher, nur wenis^ Kohlensäure enthaltender Luft verursachten Fehler auf ein Fünftel des Volumens als Maximum taxiren. Verringert wird der Fehler bei unseren Versuchen noch dadurch , dass vor den Nachtver- suchen die Blätter erst einige Zeit, ca. 3/4 Stunden verdunkelt wurden, so dass sie sich etwas mit Kohlensäure sättigen konnten, während bei Tagver- suchen die Blätter vorher ca. IY2 Stunden belichtet wurden, so dass Aus- gleich einerseits durch Diffusion , andererseits durch Assimilation möglich war. Uebrigens wurden dieselben Resultate gefunden , wenn mit einem Bryophyllumblatt gearbeitet wurde, das vorher 2V2 Stunden in einer 50^ Kohlensäure enthaltenden Luft sich sättigen konnte. — Bei einer Anzahl von Versuchen war schon von vornherein die Möglichkeit auch einer ganz kleinen Fehlerquelle durch Absorption ausgeschlossen, z. B. wenn mit gesättigten Blättern im Dunkeln operirt wurde. II. Parallelität zwischen Säureabnahme und Volum enzunahme der Atmosphäre am Tage und umgekehrtes Verhalten in der Nacht. Die Thatsache, dass Fettpflanzen am Tage ihre Atmosphäre vermehren (Tab. XV, A), in der Nacht dagegen dieselbe vermindern (Tab. XVI, A), wurde auch durch sämmtliche von mir angestellte Versuche bestätigt , und zwar für Bryophyllum, Aloe arborescens und, was mir besonders wichtig zu kon- statiren scheint, in bedeutendem Maße auch bei der Bromeliaeee Hoplo- phylum grande, mit zwar steifen, aber dünnen Blättern, die keinenfalls im strengen Sinne zu den Fettpflanzen gerechnet werden darf (Tab. XV, A). Es sei hier bemerkt, dass die Größe des volumetrischen Ausschlages genau parallel geht der Diflerenz zwischen Säureminimum und Säuremaxinuim, sodass in den dunklen Novembertagen, zugleich die Ruheperiode von Bryo- phyllum, neben geringer Säureabnahme auch nur kleine volumetrische Diffe- renzen zu erzielen waren, wieder ein Beweis gegen denEinfluss der Kohlen- säureabsorption. — Auch lässt sich die Parallelität darin durchführen, dass auch das volumetrische Maximum genau wie das Säureminimum auf die Nachmittagsstunden fällt, wie man z. B. aus der Versuchsreihe 3) pag. 279 bei Mayer ersehen kann, wo schon zwischen 12 Uhr 20 Min. und 1 Uhr 30 Min. das Volumen wieder abnimmt. Auch bei Aloe arborescens nahm das Volumen schon zwischen 1 Uhr und 3 Uhr 30 Min. wieder ab Tab. XV, B), wenn auch wenig. Aus den verschiedensten Versuchen von Mayer, de Vries und mir erkennt man ferner, dass die Volumenzunahme genau so wie auch über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 101 die Säui'eabnahme in den ersten Stunden intensiverer Belichtungen bei weitem am größten ist. Eine andere Parallelität, die außerordentlich prägnant hervortritt, zeigt sich in dem Verhalten der Pflanzen in einer \'i% Kohlensäure enthaltenden Luft am Tageslichte. War oben bewiesen, dass die Entsäuerung dadurch gehemmt wird, so sehen wir hier, dass die Volumenzunahme unter densel- l)en Bedingungen verringert wird (Tab. XV. C). Hoplophytum ist wider- standsfähiger gegen Kohlensäure, assimilirt in ^% und sogar \i% Kohlen- säure noch recht stark, entsäuert sich deshalb auch noch unter diesen Bedingungen und vermehrt das Volumen der Atmosphäre beträchtlich (Tab. XV, D) ; bei 25^ Kohlensäure entsäuert sie sich kaum mehr und auch das Volumen vermehrt sich nur wenig. — Bei Aloe arborescens scheint schon bei \Q% Kohlensäure die Volumenzunahme sehr verringert zu sein. In der Nacht übt, wie schon oben bemerkt, Kohlensäure keinen be- deutenden Einfluss auf die nächtliche Säurevermehrung aus, und ebenso wenig wird die Inspiration beeinflusst; auch zeigte ein Bryophyllumblatt, das sich am Abend 2Y2 Stunden in 50^ Kohlensäure befand, trotzdem in der Nacht beträchtliche Inspiration. — Wir haben oben gesehen, dass reiner Sauerstoff die Säurezunahme in der Nacht um etwas verringert. Dasselbe sehen wir auch volumetrisch, die Inspiration ist ein wenig kleiner, obgleich die Kohlensäureathmung durch Sauerstoff wie sonst, so auch beiBryophyllum ein wenig gefördert wird (Tab. XVI, B). III. Parallelität zwischen Säureabnahme und Volumenzunahme bei längerer Verdunkelung, resp. Erwärmung. Eine weitere Parallelität zwischen Säureab- und Volumenzunahme zeigt sich bei längere Zeit verdunkelten Bryophyllumblättern. Wie bei denselben nach einer Nacht an Stelle der nächtlichen Säurezunahme eine ganz langsame Säureabnahme sich geltend macht, so zeigt sich hier auch eine langsame Volumenvermehrung und zwar auch, wenn man der Luft, mit welcher man die eine Nacht dunkel gehaltenen Blätter umgiebt, 12 bis 16^ Kohlensäure zusetzt (Tab. XVII, A). Falls Absorption die Ur- sache wäre, müsste sich das Volumen verringern. — Saussüre hat bei Opuntia diese Erscheinung nicht beobachtet, er giebt an, dass nach ge- schehener Inspiration das Volumen lange Zeit (so lange er beobachtete) un- verändert geblieben sei. Vermuthlich wird Grischow Recht haben, wenn er diese Konstanz aus der Schädigung durch die sich anhäufende Kohlensäure erklärt, denn in der That scheint nach gelegentlichen Versuchen Opuntia wie auch Aloe gegen Kohlensäure sehr empfindlich zu sein. Vielleicht auch dürften die kleinen Differenzen, um die es sich hier handelt, Saussure bei seinen breiten Gefäßen entgangen sein; andererseits ist es aber auch mög- lich, dass es sich bei der Opuntia auch mit der Entsäuerung in längeren \Q2 0. Warburg. Dunkelperioden anders verhält. — Es ist ja kein zwingender Grund vor- handen, dass, so lange noch überhaupt Reservestoft'e vorhanden sind, die Entsäuerung schneller vor sich gehen soll, als die Ansäuerung. Dass es bei Bryophyllum und Echeveria so ist, beweist nichts für die übrigen Fett- pflanzen. Saussire giebt ja auch für Opunlia eine Inspirationsperiode von 36 Stunden an, und in meinem Versuche bei 13° währte sie sogar 8 Tage und mehr, und dies würde ja nach der hier entwickelten Anschauung einer Säurezunahme von derselben Dauer entsprechen. Wir sehen also, bei Opuntia sind die entsäuernden Kräfte im Verhältnis zu den ansäuernden geringer als bei Bryophyllum, so dass ein länger dauernder Gleichgewichts- zustand sehr wohl möglich ist. Die Säureverhiiltnisse im speziellen bei Opuntia klar zu legen, wird schwer sein, da man des schleimigen Inhaltes wegen mit unserer Methode keine so genauen Resultate zu erzielen vermag, wie sie für diese Fragen unerlässlich sind. — Aloö arborescens zeigte nach unseren Versuchen eine Inspirationsdauer von c. 24 Stunden , und auch dann zeigte sich das Volumen nach 121 weiteren Stunden nicht verändert. Auch Echeveria metallica zeigte zwischen der 12. und 36. Stunde der Ver- dunkelung (ein anderes Mal zwischen der 24. und 36. Stunde] nur eine sehr geringe Volumenvermehrung. Weit klarer (wie ja auch bei der Säureabnahme) zeigen sich alle diese Verhältnisse in der Wärme , wo sich eine schnelle und bedeutende volu- metrische Zunahme zeigt , entsprechend einer schnellen und bedeutenden Säureabnahme (Tab. XVII, B). Falls man dagegen die durch Licht entsäuerte Pflanze einer Temperatur von 35 ° aussetzt , so verursacht sie kaum eine volumetrische Aenderung, ebenso wie auch die Säure nicht mehr abnehmen kann. — In der Wärme wirkt die Kohlensäure öfters schädigend auf die Säureabnahme , und in denselben Fällen findet dann auch nur eine kleine Volumenvermehrung statt (Tab. XII, C), während , wo Kohlensäure nicht schädigend wirkt (Tab. XVII, Bj , auch fast dieselbe Volumenvermehrung sich einstellt wie ohne Kohlensäure (was abermals gegen Absorptionswir- kung spricht). Wie aber bei der Entsäuerung schließlich in der Wärme ein Gleichgewichtszustand herbeigeführt wird, so auch in den volumetrischen Verhältnissen. Nach Erwärmung von 32 Stunden wurde das Blatt mit neuer Luft umgeben ; nach der Absorptionshypothese hätte das Blatt (das ja vorher in der mit Kohlensäure angereicherten Atmosphäre sich befand) hier von seinem Vorrath abgeben müssen ; aber es zeigte sich keine Volumenvermin- derung, obleicheine außerordentliche Menge Kohlensäure ausgeathmet wurde. IV, Inspirirt wird Sauerstoff, expirii't Kohlensäure. Dass sich die nächtliche Inspiration auf Sauerstoff" bezieht, erkennt man leicht daran, dass einerseits die Pflanzen auch in kohlensäurefreiem Räume kräftig inspiriren, andererseits auch in reinem Sauerstoff" diese Erscheinung über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 103 zeigen. — Das am Licht expirii te Gas besteht lediglich aus SauerstoflF, wie Mayer nachwies. Die in der Wärme und im Dunkehi expirirte Gasmenge ist reine Kohlensäure, wie man es ja auch nicht anders erwarten kann. Es ist hiermit jedoch noch nicht direkt bewiesen , dass die Abspaltung nicht als Sauerstoff geschieht, der dann in der Athmung sofort verbraucht würde. Diese Ansicht einer intramolekularen Sauerstoffquelle, die wegen der Aehn- lichkeit mit der Pasteur'schen Gährungshypothese etwas bestrickendes hat, dürfte aber doch nicht ernstlich aufrecht zu erhalten sein : denn während bei der Gährung bei Abschluss von Sauerstoff die Kohlensäurebildung, also nach der Pasteur'schen Ansicht die intramolekulare Sauerstoffentstehung unbehindert vor sich geht, fanden wir ja oben, dass beim Aufenthalt der Fettpflanzen in Wasserstoff die Säure nicht zersetzt, also die Sauerstoffquelle nicht benutzt wird, und gerade hier würde sie von Werth sein. Ein Er- klärungsversuch dieser Abweichung dadurch, dass in Wasserstoff die nöthige Energie zur Zertrümmerung der Säure fehle, wäre in diesem Falle hinfällig, da der Beginn der Sauerstoffabspaltung im ersten Moment gesichert wäre durch noch vorhandene Spuren Sauerstoff, durch die im Anfang ja noch energischen Kräfte, sowie durch die dazu kommenden Kräfte der intramole- kularen Athmung, während hierauf ja wieder neuer Sauerstoff zur Fort- setzung des Prozesses durch Abspaltung sich bilden würde. Es würde sich ein genau analoger Prozess in Wasserstoff in der Wärme entwickeln müssen, wie wir ihn am Tageslicht in Wasserstoff sich wirklich abspielen sehen, wo die Entsäuerung, wenn auch etwas vermindert, fortschreitet durch den ab- gespaltenen oder aus abgespaltener Kohlensäure sich bildenden Sauerstoff. Da also ein solcher Prozess in der Wärme nicht eintritt, vielmehr die Fett- pflanzen in Wasserstoff keine Säureverminderung aufweisen, so werden wir uns also bei der Entsäuerung durch Wärme für direkte Kohlensäure- abspaltung entscheiden müssen, zumal da auch chemische Gründe zu Gun- sten dieser Ansicht sprechen. Die Säuren sind so einfache Körper, dass sie, falls sie zerfallen, wohl stets Kohlensäure liefern; auch beim Kochen mit Schwefelsäure, auch in zugeschmolzenen Glasröhren mit Wasser, ja schon bei einfachem längeren Kochen spurweise entwickeln sie Kohlen- säure ; am Lichte mit Sauerstoffüberträgern werden sie langsam zu Kohlen- säure oxydirt. Auch stimmen die Durchschnittszahlen der Volumenvermeh- rung (resp. -Verminderung) (als Kohlensäure berechnet) und der verschwun- denen , resp. gebildeten Säure (als Apfelsäure berechnet) ziemlich gut zu dem verlangten Verhältnis i : 3 (Tab. XV, A; Tab. XVI, A). — Falls aber in der Wärme und im Dunkeln sich von der Säure Kohlensäure abspaltet , so würde es unnatürlich sein, wollten wir ohne Grund für die Entsäuerung im Lichte einen ganz anderen Prozess mit direkter Sauersloffabspaltung gel- ten lassen; dass der Versuch von Mayer, wonach die am Lichte ev, ausge- schiedene und durch Barytwasser aufgefangene Kohlensäure in keinem Ver- 104 0- Warbürg. hältnis steht zu dem expirirten Sauerstoff, keine Beweiskraft hat, wurde schon oben erörtert. V. Volumetrisehe Verhältnisse bei der intramolekularen Athmung. Ueber die Athmung in indifrerenten Gasen ist in Bezug auf unsere Frage wenig zu sagen. Hier kann natürlich von Inspiration nicht die Bede sein, da ja kein Sauerstoff vorhanden ist; im Gegentheil muss sich hier das Volumen stets durch intramolekular erzeugte Kohlensäure vermehren. Doch scheint diese intramolekular ausgeathmete Kohlensäure (Tab. XVIII, B ') bei Bryophyllum außerordentlich gering zu sein verglichen mit der normalen Athmung (Tab. XVIII, A). In 16 Stunden produzirlen Bryoi>hyllumblätter in Wasserstoff ca. Ys der sonst ausgealhmeten Kohlensäure , nach vorher- gegangener Beleuchtung in 14 Stunden ca. die Hälfte (Tab. XVIII, B 2 . Echeveriametallica (Tab. XVIII, B 3) zeigte in 24 Stunden dasselbe Verhältnis; wie sich aber diese Differenz auf die einzelnen Stunden verlheilt, eine an und für sich wichtige Frage, wurde, da sie zu weit von unserer Fragstellung abführt und nur mit großem Materialaufwand und anderem Apparate zu ent- scheiden ist, nicht weiter untersucht. Mangel an wirklichem Beservematerial konnte unmöglich in 24 Stunden eintreten, da die Blätter der Fettpflanzen ja zu gleicher Zeit Beservestoffbehälter sind ; und auch in Bezug auf das durch die Fermente für die Athmung leicht zugänglich gemachte Material (speziell Zucker) waren die für sauerstoffhaltige und sauerstofffreie Luft be- stimmten Blatttheile ja vorher gleich gestellt. — Es zeigen demgemäß volu- metrisehe Messungen in der Zwischenzeit während des Versuches nur ein ganz langsames allmähliches Sinken der auf eine Stunde berechneten Vo- lumenzunahme, woraus zu schließen ist, dass schon in den Anfangsstunden zwischen der in normaler und intramolekularer Athmung produzirten Kohlen- säure eine Differenz stattfindet, dass demnach hier die durch intramolekulare Athmung für die Fettpflanzen gewonnene Energie eine im Verhältnis zu anderen Pflanzen und zur normalen Athmung geringe ist , was zum Ver- ständnis der Säureverhällnisse von Wichtigkeit sein wird. — Auch hier dürfte Kohlensäure, bis zu einem gewissen Grade zugeführt, nicht sehr schädigend wirken, was daraus hervorgeht, dass die Volumenvermehrung in Wasserstoff im Dunkeln mit oder ohne Kohlensäure nicht sehr differirt. — Dagegen hat vorherige Beleuchtung natürlich auch hier auf die Kohlen- säureabgabe einen begünstigenden Einfluss, wie ein Beispiel von Echeveria zeigt, wo der vorher belichtete Blatltheil mehr Kohlensäure abgab , als der vorher verdunkelte (Tab. XVIII, B ^) ; da der vorher belichtete Theil jeden- falls mit Kohlensäure ungesättigt, der verdunkelte gesättigt war, so würde man, falls einigermaßen erhebliche Kohlensäureabsorption stattfände, um- gekehrt bei dem belichteten Blatte eine geringere Kohlensäureabgabe er- warten, als bei dem verdunkelten. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 105 Diese Beispiele werden zur Genüge zeigen , dass wir es hier mit einer bis ins einzelne gehenden Parallelität zwischen Säureabnahme und Volumen- zunahme einerseits, Säurezunahme und Volumenabnahme der umgebenden Luft andererseits zu thun haben; eine Parallelität, die nach obigem soweit geht, dass, falls man z. B. die Säureabnahme am Licht (ohne die Gesammt- funktionen zu stören) künstlich verhindert (durch Einfluss der Kohlensäure), auch die volumetrische Vermehrung ausbleibt, welches Faktum aufs Bestimm- teste anzeigt, dass hier nicht nur eine zufällige Parallelität, sondern eine Kausalität vorliegt. Ebenso können wir ja auch um- gekehrt durch Inhibition der SauerstoiTaufnahme (also der Volumenver- minderung) die Säurevermehrung hindern. VI. Beziehungen zwischen volumetrisehen Verhältnissen und Säuregehalt bei den Pflanzen im Allgemeinen. Ist demnach also der innige Zusammenhang zwischen Volumen- und Aciditätsänderung bei den einem periodischen Säurewechsel unterliegenden Pflanzen nicht von der Hand zu weisen, so wird andererseits vielleicht auch ein großer Theil der in der Athmungslitteratur bekannten Beispiele, wo der CO 2 Athmungsquotient -775- . » 20,7 nach dieser Zeit schlaff 7 » » werdend u. absterbend, stark gelitten 13,9 am 8. Tage 2,5 1) Falls nichts besonderes vermerkt, ist immer das viel markanteren Säurewechsel zeigende Bryophyllum calycinum gemeint. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 127 Bryophyllum calycinum Bryophyllum calycinum 14 Tage dunkel 32,5 4 Tage dunkel 48,5 Bryophyllum calycinum Bryophyllum calycinum viele Wochen dunkel 35,8 8 Wochen dunkel, kränkelnd und schlaff 21,8 Bryophyllum proliferum längere Zeit dunkel Acidität 21,8 Gleichgewichtszustand bei Bryophyllum proliferum bei einer Acidität von 15 — 25 » » » calycinum » » » » 30 — 40 H. In der Wärme liegt der Gleichgewichtszustand niedriger. Bryophyllum calycinum 1 Woche warm 35° in Wasser 27,3 Bryophyllum calcyinum 14 Tage warm 35*' (Blatt mit Pflanze in Verbindung) 22,2 Bryophyllum calycinum 7 Tage warm 35'' 32,7 Bryophyllum calycinum 2 Tage warm 35° 27,4 dasselbe Blatt, hierauf 8 St. in 18° 32,4 » » noch weitere 12 St. in 18° 33,7 hier also Zunahme von Wärme- gleichgewicht zu Dunkelgleichge- wicht = 6,3 I. Bei der Lichtentsäuerung giebt es keinen Gleichgewichtszustand, sondern nur ein Minimum, für Bryophyllum bis auf 8 heruntergehend, einer Säure- quantität entsprechend (Apfelsäure) von 1,3^00 der Frischsubstanz (das Maximum der für Bryophyllum von mir beobachteten freien Säure liegt bei c. 2^). Falls man in Wärme- oder Dunkelgleichgewicht befindliche Blätter belichtet, sinkt stets die Säurequantität noch ziemlich bedeutend. Bryophyllum Gleichgewichtszustand 35,8 Bryophyllum Bryophyllum Bryophyllum 1 1/2 Stunde hell 21,4 4 Tage dunkel 48,5 dann hell 31,7 3 Tage dunkel 31,5 dann 1 V-2 Stunde hell 17,7 Bryophyllum 8 Tage dunkel 38,9 dann 2 1/2 Stunde hell 26,7 1 Woche warm 32,7 dann 1 Stunde hell 24,5 41/2 Stunden hell 16,7 Bei geschwächten oder schlaffen Blättern ist natürlich bei nachträglicher Be- lichtung die Abnahme sehr gering. Die Säureabnahme am Lichte macht bei künstlicher Verdunkelung schnell einer Säurevermehrung Platz. Bryophyllum hell bis 1 Uhr dto., dann dunkel bis 21/2 Uhr dto. dunkel bis 4 Uhr 1) 13,4 16,7 18,9 2) 9 U. hell bis 2 U. dto., dann von 2—4 U. dunkel dto. von 2 — 6 U. dunkel 58,0 29,9 35,6 49,3 128 ^- Warbürg. Tabelle III. Säureabnahme am Lichte. Zum Abschnitt: Welche Pflanzen zeigen Säureabnahme am Lichte? A. Fettpflanzen. Die Crassulaceen, Aloeen, Gacteen, die fleischigen Euphorbiaceen mögen, da schon wiederholt untersucht, hierübergangen werden; auch meine Versuche zeigten hier überall starke Lichtentsäuerung. Einige andere Pflanzen dagegen seien hier angeführt. Asclepiadeen. Hoya carnosa Calopegia sp. Portulacaceen. Portulaca grandif., nicht ganz sicher, da schleimiger Saft Mesembryanthemeen. Mesembryanthemum linguif. » spec. » » » multiflos » anthelminticum Compositen. Kleinia articulata (fleischiger Stengel) )) » » )) » ficoides Senecic » 1 crassifolia Tags über dunkel Tags über hell 25,3 16,5 29,7 14,1 14,6 17,8 15,7 16,1 18,6 17,6 13,5 13,3 6,7 6,3 39,2 30,5 13,4 8,5 19,3 20,0 11,3 11,2 10,19 7,94 13,8 11,5 27,6 8,3 B. Verhalten dünnblättriger Pflanzen in Bezug auf Lichtentsäuerung. Monocotyledonen. Tags über dunkel Tags über hell Convallaria majalis 61,1 59,5 Amaryllis Johnsonii 28,6 29,3 Anthurium Scherzerianum 23,9 23,7 » » 20,3 19,9 Dicotyledonen. Nymphaea Lotus 86,4 87,5 Clusia rosea 159,6 158,3 » » 169,3 160,4 Camellia japonica 69,1 75,5 (Reaktion nicht sehr scharf.) Citrus aurantiacus 67,5 66,6 » » 59,2 55,4 Allamanda sp. 33,2 32,8 Nerium Oleander 42,9 . 42,1 ,i) >> 44,3 42,4 Eucalyptus globulus 189,8 182,9 Eryngium spinosissimum 27,8 25,8 über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 129 Begonia Warczeviczii Begonia sp. Cyclamen persicum Aeschynanthus splendens Ficus elastica » glabrata Hedera Helix Realttion nicht sehr gut Tags über di unkel Tags über hell 77,0 77,2 70,9 66,3 72,4 72,1 69,5 68,4 57,6 56,7 33,9 36,9 16,9 19,0 49,6 51,4 44,8 45,4 36,8 37,3 44,7 48,4 G. Lichtentsäuerung bei den Bromeliaceen. Nidularia Mayendorfii Tillandsia biflora Aechmea Weilbachii » » Hoplophytum grandc » » Bilbergia zebrina Acanthostachys strobilacea Deyckia remotiflora Ananassa sativa Tags über dunkel Tags über hell 58,9 33,1 49,2 25,2 51,1 27,9 54,7 30,9 62,2 22,0 47,3 27,0 34,1 30,9 51,1 27,9 46,5 12,0 57,6 23,3 25,5 13,7 18,1 8,3 12,9 9,8 67,8 61,7 D. Lichtentsäuerung bei den Orchideen. Tags über dunkel Tags ; über hell Maxiilaria aromatica 16,9 12,4 Cymbidium chinense 25,7 11,0 Ornithidium densuni 136,8 63,2 Oncidium sp. 35,8 12,8 Vanilla planifolia 18,4 12,4 Cattleya sp. 33,5 15,2 Knollen von Acropegia Loddigesii 5,0 2,8 Maxillaria aromatica 8,8 6,6 E. Lichtentsäuerung bei Nichtfettpflanzen. Monocotyledonen. Haenianthus albus » » Sanseveria fasciata Pancratium sp. Clivia nobllis Tradescantia discolor Tags über dunkel Tags 1 über hell 23,4 15,2 14,7 10,8 26,5 20,5 17,8 14,3 20,6 16,9 24,6 18,0 Untersucliungeu aus dem botau. Institut in Tübingen. Bd. II. 130 0. Warburg. zeigte ein anderes Mal nur ganz geringe Tags über dunkel Entsäuerung Phoenix dactylifera Dicotyledonen. Saxifraga elatior Polygonum platycladon Grevillea robusta Hakea laurina Acacia falcata Croton magnum Xylophyllum angustifolium Rhododendron arboreum Olea europaea Laurus nobilis Hex caprlfolium Pimentum vulgare Franciscea sp. Norantea guianensis Gymnospermen. Pinus sylvestris Podocarpus sp. Ceratozamia mexicana Encephalartus horridus Filicineen. Polypodium ireoides 16,3 51,6 85,2 182,0 115,4 141,4 75,3 27,8 44,9 104,5 82,7 65,7 67,9 92,7 68,5 33,2 73,8 89,0 45,4 52,2 34,0 Tags über hell 15,4 35,9 99,1 177,8 105,7 126,9 60,9 17,1 29,2 87,1 60,0 56,6 57,0 82,3 61,2 27,3 63,9 70,4 31,5 47,1 28,0 Tabelle IV. Verhalten chlorophyllloser Theile zur Lichtentsäuerung. Zum Abschnitt : Bedingungen der Lichtenlsäuerung. A. Blüthentheile. Monocotyledonen. Aloe latifolia » » zugehöriges Blatt Amaryllis Johnsonii Nidularia Mayendorfii Cattleya sp. zugehöriges Blatt Cymbidium chinense zugehöriges Blatt zugehöriger Blüthenstiel Dicotyledonen. Mesembryanthemum sp. » » zugehöriges Blatt Echeveria retusa zugehöriges Blatt Serapervivum Wulfenii Tags über dunkel Tags über hell 15,5 15,2 21,7 19,4 (13,9) (7,9) 24,1 23,7 28,3 30,5 14,5 15,3 (35,5) (15,2) 29,1 31,7 (25,7) (11,0) 13,4 14,2 34,5 34,9 37,5 37,5 (13,5) (13,3) 27,1 26,7 (29,1) (24,2) 20,3 22,0 I über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 131 Sempervivum Funkii » » Sedum altalcum zugehöriges Blatt Sedum roseum » » zugehöriges Blatt Crassula sp. Opuntia sp. zugehöriges Blatt Cereus sp. zugehöriges Blatt Portulaca grandiflora Helianthus annuus Begonia sp. Saxifraga elatior B. Früchte (halbirt). Aechmea Weilbachii, rothe Frucht- knoten Echeveria retusa, junge Kapseln Sedum roseum 1 . ,, , } unge Kapseln » altaicum j ' Opuntia ficus indica Glaskirschen Stachelbeeren Zwetsche » Apfel C. Farbige Blätter. Rothe Blüthenhülle von Anthurium Scherzerianura Nidularia Mayendorfii. 1) rothes Schaublatt das davor stehende grüne Blatt 2) rothes Schaublalt das davor stehende grüne Blatt 3) rothe Blatthälfte grüner Theil desselben Blattes 4) rothe Blatthälfte (etwas grünlich) grüner Theil desselben Blattes 5) rothe Blatthälfte grüner Theil desselben Blattes D. Wurzeln und Knollen. Sempervivum tectorum » » Kartoffelknolle Tags über dunkel Tags über hell 34,0 46,8 42,4 (42,6) 48,7 50,1 (27,3) 67,0 25,9 (39,0) 'l'l,2 (19,0) 25,0 30,8 63,2 28,8 25,0 53,8 40,0 57,0 24,3 55,3 117,0 38,0 48,3 46,2 26,9 18,7 (27,4) 26,3 (49,2) 24,3 (54,7) 20,9 (62,2) 20,5 (19,3) 47,0 18,7 12,9 14,2 24,0 35,8 47,9 45,3 (33,7) 47,5 51,9 (22,9) 63,6 27,8 (28,1) 14,0 M4,0) 25,0 32,8 63,2 27,3 24,7 59,3 42,0 65,5 22,3 56,2 114,8 39,3 49,8 48,2 26,8 18,6 (15,8) 31,7 (25,2) 24,1 (30,9) 14,4 (22,0) 18,5 (10,3) 43,8 21,0 12,6 17,0 29,6 132 0. Warbürö. E. Chlorophyllfreies Wassergewebe. Aloe arborescens grüne Rinde des Blattes Aloe xanthacantha grüne Rinde des Blattes Tags über dunkel Tags über hell 6,63 28,9 5,04 29,3 6,51 23,2 6,03 23,9 F. Etiolirte Pflanzen. Phaseolus multiflorus Keimpflanze, Stengel » » Sempervivum tectorum grün bleibende Blattspitzen entfernt dasselbe, nach einigen Tagen am Lichte wieder etwas ergrünt 16,7 19,9 18,0 19,3 18,7 18,1 32.8 32,4 17,8 18,6 30,3 29,9 28,2 22,1 Tabelle V. Entsäuerung von Bryophyllum in farbigem Lichte. (Ophyllum. Acidität na( jh Aufenthai t in Tageslicht rother Glocke blauer Gio cke Finsternis ^) 23,8 28,8 41,7 46,3 2) 25,5 31,9 36,2 46,6 3) 16,9 18,1 25,3 32,7 4) 28,3 37,1 48,9 54,3 5) 40,0 56,5 56,6 66,7 6) 16,8 28,4 32,2 31,1 7) 21,6 14,6 41,5 40,5 8) 24,3 28,0 36,0 9) 19,3 22,7 31,2 10) 12,9 26,6 39,6 11) 20,5 39,8 12) 18,4 32,7 36,0 42.5 Durchschnitt 24,7 1) 25,9 An Stelle von doppelwandigen Glocken Blechkasten mit einem Einsatz von farbige Lösungen enthaltenden Flaschen. Acidität nach Aufenthalt in 13) Bryophyllum. Echeveria metallica in doppelwandigen Glocken rother Glocke blauer Glocke Finsternis 44,3 58,7 61,3 13,1 16,9 20,4 1) Da die letzten Versuchsblätter, wo die Acidität nach Belichtung am Tageslicht nicht geprüft wurde, relativ säurearm sind, ist dieser Durchschnittswerth für Tageslicht als etwas zu hoch anzusehen. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 133 Tabelle VI. Zum Abschnitt: Säureabnahme am Licht bei Kohlensäuremangel. Bryophyllum 1) 2) 3) 4) S) 6) 7) 8) 9) 10) 11) 12) Tags über liell in gewöhnlicher Luft 26,7 33,5 13,3 16,4 28,4 24,5 20,8 48,4 15,2 36,7 Tags über hell in C02- freiem Raum (über KOH) 24,3 51,4 19,2 22,2 28,9 16,9 29,7 44,1 15,1 28,3 15,1 18,3 Tags über dunkel in gewöhnl. Luft 45,3 73,3 41,8 30,4 73,1 48,7 41,3 83,9 65,4 63,2 93,1 96.9 Tabelle VII. Zum Abschnitt : Wirkung kohlensäurereicher Luft auf die Lichtentsäuerung. A. Fettpflanzen. Tag s über dun- Tags über hell Tags über hell, in Bryophyllum kel in gewöhnl. in gewöhnl. Luft mit einer Bei- Luft Luft gabe ' von 23X C02 1) 90,7 21,1 89,9 2) 46,5 8,4 43,8 3) 83,9 48,4 80,5 4) 55,2 19,1 46,1 5) 39,8 84,7 6) mit Kalkwasser titrirt je 15 g Blattsubstanz 11,6 36,3 Echeveria melallica 15,0 28,6 (in Vs C02) Tiliandsia biflora 27,0 47,3 (25X C02) Nidularia Mayendorfii 22,9 51,1 » » » 25,4 32,0 » Aechmea Weilbachii 51,1 27,9 49,0 » » M 49,2 25,2 38,2 )> » » 26,5 50,9 » Hoplophytum grande 46,5 12,0 26,6 (20X C02) » » 57,6 25,3 53,9 (25X C02) Hoya carnosa 22,8 15,2 » Cattleya sp. 35,5 15,2 38,6 » Maxillaria aromatica 8,84 6,60 8,71 knoUenart. Internod. 134 0. Warbürg. B. Kohlensäurereichlhum der Luft hindert die Säurezunahme in der Nacht kaum. Bryophyllum nachmittags nächsten Morgen in gewöhnlicher Luft nächsten Morgen in 25XCO-enthalt.Luft 1) 26,9 80,2 68,2 2) 25,3 43,2 43,6 3) 52,4 75,0 73,0 4> 20,2 37,3 30,1 5) 17,7 48,1 42,9 6) 31,1 47,1 59,7 Durchschnitt 28,9 55,1 32,7 C. Säureabnahme bei längerer Verdunkelung oder Wärme nicht durch C02-reiche Luft gehindert. Dunkelabnahme morgens 20 St. dunkel 20 St. dunkel in 25X G02-haltiger Luft Bryophyllum 1) 33 ,9 29,5 20,7 2) 81 ,8 54,7 56,9 Wärmeabnahme morgens 24 St. in 35" dunkel 24 St. in 35° dunkel in 25X C02-halt. Luft -yophyllum 1 ) 48,1 19,0 19,4 2) 40,8 28,0 24,2 3) 24,3 23,4 4) 47,3 31,4 30,8 (12;^ C02) 3) 39,1 24,1 39,5 (23X C02) Blatt am Ende des Versuches injizirt 6) 30,6 23,2 1 20,4(12XCO2) \ 32,5 (25X C02 injizirt) 7) 33,0 17,1 31,5 (23^ C02 injizirt) jheveria metallica 33,0 17,5 15,7 (12X C02) D. Todte Blätter verhalten sich gegen den Kohlensäuregehalt der Luft indifferent. durch Erwärmung auf 80° Bryophyllum morgens getödt., dann hell (in 25X C02) nachmittags 41,7 43,9 E. Die im Lichte entsäuerten Blätter werden in kohlensäurereicher Atmosphäre wie in gewöhnlicher Luft nur ganz langsam säurereicher. Bryophyllum 3) 4) bis 1 Uhr bis 1 Uhr hell bis 1 Uhr hell, dann in dunkel 25X C02 enthalt. Luft 44,9 26,1 24,1 um 31/2 Uhr 43,6 16,9 24,2 » » » 22,5 f32,8 » 21/2 » \24,7 ). 41/2 » bis 1 Uhr dunkel, ebenso entsäuert, dann dann bis 21/2 Uhr 2 St. in 25X C02 enth. 91,2 hell 41,6 Luft 39,3 über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 135 F. Öfters vermehrt sich der Säuregehalt etwas am Tage in kohlen- säurereicher Luft. nachmittags nachmittags nachmittags um Tags über Tags über hell Tags über hell dunkel in gewöhnt. Luft in 25X C02 73,1 28,4 89,5 2) 73,3 35,5 78,9 3) 4) 5) 32,9 43,7 48,1 17,0 24,8 33,0 35,1 30,6 66,7 58,7 61,2 Diese geringen Unter- schiede rühren von Individualität der Blatttheile und un- vermeidlichen Ver- schiedenheit der Ex- position her. 58,9 (in 12X C02) G. Kohlensäurereicbe Luft hindert schon in den ersten 1 1/2 Stunden die Plntsäuerung. in gewöhnt. Luft hell in kohlensäurereicher Luft hell nach IV2 St. 16,5 nach 0/2 St- i« 25X CO2 44,2 » 3 » 20,4 » 11/2 » » "läX " 33,3 » 1 » 17,2 » 1 » » 25%" » 29,6 » 11/2 » » 18X » 71 10 morgens <) 48,5 2) 33,9 3) 31,7 4) 69,5 H. In farbigem Licht wird gleichfalls durch größeren CO^- Gehalt der Luft die Entsäuerung verhindert, auch hier tritt öfters eine Säurezu- nahme ein. yophyllum Tags über dunkel hell rothe Glocke rothe Glocke in 25X CO2 blaue Glocke blaue Glocke in 25;^ C02 <) 30,4 16,4 22,6 29,7 2) 46,6 25,5 31,9 44,6 36,2 41,4 alle recht dunkel ge- 3) 48,7 38,7 46,2 56,8 44,8 53,5 stellt *) 31,2 22,7 40,0 5) 25,4 37,3 Tabelle VIII. Bei Pflanzen ohne Säureabnahme am Lichte keine Säurevermehrung in CO^-reicher Luft. A. Blätter. Kleinia articulata, fleischige grüne Stengel Mesembryanthemum sp. Cyclamen persicum Tags über in ge- wöhnt. Luft hell 16,7 16,0 39,3 Tags über in 25^ CO2 enthalt. Luft hell 16,4 17,0 37,9 136 Convallaria majalis Ficus heterophyllus Clusia rosea Nerium Oleander Begonia sp. » andere Spezies Canna Viburnum tinus Ficus sp. 0. Warburg. Tags über in ge- Tags über in 25^ wöhnl. Luft hell G02er ithalt. Luft hell 56,4 61,1 52,8 47,7 152,9 147,1 41,1 40,5 38,2 36,1 72,1 72,4 33,6 36,0 41,6 42,7 22,3 22,8 B. Blüthenblätler. Tags über dunkel Tags über in ge- wöhn!. Luft hell Tags über in 25X C02 enthal. Luft hell Echeveria retusa 27,1 26,7 27,9 Cattleya sp. 14,5 15,3 15,8 C. Junge Kapseln von Echeveria retusa 53,8 59,3 54,7 D. Kartoffel 24,0 29,6 26,1 E. Sempervivuin tectoruni 56,0 52,5 Tabelle IX. Eventuelle Allgemeinschädliehkeit C02-reicher Luft für die Pflanze. A. Längere Einwirkung kohlensäurereicher Luft verhindert weder nachherige Säurezunahme in der Nacht, noch Säureabnahme in der Wärme und am Lichte. Bryophyllum. 1) Tags hell, in 25;^ C02 enthaltender Luft Abends » » » » » dann 20 Stunden warm Tags dunkel in gewöhnlicher Luft, dann 20 Stunden warm 3) Abends Nachts dunkel, in 25X C02 enthaltender Luft ebenso, in 25X C02, den nächsten Morgen ohne C02 hell Nachts dunkel, ohne C02, am nächsten Morgen hell 53,0 25,2 32,0 2) Tags hell bis 4 Uhr 23,6 ebenso, dann bis 61/2 Uhr in 50X C02 enthaltender Luft 26,8 ebenso, bis 6'/2 Uhr in 50^ C02, dann bis nächsten Morgen dunkel ohne CO2 51,4 20,2 30,1 20,7 18,7 über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 137 B. Mäßiger Kohlensäurereichlhum der Luft vermindert nicht die Athmung. 1,65 g ßryophyllumblatt, 2 Tage in 16X CO^ dunkel 3,00 kbcm CO^ ausgeathmet 1,7 g (andere Blatthälfte), 2 Tage in gewöhnl. Luft dunkel 2,37 » » » C. Aloe arborescens scheint durch Aufenthalt in CO^ geschädigt zu werden. Nach 3stündigem Aufenthalt in 75X CO^ enthaltender Luft verathmete das Blatt in 48 Stunden in der Birnröhre nur 3,03 kbcm C02 (nach dem Herausnehmen war es injizirt). Das Nachbarblatt schied dagegen, ohne vorherigen Aufenthalt in CO'^, während der- selben Zeit in der Birnröhre 14,03 kbcm CO'^ aus. Tabelle X. Zum Abschnitt: Lichtentsäuerung bei Ausschluss freien Sauerstoffes. A. In Wasserstoff. Bryophyllura 1) 2) 3) 4) 5) 6) Echeveria metallica Tags über dunkel 37,4 90,7 47,8 83,9 60,4 36,0 31,2 Tags über hell Tags über hell in Wasserstoff 11,7 15,1 21,1 29,1 15,6 28,4 48,4 56,7 18,7 35,3 27,8 41,5 14,5 16,3 B. In luftleerem Räume. Bryophyllum Tags über dunkel 27,1 73,1 Tags über hell 13,0 28,4 Tags über hell in luftleerem Räume 13,3 31,9 C. In destillirtem ausgekochtem Wasser. Bryophyllum Tags über dunkel 36,0 D. In Paraffineinbettung. Bryophyllum Tags über hell 19,4 Tags über dunkel Tags über hell 1) 48,1 13,0 2) 32,7 16,9 3) 41,7 20,9 Tags über hell, in destillirtem ausgek. Wasser 21,2 Tags über hell, in Paraffin eingebettet 17,6 19,2 25,0 138 0. Warburg. Bei Paraffin, mit dem Pinsel aufgestrichen, injizirt sich das Blatt nur in den seltensten Fällen (und zwar nur bei Versuchen in der Wärme). Ebenso ist Kakaobutter bekanntlich unschädlich, während Stearin sehr schädigend wirkt. Tabelle XI. Zum Abschnitt: Über den allgemeinen Prozess der Entsäuerung und den Einfluss des Sauerstoffes auf denselben. A. Die Säureverminderung in der Wärme ist vom Leben der Zellen abhängig, getödtete Blätter vermindern ihre Säure nicht. Bryophyllum sofort ver- rieben 24 St. in 35° ebenso mit Chloroform- dampf ebenso, vorher durch Erwärmung auf 80° getödtet 1) 89,0 56,5 71,8 75,9 ~ wohl etwas von dem ausgetretenen Saft verloren. 2) 38,4 25,3 38,3 3) 38,0 56,2 53,4 4) 22,4 50,7 52,7 5) 24,1 54,3 Apfel 50,5 25,5 (nach 3 Tagen) 49,8 (nach 3 Tagen) 46,6 37,5 » » 49,2 » » Wärmezersetzung der Säure bei Sauerstoffausschluss. B. In Wasserstofl, meist wurde zugleich etwas KOH in den abgesperr- ten Raum gebracht. Bryophyllum sofort verrieben 38,1 48,1 38,1 60,3 53,4 47,3 2) 3) 4) 5) 6) 7) 8) * Dasselbe bei niedriger Temperatur, sofort verrieben 9) 60,9 10) 84,5 11) 42,8 Echeveria metallica 32,9 24 St. in 35° 29,2 13,0 29,2 41,8 26,9 31,4 17,4 17,1 24 St. in 28° 36,7 24,6 (21°) 21,1 (35°) ebenso 24 St. in 35° inH 41.7 40,0 (todt) 41,7 59,6 58,8 53,1 45,2 48,3 24 St. in 28° in H 57,6 70,9 (in 20°) 35,4 (in 21°) 28,4 (35°) über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 139 C. In luftleerem Räume, meist mit etwas KOH. Bryophylium sofort verrieben 35°, 24 St. 35' *, 24 St. luftleer 1) 53,4 26,9 58,7 2) 33,0 11,1 28,1 3) 30,6 23,2 36,2 4) 60,3 41,8 50,3 5) 51,3 26,3 40,3 D. In destillirtem ausgekochtem Wasser. Bryophylium sofort verrieben 35° 24 St 35°, 24 St. in ausgekoch- ' ■ tem Wasser 1) 47,3 31,4 43,5 50,0 2) 28,8 30,4 vorher CO^-freie Luft eingeleitet E. In Paraffin. sofort verrieben 35°, 24 St. 35°, 24 St. in Paraffin eingebettet 1) 38,1 29,2 41,6 2) 51,3 26,3 59,4 3) 60,3 41,8 72,2 4) 48,1 20,7 44,8 5) 33,0 17,1 24,0 6) 34,6 48,6 E 1. Dass diese Paraffineinbettung nicht schädigt, erkennt man daraus, dass ohne Entfernung der Hülle am nächsten Morgen die Lichtentsäuerung wieder vor sich geht; ebenso nach Entfernung des Paraffins die Dunkel- entsäuerung. 1) Naclits in Paraffin 35° 35,9 ebenso, dann hell, weiter Abends 23,4 2) 24 Stunden in Paraffin warm 48,6 dann ohne Paraffin dunkel weiter 41,4 F. Durch Sauerstoffzufuhr beim Zerschneiden der Blätter wird die Wärmeentsäuerung gefördert. Bryophylium sofort verrieben 1) 48,1 2) 51,3 3) 4) 40,0 33,0 St. 35° 24 St, 35° vorher zer- schnitten 20,7 16,7 26,3 (24,1 \38,8 (die zerschn. Stück chen in Paraffin ein gebettet) 21,2 15,1 17,1 f14,7 \21,8 (die zerschn. Stück- chen in Paraffin ein gebettet) 140 0. Warburg. G. In durch Schwefelsäure wasserdampffrei gemachter Luft ist die Wärmeenlsäuerung vielleicht noch bedeutender, als in wasserdampfreicher Luft. 24 Stunden 35" 43,6 17,4 ebenso, über conc. H2S0* 34,1 12,2 sofort verrieben 36,6 TabeUe XII. Zum Abschnitt: Säureabnahme im Dunkeln bei den Pflanzen überhaupt. A. Wärmeentsäuerung bei grünen Pflanzentheilen ohne tägliche Säure- periodizität. sofort verrieben 20 St. 35° 20 St. 14° Mesembryanthemum sp. 13,5 11,7 12,8 Begonia sp. 64,1 57,1 Lilium candidum 31,2 26,4 30,1 Clusia rosea 151,8 (3 Tage) 169,9 (3 Tage) Cyclamen persicum 37,2 (3 .) ) 41,9(3 » ) Citrus aurantiacus 55,3 (3 » ) 50,0 (3 ). ) Hedera Helix 50,8 (2 .. ) 52,4 (2 » ) Franciscea 40,3 (24 St.) 40,0 (24 St.) B. Wärmeentsäuerung bei nicht grünen Pflanzentheilen. Blumenblätter. Sempervivum angustifolium » Wulfenii Sedum roseum Echeveria retusa Mesembryanthemum sp. Lilium candidum Nymphaea alba Helianthus annuus » » Rose (weiß) C. Früchte. Echeveria retusa (junge Frucht- knoten) Apfel 1 ) Zwetsche 3) 4) 1) 2) sofort verrieben 39,8 50,5 29,9 46,6 verri eben 20 St. 35° 20 St. 14° 42,6 45,6 22,0 21,2 20,3 50,6 53,1 32,5 32,1 33,3 30,4 24,0 19,3 21,6 43,5 45,9 24,4 23,8 28,6 27,2 42,8 43,5 35° 57,1 (20 St.) 8,3 (nach einig. Tagen) 25,5 » » » 19,1 >> " » 37.5 » >■' » 32.6 » » » 24,6 » » » 14° 56.2 (20 St.) 33.3 (nach einig. Tagen) 47,3 » » » 28.8 » » » 42.9 » » » 50,0 » » » 33,0 » » » über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 141 u° Pfirsich 42,5 . 32,9 (nach einig. Tager ') Stachelbeeren 125,8 » » » 134,2 (nach ( 93,1 » » » 110,5 .) D. Etiolirte Blätter. 35° 14° Sempervivum tectorum 25,9 (20 Stunden) 27,9 (20 St. » » 15,8 16,6 E. Wurzeln und Knollen sofort verrieben 35° Kartoffel 24,0 24,7 (2 Tage warm) 29,3 (4 » » ) Sempervivum- Wurzel 41,8 44,8 (3 .. » ) F. Verhalten der Früchte in der Wärme und im Dunkeln bei verhin- dertem und gefördertem Sauerstoffzutritt. p sofort warm in H inC02 im luftleer. Raum in Kakao- butter in destill. Wasser zerschnitt. Zwetsche 33,5 28,1 H-Strom 29,6 C02-Strom 30,6 Pfirsich 42,5 33,3 20" 32,0 H-Strom 20" 29,9 C02-Strom 20" 32,7 20° Apfel 1) 39,8 35,9 36,7 36,3 28,2 » 2) 50,5 25,5 29,0 38,7 36,4 51,7 warm warm warm warm vorher ge- tödtet » 3) 29,9 26,2 1 22,4 \27,2inC02 » 4) 46,6 37,5 warm 38,0 warm 36,8 zerstück. 35,0 warm, Pa- raffin 48,4inC02 Tabelle XIII. Zum Abschnitt: Über den allgemeinen Prozess der Ansäuerung. A. Säurezunahme in der Nacht auch nach Beleuchtung im kohlen- säurefreien Räume vorher. nachmittags am anderen Morgen Bryophyllum 2) 3) vorher durch Erwär- mung auf 35" entsäuert morgens 65,4 45,3 J,3 Tags über ebenso, Tags heil, Tags hell, über KOH hell über KOH Nachts dunkel Nachts dunkel 15,2 26,7 15,0 15,1 24,3 20,6 37,5 41,0 45,1 30,9 46,8 32,7 142 0. Wakbürg. B. Säurezunahme in der Nacht auch nach Belichtung unter blauer Glocke vorher. „ , Taes über Taes über Tags hell, Tags rothe Tags blaue Ta"s über o > o o Bryophyllum Ah} '" rother in blauer nachts Glocke, Glocke, Glocke Glocke dunkel nachls dunkel nachts dunke <) 40,5 2) vorher durch Erwär- mung entsäuert 24,7 14.6 16,8 41,5 37,2 29.8 31,2 60,4 37,1 Tabelle XIV. Zum Abschnitt: Einfluss des Sauerstoffes auf die Säureproduktion. A. Saurezunahme in Wasserstoff. Bryophyllum 1) 2) 4) 5) 6) 7) 81 abends 31,1 28,9 25,9 18,2 17,9 15,9 20,0 25,6 nächsten Morgen, nachts in Luft 75,7 41,1 77,3 64,4 60,7 40,2 82,7 50,0 B. Nächtliche Säurezunahme im luftleeren Raum. nächsten Morgen, Bryophyllum 2) 3) 4) abends 31.6 20,1 15,9 20,0 nachts in Luft 57,1 48,1 40,2 47,5 nächsten Morgen nachts in H 47,4 32,9 32,3 36.2 (I/o C02 + 1/2 H) 16,7 20,0 (H + etwas C02) 24,4 20.6 (H + KOH] 25.7 (H + KOH) 22,9 (H + KOH) 23.3 (H + 1/4 C02) nächsten Morgen, nachts im luftleeren Raum 46,6 29,2 25,8 30,9 stets nur ziemlich luft- leer C. Nächtliche Säurezunahme in ausgekochtem Wasser nächsten Morgen, nachts in Luft Bryophyllum •abends 2) 3) 4) 5) 25,9 18,2 23,0 20,0 36,7 77,3 64,4 39,9 47,5 46,8 Bryophyllum D. Nächtliche Säurezunahme in Paraffin. nächsten Morgen, abends ^ . • t « nachts in Lutt 1) 22,6 31,6 2) 15,2 33,9 3) 17,7 48,1 nächsten Morgen, nachts in destillirtem Wasser 54,1 37,5 21,0 21,1 33,3 nächsten Morgen, nachts in Paraffin eingebettet 38,7 36,1 38,4 über die Bedeutung der organisciien Säuren etc. 143 nächsten Morgen, nächsten Morgen, nachts nachts in Luft in Paraffin eingebettet Franciscea sp. 61,2 68,5 (in Kakaobutter) Amonum Tacam. 40,0 47,4 ( » » ) Hedera Helix 39,2 47,-1 (» » ) » » 38,9 46,2 ( » » ) Citrus aurantiacus 98,5 109,7 ( » » ) E. Säurezunahme des Nachts bei Wasserstoff mit wenig Sauerstoff. nachts in 9/io H + '/lo abends nachts in Luft Bryophyllum 28,9 41,1 » 18,0 37,8 » 27,0 36,0 Echeveria me tallica 15,5 29,4 Hedera Helix 39,6 56,0 41,1 (9/10 H+ VioLuft) f 47,5 (3/4 H + 1/4 0) \ 43,4 (9/,o H + Vio Luft) 23,9 (19/20 H + V20 Luft) 48,0 (19/20 H + 1/20 Luft) F. Säurezunahme des Nachts bei Sauerstoffzufuhr Bryophyllum 1) 2) 3) abends 31,1 16,8 27,0 nächsten Morgen, nachts in Sauerstoff 49,4 27,2 82,2 nächsten Morgen, nachts in Luft 75,7 30,8 36,6 G. Nächtliche Säurezunahme bei Förderung des Sauerstoffzutrilts durch Zerschneiden. ebenso, am Abend vor- her zerschnitten 25,9 28,2 7 4 die zerschnittenen Stücke in Paraffin eingebettet abends nächsten Morgen Bryophyllum 1) 22,6 31,6 2) 15,9 40,2 20,0 47,5 |27, l 44, G'. Dass das Zerschneiden nicht bedeutend schädigt, zeigt sich an der bedeutenden Lichtentsäuerung der zerschnittenen Blätter. Dass das Minus an Säure keine Folge der Operation des Zerschneidens oder etwas Pathologisches ist, ersieht man aus der Hinderung dieser Ab- nahme durch kohlensäurereiche Luft. morgens tags über hell Bryophyllum 108,1 27,2 » 46,8 28,3 ebenso, vorher zerschnitten 23,8 26,7 ebenso in 1/4 CO^ 38,7 144 0. Warbürg. H. Förderung des Sauerstoffzutritles durch Epidermisabziehung nächsten Morgen Echeveria metalllca 2) abends U.2 ebenso, aber Abends vorher der Epidermis beraubt 22,1 28,8 17,6 21,6 H'. Dass Epidermisabziehung nicht schädigend wirkt, ist aus den Tagversuchen zu ersehen. Echeveria metallica Tabelle XV. morgens 28,6 41,7 31,0 (ohne Epidermis 31,6) nachmittags, Tags hell 12,2 13,9 23,3 ebenso, am Morgen der Epidermis beraubt 14,5 12,8 23,6 Zum Abschnitt: Parallelität zwischen Volumenzu- und Säureabnahme der Atmosphäre am Tage. A. Volumenzunahme der die Fettpflanzen umgebenden Atmosphäre am Tage im Verhältnis zur Entsäuerung. Acid. auf 1 g Frisch- substaoz berechnet Volumenänder. der die Blätter umgebenden Luft in der Birnröhre Tags über dunkel V Tags über hell Bryophyllum 1) 48,1 24,8 + 0,82 2) 51,7 24,4 + 1,39 3) 75,0 25,4 + 1,54 4) 59,6 19,7 + 1,87 5) 60,4 18,7 + 0,74 6) 56,0 27,8 + 1,00 Durchschnil Hoplophytum grande 1 57,6 25,3 + 2,18 2) 36,7 21,9 + 1,04 Volumenänder. auf 1 g Blatt- subst. berech- net, in mg C02 ausgedrückt + 1,2 mg C02 + 2,1 » » + 2,2 » » + 1,6 » » +1,6 » » +1,6 » » Säureabnahme des Blattes, als Apfel- säure, auf 1 g berechnet — 5,8 mg Apfelsäure ' — 4,6 » » — 8,3» » — 6,7 » » — 7,0 » » — 4,7 » » + 1,8 » + 0,9 ., — 6,2 » — 5,4 » — 2,5 » 6 Uhr 92,72 95,98 B. Aloe arborescens je 5 g hell ii Uhr i Uhr 31/2 Uhr Luftvolumen in der Birn- f 3X C02 92,22 93,09 93,00 röhre enthält \lOXCO2 96,13 96,53 96,43 Also von 1 — 31/2 Uhr schon wieder Anfang der Volumenverminderung, in 3 X CO2 Volumen Vermehrung von 11 — 1 Uhr 0,78 kbcm » 10X » " » » » 0,88 » G. Volumenzunahme der Fettpflanzen in verschieden CO^ reicher Luft. Bryophyllum c. 5 St. in hellem difl'usem Licht Volumenvermehrung Säuregehalt 1,57 g in 2,44X CO2 1,42 » » 10, 27^ » 0,48 kbcm 0,10 » 20,4 3 '.,5 -4iber die Bedeutung der organischen Säuren etc. 145 Bryophyllum c. 5 St. in hellem diffusem Licht 2) 1,54 g in 1,81X CO" 1,45 » » 10,66X » 3) 1,31 » » 2,71;^ » 1,18 » ') 15,55X " 4) 1,34 » » 5,4X » 1,40 » » 24, 7X » 5) 1,19 » » 4,7X » 1,26 » » 16,8X 6) 1,70 » » OX 1,67 » » 25X 7) 1,38 » » 3,69X 1,44 >i » 11, 2X 8) 2,23 » » 3,7X 2,17 » » 14,6X 9) 1,02 » » OX 0,95 » » 25X 10) 1,19 » » OX 1,15 » » 25X' 11) 1,37 » » OX 1,12 » » 25X Einzelne der Versuche z. B. 3), 8), 9) waren nur ca. 21/2 Stunden exponirt. » » » » » » » » » » Volumenvermehrung Säuregehalt 0,62 kbcm 44,2 0,24 M 60,0 1,39 » 24,4 0,70 » 51,7 0.33 » nicht 0,18 U geprüft 0,73 » nicht 0,48 » geprüft 0,68 » nicht 0,01 » geprüft 1,54 )) 25,4 0,22 » 61,8 1,87 )) 19,7 0,23 » 47,9 0,29 » 67,6 0,04 » 74,7 1,00 » 27,8 0,13 a 62,6 0,82 » 24,8 0,13 » 58,9 D. Hoplophytum grande 2 — 5 Stunden in hellem dififusem Licht 2,19 g in 3,5X CO2 1,97 » » 9,2X » 2,12 » « 5,2X » 1,90 » » 14,6X » 2,41 » » OX » 2,54 » » 25X » umenveri mehrung Säuregehalt + 1,04 kbcm 21,9 + 1,02 » 28,4 + 0,35 )) 23,1 + 0,20 » 26,8 + 2,18 » 25,3 + 0,67 » 53,0 Tabelle XVI. Parallelität zwischen Säurezu- und Volumenabnahme in der Nacht. A. Bryophyllumblatt bis 4 Uhr dunkel, dann bis 6Y2 Uhr in 50^ CO2 (zur Sättigung mit dem Gase) . Acidität auf 10 g Frischsub- stanz berechnet abends nächsten Morgen 1) 26,8 51,4 2) 11,3 36,7 3] 16,8 30,8 4) 16,9 35,4 5) 22,7 37,5 dito, nachts in 1/4 C02 halt. Luft Echeveria metallica Volumenänd. der die Blätter umgeh. Luft in der Birnröhre während der Nacht 0,90 0,39 0,97 0,33 0,73 0,65 Volumenänd. auf 1 g Blatt- subst. berech., in mg C02 aus- gedrückt — ^ämg — 0,7 » — 0,3 » — 1,0 » Säurezunahme des Blattes als Apfelsäure be- rechnet + 4,1 mg + 2,3 » + 3,1 .. + 2,5 » Durchschn. 0,85» Untersuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. II. 3,0 » 1,45 10 146 0. Wauburg. B. Nächtliche Inspiration und Athmung in reinem Sauerstoff. Bryophyllumblatthälfte 3 g nachts iu Luft Inspirat. 1,02 kbcm, nachher Acidität 15,7 mg Apfelsäure. Bryophyllumblatthälfte 3 g nachts in Inspirat. 0,83 kbcm, nachher Acidität 13,8 mg Apfelsäure. 4,2 g Bryophyllum verathmeten in gleicher Zeit in Luft 3,19 kbcm CO^. » 4,87 » » 3 5» » » » » » » Luft 2,57 » » » 3.01 » » Tabelle XVII. Volumenvermelirung in längerer Dunkelheit. A. Bryophyllum, gleiche Blatthälften. Acld. Volumen der Luft in der Birnröhre 1) vor dem Versuch 32 St. dunkel, dann 88,1 54,7 1. Morgen 91,40 kbcm I.Abend 91,54 2. Morgen 91,70 2. Abend 91,80 Volumenzunahme während der 32 St. 0,40 Kohlensäureathmung während der 32 St. 2,37 dito in 16,6X C02, dann 56,9 Acid 2) vor dem Versuch 48 Stunden dunkel dito in 13X C02 Volumen der Luft in der Birnröhre 33,3 29,3 I.Tag 12 Uhr 95,44 kbcm 20,7 5 » 95,76 » 2. » 3 » 96,14 » 3. » 11 » 96,09 » Volumen von Luft + 16,6;^C02inder Birnröhre 97,68 kbcm 97,81 » 98,09 .1 98,26 .. 0,58 » 3,00 ). Volumen der Luft + 13X C02 90,89 kbcm 91,02 >. 91,36 » 91,62 >. Volumenzunahme während der 48 St. 4- 0,63 » 4- 0,73 >. 3) 2,05 g Blatt dunkel bis zum Abend, dann in V4 CO- enthaltende Luft. Volumen- zuahme der Luft bis zum nächsten Morgen +0,33 kbcm. Echeveria metallica 10,4 g Blatt, dunkel bis zum Abend, dann 1) dunkel weiter; nach 12 Stunden Volumenzunahme der Luft nur 0,13 kbcm dagegen CO^-Athmung 3,22 « 2) 5,75 g bis 10 Uhr morgens dunkel, dann bis zum andern Morgen Volumenzunahme der Luft nur 0,27 kbcm dagegen CO^-Athmung 4,02 » Vol. der Luft in Aloe arborescens der Birnröhre 4,15 g bis 4 Uhr hell, dann bis 71/2 Uhr dunkel, dann 90,23 kbcm anderen Morgen 89,48 » anderen Abend 89,36 » nächsten Morgen 89,36 » also Inspiration, 24—36 St. dauernd, sehr gering, dagegen während der Zeit 14,03 kbcm CO^ ausgeathmet. über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 147 B. Volumenvermehrung in der Wärme. Bryophyllum proliferum, i0,5 g dunkel in 33°. nächsten Volumenver- Morgen Vermehrung Volum, der Luft 11U. v. 4 ü. n. 8 U. n. H U. v. 7 ü. n. in dies. 32 St. in d. Birnröhre 74,57 kbcm 75,65 kbcm 76,43 kbcm 78,27 kbcm 78,98 kbcm 4,41 kbcm um 8 Uhr Luft gewechselt, bis andern Morgen 12 Uhr keine Volumenvermehrung, aber in dieser frischen Luft 8,89 kbcm CO^ nachher gefunden. Bryophyllum calycinum je 1 g ,0 J in gewöhnl. Luft + 0,75 kbcm Volumenzunahme im Dunkeln in 24 St. in 35° in c. 15X C02 4- 0,62 » C. Parallelität zwischen Säureabnahme in der Wärme und Volumen- zunahme. Bryophyllum 1) je 1,3 g 24 St in 35° dunkel in gewöhnlicher Luft in 20X CO^ vorher Säuregehalt 19,0 auf 10 g ber. 28.0 » » » » 48.1 » » » » Säuregehalt 31,4 auf 10 g ber 47,3 » » » » In 1) wurde zersetzt 4,9 mg Apfelsäure, dagegen Volumenverra. um 0,76 mg CO^ 2) » » 2,7 » » » » » 0,66 » » 2) 1,0 g 24 St. in 35° dunkel in gewöhnlicher Luft vorher Volumenvermehrung + 0,49 kbcm + 0,23 >. Volumenvermehrung + 0,33 kbcm Tabelle XVIII. Athmungsgröfse. A. Normale Athmung. 40 g Bryophyllum proliferum im Athmungsapparat. Durchleitung C02-freier Luft, Aufsaugen der GO^ in Barytlösung in Pettenkofer- schen Röhren. Nach Belichtung am Tage 1 Vs Stunde verdunkelt (zur Vermeidung der Fehler durch CO^- Absorption), dann 3 Stunden konstant 1 8°; aufgefangen wurden 1 4,5 kbcm C02, pro Stunde und Gramm = 0,12 kbcm; am nächsten Morgen, dieselben Blätter ebenso 3 Stunden 11 ,2 kbcm GO^, pro Stunde und Gramm = 0,09 kbcm. Bryophyllum calycinum gab 1) 1 ,44 g Blatt in 16 St. 0,94 kbcm G02 = 0,05 kbcm C02 pro Stunde u. Gramm 2) 4,22 » )) » » » 3,19 » » = 0,05 3) 2,86 « » » » » 2,35 » » = 0,05 4) 3,44 .. » » » » 2,57 » » = 0,05 5) 1,70 .. » » 32 » 2,37 » » = 0,04 6) 1,39 » n » 48 » 2,46 » » = 0,04 e arb. 4,1 » » >. 48 » 14,03 » » = 0,07 B. Intramolekulare Athmung. Bryophyllum 42 Stunden in H, nachher die 002 absorbirt, pro Stunde und Gramm 0,017 kbcm CO*. 1) Aus der volumetrischen Vermehrung erhält man noch kleinere Werthe, die ge- nauer sind, da bei der Absorptionsmethode noch ein Theil der C02 aus den in den Inter- cellularen von der normalen Athmung hey zurückgehaltenen Gasen herrührt, 10* 148 0. Warburg. Aus der volumetrischen Vermehrung ergab sich in H für die ersten 16 Stunden 0,015 kbcni CO- pro Stunde und Gramm für weitere 8 » 0,0 H » » » » » » für weitere 18 » 0,007 » » » » » » 2) Ein andermal für die ersten 14 Stunden in H 0,019 pro St. und Gramm die andere Blatthälfte ebenso in 20X C02 + 80^ H 0,018 » « » » 3) Echeveria metallica bis 10 Uhr dunkel, dann 5,75 g 24 St. in gewöhnt. Luft dunkel 4,02 CO^-Ausalhm. = 0,029 pro Stunde u. Gramm 6,26» » » » Wasserstoff 2,06 » » = 0,014 » » » « letzteres aus der volum. Zunahme berechnet = 0,009 » » » » 4) Anderes Blatt 5,77 g bis Abends dunkel, dann 24 St. in H 1,65C02-Ausathm. = 0,012 pro St. u. Gramm 5,99 » » » hell, » » » » » 2,16 » » = 0,015 » » » » Tabelle XIX. Zum Abschnitt : Zersetzung von aufsen gegebener Säuren durch die Pflanzen, Methode: Konzentration der Lösung der Apfelsäure l^oo- Nachdem Versuch wurde die Lösung, nach Herausnahme und Abspülen des Blattes bis zu dauernder neutraler Reaktion des Spülwassers, zur Entfernung ab- sorbirter CO^ auf dem Wasserbade längere Zeit erhitzt. A. Bryophyllumblatt. Das Blatt verminderte die lO/oo Lösung während 6stündiger Belichtung um 4. Tag 2,7 rag Apfelsäure 2. » 3,6 » » 3. » 4,3 » » 4. » 2,2 » » 5. » todt (eine geringe Säurevermehrung) Die gleiche Quantität Lösung (1%o) ver- minderte sich ohne Blatt durch Einfluss des Lichtes in der- selben Zeit 1,0 1,7 1,0 0,9 0,5 ( Dass., aber ein Dass., ein Blatt Dass., ein Blatt Blatt von Maxil- von Polypo- von Nerium laria aromatica dium ireoides 2,6 1,2 2,2 todt, 0,0 Vermehrg. 0,2 1,4 1,9 0,7 todt, Vermehrg. Oleander 2,0 1,7 1,4 0,3 todt, Vermehrg. Summe 12,8 5,1 6,0 4,0 gegen 3,6 ohne (gegen 3,6) Blatt während derselben Zeit 5,4 (gegen 4,6) ß. Bryophyllum. Das Blatt vermind. die Säure der Lösung bei täglich 8 St. Belichtung Bryophyllum Tag 2. 3. 4. 1,7 4,9 3,8 0,5 Summe 10,9 Das Blatt vermindert die Säure d. Lösung bei 8 St. Dunkelheit 1,4 1,5 2,5 0,0 5^4 Die Lösung vermind. durch Einfluss des Lichtes ohne Blatt in 8 St. 0,5 0,0 1,5 0,2 2,2 über die Bedeutung der organischen Säuren etc. 149 Das Blatt vermind. die Säure der Das Blatt vermind. die Die Lösung vermind. durch Lösung bei taglicli 8 St unden Säure d. Lösung bei Einfluss d es Lichtes ohne Belichtung 8 St. Dunkelheit Bla It in 8 St. Nerium Oleander 1 . Tag 0,9 4,4 0,0 2. » 2,2 3,1 - 0,5 0,8 Summe i,9 0,8 Kürbiskeimling 2,7 1,7 1,4 Nidularia 0,8 grüner Blatth eil 0,5 0,3 rother Blattheil Maiskeimling vermindert die Säure der Lösung in 24 Stunden bei lOstündiger Belichtung L nach 24 St. nach weiteren 24 St. 3,9 mg 8,0 ). II, 5, 5,4 6 mg Die Säure ohne Keimling unter den- selben Bedingungen 1,4 mg 0,0 » Summe 11,9 » 11,0 1,1 Die Säure ohne Keiml., mit dem vorher genau neutralis. Spülwasser d. Keiml. vermischt (um Pilzkeime hinein zu schaffen 2,7 mg 3,4 » 6,1 » Anderer Maiskeiml. nach 24 St. 4,1 nach weiteren 24 St, 1,9 Summe 6,0 » 0,0 » 1,0 » 1,0 » 0,0 » 0,0 » 0,0 » liach lach Andere Maiskeimlinge Lösung allein 34° vermin- derte sich 24 St. 0,0 weiteren 24 St, 0,0 Summe 0,0 4,2 dto. mit Keimling 4,2 todt dito nur nit Spül Wasser 1,2 Lösung in 24° allein 0,0 dto. mit Keimling 2,5 0,9 dito nur mit Spül- wasser 0,0 1,2 0,0 3,4 0,0 Lösung in 11° mit Keimling 1,2 0,0 1,2 D. Oxalsäure lO/oo verminderte sich am Lichte in 6 Stunden durch Bryophyllum um 3,4 mg Dieselbe Lösung, gleiche Quantität und Exposition, unter beständiger Luftdurch- leituna; 0,7 mg Neriumblalt I.Tag um ä. Tag um 3,4 mg 1,7 mg 0,8 mg 0,0 mg Maiskeimlingblätter in 24 St. um 2,0 mg 150 0. Warbürg. Tabelle XX. Zum Anhang. Assimilation in CO^-reicher Luft. Nerium Oleander, je 2 Blatthälften. 1) 2) B. 2) 3) 4) U,5 qcm Oberfläche in 6,0X C02 enth. Luft 14,5 qcm » » 26,6X » » » 22 qcm » » 5,1 X » " » 22 qcm » 17,2X » Menge d. währ. gleicher Zeiten assimil. C02 2,84 kbcm 1 2,07 » J 2, 1 9 » \ 2,65 » I Bryophyllum calycinum. 15,6 qcm Oberfläche in 2,7^ C02 enth. Luft 14,3 qcm c. 15 qcm c. 15 qcm 18,7 qcm 17,6 qcm 19,2 qcm 19,0 qcm » 15,5X » » 3,6 X » » 12,9X » » 3,3X » » 10,2X » » 3,7X » » 14,6X » 2,43 kbcm 1^ 0,26 » i 2,40 » 0,49 » 0,94 ). 0,37 » 3,23 .. \ 0,72 » / LuftvoL nur um 0,19 kbcm var. Luftvol. nur um 0,2 kbcm var. Voiumenzu- nahme + 1,39 kbcm + 0,70 « + 1,87 » + 0,25 » \ C. Hoplophytum grande. 1) 34,1 qcm Oberfläche in 3,5X C02 enth. Luft 2,61 kbcm 34,3 qcm » » 9,2^ » » » 2,39 » 2) 31,2 qcm » » 5,2^ » » » 1,04 » 30,7 qcm » » 14, 6X » » » 1,02 » Bei diesen Versuchen wurde, um während derselben keine bedeutende Verminde- rung des CO--Gehaltes zu erhalten, nur kurze Zeit und bei ziemlich stark abgeblendetem Lichte exponirt. 1 I 1 \ +0,35 j + 0,21 i m. Über einige Wurzelanscliwellimgen, besonders diej enigen von A 1 n u s nnd den Elaeagnaceen. Von Dr. J. Brunchorst. Mit Tafel I. In einer Arbeit über die Warzelknollen der Leguminosen ^] habe ich nachzuweisen gesucht, dass die konstant bei fast allen Papilionaceen und bei den meisten Caesalpiniaceen und Mimosaceen vorkommenden Wur- zelknöllchen nicht, wie es die gewöhnliche Ansicht war, durch para- sitische Pilze verursachte Gallen sind, sondern normale, zu dem Er- nährungshaushalte der Pflanze in irgend einer, bis jetzt allerdings unauf- geklärten Beziehung stehende Organe. Die in den Knöllchenzellen vorkom- menden organisirten Eiweißkörperchen, welche von sämmtlichen früheren Forschern für Gebilde pilzlicher Natur gehalten worden sind und deren Pilznatur die einzige oder wenigstens wichtigste Stütze für die Deutung der Knöllchen als Pilzgallen war, sind, nach dem was die Entwickelung und das endliche Schicksal derselben lehren, nicht als fremde Organismen aufzufassen, sondern weit natürlicher und ungezwungener als Organe, welche von dem normalen Plasmaleibe der Knöllchenzellen, ohne Mitwir- kung irgend eines fremden Organismus, gebildet werden und welche ohne Zweifel gerade diejenigen Gebilde sind, welche die eigenthümliche Funk- tion der Knöllchen vermitteln. An den Wurzeln mancher anderer Pflanzen kommen nun Anschwel- lungen vor, welche mehr oder weniger äußerliche Ähnlichkeit mit den Ze^Mwmosenknöllchen zeigen und welche theils ebenso wie diese als Pilzgallen gedeutet worden sind, über deren Ursache man aber theils gar \) Berichte d. Deutsch. Wiss. Ges. 1885. p. 241. (Vorläufige Mittheilung.) 152 J- Brünchorst. keine Anhaltspunkte hat i). Es war nun sowohl an und für sich als wegen der neuen Deutung der LeguminosenknöUchen von Interesse zu wissen, ob etwa in irgend welcher dieser anderen Anschwellungen ähnliche Gebilde wie die organisirlen pilzähnlichen Eiweißkörper der Leguminosenpüanzeu, die Bacterotden , vorkommen. Kämen solche auch Pflanzen zu, welche den Leguminosen systematisch fern stehen , dann wäre dies ein nicht zu unter- schätzendes Argument gegen meine Deutung der Bactero'iden als normale Organe und für die Pilznatur derselben , denn es ist leicht zu verstehen, dass ein Pilz sich nicht um die systematischen Verwandtschaftsverhältnisse sonderlich kümmert und systematisch ganz verschiedene Pflanzen l^efällt, wenn dieselben biologisch ähnlich sind, während es schwer anzunehmen ist, dass komplizirte Organe, wie die LeguminosenknöWchen es nach meiner Ansicht sind, in gleicher oder ähnlicher Ausbildung sich bei systematisch fernstehenden Pflanzen ausgebildet haben sollten. Besonders mit Rücksicht auf diese Frage habe ich diesen Sommer gleich- zeitig mit der Bearbeitung der Leguminosenivaa^e die mir zugänglichen Anschwellungen anderer Wurzeln untersucht, wesentlich solche, die ebenso wie die Leguminosenknollen als durch Pilze verursacht gelten , weil man bei diesen am ehesten eine Übereinstimmung vermuthen konnte, aber auch diejenigen, deren Ursache ganz im Unklaren lag. Ich will gleich hervorheben, dass ich in keinem unter suchten Fall et was gefunden habe, was mit den Bactero'iden nur die entfernteste Übereinstimmung zeigt, und damit wäre ja der eigentlichste Zweck meiner Untersuchung er- ledigt. Im Laufe der Untersuchung haben sich aber verschiedene Thatsachen ergeben, welche theilsmit herrsehenden Auffassungen nicht übereinstimmen resp. solche widerlegen und theils neu sind. Besonders gilt dieses für den Pilz der Alnus- und i'/aea^nw^anschwellungen, welcher erst neulich wieder der Gegenstand eingehender Untersuchung gewesen ist. Dieser Pilz bildet wesentlich den Gegenstand folgender Arbeit, zuerst will ich aber kurz einiger anderer Wurzelknollen gedenken , über welche ich allerdings nur wesentlich negatives mittheilen kann , aber von denen ich doch zeigen möchte , dass sie in der That nichts mit den Le(/Mmmo5enknöllchen zu thun haben. Bei Crataegus primifolia kommen, wahrscheinlich bloß hin und wieder und nicht konstant, Anschwellungen vor, die bis Faustgröße erreichen. Sie haben eine sehr unregelmäßige Oberfläche und sind dunkelbraun bis beinahe schwarz gefärbt. Schnitte zeigen verholzte Gefäßbündel, welche in den verschiedensten Richtungen verlaufen, sich durch einander winden und stellenweise zu größeren Nestern verschmelzen. Der Zwischenraum zwischen den verholzten Gefäßbündeln ist aus parenchymatischem , großzelligem 4) Die der Vermehrung oder Reservestoffspeicherung dienenden Organe sind ja meist so deutlich ihrem Zweck angepasst , dass über ihre Natur kein Zweifel herrschen kann, und sind deshalb hier unberücksichtigt gelassen. über einige Wurzelanschwellungen etc. ] 53 Gewebe gebildet und enthält im Herbst und Winter, ebenso wie die Nähr- wurzel selbst, große Mengen Stärke. Irgend welche anderen organisirten Körper in den Anschwellungen aufzufinden, ist mir nicht gelungen, und sie müssen deshalb sowohl, wie auch nach ihrem Bau, den ihrer Ursache nach ziemlich unbekannten Ausbildungen zugerechnet werden, i) Die an Wurzeln von Cyperiis flavescens und Juncics hufonius auftreten- den Gallen brauchen bloß beiläufig genannt zu werden als solche, die wohl unzweifelhaft von fremden Pilzen erzeugt werden , indem in ihrem Inneren sich deutliche Pilzhyphen und große Pilzsporen mit höckerigem Epispor vor- finden 2), nichts, was in irgend einer Weise an die Gebilde in den Legumi- nosenknollen erinnern könnte. Von größerem Interesse sind die eigenthümlich verdickten Nebenw^urzeln bei Aesculus Hippocastanum, die von Klein beschrieben worden sind. 3) Dieselben scheinen nach ihrem konstanten Vorkommen normale Bildungen zu sein, und sind ja auch von gewöhnlichen Wurzeln nicht allzu sehr ver- schieden. Sie treten erst an etwas größeren Keimpflanzen auf, sind an den im Frühjahr ausgesäeten im Herbst noch nicht zu finden, dagegen waren sie an zweijährigen vorhanden, und zwar noch nicht an allen Wurzeln. In W^asserkulturen von der Rosskastanie habe ich sie nicht gefunden ; insofern erinnern sie an die Leguminose^iknoWen , welche ja auch meistens in Wasserkulturen ausbleiben; dagegen zeigt die anatomische Unter- suchung eine lockere Rinde, deren Zellen einen sehr spärlichen Inhalt zeigen, und gar keine organisirten Körper, außer dem Plasma, oder fremde Organismen enthalten. An den Wurzeln aller oder sehr vieler Cycadeen kommen bekanntlich eigenthümliche, kurz gebliebene und an ihrer Spitze in kurze Höcker gabelig getheilte , mehr oder weniger abnorm verdickte Verzweigungen vor. Dieselben sprossen von horizontal verlaufenden, normalen Wurzeln aus, und gehen mehr oder weniger senkrecht nach oben, so dass sie aus der Erde gewöhnlich herausragen, und sind so zahlreich, dass sie an den Cycadeen unserer Gewächshäuser als dichtes Geflecht oft die ganze Ober- fläche des Kübels bedecken. Dieselben sind schon von Schacht 4] erwähnt \) Cf, Frank, Pflanzenkrankheiten, p. 131. Dasselbe dürfte der Fall sein mit den von Magnus (Sitzungsber. des Bot. Ver. d. Prov. Brandenburg. Bd. XXIII, Jan. 1S81) beschriebenen Knollen an den Wurzeln von Rubus idaeus ebenso wie mit Knollen von Aristolochia Clematüis, von denen ich durch Herrn Prof. Magnus Material erhalten habe, leider nur altes, getrocknetes, nach welchem man nichts Näheres darüber sagen kann. Jedenfalls kommen diese beiden Knollenbildungen nicht konstant vor wie die Legumi- nosenknollen, denn an mehreren von mir untersuchten Stöcken waren sie nicht vor- handen. 2) Cf. Weber, Bot. Zeitg. 1884. p. 369. 3) Flora 1880, Nr. 10 und 11. 4) Beiträge zur Anatomie und Physiologie, p. 161. 154 J- Brunchorst. worden und Reinke \) hat in denselben eine parasitische Nostocacee auf- gefunden. Die Ursache dieserGebilde ist ganz unklar geblieben. Schacht fasst sie einfach als aus inneren Ursachen veränderte Wurzelzweige auf, Reinke be- merkt das ganz negative, dass sie von den bewohnenden Algen nicht ver- ursacht sein können. Davon kann man sich auch leicht tiberzeugen, indem sie oft gar keine Algen enthalten. Bei den Gattungen, wo Reinke die Algen gefunden hat, fehlen sie manchmal, und bei einem Exemplar, wo die Algen sich vorfinden . fehlen sie , wie ich mich überzeugt habe in den jüngsten Anlagen. So habe ich bei Ceratozamia mexicana Algen bloß in den älteren und größeren Anschwellungen gefunden, während die jüngeren desselben Exemplars gar keine enthielten, und ein anderes Exemplar derselben Pflanze hatte reichlich dichotomirte Wurzeln gebildet, die aber ganz algenfrei waren. Ebenso habe ich Cycas circinalis ohne, Macrozamia, wo Reinke keine gefunden hat, mit Algen gesehen. Die Algen können also unmöglich die Verursacher der abnormen Verzweigungen und Verdickungen sein, sondern treten ganz sekundär auf. Dagegen habe ich in Anschwellungen von Cycas und Ceratozamia einen Pilz gefunden, welcher sich schon in den jüngsten vorhandenen An- lagen fand, und welcher möglicherweise in ursächlichem Zusammenhang mit denselben steht. Der Pilz hat ziemlich starke Hyphen , die sich in den Zellen reichlich in feine Verzweigungen spalten und zum Theil wenigstens im Inneren der Hyphen regelmäßig angeordnete ganz kleine Körner zeigen. In anderen Zellen ist bloß ein trüber Inhalt vorhanden, in welchen ich auch durch Tinktionen keine bestimmtere Struktur sichtbar machen konnte, wie überhaupt der Pilz , wenigstens in dem mir zu Gebote stehenden Material, schlecht zu sehen war und erst nach Tinktion gefunden wurde. Der Pilz kommt (ebenso wie der später zu behandelnde Abiusi>ilz) , bloß in der groß- zelligen Rinde vor, tritt aber erst etwas weiter zurück von der Spitze auf und war im Meristem nicht zu finden. Ältere Anschwellungen zeigen sich oft an der Spitze geöffnet und innen vertrocknet und abgestorben, ebenso wie es bei den Knollen von Alnus manchmal der Fall ist. Bei dem spärlichen Material , das man von Cycadeen in den meisten botanischen Gärten findet, kann ja nicht entschieden werden, ob der Pilz auch wirklich ein konstanter Begleiter der Anschwellungen ist und somit als deren Ur- heber gelten kann, oder ob er ebenso wie die Alge bloß ein sekundär ein- gedrungener Parasit ist. Das muss ja weiteren Untersuchungen am besten an im Freien gewachsenem Material vorbehalten werden. Immerhin ist das Auffinden eines unzweifelhaften Pilzes ein Anhaltspunkt für die weitere Untersuchung, indem es nach Analogie wahrscheinlich ist, dass der Pilz die Ursache der Anschwellungen ist , und dass auch die Cycadeen&w- schwellungen keine normalen Bildungen sind. 1) Bot. Zeilg. 1879. p. 473. über einige Wurzelanschwellungen etc. 155 In ihren jungen Stadien den dichotomischen Cycadeenwurzeln ganz ähnlich , bloß viel kleiner , sind die Anschwellungen von Alnus und den verschiedenen Elaeagnaceen [Elaeagnus, Hippophad: und Shepherdia). In den Zellen dieser Knollen finden sich immer Gebilde, welche nicht zu dem nor- malen Inhalte der Zellen höherer Pflanzen gehören und welche auch als Pilze unter den verschiedenen Gattungsnamen Schinzia Nägeli und Plas- modiophora Woronin beschrieben worden sind. Während es aber ganz leicht ist, sich von der ganz unzweifelhaften Pilznatur der sonst als Schinzia oder Plasmodiophora beschriebenen Pilze zu überzeugen , können einige Zweifel Platz greifen, wenn man die Anschwellungen der genannten beiden Familien untersucht. Hier könnte man viel eher wie bei den anderen oben erwähnten Bil- dungen erwarten , möglicherweise Körper vor sich zu haben , welche mit den Bacteroiden analog seien, wie ich in derThat eine Zeit lang auch geglaubt habe. Bei diesen Pflanzen sind nämlich die betreffenden Gebilde so äußerst klein, dass es selbst mit den besten optischen Hülfsmitteln Schwierigkeiten macht, zu einem bestimmten Resultat zu kommen. Daher gehen auch die Angaben der verschiedenen Autoren über das, was sie in den Knollen gesehen haben , sehr auseinander. Es wird sich empfehlen, kurz die Geschichte dieser Knollen und ihres Pilzes zu erwähnen. Von den ganz gleichen Anschwellungen bei Alnus und Elaeagnaceen sind diejenigen an den Wurzeln der Erle zuerst bekannt geworden, indem schon Meyen sie behandelt hat. Er hat eine ganz eigenthümliche Auf- fassung über die Natur derselben vertreten , welche mehr der Kuriosität halber genannt werden kann, indem er sie für selbständige parasitische Gewächse hielt, welche durch eine Art auf Degeneration beruhender Selbst- zeugung aus den Wurzeln der Wirthpflanze hervorgehen sollten, ähnlich wie er es auch für wirkliche parasitische Pflanzen (z. B. die Balanophoreen) annahm, i) Nach ihm wurden sie besonders von Schacht zum Gegenstand eingehen- derer Untersuchungen gemacht. Schacht 2) beschreibt ihren histologischen Bau und ihre morphologische Deutung als Wurzeln, fördert unsere Kenntnis der Gebilde aber nur wenig. Kurze Notizen von Rossmässler 3) und Jäger 4) bringen auch nichts neues und können hier übergangen werden. 1 ) Meyen , Über das Hervorwachsen parasitischer Gebilde aus den Wurzeln an- derer Pflanzen. Flora 1829, p. 49 ff. 2) Schacht, Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Wurzel. Flora 1853, p. 261, Taf. 4. — Beiträge zur Anatomie u. Physiologie d. Gewächse. 1854. p. 160 u. Taf. IX. — Lehrbuch d. Anatomie u. Physiologie. 1859. II. Th. p. 147. 3) RossMÄssLER, Der Wald. 1863, p. 418. 4) Jäger, Über eine krankhafte Veränderung d. Blüthenorgane der Weintraube. Flora 1860. Nach ihm sollen sie durch Insektenstich verursacht sein. 156 J- Brunchorst. Von viel größerem Interesse als alle früheren Arbeiten ist die erste Abhandlung Woronin's^). Er kennt auch bloß die Knollen der beiden ge- wöhnlichen Erleuarten, findet aber in diesen etwas, was die früheren Unter- suchungen ganz übersehen haben, einen fremden Organismus, und zwar einen Pilz, welchen er der NÄGEn'schen Gattung Schinzia anreiht. Trotz der ziemlich zahlreichen Untersuchungen , welche diesen Pilz zum Gegenstand haben , ist aber das , was wir bis zu der letzten Zeit über ihn wissen, sehr mangelhaft. Man hat Organe beobachtet, die man für Sporen hielt, aber ohne dass es durch direkte Keimungsversuche gelungen wäre, den Beweis beizu- bringen , dass sie überhaupt Vermehrungsorgane sind , und auch das über die Entstehung der betreuenden Gebilde Bekannte war bis ganz neulich nichts derartiges , dass die Sporennatur derselben durch die Analogie mit den Sporen anderer besser bekannter Pilze außer Zweifel war. Dement- sprechend wurde auch in der That ihre Sporennatur von einzelnen in Zweifel gezogen, so wurden sie von Kny für Haustorien gehalten ^j, eine Ansicht , die in der That ihre Berechtigung haben konnte , so lange mau nichts näheres über ihr Schicksal wusste. Die neueste Arbeit über die Sache, die Arbeit Moeller's 3), war nun an- scheinend von eingreifender Bedeutung, indem nach der darin enthaltenen vollständigen Entstehungsgeschichte der Pilz sich einem anderen, der durch Woronin's schöne Untersuchung 4] ziemlich vollständig bekannten Plasmo- diophora Brassicae , ganz eng anschließen sollte.^) Diese neue Auffassung erfreute sich sogar der Zustimmung Woronin's ^j, der doch zuerst den Ent- 1) WoRONiN , Über die bei der Schwarzerle und der gewöhnlichen Gartenlupine auftretenden Wurzelanschwellungen. M6m. de l'acad. imp. de St. Pötersbourg. Ser. VII, Tome X, No. 6. 2) Cf. Frank, Pflanzenkrankheiten, p. 649. 3) MoELLER, \iher Plasmodiophora Alni. Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1885. p. 102. 4) Pringsheim's Jahrbücher, Bd. XI. 5) Dass der Pilz der Anschwellungen von Alnus glutinosa eine Plasmodiophora sei, haben schon vor Moeller, aber ohne dass der letztere die betreffende kurze Notiz kannte, Gravis und nach brieflicher Mittheilung an ihn auch Woronin in Folge erneuter Unter- suchung der Sache vermuthet (Compte rendu de la soc. roy. de Botanique du Belgique. Januar 1880). Eine andere Arbeit von Gravis über dasselbe Thema (Bulletin de la soc. roy. de Bot. de Belgique. T. XVIII, I^^e partie, p. 50 — 60) enthält nichts als eine einfache Aufzahlung alles dessen , was er in den verschiedenen Zellen der Knollen gesehen, Stärkekörner, GerbstofTkugeln und Krystalle von oxalsaurem Kalk ebensogut wie die nicht als Pilzpro- dukt erkannten Schleimklunipen, mag aber der Vollständigkeit wegen hier erwähnt sein. 6) Bemerkung zu dem Aufsatz von H. Moeller über Plasmodiophora Alni. Berichte der Deutsch. Bot. Ges. 1885. p. 177. Woronin vermuthet hier ebenso wie schon in der Mittheilung an Gravis (siehe oben), dass konstant oder bisweilen zwei Pilze in den Anschwellungen vorhanden seien, bringt aber nichts zur Stütze dieser Vermuthung bei und, wie ich später zeigen werde, über einige Wurzelanschwellungen elc. 1 57 wickelungsgang ganz anders dargestellt hatte, und so schien durch diese Arbeit alles so ziemlich im Klaren und wenig Raum mehr übrig für weitere Untersuchungen. Die Sporennatur der bisher fraglichen Gebilde schien jetzt durch die Analogie außer Zweifel gehoben und damit das allerwesent- lichste schon gethan. Eine weitere Stütze für die neue Ansicht hätten Moeller und Woronin in einer ihnen wie es scheint unbekannt gebliebenen Arbeit Warming's finden können. ^) Warming beschreibt hier zuerst die Knollen der Elaeagnaceen, deren Ähnlichkeit mit derjenigen der Erle ganz auffallend ist und auch von ihm hervorgehoben wurde, und er fand im Inneren der Rindenzellen dieser neuen Anschwellungen einen Pilz, den er gleich als einen parasitären Myxo- myceten von ähnlicher Natur wie die WoRONm'sche Plasniodiophora ßrassi- cae hinstellt. Wie man sieht, ist hier unabhängig von Woronin und Moeller und früher als von ihnen ihre Ansicht über den fraglichen Pilz vertreten, denn über die Identität des Älnuspihes mit demjenigen der Elaeagnaceen- knollen kann schon nach einer flüchtigen Untersuchung nicht gezweifelt werden. So lag also die Sache, als ich die Frage nach der Natur der betreffenden fremden Gebilde in Angriff nahm. Drei verschiedene Forscher sind unab- hängig von einander zu dem Resultate gekommen; dass erstens die fremden Körper einem Pilz angehören, und zweitens dass dieser Pilz ein Myxomycete sei, der Plasniodiophora verwandt. Das erstere kann ich auch, trotz der Zweifel, die ich eine Zeit lang gehegt habe, bestätigen. In den Knollen kommt in der That konstant ein Pilz vor und dieselben sind deshalb, der gewöhn- lichen und unzweifelhaft richtigen Auffassung gemäß, trotzdem direkte In- fektionsversuche fehlen und auch schwer ausführbar sind, als Pilzgallen zu betrachten. Dementsprechend werden sie auch für die Pflanze wahr- scheinlich von keinerlei Nutzen sein, höchstens könnte man an ein symbio- tisches Verhältnis denken. Es liegt indessen wenig Grund vor, ein solches hier anzunehmen. Das zweite übereinstimmende Resultat der genannten Forscher, dass der Pilz eine Plasniodiophora sei, kann ich dagegen nicht bestätigen. 2) Wir haben es vielmehr mit einem ganz eigenartigen Hyphenpilz zu thun, der nichts mit Plasniodiophora oder irgend einem anderen Myxomyceten zu thun hat. Ehe ich zu der Rehandlung der eigentlichen Pilzfrage und der dahin- ist bis jetzt bloß ein und derselbe Pilz in den Anschwellungen untersucht worden. Ob zwei vorkommen können, geht uns ja dann hier nichts an. 1) Warming, Smäbiologiske og morfologiske Bidrag. BotaniskTidsskrift, S^ieRäkke, Bd. 1, 1876, p. 84, (Ref. Just, Jahresbericht f. 1876, p. 439.) 2) Auf die Frage nach der Identität meines Pilzes mit dem von den genannten Be- obachtern untersuchten werde ich später zu sprechen kommen; diese Identität ist aber unzweifelhaft. j 5§ J. Brunchorst. gehörenden Kontroversen übergehe, sei es mir gestaltet, die Gallen selbst kurz zu erwähnen ; ihr Bau und ihre Entstehung sind von den späteren Forschern bloß ganz beiläufig- behandelt, verdienen aber etwas mehr Beach- tung, da die Gebilde zu den merkwürdigsten, durch fremde Organismen verursachten Bildungen an Pflanzen gehören, indem sie ganz als eigen- artige normale Organe sich verhalten , ohne irgend etwas krankhaftes an der Wirthpflanze zu veranlassen. Entstehung und der Bau der Anschwellungen. Die Knollen von Alnus und den Elaeagnaceen sind, wie schon oben bemerkt, dem äußeren Ansehen und dem anatomischen Bau nach einander in allen wesentlicheren Punkten ganz gleich, und entstehen auch in derselben Weise. Die ersten Anlagen, die ich gefunden habe, sind ganz kleine, breite Höcker, welche an kaum millimeterdicken Wurzeln sich finden (Taf.I, Fig.l). Wenn diese Höcker noch ganz klein sind, bloß eine Höhe von einigen Milli- metern bei einem ungefähr gleich großen oder größeren Durchmesser er- reicht haben, verzweigen sie sich schon, und zwar meistens dichotomisch, indem sie an der Spitze zu zwei neuen, kurzen und breiten Zweigen oder Höckern auswachsen. Sehr oft, besonders wenn der Höcker groß ist, entstehen an seiner Spitze nicht zwei, sondern 3 — 4 neue Zweige. Diese bleiben eben- falls kurz und dick , und verzweigen sich schon bei einer Länge von wenigen Millimetern wieder in der erwähnten Weise , entweder dichotomisch (be- sonders wenn sie klein sind) oder indem sie drei oder vier neue Zweige erzeugen. Die dritte Zweiggeneration verzweigt sich ebenso und in dieser Weise geht es fort, bis aus der ursprünglich ganz kleinen, runden Anlage eine wallnuss- bis manchmal faustgroße, mehr oder weniger kugelige Knolle mit unebener, von den dicht gedrängten rundlichen Zweigspitzen der letzten Zweiggeneration gebildeter Oberfläche entstanden ist. Bei Knollen von Elaeagnus angustifolia , wo die einzelnen Zweige, wenigstens an dem von mir untersuchten Materiale, klein und dünn bleiben, gehen die successiven Gabelungen manchmal sehr regelmäßig und in einer Ebene vor sich, so dass man an den flachen, fächerartig verbreiteten Anschwellungen die fortgesetzten Dichotomien sehr klar verfolgen kann; bei Äbius geschieht die Verzweigung zwar nach demselben Modus, aber die einzelnen Zweige sind stärker und die Reihenfolge der in verschiedenen Ebenen liegenden Zweige gewöhnlich nicht so regelmäßig, dass man die Verzweigungen weit zurück verfolgen kann. Ich will gleich hervorheben, dass dieser eigen- thümliche Aufbau der Alnus- und ElaeagnaceeiiknoUen bei keiner Le- guminose gefunden wird, wodurch sich schon im äußeren Bau die Ver- schiedenheit der Gebilde kundgiebt. Junge Knollenanlagen findet man nie an den stärkeren Wurzeln ; die- selben müssen immer an jungen 1— 2 jährigen Nebenwurzeln gesucht wer- den, woraus folgt, dass die erste Infektion schon in früher Jugend geschieht. Später findet eine ausgeprägte Übereinstimmung statt zwischen dem über einige Wurzelanschwellungen etc. 159 Dickenwachslhum der Wurzeln und der Vergrößerung der daran sitzenden Knollen. Besonders an wenige Jahre allen Pflanzen ist in einzelnen Fällen diese Parallelität eine so strenge gewesen zwischen der Zahl der Zweig- generationen und der Zahl der Jahresringe der Wurzel, dass es mir nichl unwahrscheinlich erscheint, dass für gewöhnlich jährlich eine neue Zweiggeneration gebildet wird. Mehr wie eine entsteht auf jeden Fall nicht, und da die einzelnen Zweige ganz kurz sind — bei der gewöhnlichen Erle höchstens fünf Millimeter lang und 3 — 4 Millimeter breit — so ist das Wachsthum der Knollen , wie man sieht, ein sehr langsames und mit dem Längenwachsthum der wirklichen Wurzeln gar nicht zu vergleichen. Der anatomische Bau der Knollenzweige ist nicht sehr verschieden von dem Bau normaler Erlen wurzeln, und auch hierin macht sich ein bedeuten- der Unterschied gegenüber den LeguminosenknoUeu bemerkbar. Die letz- teren haben nicht, wie die Wurzeln, ein zentrales Gefäßbündel, sondern eine große Anzahl einzelner Stränge sind an der Peripherie der Knöllchen angeordnet, in der bakteroidfreien Rindenschicht , während die ganze zen- trale Partie von den bakteroiderfüllten großen Parenchymzellen einge- nommen wird. Bei Alnus und den Elaeagnaceen dagegen haben die Zweige der Wurzelanschwellungen je ein zentrales Gefäßbündel, aus ungefähr den gleichen Elementen gebildet, welche den Gefäßstrang normaler Wurzeln zusammensetzen. (G, Fig. 5.) Darauf folgt nach außen eine großzellige parenchymatische Rinde [R) , welche den wichtigsten Unterschied im Bau der Knollen von demjenigen der Wurzel bedingt, indem sie viel breiter ist, als die Innenrinde normaler Wurzeln. Umgeben und geschützt wird diese Rinde durch ein aus tafelförmigen Zellen bestehendes Korkgewebe (Ä") , welches von innen durch ein Kam- bium erneuert wird und unter Bräunung der Zellhäute außen abstirbt. Die Spitze , wenigstens der yl/w?<5anschwellungen, ist außerdem von einer kleinen runden Zellschicht bedeckt, welche der eigentlichen Korkschicht noch aufsitzt und wohl eine reduzirte Wurzelhaube repräsentirt, wiederum ein Unterschied dieser unzweifelhaften Pilzgallen von den Leguminosenan- schwellungen, welche ohne Andeutung einer Wurzelhaube sind. Von den hier erwähnten Geweben interessirt uns besonders die Rinde, weil deren Zellen den so verschiedenartig beschriebeneu Pilz beherbergen. Die Rinde ist bei den verschiedenen Spezies von verschiedener Dicke, und variirt auch bei einer und derselben Spezies an Breite , entsprechend den Verschiedenheiten in der Größe der einzelnen Zweige der Anschwell- ungen überhaupt. Bei Hippophae und Elaeagnus habe ich sie am wenig- zelligsten gefunden, bei Alnus undulata am stärksten entwickelt, aber es ist möglich, dass dies auf individuellen Verschiedenheiten, welche keine spezi- fische Konstanz zeigen, beruhen kann. Die Zellen der Rinde sind nicht alle untereinander gleichwerthig, son- jgQ J. Brunchorst. dem es kommen größere und kleinere Zellen in bestimmter Anordnung in derselben vor, welche auch durch verschiedenartigen Inhalt ausgezeichnet sind. Die kleineren Zellen enthalten Stärke oder Gerbsäure oder beides, die größeren sind allein von dem Pilze befallen , und beiderlei Zellen sind in längsverlaufenden Reihen oder Zügen augeordnet, die Reihen wieder mit einander abwechselnd. Resonders gut tritt diese reihenweise Anordnung bei Alnus auf, wo man sie auch, weil die kleinen Zellen stark gerbstoff- haltig sind, durch Osmiumsäure oder Kaliumbichromat sehr deutlich sicht- bar machen kann. In Fig. 4 ist ein mit OSO4 behandelter Längsschnitt einer Alnusknollen- spitze schematisch gezeichnet. Die dunklen Linien sind die Züge gerbstofl- haltiger Zellen , mit welchen im Herbst und Winter die stärkeführenden Zellzüge zusammenfallen. Die weißgehaltenen Zwischenräume sind mit pilzführenden Zellen ausgefüllt. Wie man sieht, sind die gerbstoff- und stärkeführenden Zellzüge in bestimmter Weise zur Oberfläche der Knollen orientirt, indem sie dem abgerundeten Scheitel der Oberfläche parallel verlaufen, weiter hinten schief nach innen gehen und sich dem Gefäßbündel anlegen. In analoger Weise sind die beiden Zellarten bei den anderen Gat- tungen angeordnet , nur verlaufen die Kurven hier schiefer, so dass sie sich viel höher hinauf an das Gefäßbündel anlegen (cfr. Fig. 3 , wo im unteren Theile der Rinde die dunklen Zellen die pilzhaltigen sind.)i) Der Pilz der Anschwellungen. Auf einem radialen Längsschnitt durch die ganze Länge einer jungen unverzweigten Anschwellung oder einen der jüngsten Zweige von der Oberfläche einer älteren zusammenge- setzten Knolle unterscheidet man außer den verschiedenen längsverlaufen- den Zellreihen leicht auch drei verschiedene Quer zonen, welche durch verschiedenes Aussehen der pilz führenden Zellen ausgezeichnet sind, während die reservestoff'führenden Zellen sich in allen drei Zonen wesent- lich gleich verhalten. Resonders gut treten diese Querzonen hervor bei Hippophae und Elaeagnus- oder bei i4/m) eingelagerten, aus ganz dicken Fäden bestehenden Pilzknäuel lehren. Und zum Überfluß kann ich noch einen weiteren Beweis beibringen, dass diese, immerhin wegen der Feinheit derHyphen schwer zu entzift'ernde Faserstruktur bei Alnus glutinosa und den anderen Gattungen wirklich auf dem Vorhandensein von Pilzhyphen beruht. Bei einemBaum, der im Tübinger Garten den Namen Alnus undulata W. (Ganada) führt, dessen Knollen ganz so beschaffen sind wie bei A. glutinosa^ nur ungemein kräftig und groß, sind die Hyphen so viel dicker, dass man sie sehr gut unterscheiden kann. Es ist möglich, dass dies nicht immer bei A. undulata der Fall ist, und dass es ein individueller Vorzug des von mir untersuchten Exemplars war, das ist ja aber ganz unerheblich. Es war hier nicht schwer , besonders nach Überfärbung mitHämatoxylin und nachheriger Ausziehung des überschüssigen Farbstoffes durch Alaunlösung, in den Meristemzellen ganz unzweifelhafte Pilzhyphen- knäuel aufzufinden. Zu der größeren Deutlichkeit mag auch beigetragen haben, dass hier die Knäuel lange nicht so dicht waren, wie bei A. glutinosa. Man konnte sogar bei A. undulata an dem tingirten Material sehen, dass die Hyphen septirt sind, aus nicht sehr langen Gliedern bestehen. 'QeiA. glu- tinosa und den Elaeagnaceen ist wegen der Zartheit der Fäden kaum daran zu denken, die Septirtheit zu sehen; dass aber Querwände auch hier vor- kommen, ist nach der sonst vollständigen Identität der Pilze wohl un- zweifelhaft. Bei A. glutinosa sieht man oft, dass die »Plasmodien« oder richtiger also Hyphenknäuel verschiedener Zellen durch die trennende Zellwand hin- durch in Verbindung stehen , aber es ist schwer , irgend welche Struktur dieser oft ziemlich breiten Verbindungsbahn zu erkennen. Bei A. undulata ist auch dieses leichter, uud man sieht, an tingirtem Material wohl am besten, deutlich , wie Hyphen in größerer oder kleinerer Anzahl die Hyphenknäuel verschiedener Zellen mit einander verbinden. Auch diese Hyphen sind bei A. glutinosa von trübem Plasma der Wirthzelle umgeben und dadurch un- sichtbar. Diese Verbindungsfäden zeigen, dass der Pilz in Form von Hyphen von einer Zelle zur anderen wandert, und dieses erklärt wieder die Anordnung der pilzhaltigen Zellen in längeren oder kürzeren Reihen oder Zügen, wovon schon oben die Rede war. Es kann hier etwas vorgreifend bemerkt werden, dass die Verbindungen der Pilzkörper verschiedener Zellen in dem jetzt zu erwähnenden Bläschen- stadium nicht sichtbar sind, und zwar deshalb, weil in diesem Stadium der Pilz das ganze Innere der Zelle ausfüllt, so dass es unmöglich sein muss, eine derartige Verbindung zu entdecken. In dem letzten Stadium des Pilzes, wo bei Alnus wieder ein Raum übrig ist zwischen Pilzkörper und Zell- 1) Neottia und Epipogon z. B. 164 J- Brunchorst. membran der Wirthzelle, und wo außerdem das trübe Plasma der letzteren verschwunden ist, da sieht man auch bei Ä. glutinosa leicht und deutlich die die verschiedenen Pilzkörper verbindenden Hyphen. (Fig. iO.) Dass die »Plasmodien« also in der That im Plasma der Wirthzelle einaje- bettete Hyphenknäuel sind, lässt nun der Bau des nächsten Stadiums ; des Bläschenstadiums, leicht verständlich erscheinen. Dieses zweite Sta- dium ist in Fig. 7, Taf. I, von Alnus glutinosa abgebildet, so wie es in sehr günstigen Fällen an frischem Material zu sehen ist. Gewöhnlich sind die Zellen viel dichter mit Bläschen erfüllt, die ohne Zwischenräume aneinan- derstoßen und anscheinend das ganze Zellinnere ausfüllen, gleichmäßig durch das ganze Innere vertheilt. Eine solche Ausfüllung der Zellen mit den Bläschen haben auch alle früheren Beobachter ^) angenommen und die- selbe war einer der Punkte , worin sich auch nach Moeller die Überein- stimmung mit P. Brassicae geltend machen sollte. In der That liegen aber die Bläschen nicht durch die ganze fremde Pilzmasse der Zellen vertheilt, sondern nehmen bloß die Oberfläche der- selben ein, welche sie allerdings meistens dicht bedecken. Sie sind in einer einzigen Schicht der Ob erf lache einer nicht in Bläs- chen differenzirten Masse aufgesetzt. Dies sieht man in einzelnen günstigen Fällen bei Alnus glutinosa sehr klar , w^o die Bläschen nicht so dicht liegen, dass sie die ganze Oberfläche bedecken , und wo man deshalb zwischen denselben auf die innere trübe Masse hineinsehen kann. (Fig. 7.) Aber auch wo die Bläschen ganz dicht gedrängt die Oberfläche ausfüllen, kann man an frischem Materiale, wenn auch mit einiger Schwierigkeit, durch verschieden hohes Einstellen sich von dem Vorhandensein einer solchen inneren Masse überzeugen. An Alkoholmaterial ist es vielleicht leichter durch die braune Färbung , welche dieses Beagens hervorruft, das aller- dings andere Verhältnisse undeutlicher macht ; durch die vorhin erwähnte Tinktion mit Hämatoxylin habe ich hei A. glutinosa, sowie bei undulata die allerschönsten Bilder von dieser Anordnung erhalten, indem sich die Bläschen sehr viel stärker färben, als die innere Masse. Hippophae und die Elaeagnus- spezies eignen sich für die Entscheidung auch dieser Frage sehr wenig, aber auch hier scheint, nach dem was ich gesehen habe, dieselbe Verlhei- lung der Bläschen stattzufinden. Dies ist ein neuer Punkt, welcher wieder dagegen spricht, dass wir es mit einer Plasmodiophora zu thun haben. Bei einer solchen müsste man erwarten , dass die Sporen (als welche ja dann die Bläschen aufgefasst werden müssen) durch die ganze Masse ver- 1) Cf. WoRONiN, Mem. de l'acad. etc. p. 3 des Sep.-Abz. — Moeller, Berichte, p. 104. über einige Wurzelanschwellungen etc. 165 theilt lägen, eine Vertheilung, wie die eben beschriebene, ist ganz unver- ständlich, denn es liegt kein Grund vor, warum eine formlose Plasmamasse, die sich in Sporen differenzirt, dieses bloß in einer oberflächlichen Schicht thun sollte. Dagegen ist die Anordnung leichtverständlich, nachdem wir wissen, dass wir es in den jüngsten Stadien des Pilzes nicht mit Plasmo- dien, sondern mit Hyphenknäueln zu thun haben. Denkt man sich, dass in einem dicht gewundenen, aus vielen einfachen oder einigen verzweigten Pilzfäden bestehenden Knäuel die Enden der Zweige resp. Hyphen zu kuge- ligen Bläschen anschwellen, dann ist es leicht versländlich, dass dieses, wenn das Knäuel dicht gewunden ist, bloß bei denjenigen Endigungen statt- finden kann, welche auf der Oberfläche liegen. Im Inneren sind ja die dichtgedrängten Fäden ebenso wie das diese einschließende Plasma ein rein mechanisches Hindernis für eine solche Aufschwellung ; an der Ober- fläche dagegen grenzt unser Hyphenknäuel, bloß von einer dünnen Plasma- hülle umgeben , frei an den Zellsaft und hier ist Platz vorhanden für das Anschwellen der Endigungen zu den kugeligen Bläschen. Es dürfte ziemlich überflüssig sein den Beweis beizubringen, dass das Bläschenstadium wirklich mit dem als Hyphenknäuel entpuppten »Plasmo- dium«-Stadium genetisch zusammenhängt. Das Auftreten des ersteren in Zellen, die in ihrer Jugend das letztere beherbergt haben müssen, ist ja schon Beweis genug. Ein weiterer Beweis liegt auch in der eben behan- delten Anordnung, welche schon für sich auf eine Abstammung des Bläschen- stadiums vom Hyphenknäuel hindeutet, und weitere Beweise bringen die weiteren Struktureigenthümlichkeiten des Bläschenstadiums, sowohl für den Zusammenhang desselben mit den als Hyphenknäuel gedeuteten Massen wie auch dafür, dass diese Massen aus wirklichen Hyphen zusammengesetzt sind. Dieses wird allerdings nach dem oben Gesagten kaum Jemand be- zweifeln, aber wegen der ungeheuren Kleinheit und daraus folgenden Un- deutlichkeit der hier behandelten Verhältnisse kann eine weitere Bestäti- gung wenigstens nicht schaden. Erstens kommen dabei die Fortsätze der Bläschen in Betracht. Schon von den ersten Beobachtern , Woronin und Frank, sind die Bläschen als mit je einem Tragfaden oder Hyphenfortsatz versehene Kugeln beschrie- ben worden. Andere Beobachter, wie Gravis und Warming, haben diese Fortsätze nicht gesehen und Moeller wieder hat sie gesehen , deutet sie aber in anderer Weise wie als Hyphenfortsätze, was er ja auch nach seiner Meinung von der Entstehung der Bläschen thun muss. Die betreff'enden Fortsätze sind am besten zu sehen, wenn man einen dünnen Schnitt mit den Nadeln zerzupft und quetscht. Dadurch erreicht man ohne Schwierigkeit, dass einzelne Bläschen sich von dem Verbände mit der mittleren Masse loslösen und frei in der Flüssigkeit herumschwim- men. Dieselben zeigen sich dann zum größten Theile mit einem kurzen Fortsatz versehen, meistens ungefähr so lang wie der Durchmesser der \QQ 3. Brunchorst. Kugel selbst und bei allen Spezies sehr dünn und fein, bei .4. undulata allerdings bedeutend stärker wie bei den anderen Spezies (Fig. 12). Au allen losgelösten Bläschen sind diese Fortsätze nicht vorhanden, aber wohl an den meisten, und in einzelnen Fällen sind die Fortsätze nicht kurz, wie eben beschrieben , sondern haben eine Länge vielmal so groß wie der Durchmesser des an ihnen befestigten Bläschens (Fig. 12a), dann ist meistens das oberste Stück, und dieses allein stark lichlbrechend und deut- lich markirt, das übrige macht den Eindruck einer entleerten zarten Haut. Diese Fortsätze — sie kommen allen Spezies zu — lassen sich sehr ungezwungen verstehen, wenn man die Bläschen durch Anschwellung eines Hyphenendes entstanden denkt; es sind dann Fadenstücke, welche beim Losreißen der Bläschen von dem Hyphenknäuel an denselben hängen ge- blieben sind, und sie lassen sich in keiner anderen Weise verstehen. MoELLER kann sie natürlich nicht so deuten, sondern meint, sie seien Fetzen einer von ihm angenommenen Zwischensubstanz, welche beim Zer- zupfen an den Bläschen hängen geblieben sind. Diese Deutung ist schon deshalb unzulässig, weil die Fortsätze immer in Einzahl vorhanden sind, und weil sie immer die gleiche Dicke und in ihrer ganzen Länge gleiche Stärke haben. Zufällige Fetzen einer Zwischensubstanz würden ja ebenso oft zu mehreren an einem Bläschen hängen bleiben, und auch ganz unregel- mäßige Form und ungleiche Stärke haben. Eine »Zwischensubstanz«, von der die Anhängsel herrühren könnten, ist überhaupt nicht vorhanden, wie man an aus der Zelle herausgefallener, mit Bläschen besetzter Pilzmasse sehen kann, indem die Scheitel der einzelnen Bläschen hier ganz frei her- vorragen, von nichts umhüllt oder bedeckt sind; und an nicht zerzupften oder zerquetschten Schnitten sieht man in günstigen Fällen, wie Fig. 6, dass schon die Fortsätze in ganz intakten Zellen vorhanden sind, also nicht durch die Präparation erzeugt werden , wie die MoELLER'sche Deutung, und die von Moeller angenommene Entstehung der Bläschen überhaupt, verlangt. Was die weitere Struktur des Bläschenstadiums angeht, so zeigen schon die oben erwähnten langen Hyphenfortsätze (Fig. 12a), dass die innere nicht in Bläschen dilFerenzirte Masse Pilzhyphen enthalten muss, ebenso wie es die Plasmakörper der jüngsten Zellen (die sog. Plasmodien) thun. In der That zeigt sie ganz dieselbe faserige Struktur wie die letzte- ren, was man schon dann sehen kann, wenn die Bläschen nicht zu dicht liegen (Fig. 6). Und besonders an tingirtem Material von A. undulata war es unzweifelhaft zu sehen , dass die innere Masse aus denselben dichten Hyphenknäueln besteht wie die »Plasmodien« selbst. Dadurch ist ja auch jeder Zweifel an der genetischen Zusammenhörigkeit der beiden Bildungen gehoben, wenn nicht schon das successive Auftreten in den verschieden alten Knollenzellen jeden Zweifel in dieser Hinsicht ausschlösse. Was die Hyphen selbst betrifft, so scheinen sie verzweigt zusein, was man natür- über einige Wurzelanscliwellungen etc. 1(37 lieh nicht in den unversehrten Knäueln sehen kann, sondern in solchen, die zerzupft und zerquetscht sind und wo man somit die Hyphen ausein- der gerissen hat. Dass die Hyphen im Inneren wirklich mit den Bläschen zusammenhängen und zu ihnen gehören, zeigen ja diejenigen Fälle, wo es gelingt, lange Hyphen mit daran befestigten Bläschen zu isoliren, was ich deshalb bemerke, weil man bei der Annahme von zwei verschiedenen Pilzen in den Anschwellungen (Woronin) etwa meinen könnte — wie unwahr- scheinlich es auch ist — , dass die gewöhnlich bloß mit einem kurzen Fortsatz versehenen Bläschen ganz unabhängig von den wirklichen Hyphen sein könnten, die Hyphenknäuel im Inneren und in den »Plasmodiena etwa einem Pilz angehörten, die Bläschen einem anderen, damit nicht zusammen- hängenden. Die Bläschen selbst bestehen aus einer deutlichen Membran und haben einen Inhalt, welcher für gewöhnlich ganz homogen erscheint und nach den Reaktionen Eiweißnatur hat. Er färbt sich mit Jod gelb, mit Millon's Reagens röthlich und tingirt sich leicht mittelst Hämatoxylin und Anilin- farben (Eosin, Methylviolett). Die Größe der Bläschen ist bei den verschiedenen Spezies etwas ver- schieden. Bei A. undulata habe ich sie am größten gefunden, ebenso wie hier die Hyphen am stärksten sind. Sie haben hier eine durchschnittliche Größe von etwas über 5 {x, variirend zwischen 4 und 6 ji. Bei Hippophae' rhamno'ides habe ich sie am kleinsten gefunden, im Mittel aus einigen Messungen bloß etwas über 3 jx, schwankend zwischen 2 und 3,5, Bei A. glutinosa sind sie im Mittel ungefähr 4 [x (zwischen 3 und 5 schwankend). Einen Werth als spezifischen Charakter will ich übrigens diesen geringen Größenunterschieden nicht beilegen, vielleicht variirt die Größe nach Standoi't und Ernährungszustand. Doch stimmen die Angaben Woronin's und Gravis' i) für A. glutinosa mit meinen Messungen an derselben Pflanze ziemlich überein, wenigstens so weit wie man es bei den Messungen ver- schiedener Leute von so kleinen Körperchen erwarten darf; in Alnusan- schwellungen von sechs verschiedenen Standorten, die ich untersucht habe, sind die Bläschen überall von derselben Größe. Bei Elaeagmis angustifolia^ argentea und bei Topfexemplaren von E. pungens sind die Bläschen ungefähr so groß wie bei Hippophae rham- no'ides. "" Die oben angeführten Thatsachen über Anordnung der Bläschen, sowie über deren schon in intacten Zellen zu sehenden Hyphenfortsätze und über die Natur der inneren, die Bläschen tragenden Masse beweisen schon, dass die Bläschen durch Anschwellung von Pilz hyphen gebildet werden müssen, nicht durch Diff'erenzirung in einer form- und struktur- losen Plasmamasse entstehen können. Und es mag gleich hervorgehobep. \) Der Erslere giebt an 4,8 — 5,9, der Letztere 4 — 5 [x. 168 J. Brunchorst. werden, dass sie als terminale Anschwellungen von Hyphen odsr Hyphen- zweigeu entstehen müssen, indem man nie ein Bläschen sieht, das mit zwei Hyphenfortsätzen versehen ist. Ich habe dieses wenigstens nie gesehen, und ich glaube sicher annehmen zu können, dass die gegentheiligen An- gaben Frank's i) und Woronin's 2) über Bläschen, welche an ihrer Spitze eine Hyphe und daran wieder ein Bläschen tragen sollten, durch Bilder entstanden sind, welche man manchmal erhält, wenn sich zwei mit je einem Hyphenfortsatz versehene Bläschen aneinanderlegen, der Fortsatz des einen an das andere Bläschen. Solche Bilder habe ich auch gehabt, aber mich immer durch Bewegung des Wassertropfens überzeugen können, dass ich nicht zwei zusammengewachsene, sondern zwei einfach zusammen ge- lagerte Bläschen vor mir hatte. Die Entstehung durch successive terminale Aufschwellung eines Hyphenendes kann, wenn auch nicht direkt, unter dem Mikroskope ver- folgt, doch auch aus den Zwischenstadien erschlossen werden. Dieselben findet man allerdings selten, woraus folgt, dass die Bildung der Bläschen sehr rasch vor sich gehen muss , aber bisweilen sieht man sie doch , wie ich glaube am besten im Frühjahr. Man findet dann an der Grenze zwischen »Plasmodiumzone« und »Bläschenzone« einzelne Zellen, wo die Pilzmassen mit kleinen Kügelchen von gleichmäßiger Größe besetzt sind, wie es Fig. 6 b zeigt, und es ist wohl berechtigt anzunehmen, dass wir es hier mit in Entstehung begriffenen Bläschen zu thun haben, besonders auch nach der Region, wo solche Zellen auftreten. Ich will nochmals bemerken, dass solche Stadien schwer zu finden sind. Das weitere Schicksal der Bläschen ist bisher ganz unbekannt geblieben und doch ist ein Stadium, wo die Bläschen nicht mehr zu finden sind, das häufigste in den Anschwellungen. Wie schon früher erwähnt, wird der allergrößte hintere Theil außer von den reservestoff führenden Zellen von solchen eingenommen, die bei Älnus einen farblosen oder gelb gefärbten cystolilhenartigen Klumpen ohne weitere sichtbare Struktur enthalten (Fig. 1 0) oder die bei Hippophaü und Elaeagnus kollabirt sind und gelbliche wachsartige Massen einschließen (Fig. \\] . Dass diese Massen aus dem mit Bläschen versehenen Inhalte der jüngeren Region der An- schwellungen hervorgegangen sind, ist ja ohne weiteres aus dem Bau und Spitzenzuwachs der Anschwellungen klar und auch die, allerdings nicht leicht herauszufindende Struktur der Massen zeigt dasselbe. Man findet näm- lich, besonders in Zellen, die dicht hinter der Bläschenzone liegen, in den Klumpen der Alnus und in den wachsartigen Massen der anderen Gattungen \) 1. c. p. 648. 2) 1. c. p. 4. über einige Wurzelanschwellungen etc. 169 Elemente, die aus den Bläschen hervorgegangen sein müssen. Es sind dies halbmond- bis beinahe vollständig ringförmige Körper von demselben Durchmesser wie die Bläschen. Viele Bläschen scheinen schon sehr bald so weit zerstört zu werden, dass sie nicht mehr in der schleimigen oder wachsartigen Masse wiederzufinden sind , aber andere bleiben eine Zeit lang kenntlich als nicht ganz geschlossene ringförmige Körper oder als halbe Ringe (Fig. 10 b). Schließlich, in den noch weiter nach hinten liegenden Theilen sind auch diese desorganisirt und verschwunden. Aus Schnitten, die gequetscht und zerzupft sind, werden auch oft solche schon zerstörte Bläschen isolirt (besonders habe ich dies bei E. pungens beobachtet), man sieht dann, dass es halbe oder zweidrittel Bläschen sind, Körper, die ent- weder durch Platzen einer geschlossenen Blase entstanden sein können, oder durch Einstülpen der einen Hälfte einer solchen in die andere. Ich glaube sowohl aus der Form vieler derselben wie aus anderen Gründen annehmen zu dürfen, dass diese Körper durch Platzen der Blasen ent- standen sind; dass sie aus den Bläschen entstammen, ist wenigstens ganz unzweifelhaft, und daraus folgt also, dass die Bläschen in den Alnus- zellen, wo sie gebildet sind, verbleiben und zu Grunde gehen. Einen weiteren Beweis dafür, dass die Klumpen und wachsartigen Massen aus den Bläschenmassen herstammen, hat man, wenn nöthig, darin, dass dieselben auch aus Hyphen oder Hyphenresten gebildet sind, die aller- dings bei A. glutinosa und den Elaeagnaceen schwer unterscheidbar sind, sich aber bei A. undulcUa nach Tinktion ziemlich deutlich erkennen ließen. Und auch bei A. glutinosa kann man ersehen, dass in dem dritten Stadium Hyphen vorhanden sind, daran, dass die Klumpen an einer oder mehreren solcher aufgehängt sind, welche auch die Klumpen verschiedener Zellen verbinden, wie es in Fig. 10 und 13 sichtbar ist. Diese Hyphen sind ohne Zweifel solche, durch welche die Wanderung des Pilzes von einer Zelle zur anderen im Meristem stattfand und welche, nach dem Zerstören der Bläs- chen, in dem dadurch offenen Raum sichtbar geworden sind. In den Anschwellungen von A. glutinosa kollabiren die Zellen , die Klumpen enthalten, nicht, oder erst sehr spät. Bei yl. M?irfw/ata kollabiren sie meistens bald und bei den Elaeagnaceen fallen sie sehr rasch nach dem Platzen der Bläschen vollständig zusammen, indem die benachbarten ge- sunden Zellen sich in sie hineinwölben. (Fig. 13.) Es bekommt hierdurch den Anschein, als ob die wachsartigen, meistens wegen der Form der Zellen langgestreckten Massen nicht in den Zellen , sondern in Intercellular- räumen lägen. Dass dies nicht der Fall ist, lässt sich an den an den Ecken vorhandenen wirklichen Intercellularen erkennen. Aus dem Zugrundegehen und Entleertwerden der Bläschen in den Zellen, wo sie gebildet sind, folgt nun, dass dieselben nicht, wie die gewöhn- liche Ansicht ist, Sporen sein können, wenigstens keine funktionirenden. Solche müssten entweder durch Zerstörung der Anschwellung frei werden, J70 ^' Brunchorst. wie bei Schinzia cypericola und Plasmodiophora Brassicae, oder sie müssten etwa ihre Keimschlüuche nach außen oder wenigstens in neue, nicht be- fallene Zellen hineintreiben. So etwas thun die Bläschen nicht. Sie platzen und entleeren ihren Inhalt in den Zellen, wo sie liegen. Dass sie auch nicht Haustorien (Kny) sein können oder mit der Ernährung des Pilzes überhaupt etwas zu thun haben, werde ich gleich zeigen, zunächst werde ich ein paar Reaktionen erwähnen, welche zeigen, dass mit dem Platzen auch wirklich ein Inhalt aus den Bläschen entfernt wird, dass sie nicht etwa auch im tur- geszenten Zustande bloß aus einer aufgeblasenen, inhaltsfreien oder -armen Membran bestehen , welche nachher zusammenfällt, ohne dass sie irgend einen Inhaltsbestandtheil abgiebt. An in der schon oben erwähnten Weise mit Hämatoxylin gefärbten Schnitten kann man es leicht erreichen, dass bloß die pilzhaltigen Zellen einer Anschwellung tingirt werden. Die Bläschen sind dann rein blau ge- färbt, und zwar ziemlich stark , die dahinter liegenden Zellen , in welchen die Bläschen zerstört sind, haben dagegen bloß eine schwache und zwar rothviolette Färbung angenommen. Ebenso färben sich mit Eosin in wässe- riger Lösung die Bläschen stark, während die älteren Stadien ungefärbt bleiben. Schon diese Färbungen zeigen einen Reichthum der, wenn man will, turgeszenten Bläschen gegenüber den kollabirten oder geplatzten an Eiweißstoffen an, und durch MiLLON'sches Reagens kann man direkt nach- weisen , dass die bläschenhaltigen Zellen stark eiweißhaltig sind, während die dahinter liegenden mit den Klumpen gefüllten gar keine Eiweiß- reaktion geben. Mit dem Zerstörtwerden der Bläschen findet also eine Entleerung der- selben statt, und es fragt sich dann, wie diese Entleerung vor sich geht. Hier leistet wieder die Hämatoxylinfärbung gute Dienste, ebenso wie die Anwen- dung von Alnus undulata von Vortheil war. Man sieht nämlich an tingii'ten Präparaten aus Anschwellungen, die im Herbst gesammelt wurden, dass die Bläschen nicht einfach, sondern in mehrere bis vieleZellen ge- t heilt sind. An untingirtem Materiale kann man wegen der Kleinheit der Gebilde natürlich nichts sehen, an tingirten Schnitten ist es aber nicht schwer zu bemerken , wie der dunkelblau gefärbte Inhalt durch untingirle Wände, in mehrere eckige Theile zerlegt ist. i) In manchen Bläschen ist bloß eine Wand vorhanden, somit das Bläschen bloß in zwei Zellen ge- theilt, die theils ungefähr gleiche Größe haben, theils ziemlich ungleich groß sind. In anderen Bläschen sieht man Zellwände mehr oder weniger senk- recht zu den vorigen auftreten, so dass drei und vier getrennte Zellen vorhan- den sein müssen, und in wieder anderen ist die Theilung weitergeschritten, \) Sehr gute Dienste leistet hierbei der ÄBBE'sche Beleuchtungsapparat nach Weg- nahme jeder Blendung, sowie er für gewisse Bakterienuntersuchungen benutzt wird. Bloß durch diese Beleuchtung habe ich auch die Septirtheit der die Hyphenknäuel zusammensetzenden Fäden sehen können. über einige Wurzelanschwellungen etc. 171 SO dass der Inhalt aus sehr vielen, natürlich entsprechend kleineren, eckig umgrenzten Zellen besteht. In Fig. 9 sind einige dieser Theilungssladien wiedergegeben. Diejenigen Zellen nun, welche an der hinteren Grenze der Bläschenzone liegen, dicht an solchen Zellen, deren Bläschen schon entleert sind, tingiren sich nicht oder nur sehr wenig. Die Bläschen sind hier noch nicht geplatzt, aber ihr Inhalt ist beinahe farblos geblieben, und zeigt sich aus einer Mehrzahl länglicher, stark lichtbrechender Körperchen bestehend, welche ohne Zweifel durch Abrundung und Isolirung der eben beschriebenen , durch successive Theilung hervorgegangenen Zellen entstanden sind. Dieselben Körperchen sieht man auch in Bläschen von A. glutinosa ohne Tinktion an frischem Materiale unschwer, bei den Elaeag- naceen sind sie ebenfalls vorhanden, wenn auch wegen der noch größeren Kleinheit undeutlicher. Schon das Vorhandensein dieser Körperchen in frischen Bläschen zeigt, dass die an tingirtem Materiale bemerkbare , an untingirtem allerdings unsichtbare Zertheilung des Inhaltes nicht etwa bloß durch die Reagentieu hervorgerufen ist. Dass wirkliche getrennte Partien in den Bläschen vorkommen, ist auch dann deutlich, wenn man ein freischwimmendes Bläschen zerquetscht ; die einzelnen gefärbten Theile werden dann von ein- ander losgelöst und fallen auseinander (Fig. 9, x). Etwas näheres über die Struktur der getrennten Inhaltskörperchen der Bläschen anzugeben ist nicht möglich, dazu sind sie viel zu klein. Sind doch schon die Bläschen, worin sie in größerer Anzahl (10 — 20) gebildet werden, so klein, dass auch ihr Bau sich nur mit Schwierigkeit konstatiren lässt und in verschiedenen Weisen beschrieben worden ist. Ich stehe nach der eben geschilderten Bildungsweise der kleinen Kör- perchen nicht an, dieselben als die wirklichen Sporen des Pilzes zu be- trachten, und demnach die Bläschen selbst als Sporangien anzusehen, indem ich natürlich die Namen Spore und Sporangium in der allgemeinsten Bedeutung benutze und damit nichts über den morphologischen Werth und die Homologien der betreuenden Gebilde gesagt haben will. Diese Sporen werden also durch Platzen der Sporangiumwand frei und gerathen in den Zellraum der Wirthzelle hinein, aber was dann weiter aus ihnen wird, habe ich nicht verfolgen können, und wird sich auch wegen der Kleinheit der betreffenden Gebilde schwerlich verfolgen lassen, solange man die Sporangien nicht außerhalb der Zelle zur Sporenbildung bringen kann, und somit die kleinen Sporen für sich in einer klaren Nährflüssigkeit zu beobachten Gelegenheit hat. In dem von so vielerlei Körnern erfüllten Zellinneren der Wirthzelle selbst ist es unmöglich , die Sporen nach der Ausleerung aufzufinden und ihre weitere Entwickelung zu verfolgen, und ich habe es verschiedentlich versucht, die Sporangien in Wasser zum Weiter- entwickeln zu bringen , ohne dass es mir bisher gelungen ist. Man kann J72 ^' Brunchorst. auch keinerlei sehr begründete Vermuthungen darüber haben, was das Schicksal der Sporen wohl ist. Durch Fäulnis der Anschwellungen gerathen sie nicht in Freiheit und in den Boden, so viel scheint sicher, denn während Sporen ohne Zweifel jedes Jahr gebildet werden, wachsen die Anschwel- lungen jahrelang fort, ehe sie — ob durch innere Urachen, weiß ich nicht — zu Grunde gehen, indem das Rindenparenchym zerstört wird, und bloß die Rinde und das Gefäßbündel und schließlich nur das Letztere als ein ge- schwärzter Fetzen übrig bleibt. Und anzunehmen, dass die Sporen durch die sie umgebenden Zellschichten hindurchwandern sollten, um ins Freie zu gerathen, ist auch etwas schwer, denn es sind viele Zell wände , wovon die äußersten verkorkt und verdickt, die auf diesem Wege durchwandert werden müssten. Und noch eine Möglichkeit, dass sie in den Zellen, wo sie gebildet sind , ihre weitere Entwickelung nehmen , ist deshalb wenig zu- lässig, weil man n i e in den älteren Partien, wo die Sporen früherer Jahre gelegen haben müssen, Entwickelungsstadien antrifft, die man als aus den Sporen entstandene ansehen könnte. Man findet, wie schon oben dargelegt, in dem hinteren Theil jeder Anschwellung ein paar Millimeter hinter der Spitze anfangend und bis in die ältesten Theile , bloß desorganisirte Massen, die deutlicherweise aus dem Bläschenstadium hervorgegangen sind, nicht irgend etwas, was man als junge Stadien ansehen könnte. Die jungen Stadien, d. h. die Hyphenknäuel ohne ausgebildete Sporangien, finden sich immer nur an der Spitze der Anschwellungen, also in Zellen, die bis- her keine Sporangien oder Sporen enthalten haben. Es bleibt somit vor der Hand eine ganz offene Frage , was aus den Sporen wird , ja man könnte beinahe geneigt sein , dieselben als unter den gewöhnlichen Umständen nicht zur Keimung kommende Gebilde zu be- trachten, welche etwa bloß dann zur Vermehrung des Pilzes beitragen, wenn aus irgend einem Anlasse die Anschwellungen absterben, was ja zu- letzt immer eintreten muss, während also für gewöhnlich der Pilz sich nur durch Weiterwachsen der Hyphen in den Anschwellungen vermehrt und die Sporen nutzlos zu Grunde gehen. Von den verschiedenen Möglich- keiten, ist vielleicht diese nicht die unwahrscheinlichste, und sie setzt, wie man sieht, nicht voraus, dass die Sporen wirklich funktionslos seien, eine Annahme , die ja immer sehr bedenklich ist , sondern nur dass sie unter den in der Natur gewöhnlichen Bedingungen nicht zur Keimung ge- langen , was ja für manche Vermehrungsorgane zutrifft. Ausgeschlossen ist es natürlich nicht, dass die Sporen durch die sie umgebenden Zellen hindurch auswandern können und somit in Freiheit gelangen , auch ohne dass die Anschwellung zerstört wird. Diese Annahme entspricht dem, was maii direkt sieht, indem es mir nicht gelungen ist, die Sporen in den älteren Theilen der Anschwellungen aufzufinden. Allerdings sind die Sporen so klein, dass es sehr schwer halten wird, ihre Auswanderung direkt zu be- obachten oder sie in den zu durchwandernden Zellen aufzufinden. Die all- über einige Wurzelanschwellungen etc. 173 gemeine Verbreitung des Pilzes spricht vielleicht für die letztere Möglich- keit, ohne dass durch dieselbe die zuerst angedeutete ausgeschlossen scheint. Näher auf diese erst durch weitere Beobachtung zu entscheidende Möglich- keit einzugehen, lohnt sich natürlich nicht. In den einmal infizirten Anschwellungen vermehrt sich gewiss der Pilz bloß durch Hineinwachsen von Hyphen in die jedes Jahr neugebilde- ten Zellen, indem er von hinten in demselben Verhältnis abstirbt, wie das Weiterwachsen vor sich geht, so dass die lebendigen Pilzkörper sich immer nur in einer gewissen kleinen Zone nicht sehr alter Zellen hinter der Spitze aufhalten. Wie die Infektion neuer pilzfreier Wurzeln und somit die Anlage neuer Gallen geschieht , ob durch Sporen oder durch im Boden ve- getirende Hyphen , ist ja dagegen ganz unbekannt. Vielleicht können die Sporen , wenn sie frei werden , im Boden selbständig weitervegetiren und dadurch die große Verbreitung des Pilzes begründen. In der Thal ist der Pilz äußerst verbreitet, denn alle Almishäume, die an feuchten Stellen vor- kommen, scheinen von demselben befallen zu sein. ^) Auf trockenen Stand- orten dagegen sollen nach den Angaben die Anschwellungen bisweilen fehlen. Ich habe dieselben an allen untersuchten Exemplaren von A. glu- tinosa gefunden, mit Ausnahme eines in dem trockenen und sandigen Boden des Versuchsgartens der Landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin wach- senden. Bei den Elaeagnaceen der Berliner und Tübinger botanischen Gär- ten, welche in gewöhnlichem Gartenboden wachsen, kamen sie ohne Aus- nahme reichlich vor. Der Pilz, dessen Entwickelungsstadien ich im Vorhergehenden beschrie- ben habe, ist, wie man gesehen hat, von Plasmodiophora Brassicae Woronln so vollständig verschieden , dass seine Nichtzugehörigkeit zu der Gattung Plasmodiophora ganz unzweifelhaft ist, und nicht näher begründet zu wer- den braucht. Mehr Ähnlichkeit hat er mit der NÄGELi'schen Gattung Schinzia, so wie dieselbe nach der alten Beschreibung sein soll. Schinzia ist nach Nägeli ein Hyphenpilz, dessen eine Spezies im Inneren der, übrigens nicht abnorm veränderten, /mwurzeln vegetirt, und der an den Spitzen seiner Hyphen kugelige Anschwellungen bildet , die als Sporen oder Sporangien gedeutet worden sind. Insofern ist also etwas Ähnlichkeit mit dem eben behandelten Pilze vorhanden, und Woronin hat deshalb auch den zuerst von ihm beschriebenen Organismus, der unzweifelhaft mit dem meinigen iden- tisch ist, zu Sc/jmjs/a gestellt. Indessensind die, denSporangien meines Pilzes als analog zu betrachtenden Organe der Schinzia so viel größer, dass an eine Identität der beiden Pilze nicht zu denken ist. Die Größenunterschiede der bei den verschiedenen Älnus- und ElaeagnusQVier\ angetroffenen Sporangien 1) Woronin, 1. c. p. 5 des Sep-Abz. — Moeller, 1. c. p. -102. 174 •'• Brünchorst. sind nicht sehr bedeutend, und nie sind dieselben größer als 6 [x. Sdiinzia Nägeli dagegen bildet Bläschen, welche einen Durchmesser bis 0,015 Linie = 33 fi haben ^), und dieser Unterschied ist doch so groß, dass darnach wohl keine Übereinstimmung der beiden Pilze möglich ist, auch die übrigen Punkte unbeachtet, in denen die Schinzia nach der , allerdings der dama- ligen Zeit gemäß, sehr unvollkommenen Beschreibung Nägeli's von unserem Pilz differirt. Auch die Dicke der Hyphen ist bei Schinzia viel größer als bei unserem Pilz , welchen Nägeli mit den damaligen Mikroskopen über- haupt nicht gesehen haben könnte. Es scheint somit nothwendig, dem Pilz einen neuen Namen beizulegen, und ich schlage den Namen Frankia für denselben vor, nach dem einen der beiden Forscher, die sich zuerst mit ihm beschäftigt haben, und zwar glücklicher als ihre Nachfolger. Die bei den verschiedenen Wirthpflanzen vorkommenden Pilze sind so wenig verschieden, dass es keinen Sinn hat, dieselben spezifisch zu unterscheiden , sie mögen alle den Namen Frankia subtilis tragen. Es bleibt mir jetzt übrig , die Identitätsfrage der von verschiedener Seite beschriebenen Pilze zu erwähnen, und ich kann dabei ganz kurz sein. Die Pilze, deren Sporangiumstadien allein von Woronin und Frank unter dem Namen Schinzia behandelt wurden, sind ohne Zweifel identisch, dar- über kann nach Zeichnungen und Beschreibungen wohl kein Zweifel herr- schen. 2) Ich habe mich nun an dem Originalmaterial Frank's ebenso, wie an seinen Präparaten überzeugen können , dass diese Schinzia in der That, so wie man es auch aus der Beschreibung schließen muss, mit Frankia sub- tilis identisch ist. 3) Was nun die Plasniodiophora Moeller's betrifft , so bin ich wieder in der Lage, denselben aus Material und Präparaten zu kennen, die ich durch die Güte des Herrn Moeller selbst erhalten habe, und die Identität des Pilzes mit Frankia ist ebenfalls ganz unzweifelhaft , indem ich an diesem Material genau dasselbe gesehen habe, wie an Alkoholmaterial von Frankia selbst : mit je einem Fortsatz versehene Bläschen , welche circa 4 [i, Durchmesser haben, die plasmodienähnlichen Hyphenknäuel und die desorganisirten Massen in dem hinteren Theile.^) Dass der von Gravis untersuchte Pilz ebenfalls zu Frankia gehört, ist 4) 1. c. p. 87. 2) cf. Woronin, I. c. Fig. 9 bis 4 3, Tat'. I, und Frank, Krankheiten, Fig. 119, p. 648. 3) Die Beschreibung Woronin's stimmt nur insofern nicht mit dem Sporangium- stadium der Frankia überein, als er in tercellulare Hyphen gesehen haben will (I.e. p. 3). Dies beruht ohne Zweifel auf einer Täuschung, die um so leichter verständlich ist, als auch nach W. die betreflfenden Hyphen äußerst zart und schwer zu beobachten sein sollen. 4) Ein wichtiger Grund, warum Moeller den Pilz so falsch aufgefasst hat, liegt darin, dass er ausschließlich Alkoholmaterial untersuchte. Dies ist für die Erkenntnis der feineren Structur höchst ungünstig. über einige Wurzelanschwellungen etc. 175 nach seiner Angabe Über die Größe der »Sporen« und nach einer Zeich- nung unzweifelhaft. ^) Es wäre somit nur noch die Beschreibung Warming's 2) von dem Pilze der Elaeagnaceen übrig, um die Annahme Woronin's 3), dass in den Anschwel- lungen unter Umständen zwei Pilze vorhanden sein könnten , zu rechtfer- tigen und um die Existenz einer Plasmodiophora in denselben zu begründen. Ich habe hier kein Originalmaterial, worauf ich mich berufen kann, aber nachdem es nachgewiesen ist, dass mehrere andere Forscher sich durch die oberflächliche Ähnlichkeit des Sporangienstadiums von Frankia mit Plasmo- diophora dazn haben verleiten lassen, denselben für mit Letzterem identisch zu halten, und nachdem in allen von mir untersuchten ^'/aea^^ms- und /fZ/^jw- p/iaeknollen die wirkliche Frankia sich vorfindet, darf es wohl kaum be- zweifelt werden, dass auch Warming denselben vor sich gehabt hat, und dass somit bis jetzt bloß ein Pilz in den Anschwellungen gefunden worden ist, nämlich die Frankia. Dass hin und wieder, in den Anschwellungen sowohl wie in normalen Wurzeln , andere Pilze parasitisch vorkommen können , ist nicht zu Ijezweifeln ^^ , und ich habe gelegentlich auch einen solchen gefunden, aber es giebt sicher bloß einen Pilz, der konstanter Be- gleiter der Anschwellungen ist, und der somit als deren Urheber gelten muss, nämlich Frankia. Plasmodiophora Alnus Moeller existirt nicht , son- dern bezeichnet nur eine falsche Auffassung eines von jedem Myxomyceten ganz verschiedenen Pilzes. Zu der Beschreibung der Entwickelung der Frankia habe ich deshalb viel Worte brauchen müssen, um meine Meinung gegenüber der anderer Forscher zu begründen und die früheren Angaben zu widerlegen, es dürfte sich deshalb empfehlen, den Entwickelungsgang kurz zu rekapituliren, wobei ich die gelegentlich berührte Abhängigkeit der Pilzentwickelung von der Jahreszeit präzisiren werde. Die Frankia ist ein Hyphenpilz, aus äußerst zarten septirten Fäden ge- 1) Bull. etc. PI. 1, c. Fig. 1. Gravis' »Sporen« sind, wie die Sporangien von Frankia, 4 — 5 jx groß. Er hat dieselben in seiner ersten ausführlicheren Mittheilung nicht gekannt, sie dagegen später an anderem Material noch gefunden, was einfach darin seinen Grund hat, dass Frankia im Winter keine Sporangien hat, dagegen den ganzen Sommer, und Gravis hat sein erstes Material im Februar und März gesammelt, sein an- deres im Juli, wie er angiebt. 2) I. c. p. 3) Berichte 1885, p. 177, und auch Gravis, Compte rendu etc. p. 3 des Sep.-Abz. 4) Cf. BoRzi, Über Rhizomyxa, ein neuer Phycomycet. Messina, 1884. (Italienisch.) Ref. : Bot. Centralbl. 1884. p. 1 . Ob der Pilz, den ich bei A. undulata in einzelnen An- schwellungen gefunden habe , mit der Rhizomyxa identisch ist oder ein bisher unbe- schriebener Organismus, kann ich nicht bestimmt sagen, da ich bloß ein einzelnes Entwickelungsstadium gesehen habe. Er hat ohne Zweifel keinen Zusammenhang mit Frankia, und tritt überall in den Anschwellungen auf, nicht nur in den Zellen einer bestimmten Zone , kann auch nicht zu Verwechslung mit Frankia Anlass geben oder gegeben haben. -[76 J. Brunchorst, Über einige Wurzelanschwellungen etc. bildet, welche, zu dichten Knäueln gewunden, im Plasma der jüngeren, an der Spitze der Anschwellungszweige gelegenen Parenchymzellen vegetirt. In dieser Form von Hyphenknäueln überwintert der Pilz. Im Frühjahr, und zwar schon im April, wo die Vegetation der Wirthpflanze anhebt, fängt auch die Frankia an sich zu entwickeln. Indem die Anschwellungen an der Spitze weiter wachsen und die neugebildeten Zellen durch einwandernde Hyphen infizirt werden, gehen die älteren Knäuel zur Sporenbildung über, welche dadurch geschieht, dass an der Oberfläche gelegene Hyphenendi- gungen zu kugeligen Sporangien anschwellen, und zwar äußerst rasch. Im Laufe des Sommers werden an mehr und mehr Hyphenknäueln, solche Spor- angien gebildet, so dass die sporangienführenden Zellen immer zahlreicher werden, und eine bis zum Herbst breiter werdende Zone der Anschwel- lungsspitzen einnehmen. Im Spätsommer fängt dann die Bildung der Spo- ren an, wieder von den ältesten Sporangien ausgehend, indem in denselben der Inhalt durch successiv auftretende . sich kreuzende Wände in eine größere Anzahl (10 — 20 vielleicht) kleiner Zellen getheilt wird. Diese Zellen sind die Sporen, die sich isoliren und durch Platzen der Sporangiumwaud frei werden. Bis zum Winter hat sich diese Sporenbildung in sämmtlichen Sporangien vollzogen , die entleerten Sporangienwände ebenso wie die sie tragenden Hyphenknäuel liegen, als desorganisirte Massen, in den früher von Sporangien ausgefüllten Zellen , diese Massen sind nicht mehr lebensfähig und betheiligen sich nicht mehr an der Vegetation des Pilzes, welche im nächsten Frühjahre von den in den jüngsten Zellen überwinternden Hyphen- knäueln, welche noch keine Sporangien getragen haben, wieder angefangen wird. Es ist, wie man sieht, eine, dem langsamen Wachsthum der Gallen selbst angepasste, sehr langsam sich abwickelnde Vegetation. Es bleibt nur noch übrig , mit ein paar Worten der verwandtschaft- lichen Beziehungen der Frankia zu gedenken. Am nächsten würde man wohl wegen der kugeligen Sporangien an eine Zugehörigkeit zu den Muco- rineen oder Saprolegniaceen denken. Eine solche ist aber wohl kaum an- nehmbar, weil die Hyphen septirt sind und weil die Sporen durch suc- cessive Theilung der Sporanglenzelle entstehen. Durch seine Sporen- bildung, welche ja allein das Charakteristische bei dem Pilze ist, schließt sich Frankia in der That gar keiner anderen mir bekannten Pilzgruppe naturgemäß an, sondern steht vorläufig ganz vereinzelt da. Vielleicht wer- den die noch aufzufindenden weiteren Entwickelungsstadien irgend einen Aufschluss geben, vorläufig werde ich mich jeder Vermuthung über mög- liche Verwandtschaftsverhältnisse des sehr niedrig organisirten Pilzes ent- halten. Figurenerklärung von Tafel I. (Die mikroskopischen Bilder sind, wo nichts anderes bemerkt, mit der Oelimmer- sion 7)8 Zeiss und Okular 2 gezeichnet und mit Hülfe der Camera entworfen. Die Ver- größerung beträgt hierbei 1095.) Fig. 1. Junge Wurzel von Alnus glutinosa mit kleinen Anlagen zu den Pilzgallen. Fig. 2. Anschwellungen verschiedenen Alters von Elaeagnus pungens aus dem Berliner bot. Garten (nat. Gr.). Fig. 3. Längsschnitt einer Zweigspitze von Hippophae rhamnoides, schwach vergrößert. (G = Gefäßbündel, R = Rinde, worin der Pilz vegetirt, m = Meristem.) B und C bezeichnen Zonen mit verschiedenen Entwickelungsstadien des Pilzes: B Sporangienstadium, C Sporangien entleert und der Pilz abgestorben. Fig. 4. Anordnung der verschiedenen Inhaltsbestandtheile in einer Alnusknolle (halb schematisch). Die dunklen Linien bezeichnen gerbsäure- und stärkehaltige Zellzüge, dazwischen liegen pilzhaltige Zellzüge. B Sporangienzone. Fig. 5. Zellen aus dem Meristem einer A. g-httmosa-Anschwellung mit Pilzinhalt (»Plas- modien« Moeller's) in frischem Zustande. Fig. 6 a. Pilzinhalt einer Meristemzelle nach Behandlung mit kochender verdünnter Salzsäure ; der Hyphenknäuel sichtbar, b. Etwas älteres Stadium mit Sporangienanfängen, ebenso behandelt wie a. (Beides von A. glutinosa.) Fig. 7. Hyphenknäuel mit ausgewachsenen Sporangien von A. glutinosa, im frischen Zustande in einer intakten Zelle liegend. (Inhalt der Zellen in der Zone , wel- cher B Fig. 3 entspricht.) Fig. 8. Pilzkörper von A. glutinosa , wo der Inhalt der Sporangien in Sporen zerfallen ist. Aus einer sehr kleinen Zelle. Theilungsstadien der Sporangien von A. undulata (Hämatoxylinpräparat). Zellen aus dem hintersten Theile einer Alnusanschwellung {A. glutinosa) , wo die Sporangien entleert sind und der Pilzkörper abgestorben und desorgani- sirl ist. (Vergr. 200.)_ Zellen mit desorganisirtem Pilzinhalte von Hippophae rhamnoides (aus der mit c bezeichneten Zone der Fig. 3, Vergr. 200). Einzelne losgelöste Sporangien : a. von Hippophae rhamnoides, b. von A. undulata. Fig. 9. Fig. 10. Fig. 11. Fig. 12. Untersuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. 11. 12 IV. Ülber Aiiftiahme Yon Anilinfarben in lebende Zellen. Ein Beitrag zur Mechanik des StofFaustausches. Von Dr. W. Pfeffer. I. Einleitung. Ernährung und Lebensthätigkeit der höchsten wie der niedersten Pflanze fordern unabweisbar, dass von außen Stoffe in lebendige Zellen ihren Weg finden, in denen sie entweder verarbeitet oder auch in größerer oder kleinerer Menge aufgespeichert werden. Einer solchen vorübergehen- den oder dauernden Magazinirung können ebenso die Stoffwechselprodukte unterworfen sein, welche in anderen Fällen ihren Weg aus der Zelle in das umgebende Medium finden, sei es, dass dieses Luft, Wasser oder eine an- dere lebende Zelle ist. Mag nun ein Stoff für die Pflanze entbehrlich oder unentbehrlich sein, jedenfalls muss er, um in die lebendige Zelle zu gelangen — die vv^ir mit Wasser durchtränkt voraussetzen — , zunächst die Zellwand passiren , um den Protoplasmakörper zu erreichen , mit dessen Durchwanderung er den Weg in den Zellsaft (Vakuolenflüssigkeit) finden kann. Die von Wasser durchtränkte Zellwand lässt aber bekanntlich ge- löste Körper, sofern sie nicht zu sehr kolloidal sind, mehr oder weniger leicht diosmiren. Nicht so der Protoplasmakörper, für den selbst dann die Aufnahme merklicher Mengen nicht direkt nachzuweisen ist, wenn diese Körper, wie Salpeter, Phosphate, Zucker u. s. w. zum Zwecke der Ernäh- rung der Pflanze ihren Weg in die lebendige Zelle sicher finden müssen. Bei dem Mangel von Stoffen, deren Eintritt und Anwesenheit in leben- digen Pflanzenzellen sich leicht erkennen und kontroliren lässt, war es bis- her nicht wohl möglich, den Vorgang der Stoftaufnahme näher zu verfolgen. Eigentlich war es bisher nur möglich, für Ammoniak und Alkalien das Ein- dringen in den Zellsaft durch die Reaktion farbiger Zellsäfte oder durch Untersuchungen aus dem botan. Institut in Tübingen. Bd. H. ,| 3 180 W. Pfeffer. entstehende Niederschläge in diesen direkt zu konstatiren. Der besonderen Eigenschaften der Alkalien halber können die mit diesen Körpern gewon- nenen Erfahrungen nicht wohl zu allgemeinen Schlüssen über die Stoff- aufnahme verwandt werden. Zudem werden die Zellen bei Einwirkung von Alkalien leicht geschädigt, was in noch höherem Grade für Säuren gilt, für die ein Eindringen ohne Schädigung bisher nicht sicher gestellt war. Für Farbstoffe , welche von vornherein als die für die Beobachtung geeig- netsten Stoffe erscheinen müssen, hatten alle bisherigen Beobachtungen an Pflanzenzellen hinsichtlich der Aufnahme oder Ausgabe ein negatives Re- sultat ergeben. Thatsächlich dringen aber verschiedene Anilinfarben leicht in lebendige Pflanzenzellen und können unter Umständen in diesen in an- sehnlichem Grade aufgespeichert werden, ohne dass das Leben geschädigt wird. Solche leicht kontrolirbare Farbstoffaufnahme habe ich als Reagens benutzt, um den Vorgang der Stoffaufnahme und Stoffausgabe näher zu Studiren. Naturgemäß war mein Augenmerk zunächst auf die allgemeinsten Be- dingungen gerichtet, welche über Aufnahme oder Ausgabe von Stoffen ent- scheiden. Im Dienste des lebendigen Organismus werden aber mit diesen Mitteln besondere Leistungen erreicht, hinsichtlich deren ich wohl die Sach- lage zu klären vermochte , ohne die mannigfachen Vorgänge im Näheren auf die bestimmenden Ursachen zurückführen zu können. Nach dieser Seite wird die kausale Aufhellung der faktischen Leistungen auch nur langsam und stufenweise Fortschritte machen, da maßgebend die spezifische Eigen- thümlichkeit und Reaktionsfähigkeit des Organismus eingreift, welche in jedem einzelnen Falle nach ihren Besonderheiten in Betracht gezogen wer- den muss. Übrigens ist auf die Bedeutung der Lebensthätigkeit für die Stoffaufnahme schon in meinen früheren Darstellungen hingewiesen, welche auch ein in der Hauptsache richtiges Bild von den allgemein für die Stoff- aufnahme maßgebenden Faktoren geben i). Bei den hier verfolgten Zielen dienten die Farbstoffe nur als Mittel zum Zweck, und nachdem ich geeignete farbige Körper kennen gelernt hatte, unterließ ich weitere Farbstoffe auf Aufnahme oder Nichtaufnahme zu prü- fen. Es ist wohl nicht zweifelhaft, dass manche nicht geprüfte Farben für bestimmte Zwecke sich besser eignen werden, als die von mir angewandten Farbkörper, und in der That ist zu hoffen , dass die Aufnahme von Farb- stoffen in lebende Zellen nach verschiedener Richtung hin nutzbar gemacht werden kann. Da die Besonderheiten der Aufnahme von Stoffen in die lebendige Zelle hauptsächlich von den Eigenschaften des Protoplasmakörpers abhängen, war es geboten, besonders solche Versuchsobjekte zu wählen, deren Zellwand V Vergl. Pfeffer, Pflanzenphysiologie. 1881. Bd. I. p. 44; Osmot. Untersuch. 1877. p. 160. über Aufnahme von Anilinfarben in lebende Zellen. 181 relativ leicht Wasser und gelöste Stoffe passiren lässt. Die bekannten Eigen- schaften der für Wasser schwieriger permeablen Wände, also von Kork und Cuticula, sind nur nebenbei in Betracht gezogen. Gleiches gilt hinsichtlich der Verhältnisse, welche aus dem Gewebeverband der Zellen entspringen. Denn der Akt der Aufnahme in den Protoplasmaorganismus bleibt dem We- sen nach gleich , mag der gelöste Stoff durch eine dünne Zellwand oder durch deckende Zelllagen oder innerhalb des Zellwandgerüstes oder auf irgend eine andere Weise seinen Weg bis zu der aufnehmenden Zelle gefunden haben. Freilich kann durch Verlängerung des Weges bis zum Aufnahmeort und ebenso durch schwieriger permeable Wände die Aufnahmethätigkeit sehr verlangsamt, ja unter Umständen unmöglich gemacht werden. Durch die Zellwand gelangen zumeist nur gelöste Stoffe zu dem Proto- plasmaorganismus , welcher demgemäß unter diesen Umständen auf dios- motische Aufnahme angewiesen ist. Doch vermögen bekanntlich Myxomy- ceten und überhaupt Primordialzellen auch feste Partikel aufzunehmen, und solche können auch von dem Protoplasma in den Zellsaft und umgekehrt ihren Weg finden. Dieser Austausch von Partikeln messbarer Größe wird weiterhin in seinem Verhältnis zur Aufnahme gelöster Stoffe beleuchtet werden; zunächst aber soll die Aufnahme gelöster Stoffe, also die diosmo- tische Aufnahme ins Auge gefasst werden. Für unsere nächsten Untersuchungen kann zwar der ganze Protoplasma- körper als diosmotisch maßgebend ins Auge gefasst werden, doch entschei- det, wie früher von mir dargethan wurde i), über die Aufnahme die Plasma- schicht, welche den Protoplasmakörper nach außen, also gegen die Zellhaut hin, wie gegen größere oder kleinere Vakuolen abgrenzt. Diese diosmotisch bestimmende Schicht wird nach früherem Vorgang als Hautschicht, Plasma- haut, Plasmamembran oder Hyaloplasmahäutchen bezeichnet werden. Zur näheren Kennzeichnung kann man von äußerer oder innerer Hautschicht oder kurzweg Außenschicht und Innenschicht des Plasmas reden. Letztere wird nach dem Vorgang von de Vries auch Vakuolenwand oder Vakuolenhaut genannt werden, während mit Hautschicht oder Plasmahaut, sofern eine nähere Bezeichnung die räumliche Lage zum Protoplasmakörper nicht be- stimmt, die den Protoplasmakörper nach außen begrenzende Schicht be- zeichnet werden soll. Bei den Differenzen über den mit Protoplasma zu verbindenden Begriff mag hier noch bemerkt werden, dass ich, wie früher (Phys. I, p. 3i) und z, B. in Übereinstimmung mit HANSiEm und Strasburger, den ganzen eigent- lichen lebendigen Organismus mitsammt seinen lebendigen Organen Proto- plasmaorganismus, Protoplasmakörper und schlechthin Protoplasma, nach dem Vorgange Hanstein's auch wohl Protoplast nenne 2). Die nicht zur 1) Vergl. meine Physiologie Bd. I, p. 31, 2) Hanstein, Botan. Abhandlungen 1880, Bd. IV. p. 8. 13^ 132 W. Pfeffer. eigentlichen Konstitution des Protoplasmas gehörigen Körper werden dem- gemäß allgemein als Einschlüsse bezeichnet und die speziell zu dem Stoff- wechsel in Beziehung stehenden Stoffe können mit Hanstein als Metaplasma zusammengefasst werden. Was ich unter Zellsaft und gleichbedeutend un- ter Vakuolensaft oder Vakuolenflüssigkeit verstehe, bedarf keiner näheren Erörterung. II. Vorläufige Orientirung. Im Folgenden sollen zunächst die thatsächlichen Beobachtungen mit- getheilt werden, um weiterhin dann vergleichende Betrachtungen und Fol- gerungen für die Stoffaufnahme zu bringen. Zur Orientirung dürfte es jedoch vortheilhaft sein, einige Bemerkungen vorauszuschicken. Es ist keineswegs immer leicht zu entscheiden, ob ein Farbstoff in die lebende Zelle eintritt. Um nämlich schädliche und tödtliche Wirkungen zu verhindern, muss die Lösung der Anilinfarben sehr gewöhnlich so verdünnt gewählt werden, dass sie in sehr dünner Schicht nicht mehr farbig erscheint und demgemäß ein Eindringen in die Zelle nicht zu erkennen ist, außer wenn eine Speicherung des Farbstoffes eintritt. Diese kommt aber nach bekannten Gesetzen nur da zu Stande, wo der in die Zelle eingedrungene Farbstoff in irgend einer Weise in Verbindung übergeführt und dadurch das^Fortschreiten der diosmolischen Bewegung in der Zelle verursacht wird. Bei solcher Abhängigkeit von den in der Zelle gebotenen Stoffen speichern keineswegs alle Pflanzen und in denselben Pflanzen nicht alle Zellen, ohne dass dieserhalb die sich nicht merklich färbenden Zellen zur Aufnahme des Farbstoffs unfähig sein müssen. Glücklicherweise speichern ziemlich viele Pflanzen in allen oder doch in gewissen Zellen Anilinfarben i). Auf diesem Wege wurde u. a. das Ein- dringen festgestellt für Methylenblau, Methylviolett, Bismarckbraun, Fuch- sin, Cyanin, Safranin, Methylgrün, Methylorange, Tropäolin 000, Rosol- säure. Dagegen war eine Aufnahme nicht nachzuweisen für Nigrosin, Anilinblau, Eosin, Phenolphtalein, Kongoroth, sowie für die als Marineblau und Methylblau im Handel vorkommenden Anilinfarben. Von den genannten Farbstoffen wurde am ausgedehntesten Methylen- blau benutzt, nächstdem Methylviolett. Mit den anderen Farbstoffen wurde eine beschränktere Zahl von Versuchen angestellt. Abgesehen von der nur ganz beiläufig untersuchten Rosolsäure wurde für alle aufnehmbaren Farbstoffe Speicherung im Zellsaft beobachtet. Auch vermögen sämmtliche den Protoplasmakörper mehr oder weniger zu tingi- ren , mit Ausnahme von Methylenblau , w elches das lebende Protoplasma durchwandert, ohne es merklich zu färben. 1) Wie es im Handel üblich, verstehe ich unter Anilinfarben nicht nur Derivate des Anilins , sondern z. B. auch des Phenols und Farbstoffe der Naphtholgruppe. Ygl. auch GiERKE, Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 1885. p. 146. über Aufnahme von Anilinfarben in lebende Zellen. Ig3 Im Zellsaft entsteht bei Speicherung entweder eine farbige Lösung oder es findet eine amorphe oder krystallinische Ausscheidung statt oder es wer- den präformirte Körper gefiirbt. Übrigens können einzelne oder alle diese Modalitäten sich in einer Zelle vereinigt finden. Zur vorlaufigen Orientirung wolle man die auf Methylenblau sich beziehenden Figuren 1 — 1 betrachten. Von präformirten Körpern werden die Gerbsäurebläschen gefärbt, welche hier zur Vakuolenflüssigkeit gestellt sein mögen (vgl. Fig. 9 u. 10 und die Erklärung dazu). Gerbsäure veranlasst überhaupt allgemein Spei- cherung, abgesehen von Rosolsäure , welche wir hier außer Acht lassen. Dabei entsteht entweder ein feinkörniger Niederschlag, wie mit Methylen- blau (vgl. die Fig. 1, 3, 4, 6), Methylviolelt, Cyanin, Bismarckbraun, oder die Ausscheidung fehlt oder ist wenigstens unvollkommen, so dass farbiger Zellsaft mit oder ohne feinkörnige Ausscheidung sich in der lebendigen Zelle ansammelt, wie z. B. bei Fuchsin, Tropäolin 000. Außer Gerbsäure gibt es aber auch noch andere , bisher noch nicht erkannte Stoffe, welche einen oder einige der genannten Farbstoffe in der Zelle zur Anhäufung bringen. So entspricht z. B. die farbige Lösung in Fig. 5, 8 und 9, sowie die krystallinische Ausscheidung in Fig. 7 und 10 einer bisher noch nicht näher erkannten Farbstoffverbindung. Bei Färbung des Plasmas wurde in der lebenden Zelle nie eine sichere Tingirung des Zellkernes oder zweifelloser Chromatophoren beobachtet. Im übrigen Protoplasmakörper tritt, so weit die Beobachtungen ein Urtheil gestatten, keine gleichmäßige Färbung ein, vielmehr häufen distinkte Par- tikel allein oder doch vorwiegend den Farbstoff in sich auf; die auf Färbung mit Methylviolett bezüglichen Figuren 11, 14, 15 mögen zur vorläufigen Orientirung dienen. Der lebendige Protoplasmakörper verhält sich also ganz anders, als das todte Protoplasma, in welchem bekanntlich der Zellkern besonders aus- gibig Farbstoffe zu speichern pflegt. Eine Färbung des Zellkerns z. B. durch Methylenblau oder Methylviolett tritt auch sogleich mit der Tödtung als ein Symptom der Schädigung des Organismus ein. Übrigens wurde durch Fortdauer der Plasmaströinungen und durch Wachsen konstatirt, dass Farb- stoffe im Zellsaft und auch im Protoplasma ohne Schädigung gespeichert werden können. III. Methodisches. Die Anilinfarben, für welche eine Aufspeicherung bekannt ist, sind sämmtlich mehr oder weniger giftig. Um eine Schädigung der Pflanzen zu vermeiden , muss deshalb die Lösung sehr verdünnt genommen oder der Aufenthalt in der Lösung beschränkt werden. Die zu wählende Konzentra- tion ist nach der Eigenschaft des Farbstoffs und der Pflanze , sowie nach dem im Versuch ins Auge gefassten Ziele zu regeln. Allgemein wird, wenn cuticularisirte und überhaupt schwieriger permeable Zellwände zu durch- j^84 W. Pfeffer. dringen sind, eine etwas höhere Konzentration zu wählen sein, als bei Zell- wänden, welche den Farbstoff" leicht bis zum Protoplasma gelangen lassen. Übrigens ist der Protoplasmakörper in spezifischer und gegenüber verschie- denen Farbstoffen in ungleicher Weise empfindlich. Bei Verwendung von Pflanzen, deren Zellwände leichteres Eindringen gestatteten, enthielt die Lösung gewöhnlich nicht mehr als 0,001 % des Farbstoffs, sehr häufig war aber die Lösung noch verdünnter und Lösungen, welche 0,0001 % Farbstoff" (also 1 Theil in 1 Million Flüssigkeit) enthielten, kamen nicht selten zur Anwendung. Das verhältnismüßig wenig giftige Methylenblau schädigt doch den Protoplasmakörper, sofern es leicht Zutritt findet, bei längerer Einwirkung schon in 0,001 % Lösung, ja tödtet z. B. Spirogyra communis in solcher Konzentration nach einigen Stunden. Unter gleichen Umständen ist aber z. B. Methylviolett in hohem Grade giftig und schädigt selbst bei einem Gehalt von 1 Theil in 1 Million Wasser die mei- sten Pflanzen nach kürzerer oder längerer Zeit. Die absolute Menge des von einer kleinen Pflanze aufgenommenen Farbstoffs ist natürlich gering und so werden bei einer Verdünnung von 1 : 100 000 bis 400 000 zumeist 50 kbcm Flüssigkeit die genügende Menge Farbstoff bieten können. Kamen Lösungen in Verwendung, welche 1 Theil Farbstoff in 1 Million Theilen Wasser enthielten, so habe ich meist Y2 Liter Flüssigkeit, bei einem Gehalt von 1 Theil in 10 Millionen Theilen Wasser ge- wöhnlich 1 Y2 — 2 Liter Flüssigkeit den Pflanzen geboten. Bei so hoher Ver- dünnung wurden die Lösungen öfters umgerührt, um zu vermeiden, dass sich als Folge der Aufnahmethätigkeit einerseits und der langsamen Diffu- sionsbewegung der Farbstoffe im Wasser andrerseits eine noch farbstoff- ärmere Wasserschicht um die Pflanze bildete. Übrigens befanden sich die Versuchsgefäße fast durchweg auf Tischen , welche von den Bewegungen im Zimmer in Mitschwingungen versetzt wurden, und so war auch schon hierdurch, sowie durch die Temperaturschwankungen für eine gewisse Mischungsthätigkeit in der Flüssigkeit gesorgt. Der leichter permeablen Zellwandungen halber wurden mit Vorliebe Algen und die submersen Wurzeln auf Wasser schwimmender Pflanzen be- nutzt, die auch den Vortheil bieten, an das Wasserleben akkommodirt zu sein. Namentlich dienten mir als Versuchsobjekte Spirogyra communis Ktz.') und Zygnema cruciatum Ag.^), sowie die kleineren Wurzeln von Trianea bogotensis Karst., Lemna minor L. und Äzolla carolinia7iaW . Von Trianea wurden öfters abgeschnitteneWurzeln, übrigens mit gleichemErfolge wie die intakte Pflanze, benutzt. Zur Beobachtung dienten namentlich die Zellen der Epidermis und der Haube , bei Trianea und Azolla auch die Wurzelhaare , während die 4) Eine dünnfadige Form. 2) Da ich Zygosporen nicht sah , niuss ich dahin gestellt lassen , ob diese Be- stimmung richtig ist. Uebrigens stimmt die Pflanze mit den Abbildungen bei Kützing überein. über Aufnahme von Anilinfarben in lebende Zeilen. 185 Binnenzellen des Wurzelkörpers , zu welchen der Farbstoff schon etwas schwieriger Zutritt findet, nicht immer in Betracht gezogen wurden. Durch cuticularisirte Haute der normal in der Luft befindlichen Or- gane dringt der Farbstoff" nur langsam ein, und um in ktirzerer Zeit eine merkliche Speicherung zu erzielen, wurden z. B. für Methylenblau häufig 0,0033 % Lösungen benutzt. Zur Beschleunigung der Aufnahme injicirte ich zuweilen solche Pflanzentheile unter der Luftpumpe zuvor mit Wasser oder brachte Schnitte aus den bezüglichen Organen in die Lösung. Im- merhin wird man mit solchen Pflanzen in Lösungen verschiedener Kon- zentration und unter verschiedenen Bedingungen operiren müssen , um sich zu überzeugen, ob ein negatives Resultat bedingt ist durch die Unfähig- keit der Zellen , den Farbstoff" zu speichern , oder durch den zu sehr ge- hemmten Zutritt des Farbstofl"s zum Protoplasmakörper. Dieserhalb und weil zudem diese Pflanzentheile durch verlängerten Aufenthalt im Wasser geschädigt werden , sind sie weniger geeignet zu den Versuchen , welche auf die Aufhellung der Bedingungen für Stoff"aufnahme abzielen. Auch bei den in Wasser lebenden Pflanzentheilen färben sich nicht selten, insbesondere in etwas konzentrirterer Lösung, die Zellwände ein- zelner oder aller Zellen. Falls eine solche farbige Umhüllung die Beurthei- lung einer Farbenspeicherung im Innern erschweren sollte , wird man gut thun, die Farbe aus der Zellwand durch Salpeterlösung zu verdrängen. Eine solche Entfärbung durch Einlegen in eine 0,3 bis \ procentige Lösung von Kalisalpeter gelingt, insbesondere bei Methylenblau, zumeist ziemlich leicht. Der Farblösung sogleich Salpeter beizumischen, wodurch die Wand- färbung gewöhnlich verhindert wird, ist nicht zu empfehlen, da, abgesehen von der möglichen Schädigung durch Salpeter, dieser Körper einen gewis- sen Einfluss auf die Speicherung des Farbstoff"s ausübt. Dagegen kann nach Einwirkung der Farbstofflösung Plasmolyse von Vortheil sein, um z. B. eine schwache Färbung des Zellsaftes durch Konzentrirung dieses deutlicher hervortreten zu machen. Im übrigen ist über die allgemeine Ausführung der Versuche wenig zu sagen , in denen es sich ja nur um Aufenthalt der Versuchspflanzen in der farbigen Lösung handelt. So weit nichts anderes bemerkt, befanden sich in meinen Versuchen die Objekte bei einer Temperatur von 15 — 21° G. in hellem diffusen Licht. Im Dunklen fielen die Resultate übereinstimmend aus, doch ist nicht ausgeschlossen, dass in konkreten Fällen die Lichtent- ziehung indirekt einen gewissen Einfluss auf die Speicherung hat. Da die im Handel vorkommenden Anilinfarben kaum ganz gleichwer- thig sind und zum Theil eine geringe Menge fremder Stoffe beigemengt ent- halten , hatte es keinen Zweck , auf die Konzentration der Lösung eine be- sondere Sorgfalt zu verwenden, um so weniger, als es in meinen Versuchen auf selbst erheblichere Differenzen des Farbstoffgehaltes einer Lösung gar nicht ankam. Ich habe deshalb direkt die lufttrockene Substanz abge- Igß W. Pfeffer. wogen und aus dieser, wo es anging, eine 0,1 procentige Lösung hergestellt, aus welcher dann durch Verdünnung die gewünschten Konzentrationen ge- wonnen wurden. Zur Verdünnung verwandte ich meist ein klares Regeu- wasser, da bekanntlich destillirtes Wasser für sich den Pflanzen schädlich werden kann. Die von mir benutzten Methylenblaupräparate verdanke ich der Badi- schen Anilin- und Sodafal)riki) , die übrigen Farbstoffe waren von Dr. SceucHHARDT iu Görlitz oder Dr. Grübler in Leipzig bezogen. Bei Nachunter- suchungen bitte ich zu bedenken , dass Difl"erenzen durch die Qualität des Farbstoffes verursacht werden können. Denn abgesehen davon , dass die Farbstoffe z. Th, veränderliche Gemische verschiedener Verbindungen sind und nicht seilen fremde Beimengungen enthalten , kann sich auch mit der Zeit die Qualität der in Handel gebrachten Waare ändern. So war früher das käufliche Fuchsin das essigsaure Salz, während man jetzt das salzsaure Salz erhält. Auch können fremde Beimengungen giftig sein oder ohne Schä- digung einen Einfluss auf die Speicherung ausüben. IV. Versuche mit Methylenblau. 1) Allgemeine Resultate. Am ausführlichsten habe ich die Aufnahme von Methylenblau unter- sucht und ich beginne deshalb mit der Zusammenfassung der mit der Han- delswaare dieses Farbstoffs^ einer Chlorzinkverbindung des salzsauren Sal- zes, erhaltenen Resultate, Diese fallen übrigens der Hauptsache nach gleich aus, wenn die freie Base oder das citronensaure Salz verwandt wird. In allen Fällen beobachtete ich keine Färbung des eigentlichen Proto- plasmaorganismus , also auch nicht des Zellkerns und der Chromatophoren (Chlorophyllkörner, Farbstoffköi'per, Leucoplaslen). Die innerhalb des Pro- toplasmas beobachtete Farbenspeicherung betraf Gerbsäurebläschen, welche indess nicht zum lebendigen Leib des Organismus zu zählen sind, wie auch nicht die zum Theil farbenspeichernden Fremdkörper, z.B. im Plasmodium der Myxomyceten. W^ie die speziellen Mittheilungen (Kap. IV, 2) zeigen, ließ dagegen die Mehrzahl der untersuchten Pflanzen eine Speicherung im Zellsaft erkennen, welche sich entweder auf alle, oder auf zahlreiche, oder auch nur auf we- nige Zellen der Pflanze erstreckte. Den früheren Bemerkungen entsprechend wird Färbung präformirter Massen, farbige Ausscheidung im Zellsaft oder farbige Lösung erreicht und zwar können diese Modalitäten separirt oder vereint in einer Zelle eintreten. (Vergl. die auf Methylenblau sich beziehen- den Fig. 1—10.) 1) Ein aus anderer Quelle stammendes Methylenblau enthielt erhebliche Mengen von Kartoffelstärke, wirkte übrigens sonst gleich. Über Aufnahme von Anilinfarben in lebende Zellen. 187 Von geformten Körpern färben sich, so weit bekannt, alle Gerbsäure- bläschen , die, \yenn sie auch dem Protoplasma eingebettet sein sollten, doch nur Vakuolen mit besondern Inhaltsstoffen entsprechen , unter denen Gerbsäure in mehr oder minder reichlichem Maße vertreten ist. Solche Färbung habe ich u. a. in Zygnema crudatum^ 3Iesocarpus, in Wurzel und Stengel von Salix, in den primären Bewegungsgelenken der Blätter von Mimosa jmclica, in den Samenlappen der Keimpflanzen von Polygonum fago- pijrum und für die Gerbsäure enthaltenden Massen in gewissen Zellen der Brulknospen von Marchantia polymorpha beobachtet. Oeltropfen, die gerb- säurefreien Oelkörper der Lebermoose, Stärkekörner, Krystalle, Krystal- loide in Pilobolus, sowie im Zellkern der Drüsenhaare von Pmguicula vul- garis blieben ungefärbt, und überhaupt ist mir Färbung gerbsäurefreier präformirter Massen nur an manchen der von Myxomijceten verschlungenen Fremdkörper aufgestoßen i), die z. B. Farbe speichern, wenn sie todte plasmatische Massen sind. Uebrigens kann eine weitere Untersuchung sehr wohl noch andere sich färbende geformte Körper in lebendigen Zellen ken- nen lernen, und z. B. für Bryum caespiticium ist es mir zweifelhaft, ob ge- wisse Farbstoff aufnehmende Bläschen Gerbstoff führen. Die Ausscheidungen, welche Methylenblau mit im Zellsaft gelösten Stoffen erzeugt, bestehen z. Th. aus kleinen Körnchen, die sich, mögen sie zahlreich oder spärlich sein, gerne zu